Grasfrosch
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Kurz erklärt
Der Grasfrosch ist ein brauner Frosch, der in ganz Deutschland vorkommt und fast jedes Gewässer zum Laichen nutzt. Oft wandert er schon im Februar zum Teich, wenn dort noch Eis liegt. Jedes Weibchen legt einen großen Laichballen mit bis zu 4.500 Eiern. Obwohl er noch häufig ist, sind seine Bestände in den letzten 130 Jahren stark geschrumpft.
Steckbrief
| Wissenschaftl. Name | Rana temporaria |
|---|---|
| Abstammung |
|
| Körpergröße | Kopf-Rumpf-Länge: Männchen meist 6,5 bis 8,5 cm, Weibchen 7 bis 9 cm; höchstens etwa 10 cm |
| Körpergewicht | Kleinste geschlechtsreife Tiere knapp 20 g, die größten knapp über 100 g |
| Ernährung | Fleischfresser: Insekten, Spinnentiere, Asseln, Tausendfüßer, Schnecken und Würmer; Kaulquappen fressen Algen, Pflanzenreste und kleine Wassertiere |
| Lebenserwartung | Im Durchschnitt kaum mehr als 7 bis 8 Jahre; einzelne Tiere werden im Freiland weit über 10 Jahre alt |
| Sozialverhalten | Lebt außerhalb der Laichzeit versteckt und ist vor allem nachtaktiv; zur Laichzeit Ansammlungen von bis zu mehreren hundert, manchmal tausend Tieren |
| Herkunft | Europa und Westasien |
| Verbreitung | Von Nordspanien, Norditalien und dem südlichen Balkan über Mitteleuropa und die Britischen Inseln bis Nordskandinavien und Russland, östlich des Urals bis ins Westsibirische Tiefland und nach Nordkasachstan; fehlt im Mittelmeerraum; in ganz Deutschland verbreitet AsienEuropa |
| Entdeckung | Erstbeschreibung 1758 durch Carl von Linné |
| Gefährdung | LC Nicht gefährdet (Rote Liste der IUCN, 2022) |
| Sonstiges | Lurch des Jahres 2018. Rote Liste Deutschland (2020): Vorwarnliste. In Deutschland besonders geschützt, außerdem in Anhang V der FFH-Richtlinie der EU aufgeführt. |
Was ist ein Grasfrosch?
Der Grasfrosch (Rana temporaria) ist ein Froschlurch aus der Familie der Echten Frösche. Er gehört zu den Braunfröschen. In Mitteleuropa gibt es drei Braunfrösche, die sich recht ähnlich sehen: den Grasfrosch, den Moorfrosch und den Springfrosch. Der Grasfrosch ist der größte und kräftigste von ihnen.
Der Grasfrosch zählt zu den häufigsten Amphibien Mitteleuropas. In Deutschland ist er fast überall zu finden. Nur die Erdkröte wurde zwischen 2000 und 2018 in noch mehr Gebieten Deutschlands nachgewiesen. Die Deutsche Gesellschaft für Herpetologie und Terrarienkunde (DGHT) wählte den Grasfrosch zum Lurch des Jahres 2018.
Aussehen und Körperbau
Größe: Die Kopf-Rumpf-Länge, also die Länge von der Schnauze bis zum Hinterende ohne Beine, beträgt bei Männchen meist 6,5 bis 8,5 cm und bei Weibchen 7 bis 9 cm. Die größten Tiere erreichen etwa 10 cm.
Gewicht: Die kleinsten erwachsenen Grasfrösche wiegen knapp 20 g, die größten knapp über 100 g.
Farbe: Keine andere Amphibienart Europas ist so unterschiedlich gefärbt wie der Grasfrosch. Die Oberseite kann braun, gelbbraun, rötlich, grau, olivfarben, dunkelbraun oder fast schwarz sein. Manche Tiere sind kräftig gefleckt oder marmoriert, andere fast einfarbig. Echtes Grün kommt beim Grasfrosch aber nicht vor. Weibchen haben oft einen rötlichen Farbton.
Typische Merkmale:
- ein dunkler Fleck hinter dem Auge, der sogenannte Schläfenfleck
- dunkle Querbänder auf den Hinterbeinen
- eine stumpfe, kurze Schnauze, die im Profil einen deutlichen Knick hat
- zwei auffällige Drüsenleisten, die parallel über den Rücken laufen
- goldgelbe Augen mit runder bis querovaler Pupille
- ein großes Trommelfell, das nur wenig kleiner ist als das Auge
- eher kurze Hinterbeine
- ein gelblich weißer bis rötlicher Bauch, an Kehle und Brust mit grauen bis rostbraunen Flecken
Haut: Die Haut des Grasfroschs ist glatt.
