Großer Ameisenbär

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Großer Ameisenbär mit langer, röhrenförmiger Schnauze, schwarz-weißem Schulterstreifen und buschigem Schwanz läuft durch hohes Gras
Anagoria / Wikimedia Commons / CC BY 3.0

Kurz erklärt

Der Große Ameisenbär ist die größte der vier Ameisenbärenarten. Er lebt in Mittel- und Südamerika und frisst fast nur Ameisen und Termiten. Zähne hat er keine, dafür eine etwa 60 Zentimeter lange, klebrige Zunge und kräftige Krallen, mit denen er Insektennester aufreißt. Der Große Ameisenbär ist gefährdet, vor allem durch Lebensraumverlust, Brände und den Straßenverkehr.

Steckbrief

Wissenschaftl. NameMyrmecophaga tridactyla
Abstammung
  • Klasse: Säugetiere
  • Überordnung: Nebengelenktiere (Xenarthra)
  • Ordnung: Zahnarme (Pilosa)
  • Unterordnung: Ameisenbären
  • Familie: Myrmecophagidae
  • Gattung: Myrmecophaga
  • Art: Großer Ameisenbär
KörpergrößeGesamtlänge von der Schnauze bis zur Schwanzspitze 1,8 bis 2,4 m
Körpergewicht27 bis 45 kg
ErnährungInsektenfresser: fast ausschließlich Ameisen und Termiten
LebenserwartungIn der Natur unbekannt; in Menschenobhut bis 26 Jahre
SozialverhaltenEinzelgänger, außer in der Paarungszeit und bei Müttern mit Jungtier
HerkunftMittel- und Südamerika
Verbreitung Mittel- und Südamerika; in Guatemala, El Salvador und Uruguay gilt er als ausgestorben NordamerikaSüdamerika
Entdeckung1758 von Carl von Linné beschrieben
GefährdungVU Gefährdet (Rote Liste der IUCN, 2025)
SonstigesZahnlos; die etwa 60 cm lange, klebrige Zunge kann bis zu 150-mal pro Minute hervorschnellen.

Der Große Ameisenbär im Überblick

Der Große Ameisenbär (Myrmecophaga tridactyla) ist die größte der vier Ameisenbärenarten. Er gehört zu den Nebengelenktieren (Xenarthra) und innerhalb dieser Gruppe zu den Zahnarmen (Pilosa). Sein Körperbau ist ganz auf eine einzige Nahrung ausgerichtet: Ameisen und Termiten.

Drei Werkzeuge machen ihn zum Insektenspezialisten:

  • eine lange Schnauze mit einer feinen Nase, die Ameisen und Termiten schon am Geruch erkennt
  • eine etwa 60 Zentimeter lange, klebrige Zunge
  • kräftige Vorderbeine mit scharfen Krallen, mit denen er Nester aufreißt

Zähne hat der Große Ameisenbär dagegen keine.

Aussehen und Körperbau

Größe und Gewicht: Von der Schnauzenspitze bis zum Schwanzende misst ein Großer Ameisenbär 1,8 bis 2,4 Meter. Er wiegt 27 bis 45 Kilogramm. Männchen und Weibchen sehen sich so ähnlich, dass man sie von außen kaum unterscheiden kann.

Fell: Das Fell ist in verschiedenen Brauntönen gefärbt. Ein breiter schwarzer Streifen zieht sich von den Vorderbeinen schräg nach oben zur Wirbelsäule. Die Vorderbeine sind weiß. Eine wärmende Unterwolle fehlt. An den Schultern ist das Haar kurz und borstig. An Beinen und Schwanz ist es länger und fühlt sich an wie eine Pferdemähne. Der Schwanz ist buschig.

Sinne: Der Große Ameisenbär hört und sieht vermutlich schlecht. Sein Geruchssinn ist dagegen hervorragend.

Die Krallen: An den Vorderfüßen trägt er scharfe Krallen. Damit sie beim Laufen nicht abstumpfen, klappt er sie in die Handflächen ein und läuft auf den Knöcheln. Nur die Vorderfüße setzt er so auf, die Hinterfüße ähneln eher denen eines Bären. Meist bewegt er sich langsam und schlurfend vorwärts. Er kann aber auch klettern und schwimmen.

Wenig Körperwärme: Große Ameisenbären haben einen niedrigen Stoffwechsel und können ihre Körpertemperatur nur schlecht selbst regulieren. Bei großer Hitze oder Kälte suchen sie deshalb Schutz im Wald und passen ihre Aktivitätszeiten an.

Verbreitung und Lebensraum

Der Große Ameisenbär lebt in Mittel- und Südamerika. In Guatemala, El Salvador und Uruguay gilt er als ausgestorben. Er bewohnt Feuchtgebiete, Grasland und tropische Wälder. Typisch ist ein Wechsel: Futter sucht er meist im offenen Gelände, zum Ausruhen und als Versteck nutzt er den Wald.

