Goldammer
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Kurz erklärt
Die Goldammer ist ein kleiner Singvogel, etwa so groß wie ein Spatz. Das Männchen hat einen leuchtend gelben Kopf und singt ein Lied, das man sich mit dem Merkspruch „Wie, wie, wie hab ich dich lieb“ einprägen kann. Goldammern leben in Feldern und Wiesen mit Hecken und Büschen und fressen vor allem Samen. In der intensiv genutzten Agrarlandschaft fehlen ihr aber oft Brutplätze und Nahrung, deshalb sind die Bestände vielerorts zurückgegangen.
Steckbrief
| Wissenschaftl. Name | Emberiza citrinella |
|---|---|
| Abstammung |
|
| Körpergröße | Körperlänge etwa 15,5 bis 17 cm |
| Körpergewicht | Meist 23 bis 29 g, im Mittel etwa 26 g (Messdaten aus Großbritannien) |
| Ernährung | Vor allem Samen, besonders von Gräsern; in der Brutzeit auch Insekten und Spinnen, Nestlinge bekommen vor allem Insekten und andere Wirbellose |
| Lebenserwartung | Im Schnitt etwa 3 Jahre; der älteste beringte Vogel in Großbritannien wurde fast 12 Jahre alt |
| Sozialverhalten | In der Brutzeit Paare mit eigenem Revier; im Winter gesellig in Trupps, oft gemeinsam mit Finken und Sperlingen |
| Verbreitung | Europa und Asien vom Mittelmeer bis zum Nordkap und von Westeuropa bis Sibirien; im 19. Jahrhundert in Neuseeland eingebürgert AfrikaAsienEuropaAustralien |
| Entdeckung | Erstbeschreibung 1758 durch Carl von Linné |
| Gefährdung | LC Nicht gefährdet (Rote Liste der IUCN, 2024) |
| Sonstiges | Vogel des Jahres 1999 in Deutschland. Auf der deutschen Roten Liste der Brutvögel von 2020 nicht gefährdet, in der Agrarlandschaft aber mit deutlichen Bestandsabnahmen. |
Der gelbe Sänger der Feldränder
Die Goldammer (Emberiza citrinella) ist ein Singvogel aus der Familie der Ammern. Mit etwa 15,5 bis 17 Zentimetern ist sie gut so groß wie ein Haussperling, hat aber einen etwas längeren Schwanz. Der zweite Teil ihres wissenschaftlichen Namens, citrinella, bedeutet „zitronengelb“. Das passt, denn die Männchen leuchten im Frühling knallgelb.
Am bekanntesten ist die Goldammer für ihr Lied, das man von Hecken, Büschen und Leitungsdrähten aus hört. Der Volksmund übersetzt es mit dem Merkspruch „Wie, wie, wie hab ich dich lieb“. 1999 wählte der NABU die Goldammer zum Vogel des Jahres, um auf die Lage der Vögel in der Agrarlandschaft aufmerksam zu machen.
Aussehen und Körperbau
Männchen: Im Prachtkleid zur Brutzeit hat das Männchen einen leuchtend gelben Kopf und eine gelbe Unterseite. Der Rücken ist braun mit dunklen Streifen. Außerhalb der Brutzeit ist die Farbe blasser, dann ähneln die Männchen den Weibchen.
Weibchen und Jungvögel: Sie sind unauffälliger gefärbt. Ihr Gefieder ist bräunlich mit etwas Gelb, mehr Grau- und Grüntönen und kräftigeren Streifen.
Erkennungszeichen: Alle Goldammern, egal ob Männchen, Weibchen oder Jungvogel, haben einen rotbraunen Bürzel. So nennt man den hinteren Rücken oberhalb des Schwanzes. Daran kann man sie sicher von ähnlichen Ammern unterscheiden. Im Flug fallen außerdem die weißen äußeren Schwanzfedern auf.
Größe und Gewicht: Goldammern werden etwa 15,5 bis 17 Zentimeter lang. Sie wiegen meist 23 bis 29 Gramm, im Mittel etwa 26 Gramm. Das ergaben Messungen an über 9.000 erwachsenen Vögeln in Großbritannien.
Verbreitung und Lebensraum
Verbreitung: Die Goldammer lebt in Europa und Asien. Ihr Gebiet reicht vom nördlichen Mittelmeerraum bis zum Nordkap und von Westeuropa bis nach Sibirien. Im 19. Jahrhundert wurden Goldammern aus Großbritannien nach Neuseeland gebracht: Sogenannte Akklimatisierungsgesellschaften setzten sie dort zwischen 1865 und 1879 aus. Heute sind sie in weiten Teilen Neuseelands häufig.
Lebensraum: Ursprünglich lebte die Goldammer in Waldsteppen und ähnlichen halboffenen Landschaften. Mit der Landwirtschaft folgte sie dem Menschen nach Mitteleuropa. Heute besiedelt sie offene und halboffene Landschaften mit Hecken und Sträuchern: Feldränder, Heiden, Waldränder und Lichtungen, Obstwiesen, Weinberge, Dämme und Böschungen. Wichtig sind ihr Ränder und Säume, also die Übergänge zwischen Feld, Wiese und Gehölz.
