Guppy

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Silbrig glänzendes Guppy-Weibchen mit dunkel gefärbter Schwanzflosse schwimmt vor grünen Wasserpflanzen
Holger Krisp / Wikimedia Commons / CC BY 3.0

Kurz erklärt

Der Guppy ist ein kleiner, bunter Süßwasserfisch aus dem Nordosten Südamerikas und von einigen Karibikinseln. Die Männchen werden nur etwa 3 cm lang und sind farbenprächtig, die Weibchen werden bis 6 cm groß und sind eher schlicht gefärbt. Guppys legen keine Eier, sondern bringen lebende Junge zur Welt. Sie gehören zu den beliebtesten Aquarienfischen der Welt.

Steckbrief

Wissenschaftl. NamePoecilia reticulata
Abstammung
  • Klasse: Strahlenflosser (Actinopterygii)
  • Ordnung: Zahnkärpflinge (Cyprinodontiformes)
  • Familie: Lebendgebärende Zahnkarpfen (Poeciliidae)
  • Unterfamilie: Poeciliinae
  • Gattung: Poecilia
  • Art: Guppy
KörpergrößeMännchen bis etwa 2,5 cm ohne Schwanzflosse (mit Schwanzflosse meist knapp 3 cm), Weibchen bis 6 cm ohne Schwanzflosse
KörpergewichtKeine gesicherten Angaben in Fachquellen
ErnährungAllesfresser: Zooplankton, kleine Insekten und Detritus (zerfallende Reste von Pflanzen und Tieren)
LebenserwartungKeine gesicherten Angaben für Wildfische; im Laborversuch brachten Weibchen im Lauf ihres Lebens durchschnittlich 15 bis 28 Würfe zur Welt
SozialverhaltenGesellig; im Aquarium in Gruppen ab fünf Tieren halten. Männchen werben ständig um die Weibchen
HerkunftNordöstliches Südamerika und südliche Kleine Antillen
Verbreitung Ursprünglich Venezuela, Guyana, Suriname, Französisch-Guayana, Nordbrasilien, Trinidad und Barbados; in viele warme Gewässer weltweit eingeführt, zum Beispiel in den USA, im südlichen Afrika und in Australien AfrikaNordamerikaSüdamerikaAustralien
EntdeckungErstbeschreibung 1859 durch Peters
GefährdungLC Nicht gefährdet (Rote Liste der IUCN, 2021)
SonstigesFrüher als Lebistes reticulatus geführt, ein weiteres Synonym ist Girardinus guppii. Im Englischen auch „millions fish“ genannt. Wichtiges Versuchstier der Genetik und Evolutionsforschung.

Was ist ein Guppy?

Der Guppy (Poecilia reticulata) ist ein kleiner Süßwasserfisch aus der Familie der Lebendgebärenden Zahnkarpfen. Wie Molly und Schwertträger legt er keine Eier, sondern bringt lebende Jungfische zur Welt.

Der Guppy ist einer der beliebtesten Aquarienfische und wird im Zierfischhandel fast überall angeboten. Im Englischen heißt er auch „millions fish“, also „Millionenfisch“. Wissenschaftler nutzen ihn außerdem als Versuchstier in der Genetik und Evolutionsforschung.

Name: Der deutsche und englische Name erinnert an Robert John Lechmere Guppy (1836 bis 1916). Er war ein in Großbritannien geborener Ingenieur, Schulinspektor und Naturforscher auf Trinidad und erforschte die Geologie, Fossilien und Tierwelt der Westindischen Inseln. Ein alter wissenschaftlicher Name des Fisches lautet Girardinus guppii. Früher hieß der Guppy außerdem Lebistes reticulatus. Gültig ist heute der Name Poecilia reticulata, den der Zoologe Peters 1859 vergeben hat. Poecilia kommt vom griechischen Wort poikilos und bedeutet „vielfarbig“.

Aussehen und Körperbau

Größe: Männchen und Weibchen sind sehr unterschiedlich groß. Die Männchen sind nur etwa halb so groß wie die Weibchen. Männchen werden ohne Schwanzflosse gemessen bis etwa 2,5 cm lang, mit Schwanzflosse meist knapp 3 cm. Die Weibchen erreichen ohne Schwanzflosse bis zu 6 cm.

Farben: Die Männchen sind bunt gefärbt und haben eine farbige Schwanzflosse. Die Weibchen sind deutlich unauffälliger. Der Körper ist spindelförmig und im Querschnitt rund.

Begattungsorgan: Beim Männchen ist die Afterflosse zu einem Begattungsorgan umgebaut, dem Gonopodium. Damit überträgt es die Spermien direkt in den Körper des Weibchens. An dieser umgebauten Flosse erkennt man die Männchen.

Trächtigkeitsfleck: Trächtige Weibchen erkennt man an einem dunklen, dreieckigen Fleck zwischen Afterflosse und Bauchflossen.