Männchen und Weibchen: Männchen erkennt man an ihrer weißen bis leicht bläulich schimmernden Kehle. Äußere Schallblasen besitzt der Grasfrosch nicht.
Grasfrosch, Moorfrosch oder Springfrosch?
Die drei Braunfrösche sind nicht leicht zu unterscheiden, weil auch ihre Farbe stark schwankt. Auf die Farbe allein sollte man sich deshalb nicht verlassen. Diese Merkmale helfen:
| Merkmal | Grasfrosch | Moorfrosch | Springfrosch |
|---|---|---|---|
| Größe (Kopf-Rumpf) | 6,5 bis 9 cm, der größte | 4 bis 6 cm, selten bis 8,2 cm, der kleinste | dazwischen |
| Schnauze | stumpf, im Profil mit Knick | spitz, von oben und von der Seite | - |
| Hinterbeine | kurz | länger als beim Grasfrosch | am längsten |
| Trommelfell | groß, recht weit vom Auge entfernt | klein, etwa zwei Drittel des Augendurchmessers, noch weiter vom Auge entfernt | näher am Auge als beim Grasfrosch |
| Besonderheit | Schläfenfleck, oft stark gefleckt | Männchen zur Laichzeit oft leuchtend blau, häufig heller Rückenstreifen | - |
Beim Moorfrosch fällt außerdem ein großer, harter Höcker an der Ferse auf. Die Männchen rufen mit einem blubbernden Laut. Der Moorfrosch kommt später zum Laichen als der Grasfrosch, meist ab Ende März oder Anfang April.
Verbreitung und Lebensraum
Verbreitung: Der Grasfrosch hat ein riesiges Verbreitungsgebiet. Es reicht von Nordspanien, Norditalien und Teilen des südlichen Balkans über Frankreich und ganz Mitteleuropa bis nach Nordskandinavien und Russland. Auch die Britischen Inseln sind fast vollständig besiedelt. Im Osten lebt er über den Ural hinaus bis ins Westsibirische Tiefland und nach Nordkasachstan. Im ganzen Mittelmeerraum und im Donaudelta fehlt er. In Skandinavien kommt er bis zum Nordkap vor und ist dort die einzige Amphibienart.
Hoch hinauf: In den Alpen steigt der Grasfrosch sehr hoch. In der Schweiz wurde er auf der Alpennordseite bis 2.300 m nachgewiesen, im Engadin und im Wallis sogar bis 2.750 m. Im Süden Europas, etwa in den Pyrenäen und auf dem Balkan, lebt er nur noch im Gebirge, weil es ihm im Tiefland zu warm ist.
Laichgewässer: Zum Laichen nutzt der Grasfrosch fast jede Art von Gewässer: stehend oder langsam fließend, sonnig oder schattig. Das reicht von wassergefüllten Wagenspuren und kleinen Tümpeln über Gräben und Bäche bis zu Weihern, Gartenteichen und Seen. Gemieden werden nur stark fließende Gewässer und solche mit vielen Fischen. Optimal sind Flachmoore, in denen schon Bestände mit mehr als 10.000 Tieren gezählt wurden.
An Land: Den größten Teil des Jahres verbringt der Grasfrosch an Land. Er bevorzugt grasige und krautige Lebensräume wie extensiv genutzte Wiesen, aber auch lichte Laub- und Mischwälder, Waldlichtungen, Bachufer und naturnahe Gärten.
Ernährung
Erwachsene Grasfrösche sind Fleischfresser. Was sie fressen, hängt vor allem davon ab, welche Beute es an Land gibt:
- Insekten aller Art
- Spinnen und andere Spinnentiere
- Asseln und Tausendfüßer
- Schnecken
- Würmer
Die Kaulquappen leben im Wasser und fressen Algen, Pflanzenreste und kleine Wassertiere. Mit ihren Raspelzähnen fressen sie auch Aas. Bei der Verwandlung zum Frosch verschwinden diese Zähne, und es entsteht eine Schleuderzunge.
Verhalten und Lebensweise
Nachtaktiv: Außerhalb der Laichzeit ist der Grasfrosch vor allem nachts unterwegs. Tagsüber versteckt er sich und kommt nur bei feuchtwarmem Wetter für einige Stunden heraus.
Überwinterung: In der Schweiz ziehen die meisten Grasfrösche schon zwischen August und November in Richtung Laichgewässer. Ein Teil überwintert direkt im Wasser, an einer Stelle mit viel Sauerstoff, etwa in einem Bach oder am Zu- oder Abfluss eines Weihers. Die meisten verbringen den Winter aber an Land, in Erdlöchern oder anderen frostfreien Verstecken.
