Glühwürmchen

Zuletzt aktualisiert:

Zeichnung von Männchen und Weibchen des Kleinen Leuchtkäfers sowie eines Kurzflügel-Leuchtkäfers mit Größenangaben in Millimetern
Edmund Reitter († 15. März 1920) / Wikimedia Commons / Public domain

Kurz erklärt

Glühwürmchen sind keine Würmer, sondern Käfer aus der Familie der Leuchtkäfer. Sie erzeugen in ihrem Hinterleib ein kaltes, grünliches Licht, mit dem sie in Sommernächten Partner anlocken. Ihre Larven fressen Schnecken. Weltweit gibt es rund 2.000 Arten, in Mitteleuropa sind drei davon heimisch.

Steckbrief

Wissenschaftl. NameLampyridae
Abstammung
  • Klasse: Insekten
  • Ordnung: Käfer
  • Unterordnung: Polyphaga
  • Überfamilie: Elateroidea
  • Familie: Leuchtkäfer (Lampyridae)
KörpergrößeGroßer Leuchtkäfer: Männchen 10 bis 12 mm, Weibchen 15 bis 20 mm
KörpergewichtKeine verlässlichen Angaben
ErnährungLarven: vor allem Nackt- und Gehäuseschnecken. Erwachsene Käfer der heimischen Arten fressen nichts mehr
LebenserwartungGroßer Leuchtkäfer: etwa 3 Jahre als Larve, als erwachsener Käfer nur kurze Zeit
SozialverhaltenPartnersuche mit Lichtsignalen; einige Arten blinken zu vielen im Gleichtakt
HerkunftUnbekannt
Verbreitung Weltweit in gemäßigten und tropischen Gebieten; in Mitteleuropa drei heimische Arten
EntdeckungGroßer Leuchtkäfer: Erstbeschreibung 1758 durch Carl von Linné
SonstigesDie Familie umfasst rund 2.000 Arten. Die Größenangabe gilt für den Großen Leuchtkäfer.

Was ist ein Glühwürmchen?

Glühwürmchen sind Käfer, keine Würmer. Fachleute nennen sie Leuchtkäfer (Lampyridae). Weltweit gibt es rund 2.000 Arten. Viele, aber nicht alle davon können leuchten.

Den Namen „Glühwürmchen“ verdanken die Tiere ihren Weibchen: Bei den heimischen Arten haben die Weibchen keine oder nur winzige Flügel und sehen eher aus wie eine Larve oder ein kleiner Wurm. Weil die Käfer um den Johannistag am 24. Juni besonders häufig zu sehen sind, heißen sie auch Johanniswürmchen.

In Mitteleuropa sind drei Arten heimisch:

  • Großer Leuchtkäfer (Lampyris noctiluca): Die Weibchen leuchten hell, die Männchen fliegen, leuchten aber nicht oder nur sehr schwach.
  • Kleiner Leuchtkäfer (Lamprohiza splendidula): Hier leuchten beide Geschlechter. Die Männchen sind die Glühwürmchen, die man durch die Luft schweben sieht.
  • Kurzflügel-Leuchtkäfer (Phosphaenus hemipterus): Die Weibchen leuchten nur schwach.

Aussehen und Körperbau

Die Größe hängt stark von der Art ab. Beim Großen Leuchtkäfer werden die Männchen 10 bis 12 mm lang, die Weibchen 15 bis 20 mm.

Männchen: Das Männchen des Großen Leuchtkäfers sieht aus wie ein typischer Käfer. Sein Körper ist bräunlich. Der Kopf verschwindet fast vollständig unter einem großen, vorn abgerundeten Halsschild mit gelblichen Rändern. Beim Kleinen Leuchtkäfer hat dieses Halsschild in der Mitte eine Art durchsichtiges Fenster, durch das man den Kopf sieht.

Weibchen: Die Weibchen des Großen Leuchtkäfers haben überhaupt keine Flügel und können nicht fliegen. Sie ähneln ihren Larven. Die Weibchen des Kleinen Leuchtkäfers sind eher weißlich und haben winzige Flügelstummel.

Leuchtorgan: Die Weibchen des Großen Leuchtkäfers tragen an der Unterseite der Hinterleibsspitze einen auffälligen weißlichen Fleck. Das ist ihr Leuchtorgan.

Larve: Die Larve des Großen Leuchtkäfers ist lang gestreckt, flach und wird 2 bis 3 cm lang. An den Körperseiten hat sie gelbliche Flecken.

Wie leuchten Glühwürmchen?