Cerrado: Ein wichtiger Lebensraum ist der Cerrado, die Savanne in Brasilien. Er gilt als Brennpunkt der Artenvielfalt und hat mit über 7.000 Pflanzenarten die reichste Pflanzenwelt aller Savannen der Erde. Von Oktober bis März ist Regenzeit, von April bis September Trockenzeit. In einer Studie mit 41 Ameisenbären, die per GPS-Halsband verfolgt wurden, hielten sich die Tiere bevorzugt in natürlichen Wäldern und Savannen auf. Weideland mieden sie eher. Zwischen 12 und 18 Uhr ruhten sie meistens.

Pantanal: Auch im Pantanal kommt der Große Ameisenbär vor. Das Pantanal ist eine große Überschwemmungsebene in der Mitte Südamerikas, die sich Brasilien, Bolivien und Paraguay teilen. Ein großer Teil der Forschung über die Wanderungen der Großen Ameisenbären stammt von dort.

Ernährung

Der Große Ameisenbär frisst fast ausschließlich Ameisen und Termiten. Mit seiner feinen Nase kann er sogar erkennen, welche Ameisen- oder Termitenart in einem Nest lebt, bevor er es aufreißt.

So frisst er: Mit den kräftigen Vorderbeinen und Krallen bricht er das Nest auf. Dann schiebt er seine etwa 60 Zentimeter lange Zunge hinein. Sie ist mit klebrigem Speichel überzogen, an dem die Insekten haften bleiben. Die Zunge ist hinten am Brustbein befestigt und kann bis zu 150-mal pro Minute hinein- und herausschnellen.

Nur ein kurzer Besuch: An einem Nest frisst er bei einer Mahlzeit nur etwa 140 Insekten.

Kaum trinken: Große Ameisenbären trinken selten. Ihr Wasser bekommen sie aus der Nahrung oder vielleicht von nassen Pflanzen nach einem Regen.

Verhalten und Lebensweise

Einzelgänger: Große Ameisenbären leben allein. Nur in der Paarungszeit und wenn eine Mutter ein Junges versorgt, sind sie zu zweit. Feste Nester oder Ruheplätze haben sie nicht. Sie streifen wohl durch ihr ganzes Gebiet. Ein erwachsenes Männchen nutzt etwa 1,6 Quadratkilometer, ein Weibchen etwa 2,4 Quadratkilometer.

Tag oder Nacht: Ob ein Großer Ameisenbär tagsüber oder nachts unterwegs ist, hängt von den Menschen in seiner Umgebung ab. Wo viele Menschen leben, ist er eher nachts aktiv. In menschenarmen Gegenden ist er tagsüber unterwegs.

Verteidigung: Wenn möglich, geht der Große Ameisenbär Gefahren aus dem Weg. Muss er sich verteidigen, richtet er sich auf, stützt sich mit dem kräftigen Schwanz ab und schlägt mit seinen Krallen zu.

Stimme: Erwachsene Tiere sind kaum zu hören. Jungtiere geben manchmal ein hohes, schrilles Grunzen von sich.

Fortpflanzung und Nachwuchs

  • Geschlechtsreife: mit 3 bis 4 Jahren
  • Tragzeit: etwa 180 Tage, also rund sechs Monate
  • Nachwuchs: Das Weibchen bekommt ein einziges Junges. Es trinkt an zwei Zitzen an der Brust der Mutter.
  • Huckepack: Kurz nach der Geburt klettert das Junge auf den Rücken der Mutter. Dort reitet es bis zu ein Jahr lang mit.
  • Selbstständig: Gesäugt wird das Junge meist sechs Monate lang. Spätestens mit zwei Jahren verlässt es die Mutter.

Gefährdung

Die Rote Liste der IUCN stuft den Großen Ameisenbären in ihrer Einstufung von 2025 als gefährdet (VU) ein.

Die Art ist zwar weit verbreitet, aber in vielen Gegenden schon verschwunden, besonders in Mittelamerika und im Süden ihres Verbreitungsgebiets. Der Große Ameisenbär ist besonders verletzlich: Er braucht eine ganz bestimmte Nahrung, bekommt nur selten Nachwuchs und ist ein großes Tier. Zu den wichtigsten Bedrohungen zählen die Zerstörung und Zerstückelung seines Lebensraums, Brände, der Straßenverkehr, Angriffe von Hunden und das Töten durch Menschen.

Lebensraumverlust im Cerrado

Im Cerrado werden große Flächen in Rinderweiden und Sojafelder umgewandelt. Große Ameisenbären können in solchen veränderten Landschaften zwar überleben, ändern dort aber ihr Verhalten: Sie ruhen lieber in natürlichen Lebensräumen und sind auf Weiden und in stark genutzten Flächen aktiver. Eine Studie sagt außerdem voraus, dass der Klimawandel die Verbreitung der Großen Ameisenbären deutlich verändern wird.