Frühe Wanderung: Im Flachland und in niedrigen Mittelgebirgen wird er je nach Wetter meist ab Mitte oder Ende Februar bis Ende März aktiv. In höheren Lagen kann sich das um bis zu acht Wochen verschieben. Damit viele Frösche wandern, braucht es Temperaturen ab etwa 5 °C sowie Regen oder hohe Luftfeuchtigkeit. Oft ist der größte Teil des Laichgewässers dann noch zugefroren und das Wasser nur etwa 4 °C kalt. Auf dem Weg zum Laichplatz werden viele Grasfrösche auf Straßen überfahren.
Ende des Jahres: Im Oktober und November ist die aktive Zeit des Grasfroschs meist vorbei.
Fortpflanzung und Nachwuchs
Treffen am Teich: Die Frösche treffen sich an der Stelle des Gewässers, die zuerst auftaut, meist im flachen Wasser am Ufer. Die Männchen kommen etwas früher an. Sie bilden Ansammlungen von bisweilen Hunderten oder Tausenden Tieren und lassen ein dumpfes, unauffälliges Gurren hören. Bei mildem Wetter sind diese Chöre auch tagsüber zu hören, sonst vor allem abends.
Umklammerung: Jedes ankommende Weibchen wird sofort von einem Männchen angesprungen und hinter den Vorderbeinen umklammert. Nach einigen Stunden oder wenigen Tagen legt das Weibchen seine Eier ab, und das Männchen befruchtet sie.
Laichballen: Jedes Weibchen legt einen Laichballen mit 700 bis 3.000 Eiern, höchstens etwa 4.500. Danach hat es rund ein Drittel seines Körpergewichts verloren. Weil viele Paare dicht beieinander laichen, entstehen Laichteppiche, die mehrere Quadratmeter groß sein können. Nach wenigen Tagen ist die Laichzeit vorbei, und die meisten Frösche verlassen das Gewässer wieder.
Kaulquappen: Nach zwei bis drei Wochen schlüpfen kleine, fast schwarze Larven mit großen, büscheligen Kiemen. Sie klettern gern auf die leeren Gallerthüllen, wo das flache Wasser wärmer ist. Das kann gefährlich werden: In einem trockenen Frühjahr sinkt der Wasserstand und Laich oder Larven vertrocknen. In einem feuchten, warmen Frühling entstehen dafür so viele Jungtiere, dass ein verlorener Jahrgang leicht ausgeglichen wird.
Verwandlung: Die Entwicklung im Wasser dauert etwa zwei bis drei Monate. Die Verwandlung zum Frosch, die Metamorphose, findet frühestens ab Ende Mai statt, vor allem im Juni und Anfang Juli. Die jungen Frösche sind dann nur 8 bis 15 mm lang. Unter günstigen Bedingungen wandern Ende Juni Tausende Jungfrösche vom Teich in die Umgebung.
Erwachsen werden: Männchen werden in vielen Gegenden schon im zweiten Jahr geschlechtsreif, die größeren Weibchen oft erst im dritten. Im Durchschnitt werden Grasfrösche kaum älter als sieben oder acht Jahre. Einzelne Tiere können im Freiland aber weit über zehn Jahre alt werden.
Feinde und Gefährdung
Natürliche Feinde: Der Grasfrosch, seine Eier und Kaulquappen haben viele Feinde. Dazu gehören Fische, Molche, Marder, Füchse, Wildschweine, Eulen, Greifvögel, Reiher und Störche. Molche fressen besonders viel Laich.
Rote Liste Deutschland: In der Roten Liste der Amphibien Deutschlands von 2020 steht der Grasfrosch auf der Vorwarnliste. In der Liste davor galt er noch als ungefährdet. Zwar ist er immer noch sehr häufig, doch seine Bestände haben in den letzten 130 Jahren nach Schätzungen um mehr als 90 Prozent abgenommen. Früher lebte er massenhaft auf Äckern, Wiesen und Weiden. Auf Äckern findet man ihn schon lange nicht mehr, und auch im Grünland ist er selten geworden.
Weltweit: Die Rote Liste der IUCN stuft den Grasfrosch als nicht gefährdet (Least Concern) ein (2022).
Die wichtigsten Gefahren:
- Intensive Landwirtschaft: Dünger, Pestizide und große Maschinen zerstören Lebensräume und Beutetiere. Bei der Mahd mit modernen Mähern haben Grasfrösche kaum eine Überlebenschance.
- Verlust von Kleingewässern: Bis in die 1980er-Jahre verschwanden sehr viele Tümpel und Teiche.