Das Leuchten nennt man Biolumineszenz. In ihrem Leuchtorgan mischen Glühwürmchen einen Leuchtstoff namens Luciferin mit Sauerstoff und dem Enzym Luciferase. Bei dieser chemischen Reaktion entsteht Licht.

Das Besondere: Dabei wird kaum Wärme frei. Man spricht deshalb von kaltem Licht. Eine alte Glühbirne dagegen verwandelt nur etwa 10 Prozent ihrer Energie in Licht, der Rest wird zu Wärme.

Die meisten Arten leuchten grünlich-gelb, manche eher bläulich oder weiß. Beim Großen Leuchtkäfer ist es ein neongrünes Dauerlicht. Viele Arten in Amerika und Asien blinken dagegen in einem bestimmten Rhythmus.

Wozu das Licht? Fachleute vermuten, dass das Leuchten zuerst bei den Larven entstand, und zwar als Warnsignal. Viele Leuchtkäfer schmecken Fressfeinden nämlich schlecht, weil sie besondere Abwehrstoffe enthalten. Erst später nutzten auch die erwachsenen Käfer das Licht, und zwar für die Partnersuche. Beim Großen Leuchtkäfer glimmen sogar schon die Eier ganz schwach.

Verbreitung und Lebensraum

Leuchtkäfer leben weltweit in gemäßigten und tropischen Gebieten. Allein im Great-Smoky-Mountains-Nationalpark in den USA wurden 19 Arten gezählt.

In Mitteleuropa findet man Glühwürmchen:

  • auf Wiesen und an Waldrändern
  • in naturnahen Gärten und Parks
  • an Gehölzrändern mit Laubbäumen, Gräsern und lockerem Humus
  • gern in der Nähe von Wasser oder an feuchten Stellen

Die Larven bevorzugen naturnahe Lebensräume wie Flussauen und feuchte Bachtäler. Direktes Sonnenlicht meiden Glühwürmchen.

Wann kann man Glühwürmchen sehen? In Mitteleuropa leuchten die Käfer etwa von Juni bis August, besonders in warmen Nächten. Zu sehen sind sie erst nach Einbruch der Dunkelheit.

Ernährung

Larven sind kleine Schneckenjäger. Die Larven der heimischen Leuchtkäfer fressen fast nur Schnecken, sowohl Nacktschnecken als auch Schnecken mit Gehäuse. Die Larve beißt die Schnecke in den Vorderkörper und spritzt dabei ein Gift ein, das die Schnecke lähmt. Danach kriecht sie ins Schneckenhaus und frisst den weichen Körper. Die Larven mancher anderer Arten fressen auch Würmer und kleine Insekten.

Erwachsene Käfer der heimischen Arten fressen gar nichts mehr. Ihre Mundwerkzeuge sind zurückgebildet. Sie leben nur noch, um einen Partner zu finden und Eier zu legen. Auch bei vielen anderen Arten fressen die Käfer nichts mehr. Es gibt aber Ausnahmen: Die Weibchen der amerikanischen Gattung Photuris fressen sogar andere Leuchtkäfer.

Entwicklung und Partnersuche

Glühwürmchen machen eine vollständige Verwandlung durch: Ei, Larve, Puppe und Käfer.

  1. Ei: Nach der Paarung legt das Weibchen Eier.
  2. Larve: Beim Großen Leuchtkäfer lebt die Larve etwa drei Jahre lang. In dieser Zeit frisst sie viele Schnecken und häutet sich mehrmals.
  3. Puppe: Ist die Larve groß genug, verpuppt sie sich. Die Puppe kann sich nicht fortbewegen.
  4. Käfer: Der fertige Käfer lebt nur noch kurze Zeit, bei vielen Arten nur drei bis vier Wochen.

Partnersuche mit Licht: Das flugunfähige Weibchen des Großen Leuchtkäfers sitzt nachts in der niedrigen Vegetation. Dort dreht es seinen Hinterleib so, dass die leuchtende Unterseite weithin sichtbar ist. Manchmal schwenkt es ihn zusätzlich hin und her. Die Männchen fliegen herum und suchen nach diesem Licht. Die Weibchen des Kurzflügel-Leuchtkäfers leuchten nur schwach und locken die Männchen vermutlich zusätzlich mit Duftstoffen an.

Jede Leuchtkäferart hat ihr eigenes Lichtsignal. So erkennen sich Männchen und Weibchen derselben Art. Bei vielen Arten in Amerika blinken die Männchen im Flug, und die Weibchen antworten vom Boden aus.