Zuchtformen

Aquarianer haben aus dem Guppy sehr viele Zuchtformen gezüchtet. Sie unterscheiden sich vor allem in der Farbe und in der Form der Flossen. Viele davon sind genau festgelegt, ähnlich wie Rassen bei Hunden.

Für Zierfische allgemein mahnen Tierschutzfachleute zur Vorsicht bei Überzüchtungen: Fische mit unnatürlichen Körpermerkmalen sollen nicht zur Weiterzucht verwendet werden, und überzüchtete Fische stellen sehr hohe Ansprüche an ihre Halter.

Verbreitung und Lebensraum

Ursprüngliche Heimat: Wild lebende Guppys stammen aus dem Nordosten Südamerikas: aus Venezuela, Guyana, Suriname, Französisch-Guayana und dem Norden Brasiliens. Außerdem leben sie auf den südlichen Inseln der Kleinen Antillen, zum Beispiel auf Trinidad und Barbados.

Lebensraum: Guppys leben in sehr unterschiedlichen Gewässern. Man findet sie in warmen Quellen und deren Abflüssen, in bewachsenen Gräben und Kanälen, in trüben Teichen im Flachland und in klaren Gebirgsbächen. Am wohlsten fühlen sie sich in ruhigem, dicht bewachsenem Wasser, in dem es wenige Raubfische gibt. Sie kommen auch mit leicht salzigem Brackwasser zurecht.

Temperatur: Als tropische Fische brauchen Guppys warmes Wasser. FishBase nennt Temperaturen zwischen 18 und 28 °C, zum Überleben brauchen sie recht warmes Wasser von etwa 23 bis 24 °C. Deshalb konnten sie sich zum Beispiel in den USA nur an wenigen warmen Stellen dauerhaft ansiedeln, etwa in warmen Quellen.

Eingeführt gegen Mücken

Guppys wurden in viele warme Länder gebracht. Ein wichtiger Grund war die Bekämpfung von Stechmücken: Man hoffte, dass die Fische die Larven der Mücken fressen würden. So setzte man Guppys zum Beispiel in Kalifornien gezielt zur Mückenbekämpfung aus.

Der Erfolg blieb aus. Laut FishBase hatten die eingeführten Guppys kaum oder gar keine Wirkung auf die Mücken. Für die heimischen Fische waren sie dagegen eher schädlich. In einigen warmen Quellen im Westen der USA sind Guppys heute die vorherrschende Fischart. Dort gelten sie als Bedrohung für einheimische Fische, darunter stark gefährdete Arten. Auf Hawaii trugen eingeführte Guppys und verwandte Arten vermutlich dazu bei, dass einheimische Kleinlibellen seltener wurden. Außerdem können Guppys fremde Parasiten übertragen.

In den USA gehen die meisten Bestände nicht auf gezielte Aussetzungen zurück, sondern vermutlich auf Fischfarmen und Aquarianer. Auch in Australien stammen wild lebende Guppys von Aquarienfischen, die Menschen vor den 1970er-Jahren in Gewässer gekippt haben. Verwilderte Guppys gibt es außerdem in Flüssen im Osten Südafrikas und in einem See in Namibia.

Ernährung

Guppys sind Allesfresser. In der Natur fressen sie vor allem:

  • Zooplankton, also winzige Tiere, die im Wasser schweben
  • kleine Insekten und Insektenlarven
  • Detritus, das sind zerfallende Reste von Pflanzen und Tieren

Fortpflanzung und Nachwuchs

Ständige Balz: Die Männchen schwimmen den Weibchen fast ununterbrochen hinterher und versuchen, sich mit ihnen zu paaren. Mit dem Gonopodium befruchten sie die Eier im Bauch des Weibchens.

Spermien auf Vorrat: Weibchen können die Spermien speichern und damit später weitere Eier befruchten.

Lebendgeburt: Die Jungen entwickeln sich im Bauch der Mutter. Nach einer Tragzeit von vier bis sechs Wochen bringt das Weibchen meist 20 bis 40 lebende Jungfische zur Welt. Etwa alle vier Wochen kann es erneut Junge bekommen. Im Laborversuch brachten Weibchen im Abstand von 22 bis 35 Tagen Junge zur Welt, im Lauf ihres Lebens durchschnittlich 15 bis 28 Würfe.

Keine Brutpflege: Um ihre Jungen kümmern sich die Eltern nicht. Erwachsene Guppys fressen ihre eigenen Jungen sogar manchmal.

Schnell erwachsen: Männchen sind schon mit etwa zwei Monaten geschlechtsreif, Weibchen mit etwa drei Monaten.

Guppys in der Forschung

Wilde Guppys leben auf Trinidad in vielen kleinen Bächen der Northern Range, einer Bergkette im Norden der Insel. Unterhalb von Wasserfällen gibt es dort viele Raubfische, oberhalb der Wasserfälle kaum welche. Die Guppys kommen über die Wasserfälle, größere Raubfische nicht.