- Straßenverkehr: Besonders zur Laichwanderung im Frühjahr, bei der Herbstwanderung und wenn die Jungfrösche abwandern, sterben viele Tiere auf Straßen.
- Trockenheit: Zunehmende Trockenheit im Frühjahr lässt Laich und Kaulquappen vertrocknen.
- Weitere Gefahren: Fischbesatz in Laichgewässern, mehr Wildschweine, Waschbären und Krankheitserreger wie Ranaviren und Chytridpilze.
Schutz: Der Grasfrosch ist in Deutschland nach dem Bundesnaturschutzgesetz besonders geschützt. Hilfreich sind neue Kleingewässer, extensiv genutzte Wiesen, breite Säume an Wegen und Gewässern und der Verzicht auf Pestizide. Teiche, die von Bibern aufgestaut werden, sind regional ein guter Ersatz für verlorene Laichplätze.
Häufige Fragen zum Grasfrosch
Wann laicht der Grasfrosch?
Im Flachland meist ab Mitte oder Ende Februar bis Ende März, je nach Wetter. Der Moorfrosch folgt meist erst ab Ende März. In den Bergen beginnt die Laichzeit bis zu acht Wochen später, in den Hochalpen manchmal erst im Sommer.
Wie unterscheidet man Grasfrosch und Moorfrosch?
Der Grasfrosch ist größer und hat eine stumpfe Schnauze, der Moorfrosch eine spitze. Der Moorfrosch hat einen großen, harten Fersenhöcker und ein kleineres Trommelfell. Zur Laichzeit färben sich viele Moorfrosch-Männchen auf der Oberseite leuchtend blau.
Wie viele Eier legt ein Grasfrosch?
Jedes Weibchen legt einen einzigen Laichballen mit 700 bis 3.000 Eiern, höchstens etwa 4.500. Weil viele Weibchen dicht beieinander laichen, entstehen große Laichteppiche.
Wo überwintert der Grasfrosch?
Die meisten Grasfrösche überwintern an Land in Erdlöchern oder anderen frostfreien Verstecken. Ein Teil verbringt den Winter am Grund von Gewässern, an Stellen mit viel Sauerstoff. In kleinen Gartenteichen können Grasfrösche unter einer geschlossenen Eisdecke sterben.
Was frisst ein Grasfrosch?
Erwachsene Grasfrösche fressen Insekten, Spinnen, Asseln, Tausendfüßer, Schnecken und Würmer. Kaulquappen fressen Algen, Pflanzenreste, kleine Wassertiere und Aas.
Ist der Grasfrosch geschützt?
Ja, er ist in Deutschland besonders geschützt. In der Roten Liste Deutschlands steht er seit 2020 auf der Vorwarnliste, weil seine Bestände stark abgenommen haben.
Ähnliche Tiere
- Erdkröte - die einzige Amphibienart, die in Deutschland noch weiter verbreitet ist
- Teichfrosch - ein heimischer Wasserfrosch
- Kleiner Wasserfrosch - junge Wasserfrösche werden manchmal mit dem Grasfrosch verwechselt
- Teichmolch - Molche fressen gern Grasfroschlaich
- Frosch - Überblick über die Froschlurche
Quellen
- DGHT (2017): Der Grasfrosch - Lurch des Jahres 2018. Faltblatt der Deutschen Gesellschaft für Herpetologie und Terrarienkunde (PDF)
- Grasfrosch - Rote Liste der Amphibien Deutschlands (Rote-Liste-Gremium Amphibien und Reptilien 2020), Rote-Liste-Zentrum
- Grasfrosch (Rana temporaria) - info fauna karch, Nationale Koordinationsstelle Amphibien der Schweiz
- DGHT (2024): Der Moorfrosch - Lurch des Jahres 2025 (PDF)
- NLWKN (2019): Grasfrosch - Rana temporaria. Leitfaden Artenschutz - Gewässerunterhaltung, Artensteckbriefe (PDF)
- IUCN SSC Amphibian Specialist Group (2022): Rana temporaria. The IUCN Red List of Threatened Species
Größenvergleich
Mit 6 bis 10 cm gehört der Grasfrosch zu den kleineren Tieren in unserem Lexikon. Eine 1-Euro-Münze (2,3 cm) ist dagegen deutlich kleiner, während ein Fußball mit 22 cm noch einiges an Größe drauflegt.
Gewichtsvergleich
Ein Grasfrosch bringt 20 bis 100 g auf die Waage. Das ist schwerer als eine 1-Euro-Münze (7,5 g), aber leichter als ein Fußball (430 g). Anders ausgedrückt: Der Grasfrosch wiegt so viel wie etwa 8 1-Euro-Münzen.