Besonderheiten

  • Blinken im Gleichtakt: Bei manchen Arten blinken viele Käfer zur gleichen Zeit. Berühmt ist Photinus carolinus aus dem Great-Smoky-Mountains-Nationalpark in den USA. In Thailand blinken Männchen der Gattung Pteroptyx, die sich in Bäumen versammeln, ebenfalls im selben Takt. Warum sie das tun, ist noch nicht vollständig geklärt.
  • Die falsche Partnerin: In Amerika ahmen Weibchen der Gattung Photuris das Lichtsignal von Weibchen der Gattung Photinus nach. Kommt ein Photinus-Männchen angeflogen, wird es gefressen. Dabei nehmen die Photuris-Weibchen sogar die Abwehrstoffe ihrer Beute auf und schützen sich so selbst vor Spinnen. Fachleute nennen sie deshalb „Femmes fatales“.
  • Gärtners Freund: Weil ihre Larven Schnecken fressen, sind Glühwürmchen im Garten willkommene Helfer.

Gefährdung und Schutz

Fachleute beobachten, dass Leuchtkäfer in vielen Gegenden seltener werden. In einer weltweiten Befragung nannten Expertinnen und Experten drei Hauptgefahren:

  • Verlust von Lebensräumen, zum Beispiel wenn feuchte, naturnahe Flächen verschwinden
  • Lichtverschmutzung: Straßenlaternen und helle Gärten stören die Lichtsignale, sodass Männchen die Weibchen schlechter finden
  • Pestizide, die Käfer, Larven und ihre Beute schädigen

In den USA und Kanada gelten nach ersten Bewertungen mindestens 18 von 132 untersuchten Arten als gefährdet. Die IUCN hat 2024 den Großen Leuchtkäfer weltweit auf die Vorwarnliste (Near Threatened) gesetzt. Der Kleine Leuchtkäfer und der Kurzflügel-Leuchtkäfer gelten als nicht gefährdet (Least Concern, ebenfalls 2024).

So kannst du helfen:

  • Im Garten wilde Ecken stehen lassen und von Mai bis August möglichst nur die Wege mähen
  • Steinhaufen, Trockenmauern und aufgeschichtete Äste als Verstecke anbieten
  • Nachts auf Gartenbeleuchtung verzichten
  • Keine Pestizide verwenden
  • Beim Beobachten keine Taschenlampe auf die Tiere richten

Häufige Fragen zum Glühwürmchen

Ist ein Glühwürmchen ein Wurm?

Nein, Glühwürmchen sind Käfer. Den Namen haben sie von den Weibchen der heimischen Arten, die keine oder kaum Flügel haben und deshalb ein wenig wie ein Wurm aussehen. Die Männchen sehen aus wie normale Käfer.

Warum leuchten Glühwürmchen?

Mit ihrem Licht finden Männchen und Weibchen zueinander. Jede Art hat ihr eigenes Leuchtsignal. Bei den Larven dient das Licht vermutlich als Warnung an Fressfeinde, dass sie schlecht schmecken.

Wann sieht man Glühwürmchen?

In Mitteleuropa vor allem in warmen Nächten von Juni bis August. Um den Johannistag am 24. Juni sind oft besonders viele unterwegs. Am besten beobachtet man sie nach Einbruch der Dunkelheit an Waldrändern und feuchten Wiesen.

Wo leben Glühwürmchen?

Leuchtkäfer gibt es weltweit in gemäßigten und tropischen Gebieten. Bei uns leben sie auf Wiesen, an Waldrändern, in naturnahen Gärten und Parks, gern in der Nähe von Wasser. Die Larven brauchen feuchte Stellen, an denen es viele Schnecken gibt.

Wie groß ist ein Glühwürmchen?

Beim Großen Leuchtkäfer werden die Männchen 10 bis 12 mm und die Weibchen 15 bis 20 mm lang. Die Larve erreicht 2 bis 3 cm.

Was fressen Glühwürmchen?

Die Larven fressen vor allem Schnecken, die sie mit einem Gift lähmen. Die erwachsenen Käfer der heimischen Arten fressen gar nichts mehr und leben deshalb nur noch kurz.

Ähnliche Tiere

  • Käfer - Überblick über die artenreichste Insektenordnung
  • Marienkäfer - ein weiterer bekannter heimischer Käfer
  • Schnecke - die wichtigste Beute der Larven
  • Nachtfalter - ebenfalls nachts unterwegs und von Lichtverschmutzung bedroht
  • Leuchtqualle - ein Meerestier, das ebenfalls selbst leuchten kann

Quellen