Gleithörnchen

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Gleithörnchen
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Kurz erklärt

Gleithörnchen werden oft auch Flughörnchen genannt. Zwischen ihren Vorder- und Hinterbeinen spannt sich eine behaarte Flughaut, mit der sie von Baum zu Baum segeln. Richtig fliegen können sie aber nicht. Es gibt mehr als 50 Arten in Asien, Nordamerika und im Nordosten Europas, fast alle sind nachts unterwegs.

Steckbrief

Wissenschaftl. NamePteromyini
Abstammung
  • Überordnung: Euarchontoglires
  • Ordnung: Nagetiere
  • Unterordnung: Hörnchenverwandte
  • Familie: Hörnchen
  • Unterfamilie: Baum- und Gleithörnchen
KörpergrößeJe nach Art wenige Zentimeter bis etwa 60 cm Kopf-Rumpf-Länge (Europäisches Gleithörnchen 14 bis 20 cm)
KörpergewichtJe nach Art etwa 25 g bis 1,5 kg (Europäisches Gleithörnchen 90 bis 170 g)
ErnährungÜberwiegend pflanzlich (Knospen, Blätter, Samen, Nüsse, Früchte), manche Arten auch Insekten und Vogeleier
LebenserwartungIn freier Natur meist 3 bis 5 Jahre, in Menschenobhut teils über 10 Jahre
SozialverhaltenMeist Einzelgänger, im Winter teilen sich manche Arten ein Nest
HerkunftAsien, Amerika
Verbreitung Wälder in Asien (vor allem Süd- und Südostasien), Nordamerika und Nordosteuropa AsienEuropaNordamerika

Gleithörnchen oder Flughörnchen?

Beide Namen meinen dieselben Tiere: die Gruppe der Gleithörnchen (wissenschaftlich Pteromyini) innerhalb der Familie der Hörnchen. "Flughörnchen" ist der ältere und im Alltag häufigere Name. Er ist allerdings irreführend, denn die Tiere schlagen nicht mit Flügeln wie Vögel oder Fledermäuse. Sie springen von einem Baum ab und segeln im Gleitflug zum nächsten. Deshalb sprechen Fachleute lieber von Gleithörnchen.

Heute kennt man mehr als 50 Arten in 17 Gattungen, und es werden immer noch neue entdeckt. Das einzige Gleithörnchen in Europa ist das Europäische oder Sibirische Gleithörnchen (Pteromys volans), das meist gemeint ist, wenn hierzulande von "dem Flughörnchen" die Rede ist.

Körperliche Merkmale

Die Arten unterscheiden sich stark in der Größe. Die Kleinstgleithörnchen aus Südostasien wiegen nur rund 25 Gramm. Die Riesengleithörnchen dagegen erreichen bis zu 60 Zentimeter Kopf-Rumpf-Länge, dazu kommt ein bis zu 65 Zentimeter langer Schwanz. Sie wiegen bis etwa eineinhalb Kilogramm und gehören damit zu den größten Hörnchen überhaupt.

Allen gemeinsam ist die Gleithaut (Patagium). Sie ist dicht behaart und reicht vom Handgelenk bis zum Fußgelenk. Ein spornartiger Fortsatz am Handgelenk spannt sie beim Gleiten zusätzlich auf. Der lange, flache oder buschige Schwanz dient in der Luft als Steuer.

Der Kopf ist rund, die Augen sind groß und dunkel, ein Hinweis auf das Leben in der Nacht. An den Vorderpfoten sitzen vier, an den Hinterpfoten fünf Zehen mit kräftigen, gebogenen Krallen, mit denen sich die Tiere sicher an der Baumrinde festhalten.

Wie weit können Gleithörnchen gleiten?

Vor dem Absprung klettern Gleithörnchen einen Baum hinauf. Dann stoßen sie sich ab, spreizen die Beine und spannen so die Gleithaut auf. Durch das Verstellen von Beinen und Schwanz können sie die Richtung ändern. Kurz vor der Landung richten sie den Körper auf, nutzen die Gleithaut wie einen Bremsschirm und landen mit allen vier Pfoten am Stamm.

Die meisten Arten legen bei einem Sprung bis zu 50 Meter zurück. Die großen Riesengleithörnchen schaffen unter günstigen Bedingungen bis zu 450 Meter. Kleine Arten wie das nordamerikanische Südliche Gleithörnchen gleiten meist nur 6 bis 9 Meter, höchstens etwa 28 Meter weit.

Verbreitung und Lebensraum

Gleithörnchen leben in Nordamerika, Europa und Asien. Die meisten Arten kommen in Süd-, Ost- und Südostasien vor. In Afrika und Südamerika gibt es keine Gleithörnchen.

