Großer Schillerfalter

Zuletzt aktualisiert:

Männlicher Großer Schillerfalter mit ausgebreiteten, violett schillernden Flügeln mit weißen Flecken und orange umrandeten Augenflecken sitzt auf Schotter
Rosenzweig / Wikimedia Commons / CC BY-SA 3.0

Kurz erklärt

Der Große Schillerfalter ist ein großer Tagfalter, der in Laubwäldern Europas und Asiens lebt. Die Flügel der Männchen schillern blau-violett, aber nur, wenn das Licht im richtigen Winkel darauf fällt. Die Falter fliegen meist hoch in den Baumkronen und trinken Honigtau und Baumsaft. Die Männchen kommen aber auch auf den Boden und saugen an Kot, Aas oder sogar an verschwitzten Schuhen.

Steckbrief

Wissenschaftl. NameApatura iris
Abstammung
  • Klasse: Insekten (Insecta)
  • Ordnung: Schmetterlinge (Lepidoptera)
  • Familie: Edelfalter (Nymphalidae)
  • Unterfamilie: Schillerfalter (Apaturinae)
  • Gattung: Apatura
  • Art: Großer Schillerfalter
KörpergrößeFlügelspannweite 7,5 bis 8,4 cm
ErnährungFalter: vor allem Honigtau von Blattläusen und Baumsaft, Männchen zusätzlich Salze und Zucker aus Kot, Aas, Schweiß und von Straßen; Raupen: Blätter der Sal-Weide, seltener anderer Weiden
LebenserwartungDie Raupe schlüpft ab Ende Juli und lebt bis zum folgenden Mai; die Falter fliegen vor allem im Juli und August
SozialverhaltenEinzelgänger; Männchen besetzen im Juli Reviere in den Kronen hoher Bäume, oft Eichen, und jagen Eindringlinge davon
HerkunftEuropa und Asien
Verbreitung Paläarktis (Europa und das nördliche Asien), nicht in Nordafrika; in Deutschland häufig AsienEuropa
EntdeckungErstbeschreibung 1758 durch Linnaeus
GefährdungNE Nicht bewertet
SonstigesGlobal nicht von der IUCN bewertet. Rote Liste Deutschland (2025): ungefährdet, in der vorherigen Liste noch auf der Vorwarnliste. Langfristig ist der Bestand mäßig zurückgegangen, kurzfristig stabil.

Ein Falter, der die Farbe wechselt

Der Große Schillerfalter (Apatura iris) gehört zur Familie der Edelfalter. In Großbritannien ist er nach dem Schwalbenschwanz der zweitgrößte Tagfalter, und die Männchen sind dort so groß wie ein kleiner Vogel. Schmetterlingsfreunde in England nennen das Männchen liebevoll "His Majesty", Seine Majestät. Auf Englisch heißt die Art "Purple Emperor", Purpurkaiser.

Seinen deutschen Namen verdankt er dem blauen Schillern auf den Flügeln der Männchen. Mal leuchten die Flügel kräftig blau-violett, mal sehen sie einfach dunkelbraun aus. Das hängt nur davon ab, wie das Licht auf die Flügel fällt.

Der Große Schillerfalter lebt in der Paläarktis, also in Europa und im nördlichen Asien. In Nordafrika fehlt er. In Deutschland gilt er als häufig.

Aussehen und Körperbau

Größe: Die Flügelspannweite beträgt 7,5 bis 8,4 Zentimeter.

Männchen: Die Flügel sind groß und dunkel mit weißen Binden. Auf der Unterseite des Vorderflügels sitzt ein orange umrandeter Augenfleck. In einem bestimmten Blickwinkel leuchtet die Oberseite der Flügel blau-violett.

Weibchen: Den Weibchen fehlt das blaue Schillern, ihre Flügel sind braun mit weißer Zeichnung. Leicht verwechseln kann man sie mit dem Kleinen Eisvogel (Limenitis camilla), der an denselben Orten fliegt. Das Weibchen des Großen Schillerfalters hat aber einen orange umrandeten Augenfleck auf der Unterseite des Vorderflügels.

Raupe: Die Raupe ist leuchtend grün mit gelben Punkten und schrägen gelben Linien an den Seiten. Am Kopf trägt sie zwei auffällige Fortsätze, die wie Hörner aussehen. Ihre Farbe passt sich den Jahreszeiten an: Über den Winter wird sie dunkler und bräunlich.

Warum schillern die Flügel? Strukturfarben statt Farbstoff

Das Blau des Großen Schillerfalters ist eine sogenannte Strukturfarbe. Es entsteht nicht durch einen blauen Farbstoff, sondern durch winzige Strukturen in den Flügelschuppen, die das Licht zurückwerfen.

