Große Achatschnecke

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Große Achatschnecke mit braun gestreiftem, spitz zulaufendem Gehäuse und ausgestreckten Fühlern kriecht über grüne Blätter
Alexander R. Jenner / Wikimedia Commons / CC BY-SA 3.0

Kurz erklärt

Die Große Achatschnecke ist eine der größten Landschnecken der Welt: Ihr Gehäuse wird meist 5 bis 10 cm lang, manchmal über 20 cm. Sie stammt aus Ostafrika, wurde aber in viele tropische Länder verschleppt und frisst dort Hunderte Pflanzenarten. Sie zählt zu den 100 schlimmsten eingeschleppten Arten der Welt. Außerdem kann sie Krankheitserreger wie den Rattenlungenwurm übertragen.

Steckbrief

Wissenschaftl. NameLissachatina fulica (früher Achatina fulica)
Abstammung
  • Klasse: Schnecken (Gastropoda)
  • Ordnung: Landlungenschnecken (Stylommatophora)
  • Überfamilie: Achatinoidea
  • Familie: Achatschnecken (Achatinidae)
  • Gattung: Lissachatina
  • Art: Große Achatschnecke
KörpergrößeGehäuse meist 5 bis 10 cm lang, große Tiere über 20 cm; das Gehäuse ist etwa doppelt so lang wie breit und hat ausgewachsen 7 bis 9 Windungen
KörpergewichtIm Durchschnitt etwa 32 g
ErnährungVor allem Pflanzen: mindestens 500 verschiedene Pflanzenarten, darunter viele Nutzpflanzen; ältere Tiere fressen vor allem verrottende Pflanzenreste, gelegentlich auch andere Schnecken
LebenserwartungMeist 5 bis 6 Jahre, höchstens etwa 9 Jahre
SozialverhaltenZwitter; nachtaktiv, ruht tagsüber an feuchten, schattigen Plätzen
HerkunftOstafrika
Verbreitung Ursprünglich Ostafrika; eingeschleppt nach Süd- und Südostasien, auf viele Inseln im Pazifik (auch Hawaii), nach Brasilien und auf mehrere Karibikinseln AfrikaAsienNordamerikaSüdamerika
EntdeckungErstbeschreibung 1822 durch Bowdich (als Achatina fulica)
GefährdungNE Nicht bewertet
SonstigesSteht auf der Liste der 100 schlimmsten invasiven gebietsfremden Arten der Welt. Zwischenwirt des Rattenlungenwurms (Angiostrongylus cantonensis), der beim Menschen eine Hirnhautentzündung auslösen kann. Auf der Roten Liste der IUCN ist die Art nicht bewertet.

Was ist die Große Achatschnecke?

Die Große Achatschnecke ist eine riesige Landschnecke aus Ostafrika. Im Englischen heißt sie „Giant African Land Snail“, auf Deutsch wird sie auch Afrikanische Riesenschnecke genannt. Forschende aus Lausanne bezeichnen sie in einer Studie von 2023 als die größte Landschnecke überhaupt.

Berühmt ist sie vor allem aus zwei Gründen: Sie wird in Europa gern als Haustier im Terrarium gehalten. Und in vielen warmen Ländern, in die Menschen sie verschleppt haben, ist sie ein gefürchteter Schädling. Die Weltnaturschutzunion IUCN führt sie auf ihrer Liste der 100 schlimmsten invasiven Arten der Welt.

Achatina oder Lissachatina?

Lange hieß die Art Achatina fulica. Unter diesem Namen hat sie der Naturforscher Bowdich 1822 beschrieben, und so steht sie bis heute in vielen Büchern und Datenbanken. Die Weichtier-Datenbank MolluscaBase führt sie inzwischen als Lissachatina fulica in der eigenen Gattung Lissachatina. Andere Fachleute behandeln Lissachatina als Untergattung und schreiben Achatina (Lissachatina) fulica. Gemeint ist immer dieselbe Schnecke. Sie gehört zur Familie der Achatschnecken (Achatinidae), die ursprünglich nur in Afrika vorkommt. Zu dieser Familie zählen rund 200 Arten.

Aussehen und Körperbau

Gehäuse: Das Gehäuse ist schmal und kegelförmig. Es ist etwa doppelt so lang wie breit, läuft zu einer Spitze zu und hat bei ausgewachsenen Tieren 7 bis 9 Windungen. Meist ist es rötlich bis hellbraun mit dunkleren Streifen. Die Färbung hängt aber von Umwelt und Futter ab und kann stark schwanken.