Alle Arten sind Waldbewohner. Offene Landschaften meiden sie, weil sie dort keine Bäume zum Abspringen finden. Fast alle Gleithörnchen sind dämmerungs- und nachtaktiv. Den Tag verschlafen sie in einem Nest, meist in einer Baumhöhle, seltener frei im Geäst.

Das Flughörnchen in Europa

Das Europäische Gleithörnchen, im Deutschen oft einfach Flughörnchen genannt, lebt in der Taiga von Nordosteuropa über Sibirien bis nach Korea, Sachalin und Hokkaido. In der Europäischen Union kommt es fast nur noch in Finnland und Estland vor. Mehr als 90 Prozent der Tiere in der EU leben in Finnland.

Es erreicht eine Kopf-Rumpf-Länge von 14 bis 20 Zentimetern, der Schwanz misst 9 bis 14 Zentimeter. Erwachsene wiegen 90 bis 170 Gramm. Das Fell ist oben gelblich grau, unten weiß. Die Ohren sind kurz und haben keine Haarpinsel wie beim Eichhörnchen. In einer Studie in Japan waren seine Gleitflüge im Schnitt knapp 20 Meter und höchstens etwa 50 Meter lang.

Das Flughörnchen bewohnt Mischwälder mit Birken, Erlen, Espen und Nadelbäumen. Wichtig sind alte Bäume mit Höhlen, oft verlassene Spechthöhlen, zum Beispiel in Espen. Darin baut es ein kugeliges Nest aus Moos und Flechten, manchmal nutzt es auch Nistkästen oder verlassene Eichhörnchen-Kobel. Einen Winterschlaf hält es nicht. Im Winter ist es nur kürzer aktiv und frisst weniger.

Weibchen leben allein in einem Revier von durchschnittlich etwa 8 Hektar und vertreiben andere Weibchen. Die Streifgebiete der Männchen sind mit durchschnittlich etwa 60 Hektar viel größer, überlappen sich und schließen mehrere Weibchenreviere ein. Zu den Feinden gehören Baummarder, Zobel und Eulen wie der Uhu.

Weltweit gilt die Art als nicht gefährdet (IUCN 2016: LC). In der EU ist sie aber streng geschützt, weil die Bestände durch Kahlschläge und den Verlust alter Laubbäume stark zurückgegangen sind.

Ernährung

Die meisten Gleithörnchen fressen vor allem Pflanzliches: Knospen, Blätter, Blüten, Samen, Nüsse und Früchte. Das Europäische Gleithörnchen frisst im Sommer Blätter, Knospen und Beeren und im Winter vor allem Kätzchen von Birken und Erlen, Zapfen und Nadeln. Einige Arten, zum Beispiel die nordamerikanischen Gleithörnchen, fressen zusätzlich Insekten, Pilze und gelegentlich Vogeleier oder Nestlinge.

Fortpflanzung

Die Paarungszeit beginnt im Frühjahr, beim Europäischen Gleithörnchen zwischen März und Mai. Nach einer Tragzeit von etwa vier Wochen bringt das Weibchen zwei bis vier Junge zur Welt, manchmal folgt im Frühsommer ein zweiter Wurf. Bei den nordamerikanischen Gleithörnchen dauert die Tragzeit etwa 40 Tage.

Die Jungen kommen nackt und blind im Nest zur Welt. Beim Europäischen Gleithörnchen öffnen sie nach etwa vier Wochen die Augen und verlassen etwa zwei Wochen später zum ersten Mal das Nest. Sie bleiben danach oft noch Monate in der Nähe der Mutter. Nach der Paarung kümmert sich allein das Weibchen um den Nachwuchs.

Häufige Fragen zum Gleithörnchen

Was ist der Unterschied zwischen Flughörnchen und Gleithörnchen?

Es gibt keinen. Beide Wörter bezeichnen dieselbe Tiergruppe. "Gleithörnchen" beschreibt besser, was die Tiere tun: Sie gleiten mit einer Flughaut durch die Luft, können aber nicht aktiv fliegen.

Gibt es Flughörnchen in Deutschland?

Nein. In Deutschland leben keine wilden Gleithörnchen. Das nächste Vorkommen des Europäischen Gleithörnchens liegt in Finnland und im Baltikum.

Wie weit kann ein Flughörnchen fliegen?

Die meisten Gleithörnchen gleiten bis zu 50 Meter weit, das Europäische Gleithörnchen ebenfalls. Die großen Riesengleithörnchen Asiens unter günstigen Bedingungen bis zu 450 Meter.

Halten Flughörnchen Winterschlaf?

Das Europäische Gleithörnchen hält keinen Winterschlaf. Es bleibt bei Kälte aber länger im Nest. Auch nordamerikanische Gleithörnchen halten keinen echten Winterschlaf: Bei großer Kälte bleiben sie einige Tage im Nest und senken dabei ihre Körpertemperatur (Torpor).

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Quellen