Die Flügel sind wie ein Dach mit Ziegeln mit vielen kleinen Schuppen bedeckt. Forschende haben die Schuppen mit dem Elektronenmikroskop untersucht. Sie fanden zwei Sorten: Die oberen Deckschuppen und darunter eine zweite Schicht. Beide Schuppensorten tragen Farbstoffe, die für die normale Flügelfarbe sorgen. Das Schillern entsteht aber nur in den oberen Schuppen. Sie haben eine Mehrschichtstruktur, also viele hauchdünne, übereinanderliegende Schichten. Ähnlich gebaut sind die Schuppen der tropischen Morphofalter, die ebenfalls leuchtend blau schillern.

Das Schillern gibt es nur auf der Oberseite der Vorder- und Hinterflügel und nur bei den Männchen. Messungen zeigen, dass die Schuppen vor allem Licht mit einer Wellenlänge um 380 Nanometer zurückwerfen, also violettes Licht an der Grenze zum Ultravioletten. Den violetten Glanz sieht man nur in einem schmalen Bereich von etwa 18 Grad. Schon wenn sich der Falter etwas dreht, wirken die Flügel wieder braun.

Verbreitung und Lebensraum

Der Große Schillerfalter lebt in größeren Laubwäldern oder in Landschaften mit vielen kleineren Wäldchen und Gebüschen. Wichtig ist, dass dort genug Weiden wachsen, vor allem die Sal-Weide (Salix caprea). Die Falter halten sich meist hoch oben in den Baumkronen auf, besonders in Eichenwäldern.

Die Weibchen sind bei der Wahl der Sal-Weide wählerisch. Nach Beobachtungen in der Schweiz legen sie ihre Eier vor allem an Weiden, die in Mulden oder an halbschattigen Waldrändern in feuchter Luft stehen. Einzeln stehende oder stark besonnte Weiden nehmen sie dagegen kaum an.

In der Schweiz ist der Große Schillerfalter weit verbreitet, tritt aber nie in großen Zahlen auf. Auch in England leben die Falter in geringer Dichte über große Flächen verteilt.

Ernährung

Was fressen die Falter?

Die Hauptnahrung der erwachsenen Falter ist Honigtau, die zuckrige Ausscheidung von Blattläusen, und Baumsaft. Beides finden sie hoch in den Baumkronen.

Die Männchen kommen aber regelmäßig auf den Boden herunter, meist am Vormittag. Dort saugen sie an Tierkot, an Aas, auf Straßen und sogar an Schweiß. So nehmen sie Salze, Mineralstoffe und Zucker auf. Chris Packham, Vizepräsident von Butterfly Conservation, erzählte, dass Schillerfalter-Männchen an seinen verschwitzten Wanderschuhen saugten. Schmetterlingsbeobachter locken die Falter deshalb mit stark riechendem Käse, Bananenschalen oder Garnelenpaste an.

Was frisst die Raupe?

Die Raupe frisst Blätter von Weiden. Am liebsten mag sie die Sal-Weide, seltener die Grau-Weide (Salix cinerea) und nur selten die Bruch-Weide (Salix fragilis). Die Raupen sind nachts aktiv. Junge Raupen hinterlassen dabei eine typische Fraßspur, an der Fachleute sie erkennen.

Verhalten und Lebensweise

Gipfeltreffen in der Baumkrone

Im Juli sammeln sich die Männchen auf besonders hohen Bäumen, oft Eichen, die meist an einer erhöhten Stelle im Wald stehen. In England nennt man sie "master trees", Meisterbäume. Für den Weg dorthin fliegen die Männchen bis zu einen Kilometer weit. Dieselben Bäume werden oft Jahr für Jahr genutzt.

Von dort oben halten die Männchen Ausschau nach Weibchen. Sie verteidigen ihr Revier in der Baumkrone heftig und jagen jeden Eindringling davon, andere Männchen, andere Schmetterlinge und sogar Vögel.

Kommt ein paarungsbereites Weibchen vorbei, führt es das Männchen an eine ruhigere Stelle im Kronendach, wo sich beide paaren. Weibchen, die sich schon gepaart haben, lassen sich dagegen langsam Richtung Boden fallen. Das ist für das Männchen das Zeichen, aufzugeben.

Fortpflanzung und Entwicklung

Die Weibchen legen ihre Eier von Ende Juni bis Mitte August auf die Blätter von Weiden, meist der Sal-Weide. Sie nutzen dabei kleine Sträucher ebenso wie hohe Bäume.