Größe und Gewicht: Die meisten Gehäuse sind 5 bis 10 Zentimeter lang. Einzelne Tiere werden über 20 Zentimeter lang. Im Durchschnitt wiegt eine Große Achatschnecke laut der Invasions-Datenbank der IUCN etwa 32 Gramm.

Körper: Wie andere Schnecken kann sie ihren weichen Körper ganz ins Gehäuse zurückziehen. Am Kopf sitzen zwei Paar Fühler. Das obere, größere Paar trägt an den Spitzen die Augen. Die Schnecke gleitet auf einem langen, muskulösen Fuß und hinterlässt dabei eine Schleimspur.

Verbreitung und Lebensraum

Die Heimat der Großen Achatschnecke liegt in Ostafrika. Von dort haben Menschen sie in viele Länder gebracht: nach Süd- und Südostasien, auf zahlreiche Inseln im Pazifik wie Hawaii, nach Brasilien und auf Karibikinseln wie Martinique, Guadeloupe, St. Lucia, Barbados und St. Martin.

Wie kam sie dorthin? Sehr oft unabsichtlich: Kleine Schnecken und Eier reisen mit Pflanzen, Erde, Fracht, Fahrzeugen oder Militärmaterial mit. Ein großer Teil der späteren Ausbreitung hing mit Japans Aktivitäten vor und während des Zweiten Weltkriegs zusammen. Andere Tiere wurden absichtlich ausgesetzt, als Haustier, als Zierde oder als Nahrung. In Brasilien wurde sie zum Beispiel als essbare Schnecke gezüchtet und hat sich danach in mehreren Bundesstaaten angesiedelt.

Lebensraum: Alle Länder, in denen sie sich dauerhaft angesiedelt hat, haben ein tropisches Klima mit milden Temperaturen und hoher Luftfeuchtigkeit. Sie lebt auf Feldern, in Gärten, an Waldrändern, in Plantagen, Gebüschen und in Städten. Am häufigsten ist sie dort, wo der Mensch die Landschaft verändert hat. Direkte Sonne tötet sie.

Trockenruhe: Wird es zu trocken, zieht sich die Schnecke in ihr Gehäuse zurück und verschließt die Öffnung oft mit einem harten Deckel, dem Epiphragma. Fachleute nennen diesen Zustand Trockenruhe (Ästivation). So kann sie mehrere Monate ohne Nahrung überstehen. Aktiv ist sie laut der Universität Florida bei etwa 9 bis 32 Grad Celsius.

Auch in Europa?

In Europa wurde die Große Achatschnecke erstmals im Juli 2009 in der Slowakei gefunden. Später entdeckten Forschende ein Tier in einem Naturpark im Piemont in Italien. Laut der Lausanner Studie ist das Klima in Europa für sie zu kalt, sodass sie sich im Freien kaum dauerhaft ansiedeln dürfte. Auf der Liste invasiver Arten, deren Haltung und Handel die EU verbietet, steht sie nicht (Stand der Liste: August 2025).

Ernährung

Die Große Achatschnecke ist vor allem ein Pflanzenfresser. Sie frisst lebende und verwelkte Pflanzenteile und findet ihr Futter mit dem Geruchssinn. Beobachtet wurde sie an mindestens 500 verschiedenen Pflanzenarten, darunter viele Nutzpflanzen wie Bananen, Papaya, Kohl, Gurken, Kürbisse, Erbsen und Auberginen. Besonders gefährdet sind Keimlinge und junge Pflanzen.

Was sie frisst, ändert sich im Laufe ihres Lebens:

  • Frisch geschlüpfte Schnecken fressen zuerst ihre eigene Eischale und brauchen vor allem Kalk für das wachsende Gehäuse.
  • Halbwüchsige Tiere mit 0,5 bis 3 Zentimeter langem Gehäuse fressen am liebsten lebende Pflanzen.
  • Ältere Schnecken ernähren sich wieder überwiegend von verrottendem Laub und anderen Pflanzenresten.

Es gibt zudem Hinweise, dass sie gelegentlich andere Schnecken frisst. Bananen und Papayas locken sie besonders an, deshalb werden sie als Köder für Fallen genutzt.

Verhalten und Lebensweise

Große Achatschnecken sind nachtaktiv und bei feuchtem Wetter unterwegs. Den Tag verbringen sie an einem schattigen, feuchten Ruheplatz. Nachts kriechen sie auf Futtersuche, manchmal bis zu 15 Meter weit. Erwachsene Schnecken kehren morgens oft an ihren Ruheplatz zurück, junge Tiere seltener. Sie können auch Bäume und Mauern hochklettern.