Standvogel oder Zugvogel? Ein Großteil der Goldammern aus Deutschland bleibt auch im Winter hier. Einige fliegen kurze Strecken nach Süden, dafür kommen Vögel aus Nord- und Osteuropa zu uns. Viele Goldammern aus den nördlichen Teilen des Verbreitungsgebiets überwintern in Nordafrika, im Nahen Osten und in Südasien.
Ernährung
Samen: Erwachsene Goldammern fressen vor allem Samen, besonders von Gräsern. Sie suchen ihr Futter am Boden, auf Äckern, Stoppelfeldern und Wiesen.
Insekten in der Brutzeit: Im Frühling und Sommer fressen sie auch Insekten und Spinnen. Die Jungen im Nest werden vor allem mit Wirbellosen gefüttert. Dazu gehören zum Beispiel Heuschrecken, Raupen, Käfer und Spinnen.
Im Winter: In der kalten Jahreszeit ziehen Goldammern in Trupps umher und suchen auf Feldern nach Samen. Manchmal kommen sie auch an Futterhäuser in Gärten und picken dort die heruntergefallenen Körner vom Boden auf.
Verhalten und Gesang
Der Gesang: Das Lied ist eine schnelle Folge kurzer, hoher Töne, die mit einem längeren, oft zweisilbigen Ton endet. Der NABU schreibt es als „si-si-si-si-si-si zii-düüh“. Daraus wurde der Merkspruch „Wie, wie, wie hab ich dich lieb“. Im Englischen hört man darin etwas weniger Gefühlvolles: „a little bit of bread and no cheese“, also „ein bisschen Brot und kein Käse“.
Singwarte: Das Männchen singt von einer erhöhten Stelle aus, einer Singwarte. Das kann ein Baum, ein hoher Strauch oder ein Draht sein. Im Jahreslauf ist ihr Lied länger zu hören als das der meisten anderen Singvögel.
Rufe: Außer dem Gesang hat die Goldammer verschiedene Rufe, zum Beispiel ein scharfes „zick“ oder ein „zürr“, wenn sie auffliegt.
Gesellig im Winter: Außerhalb der Brutzeit leben Goldammern in Schwärmen. Diese können aus wenigen bis zu mehr als tausend Vögeln bestehen, oft gemeinsam mit Buchfinken, Grünfinken, Stieglitzen und Haussperlingen. Schon Ende Februar lösen sich die ersten Männchen aus den Trupps, besetzen ein Revier und beginnen zu singen.
Fortpflanzung und Nachwuchs
Balz: Mit seinem gelben Gefieder und seinem Gesang wirbt das Männchen um ein Weibchen. Manchmal schenkt es dem Weibchen sogar Grashalme. Goldammern brüten meist schon im ersten Lebensjahr.
Nest: Das Männchen zeigt dem Weibchen mögliche Neststandorte, das Weibchen sucht einen davon aus. Es baut das einfache Nest allein aus trockenen Grashalmen und Blättern. Das Nest liegt gut versteckt am Boden oder niedrig in Büschen.
Eier: Gemessen an ihrem frühen Gesang brüten Goldammern spät. Die ersten Eier legen sie nicht vor Anfang April, oft erst im Mai. Ein Gelege hat meist drei bis vier Eier, selten bis zu sechs. Nur das Weibchen brütet, nach 12 bis 14 Tagen schlüpfen die Jungen.
Junge: Die Küken sind Nesthocker. Beide Eltern füttern sie, vor allem mit Insekten. Nach etwa zwei Wochen verlassen die Jungen das Nest. Danach werden sie noch einige Zeit von den Eltern versorgt. Viele Paare brüten zweimal im Jahr, manche sogar dreimal.
Gefahren für die Brut: Wie bei anderen Vögeln, die am Boden brüten, gehen viele Eier und Jungvögel verloren. Ursachen sind vor allem das Bearbeiten der Felder, Spritzmittel, schlechtes Wetter und Fressfeinde.
Alter: Eine Goldammer, die das Brutalter erreicht, lebt im Schnitt etwa drei Jahre. Der älteste beringte Vogel in Großbritannien wurde fast zwölf Jahre alt.
Gefährdung und Bestand
Weltweit: Auf der Roten Liste der IUCN gilt die Goldammer als nicht gefährdet (Least Concern, IUCN 2024). Sie hat ein riesiges Verbreitungsgebiet.
Rückgang in Deutschland: Nach dem Vogelschutzbericht, den Deutschland 2019 an die EU geschickt hat, zeigen auch früher weit verbreitete und häufige Arten der Agrarlandschaft deutliche Bestandsabnahmen. Als Beispiele nennt der Bericht Feldlerche, Goldammer, Rebhuhn und Star. Als Gründe werden die Art der Bewirtschaftung, der Verlust von Grünland und von besonders naturreichen Agrarflächen sowie der zunehmende Anbau von Energiepflanzen genannt.