Ab Ende Juli schlüpfen die Raupen. Sie sind hervorragend getarnt und liegen auf der Mittelrippe des Blattes. Die junge Raupe überwintert in einer Astgabel der Weide. Dort trotzt sie tiefen Temperaturen und ist manchmal von Eis, Schnee oder Raureif bedeckt. Raupe bleibt sie bis zum folgenden Mai.

Zur Verpuppung spinnt die Raupe ein Seidenpolster an die Unterseite eines Weidenblattes und hängt sich daran auf. Die Puppe sieht täuschend echt aus wie ein Weidenblatt und ist kaum zu finden. Die fertigen Falter fliegen im Juli und August.

Gefährdung und Schutz

Die Rote Liste der IUCN hat den Großen Schillerfalter weltweit nicht bewertet (NE). In Europa gilt er laut Butterfly Conservation nicht als gefährdet.

In der Roten Liste Deutschlands von 2025 ist er als ungefährdet eingestuft. Er gilt als häufig. In der vorherigen Roten Liste stand er noch auf der Vorwarnliste. Langfristig ist sein Bestand mäßig zurückgegangen, kurzfristig ist er stabil. In Bayern nimmt er in tiefer gelegenen Regionen allerdings ab.

Gefahren für den Schillerfalter sind:

  • Weiden werden entfernt: Sal-Weiden und andere Lichtbaumarten gelten vielerorts als schnell wachsende Konkurrenz für die gewünschten Waldbäume und werden abgeholzt. Damit verschwindet die Nahrung der Raupen.
  • Verlust alter Wälder: In Großbritannien ging die Art im 20. Jahrhundert stark zurück. Als Gründe gelten der Verlust und die Zerstückelung alter Wälder und das "Aufräumen" von Sal-Weiden-Beständen. Inzwischen breitet sich der Falter dort wieder etwas aus.

Fachleute empfehlen, für die Waldtagfalter Lichtbaumarten wie die Sal-Weide an geeigneten Stellen zu fördern, statt sie zu entfernen.

Häufige Fragen zum Großen Schillerfalter

Warum schillert der Große Schillerfalter blau?

Das Blau ist eine Strukturfarbe. Winzige, übereinanderliegende Schichten in den Flügelschuppen werfen das Licht so zurück, dass es nur aus einem bestimmten Winkel von etwa 18 Grad blau-violett leuchtet. Aus anderen Richtungen sehen die Flügel braun aus.

Schillern auch die Weibchen?

Nein. Nur die Männchen haben die schillernden Schuppen auf der Flügeloberseite. Die Weibchen sind braun mit weißer Zeichnung und deshalb weniger auffällig.

Warum sitzen Schillerfalter auf Kot und Aas?

Die Männchen holen sich dort Salze, Mineralstoffe und Zucker. Auch auf Straßen und an verschwitzten Schuhen saugen sie. Ihre Hauptnahrung sind aber Honigtau und Baumsaft hoch in den Bäumen.

Wo kann man den Großen Schillerfalter sehen?

In größeren Laubwäldern mit Weiden, vor allem im Juli. Meist fliegen die Falter hoch in den Baumkronen. Am Vormittag kommen die Männchen manchmal auf Wege und Straßen herunter, um zu saugen.

Was frisst die Raupe des Großen Schillerfalters?

Blätter von Weiden, am liebsten von der Sal-Weide. Sie frisst nachts und überwintert als kleine Raupe in einer Astgabel der Weide.

Ist der Große Schillerfalter gefährdet?

In Deutschland gilt er nach der Roten Liste von 2025 als ungefährdet und häufig. Langfristig ist er aber zurückgegangen, und in manchen Regionen wird er seltener. Weltweit hat die IUCN ihn nicht bewertet.

Ähnliche Tiere

  • Monarchfalter - ein ebenfalls großer Edelfalter, berühmt für seine Wanderung
  • Distelfalter - ein weiterer Edelfalter, der auch nach Deutschland kommt
  • Schmetterling - alles über Schmetterlinge im Überblick
  • Raupe - wie Schmetterlingsraupen leben und wachsen
  • Nachtfalter - die Schmetterlinge der Nacht

Quellen

Größenvergleich

🪙1-Euro-Münze
2,3 cm
⚽Fußball
22 cm
🧒Kind
1,2 m
🧑Erwachsener
1,8 m
🏠Haus
10 m
▼Großer Schillerfalter
7,5 bis 8,4 cm

Mit 7,5 bis 8,4 cm gehört der Große Schillerfalter zu den kleineren Tieren in unserem Lexikon. Eine 1-Euro-Münze (2,3 cm) ist dagegen deutlich kleiner, während ein Fußball mit 22 cm noch einiges an Größe drauflegt.