Fortpflanzung und Nachwuchs

Die Große Achatschnecke ist ein Zwitter: Jedes Tier hat männliche und weibliche Geschlechtsorgane. Trotzdem befruchtet sie sich fast nie selbst. Bei der Paarung, meist nachts, tauschen zwei Schnecken gleichzeitig Spermien aus. Die Schnecke kann Spermien speichern. Deshalb kann schon ein einziges befruchtetes Tier an einem neuen Ort eine ganze Population gründen. Das ist einer der Gründe, warum sie sich so leicht ausbreitet.

  • Geschlechtsreife: je nach Temperatur mit 5 bis 15 Monaten
  • Eiablage: ein bis drei Wochen nach der Paarung, danach über mehr als ein Jahr immer wieder; die hartschaligen Eier werden in den Boden gelegt
  • Eier: 4,5 bis 5,5 Millimeter groß; sie schlüpfen nur bei Temperaturen über 15 Grad Celsius, nach einigen Stunden bis 17 Tagen
  • Anzahl: im ersten Jahr etwa 100 Eier, im zweiten Jahr mehrere hundert, im ganzen Leben bis zu 1.000 Eier
  • Jungschnecken: bleiben ein bis zwei Wochen im Boden, bevor sie an die Oberfläche kommen
  • Lebensdauer: meist 5 bis 6 Jahre, höchstens etwa 9 Jahre

Warum ist sie ein gefährlicher Invasor?

Die Große Achatschnecke gilt als einer der schlimmsten Schneckenschädlinge in den Tropen und Subtropen. Eine einzelne Schnecke frisst nicht viel, aber sie treten oft in großer Zahl auf.

Schäden für die Landwirtschaft: Die Schnecken fressen Ernten an, verbreiten Pflanzenkrankheiten und verursachen Kosten für die Bekämpfung. In Ghana verbreitet sie mit ihrem Kot die Sporen eines Erregers, der eine Fäule an Kakaofrüchten verursacht. In Indien richtete sie 1946 und 1947 im Bundesstaat Orissa schwere Schäden an Gemüse und Reis an.

Schäden für die Natur: Sie frisst einheimische Pflanzen und macht einheimischen Schnecken Konkurrenz. Mit ihren kalkhaltigen Gehäusen kann sie sogar den Boden verändern. In großer Zahl ist sie auch lästig: Tote Schnecken stinken, und auf Straßen können Autos auf ihnen ins Rutschen kommen.

Das Beispiel Florida: 1966 schmuggelte ein Junge aus Miami drei Achatschnecken aus Hawaii nach Hause. Seine Großmutter setzte sie später im Garten aus. Sieben Jahre danach hatte man schon über 18.000 Schnecken und zahlreiche Eier gefunden. Es dauerte zehn Jahre und kostete eine Million US-Dollar, sie wieder auszurotten. Im September 2011 tauchte die Schnecke in Miami erneut auf.

Eine Bekämpfung mit Folgen: Um die Achatschnecke loszuwerden, wurde in weiten Teilen ihres neuen Verbreitungsgebiets eine räuberische Schnecke ausgesetzt, die Rosige Wolfsschnecke (Euglandina rosea). Diese Programme sind gescheitert. Die Wolfsschnecke hatte dagegen verheerende Folgen für viele einheimische Schneckenarten.

Auf manchen Inseln kann sich die Achatschnecke dagegen kaum ausbreiten. Auf einigen Atollen im Pazifik liegt das vermutlich an sandigen Böden und an Einsiedlerkrebsen und Palmendieben (Birgus latro), die sie fressen. Auf der Weihnachtsinsel im Indischen Ozean hält die Landkrabbe Gecarcoidea natalis sie in Schach. Interessant ist auch: Viele Bestände brechen nach 20 bis 60 Jahren von selbst stark ein.

Krankheiten und Rattenlungenwurm

Die Große Achatschnecke kann Krankheitserreger übertragen. Eine Auswertung von 73 Fachartikeln aus dem Jahr 2023 kam auf mindestens 36 Erreger, die in ihr gefunden wurden. 15 davon können auch Menschen infizieren.

Am besten untersucht ist der Rattenlungenwurm (Angiostrongylus cantonensis). Dieser Fadenwurm lebt eigentlich in Ratten, seine Larven entwickeln sich aber in Schnecken als Zwischenwirt. Beim Menschen kann er eine besondere Form der Hirnhautentzündung auslösen (eosinophile Meningitis). Bei Erwachsenen kann sie schwere Nervenschäden verursachen, bei kleinen Kindern kann sie tödlich enden. In Ländern, in die die Achatschnecke eingeschleppt wurde, ist oft mehr als jede fünfte Schnecke mit dem Wurm befallen.