Rote Liste: Der NABU gibt den Bestand in Deutschland mit 1,05 bis 1,6 Millionen Brutpaaren an. Auf der Roten Liste von 2016 stand die Goldammer auf der Vorwarnliste. In der Roten Liste der Brutvögel von 2020 gilt sie als nicht gefährdet, der NABU spricht von einer Erholung der Bestände. Die Goldammer ist also weiterhin ein häufiger Brutvogel, auch wenn der Vogelschutzbericht von 2019 für sie deutliche Abnahmen in der Agrarlandschaft zeigt.
In Europa: Auch in anderen Ländern geht es der Goldammer schlechter als früher. In Großbritannien nahm der Brutbestand von 1967 bis 2024 um 68 Prozent ab. Laut BTO begann der Rückgang dort Mitte der 1980er-Jahre, vermutlich vor allem, weil im Winter auf den Feldern weniger Samen zu finden sind.
Was der Goldammer hilft: In vielfältigen Landschaften mit Hecken, Feldgehölzen und Säumen konnte die Goldammer ihre Bestände halten, an manchen Orten wurden sie durch neue Hecken sogar größer. Im Garten helfen samenreiche Stauden und heimische Sträucher.
Häufige Fragen zur Goldammer
Wie klingt der Gesang der Goldammer?
Die Goldammer singt eine schnelle Reihe kurzer, hoher Töne mit einem langen Ton am Schluss. Als Merkspruch dient „Wie, wie, wie hab ich dich lieb“. Die Männchen beginnen schon Ende Februar zu singen, und ihr Lied ist länger im Jahr zu hören als das der meisten anderen Singvögel.
Wie groß ist eine Goldammer?
Eine Goldammer ist etwa 15,5 bis 17 Zentimeter lang und damit etwa so groß wie ein Spatz. Sie wiegt meist zwischen 23 und 29 Gramm.
Was frisst eine Goldammer?
Vor allem Samen von Gräsern und anderen Pflanzen, die sie am Boden sucht. In der Brutzeit frisst sie auch Insekten und Spinnen, ihre Jungen füttert sie überwiegend mit Insekten.
Wo baut die Goldammer ihr Nest?
Das Weibchen baut ein Nest aus trockenen Grashalmen und Blättern. Es liegt gut versteckt am Boden oder niedrig in Büschen.
Woran erkennt man das Goldammer-Weibchen?
Weibchen sind bräunlicher und stärker gestreift als die leuchtend gelben Männchen und haben nur wenig Gelb an Kopf und Unterseite. Sicheres Kennzeichen beider Geschlechter ist der rotbraune Bürzel über dem Schwanz.
Ist die Goldammer gefährdet?
Weltweit nicht: Die IUCN stuft sie als nicht gefährdet ein (2024). In Deutschland gilt sie laut Roter Liste von 2020 als nicht gefährdet. Der Vogelschutzbericht von 2019 nennt sie aber als Beispiel für deutliche Bestandsabnahmen in der Agrarlandschaft.
Ähnliche Tiere
- Spatz - etwa gleich groß und im Winter oft im selben Trupp unterwegs
- Buchfink - ein häufiger Körnerfresser, der im Winter mit Goldammern Schwärme bildet
- Stieglitz - ein bunter Samenfresser, der im Winter ebenfalls in gemischten Trupps mit Goldammern vorkommt
- Lerche - die Feldlerche war Vogel des Jahres 1998, ein Jahr vor der Goldammer, und ist ebenfalls ein Vogel der Agrarlandschaft
- Dompfaff - ein weiterer heimischer Singvogel mit kräftigem Körnerfresser-Schnabel
Quellen
- BirdLife International (2024): Emberiza citrinella. The IUCN Red List of Threatened Species
- Goldammer - Vogelporträt des NABU
- Die Goldammer - ein typischer Vogel der Kulturlandschaft (Vogel des Jahres 1999) - NABU
- Annex A des Berichts nach Art. 12 der Vogelschutzrichtlinie in Deutschland (2019) - Bundesamt für Naturschutz (PDF)
- Yellowhammer - BirdFacts des British Trust for Ornithology (BTO)
- Angus, D. J. (2013, aktualisiert 2022): Yellowhammer. New Zealand Birds Online
Größenvergleich
Wie groß ist die Goldammer wirklich? Mit 15,5 bis 17 cm überragt sie eine 1-Euro-Münze (2,3 cm) deutlich, kommt aber noch nicht an einen Fußball (22 cm) heran. Anschaulich gesprochen: Man müsste etwa 7 1-Euro-Münzen übereinander stapeln, um so groß wie eine Goldammer zu werden. Selbst eine Biene (1,5 cm) wirkt daneben noch winzig.
Gewichtsvergleich
Was wiegt die Goldammer? Mit 23 bis 29 g ist sie deutlich schwerer als eine 1-Euro-Münze (7,5 g), aber eine Tafel Schokolade (100 g) toppt das noch locker. Eine Tafel Schokolade wiegt nämlich rund 4-mal so viel.