Gefahr auf der Straße

Große Ameisenbären bewegen sich langsam und sehen schlecht. Deshalb werden sie häufig von Autos überfahren. In der Wildtierstation der Universität Uberlândia im brasilianischen Bundesstaat Minas Gerais war der Straßenverkehr von 2016 bis 2020 der häufigste Grund, warum ein Ameisenbär gerettet werden musste. Fast zwei Drittel der eingelieferten Tiere starben.

Eine Studie mit 38 per GPS verfolgten Ameisenbären im Cerrado zeigte, wie gefährlich Straßen sind:

  • Die Tiere überquerten Straßen etwa dreimal seltener, als es bei zufälligem Umherstreifen zu erwarten wäre. Keine der untersuchten Fernstraßen hielt sie aber ganz auf.
  • Die meisten Ameisenbären, die weniger als 2 Kilometer von einer Straße entfernt lebten, überquerten sie. Männchen taten das häufiger als Weibchen.
  • Nach Unterführungen oder anderen Querungshilfen suchten die Tiere nicht gezielt.

Gebiete an Straßen wirken deshalb wie eine Falle: Gesunde Ameisenbären besiedeln sie, werden irgendwann überfahren, und neue Tiere rücken nach. Querungshilfen allein reichen laut der Studie nicht aus. Die Forschenden empfehlen Zäune, die zu den Querungshilfen hinführen, und weniger Verkehr in der Nacht.

Feuer

Brände sind eine weitere große Gefahr. Im Jahr 2020 brannten im Pantanal in Brasilien rund 39.000 Quadratkilometer. Forschende schätzen, dass dabei fast 17 Millionen Wirbeltiere sofort ums Leben kamen. Große Ameisenbären fanden die Forschenden bei ihren eigenen Zählungen zwar nicht, Medien, Feuerwehrleute und andere Helfer meldeten aber getötete Tiere. Wenn Mütter durch Feuer, Verkehr oder Jagd sterben, bleiben oft verwaiste Jungtiere zurück. Viele von ihnen sterben.

Häufige Fragen zum Großen Ameisenbären

Wie lang ist die Zunge eines Ameisenbären?

Die Zunge des Großen Ameisenbären ist etwa 60 Zentimeter lang. Sie ist mit klebrigem Speichel bedeckt und kann bis zu 150-mal pro Minute vor- und zurückschnellen.

Hat ein Ameisenbär Zähne?

Nein, der Große Ameisenbär hat keine Zähne. Stattdessen leckt er Ameisen und Termiten mit seiner klebrigen Zunge auf.

Wofür braucht der Ameisenbär seine Krallen?

Mit den scharfen Krallen an den Vorderfüßen reißt er die Nester von Ameisen und Termiten auf. Außerdem verteidigt er sich damit. Beim Laufen klappt er die Krallen ein und geht auf den Knöcheln.

Wie groß und schwer wird ein Großer Ameisenbär?

Mit Schwanz misst er 1,8 bis 2,4 Meter und wiegt 27 bis 45 Kilogramm. Damit ist er der größte aller Ameisenbären.

Wo lebt der Große Ameisenbär?

In Mittel- und Südamerika, zum Beispiel im Cerrado und im Pantanal in Brasilien. Er lebt in Feuchtgebieten, im Grasland und in tropischen Wäldern.

Warum ist der Große Ameisenbär gefährdet?

Sein Lebensraum wird zerstört und zerstückelt, viele Tiere sterben bei Bränden oder werden überfahren. Außerdem bekommt er nur selten Nachwuchs, was den Rückgang verstärkt. Die IUCN stuft ihn als gefährdet ein.

Ähnliche Tiere

Quellen

Größenvergleich

🪙1-Euro-Münze
2,3 cm
⚽Fußball
22 cm
🧒Kind
1,2 m
🧑Erwachsener
1,8 m
🏠Haus
10 m
▼Großer Ameisenbär
1,8 bis 2,4 m

Ein Großer Ameisenbär erreicht eine Körpergröße von 1,8 bis 2,4 m. Damit passt er bequem zwischen ein Kind (1,2 m) und einen Elefanten (3,5 m) auf unserer Vergleichsskala.

Gewichtsvergleich

🪙1-Euro-Münze
7,5 g
🍫Tafel Schokolade
100 g
⚽Fußball
430 g
🧒Kind
25 kg
🧑Erwachsener
75 kg
🚗Auto
1,5 t
🚌Schulbus
12 t
▼Großer Ameisenbär
27 bis 45 kg

Ein Großer Ameisenbär bringt 27 bis 45 kg auf die Waage. Das ist schwerer als ein Kind (25 kg), aber leichter als ein Erwachsener (75 kg).