Menschen stecken sich zum Beispiel an, wenn sie rohe oder nicht durchgegarte Schnecken essen oder verschmutzte Finger in den Mund nehmen. Kleine Kinder sind besonders gefährdet, weil sie eher Erde, Gegenstände oder Schnecken in den Mund stecken. Daneben trägt die Schnecke ein Bakterium (Aeromonas hydrophila), das vor allem Menschen mit geschwächtem Immunsystem krank machen kann.

Achatschnecken als Haustier

In Europa sind Achatschnecken beliebte Terrarientiere. Die Lausanner Forschenden werteten über 30.000 Instagram-Beiträge aus. Dabei zeigte sich, dass viele Halterinnen und Halter ihre Schnecken in der Hand halten und manchmal sogar aufs Gesicht setzen. Die Forschenden halten das für riskant, weil so Erreger leicht übertragen werden können. Sie fordern, besser über die Gesundheitsrisiken aufzuklären und den Handel international zu regeln.

Wie groß das Risiko bei Heimtieren wirklich ist, weiß man noch nicht genau. Die Forschenden fanden nur eine Studie, die Schnecken aus Privathaltung untersucht hatte: In 60 Tieren aus drei italienischen Sammlungen wurden vier Arten von Fadenwürmern nachgewiesen, der Rattenlungenwurm aber nicht.

Die Universität Florida rät, Achatschnecken nur mit Handschuhen oder einem Werkzeug anzufassen. Ganz wichtig: Achatschnecken dürfen niemals ausgesetzt werden. Die EU-Informationsstelle für gebietsfremde Arten (EASIN) betont, dass Käufer und Halter über die Folgen des Aussetzens Bescheid wissen müssen.

Häufige Fragen zur Großen Achatschnecke

Wie groß wird eine Große Achatschnecke?

Die meisten Gehäuse werden 5 bis 10 Zentimeter lang. Einzelne Schnecken erreichen über 20 Zentimeter. Damit gehört sie zu den größten Landschnecken der Welt.

Was fressen Achatschnecken?

Vor allem Pflanzen: lebende Blätter, Gemüse, Obst und verrottende Pflanzenreste. In der Natur wurde sie an mindestens 500 Pflanzenarten beobachtet. Jungtiere brauchen außerdem viel Kalk für ihr Gehäuse.

Wie alt werden Achatschnecken?

Meist werden sie 5 bis 6 Jahre alt. Die höchste bekannte Lebensdauer liegt bei etwa 9 Jahren.

Sind Achatschnecken gefährlich für Menschen?

Sie können Krankheitserreger übertragen, vor allem den Rattenlungenwurm, der eine gefährliche Hirnhautentzündung auslösen kann. Man sollte sie deshalb nicht roh essen, nicht mit bloßen Händen anfassen und nicht aufs Gesicht setzen.

Braucht eine Achatschnecke einen Partner, um Eier zu legen?

Normalerweise paart sie sich mit einer anderen Schnecke, obwohl sie ein Zwitter ist. Weil sie Spermien speichern kann, kann ein einmal befruchtetes Tier aber noch lange Eier legen. Ohne Paarung legt sie nur wenige Eier.

Ist die Haltung von Achatschnecken in der EU verboten?

Auf der EU-Liste der invasiven Arten von unionsweiter Bedeutung, für die Haltung, Zucht und Handel verboten sind, steht sie nicht (Stand: August 2025). Einzelne Länder können aber eigene Regeln für invasive Arten haben. Aussetzen darf man die Schnecken in keinem Fall.

Ähnliche Tiere

Quellen

Größenvergleich

🪙1-Euro-Münze
2,3 cm
⚽Fußball
22 cm
🧒Kind
1,2 m
🧑Erwachsener
1,8 m
🏠Haus
10 m
▼Große Achatschnecke
5 bis 20 cm

Mit 5 bis 20 cm gehört die Große Achatschnecke zu den kleineren Tieren in unserem Lexikon. Eine 1-Euro-Münze (2,3 cm) ist dagegen deutlich kleiner, während ein Fußball mit 22 cm noch etwas an Größe drauflegt. Stell dir vor: Die Große Achatschnecke ist ungefähr 5-mal so lang wie eine 1-Euro-Münze!