Der Biologe David Reznick und sein Team untersuchen, wie sich die Guppys an diese Unterschiede anpassen. Guppys aus Bächen mit vielen Raubfischen werden früher geschlechtsreif, bekommen mehr Junge pro Wurf und pflanzen sich häufiger fort. Versuche, bei denen Guppys oder Raubfische in andere Bachabschnitte gebracht wurden, zeigten: Solche Unterschiede können sich in relativ kurzer Zeit durch Evolution herausbilden. Überraschend war ein Ergebnis aus dem Labor: Guppys aus Gewässern mit vielen Feinden lebten dort sogar länger als ihre Artgenossen aus sicheren Bächen.

Haltung im Aquarium

Guppys gelten als robust und werden oft als Anfängerfische empfohlen. Das Amt für Lebensmittelsicherheit und Tiergesundheit Graubünden nennt Lebendgebärende wie Guppy, Molly und Schwertträger ausdrücklich als empfehlenswerte erste Fische. Trotzdem brauchen auch Guppys Pflege und Fachwissen:

  • Gruppe: Guppys sollten in Gruppen von mindestens fünf Tieren gehalten werden.
  • Aquariengröße: Das Becken sollte mindestens 60 cm lang sein.
  • Wasser: FishBase nennt einen pH-Wert von 7 bis 8 und eine Wasserhärte von 9 bis 19 °dH, also mittelhartes Wasser.
  • Mitbewohner: Barben können recht lebhaft sein. Sie fressen Lebendgebärenden oft das Futter weg oder fressen deren Jungfische.

Viel Nachwuchs: In der Schweizer Fischauffangstation in Embrach (Kanton Zürich) gehören Lebendgebärende wie Guppys zu den Fischen, die besonders oft abgegeben werden. Ein Teil der Halter gibt Fische ab, weil sie zu viele Jungfische haben, meist von Lebendgebärenden oder Buntbarschen.
Überzählige Fische darf man nicht in Bäche, Teiche oder Seen aussetzen. In der Schweiz verbietet das die Tierschutzgesetzgebung ausdrücklich. Ausgesetzte Zierfische können als gebietsfremde Arten einheimische Fische verdrängen. Die Abgabe an eine Auffangstation für Zierfische ist dagegen ein erlaubter Weg.

Gefährdung

Auf der weltweiten Roten Liste der IUCN ist der Guppy in der Einstufung von 2021 als nicht gefährdet (Least Concern) geführt. Durch Einführungen kommt er heute außerdem in vielen Ländern außerhalb seiner Heimat vor.

Häufige Fragen zum Guppy

Wie groß wird ein Guppy?

Männchen werden ohne Schwanzflosse nur bis etwa 2,5 cm lang, mit Schwanzflosse meist knapp 3 cm. Weibchen erreichen ohne Schwanzflosse bis zu 6 cm.

Wie viele Junge bekommt ein Guppy?

Ein Weibchen bringt nach vier bis sechs Wochen Tragzeit meist 20 bis 40 Jungfische zur Welt. Weil es Spermien speichern kann, kann es etwa alle vier Wochen erneut Junge bekommen.

Wie erkennt man ein trächtiges Guppy-Weibchen?

Trächtige Weibchen haben einen dunklen, dreieckigen Fleck zwischen Afterflosse und Bauchflossen. Man nennt ihn Trächtigkeitsfleck.

Was fressen Guppys?

Guppys sind Allesfresser. In der Natur fressen sie Zooplankton, kleine Insekten und Detritus, also zerfallende Reste von Pflanzen und Tieren.

Wie alt werden Guppys?

Verlässliche Angaben zum Höchstalter fehlen in den Fachquellen. Im Laborversuch bekamen Weibchen im Abstand von drei bis fünf Wochen Junge und brachten im Lauf ihres Lebens durchschnittlich 15 bis 28 Würfe zur Welt. Guppys können also viele Monate lang immer wieder Nachwuchs bekommen.

Sind Guppys gute Anfängerfische?

Ja, Guppys gelten als robust und werden für Einsteiger empfohlen. Sie vermehren sich aber sehr schnell. Vor dem Kauf sollte klar sein, wohin überzählige Jungfische kommen, denn aussetzen darf man sie nicht.

Ähnliche Tiere

Quellen

Größenvergleich

🪙1-Euro-Münze
2,3 cm
⚽Fußball
22 cm
🧒Kind
1,2 m
🧑Erwachsener
1,8 m
🏠Haus
10 m
▼Guppy
2 bis 6 cm

Stell dir vor, du stellst eine Biene (1,5 cm) neben einen Guppy: Der Guppy ist größer. Neben einem Fußball (22 cm) wirkt er mit seinen 2 bis 6 cm aber wiederum geradezu winzig. Genauer gesagt ist der Guppy etwa 3-mal so groß wie eine Biene und rund 6-mal kleiner als ein Fußball.