Halsbandsittich
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Kurz erklärt
Der Halsbandsittich ist ein hellgrüner Papagei mit rotem Schnabel und sehr langem Schwanz. Ursprünglich lebt er in Afrika und Südasien. In Deutschland brüten seit 1969 freilebende Halsbandsittiche, heute vor allem in Städten wie Köln, Mannheim und Wiesbaden. Er wird 37 bis 43 cm lang, frisst Früchte, Knospen und Samen und ist in lauten Schwärmen unterwegs.
Steckbrief
| Wissenschaftl. Name | Psittacula krameri |
|---|---|
| Abstammung |
|
| Körpergröße | 37 bis 43 cm |
| Körpergewicht | 125 bis 160 g |
| Ernährung | Pflanzenfresser: Samen, Körner, Früchte, Knospen und Blüten |
| Lebenserwartung | In Menschenobhut bis 34 Jahre; ältester beringter Wildvogel Großbritanniens knapp 9 Jahre |
| Sozialverhalten | Sehr gesellig, Schwarmbildung und gemeinsame Schlafplätze |
| Herkunft | Afrika südlich der Sahara und Südasien |
| Verbreitung | Afrika und Südasien; eingebürgert in Europa, Vorderasien, Japan, Nordamerika und auf Karibikinseln AfrikaAsienEuropaNordamerika |
| Entdeckung | Erstbeschreibung 1769 durch Giovanni Antonio Scopoli |
| Gefährdung | LC Nicht gefährdet (Rote Liste der IUCN, 2024) |
| Sonstiges | Die Körperlänge schließt den langen Schwanz ein, der bei erwachsenen Vögeln allein 18 bis 23 cm misst. Bestand in Deutschland: 4.600 bis 7.500 Brutpaare, Tendenz zunehmend (NABU). |
Ein Papagei, der in deutschen Städten brütet
Wer in Köln, Mannheim oder Wiesbaden durch einen alten Park geht, hört sie oft, bevor er sie sieht: kreischende, leuchtend grüne Vögel, die in Trupps von Baumkrone zu Baumkrone fliegen. Das sind Halsbandsittiche, mittelgroße Papageien, die eigentlich in Afrika und Asien zu Hause sind.
Nach Deutschland kamen sie nicht von allein. Sie stammen von Vögeln ab, die aus Volieren und Käfigen entkommen sind. Die erste Brut in freier Natur wurde 1969 in Köln festgestellt. Von dort breiteten sie sich weiter aus. Der NABU schätzt den deutschen Bestand heute auf 4.600 bis 7.500 Brutpaare mit zunehmendem Trend.
Aussehen und Körperbau
Der Halsbandsittich wirkt schlank und langgestreckt. Nach Angaben des NABU ist er 37 bis 43 cm lang, davon entfallen bei erwachsenen Vögeln allein 18 bis 23 cm auf den langen, spitz zulaufenden Schwanz. Das Animal Diversity Web nennt eine sehr ähnliche Spanne von 38 bis 42 cm. Der Schwanz macht damit etwa die Hälfte der Gesamtlänge aus - der Vogel ist also viel kleiner, als die Zahl zunächst vermuten lässt.
Beim Gewicht liegen die Messwerte des British Trust for Ornithology bei durchschnittlich 142,4 g, die meisten erwachsenen Vögel wiegen zwischen 125 und 160 g. Die Flügellänge beträgt im Mittel 174,6 mm, Männchen sind etwas größer als Weibchen.
Das Gefieder ist hellgrün, der Schnabel kräftig und rot. Der Name stammt vom auffälligen Halsband der Männchen: eine schwarze Kehle, von der sich ein schwarzes, nach hinten rosarot auslaufendes Band bis in den Nacken zieht.
Männchen und Weibchen unterscheiden: Nur ausgewachsene Männchen tragen dieses Halsband. Weibchen sind einfarbig grün. Junge Vögel sehen zunächst alle wie Weibchen aus. Das Halsband entwickelt sich erst, wenn die Männchen mit etwa drei Jahren geschlechtsreif werden. Wer also in einem Schwarm nur grüne Vögel ohne Band sieht, hat entweder Weibchen oder junge Tiere vor sich.
Verbreitung und Lebensraum
Das natürliche Verbreitungsgebiet des Halsbandsittichs besteht aus zwei getrennten Teilen:
- Afrika: ein breites Band südlich der Sahara, vom Senegal im Westen bis Äthiopien im Osten, nach Norden bis Ägypten und nach Süden bis Uganda
- Südasien: Pakistan, Indien, Nepal, Bhutan, Bangladesch, Sri Lanka, Teile Chinas und Vietnams
Ursprünglich bewohnt er locker bewaldete Savannen und offene Bergwälder. Er ist aber sehr anpassungsfähig und lebt heute auch in Wüstenrandgebieten, Feuchtgebieten, Agrarland und vor allem in Städten.
Als Gefangenschaftsflüchtling hat er sich in vielen Ländern außerhalb seiner Heimat angesiedelt, unter anderem in Belgien, Deutschland, Italien, den Niederlanden, Portugal, Slowenien, Spanien und Großbritannien, außerdem in Vorderasien, Japan, Singapur, den USA, Venezuela sowie auf Kuba, Puerto Rico und Curaçao.
In Deutschland lebt er fast ausschließlich in größeren Städten mit altem Baumbestand, etwa in Parkanlagen und großen Gärten. Städte bieten ihm zwei Vorteile: Sie sind wärmer als das Umland, und das Nahrungsangebot ist zuverlässiger. Wanderungen sind aus Deutschland nicht bekannt, die Vögel bleiben ganzjährig an ihrem Ort.
Ernährung
Halsbandsittiche ernähren sich pflanzlich. Der NABU nennt Früchte, Blüten, Knospen und grüne Pflanzenteile, ergänzt durch Körner und Samen an Futterstellen. Das Animal Diversity Web beziffert den Anteil von Samen und Körnern an der Nahrung auf etwa 80 Prozent; dazu kommen Früchte, Nektar und gelegentlich Insekten.
In ihrer Heimat gelten Halsbandsittiche deshalb als Ernteschädlinge: Schwärme können in Getreide- und Obstkulturen erhebliche Schäden anrichten und auch eingelagertes Getreide plündern.
Verhalten und Lebensweise
Halsbandsittiche sind tagaktiv, leben in Gruppen und sind laut. Das Animal Diversity Web beschreibt drei Rufe: einen schnellen "kew-kew-kew"-Ruf, ein tiefes "krrrr" bei Bedrohung und ein leises Schnurren als Kontaktlaut. Jungvögel beherrschen anfangs nur einen Ruf und lernen die übrigen erst.
Das ganze Jahr über nutzen die Vögel gemeinsame Schlafplätze, an denen sich abends große Schwärme sammeln. Im Frühjahr wird es dort deutlich leerer, weil die Weibchen an den Nestern bleiben, während die Männchen weiter zum Schlafplatz zurückkehren. Das Streifgebiet eines Schwarms ist nach einer Untersuchung von Strubbe und Matthysen im Mittel etwa 751.000 Quadratmeter groß.
Baden mögen Halsbandsittiche nicht besonders. Lieber duschen sie im Regen oder zwischen nassen Blättern.
Fortpflanzung und Nachwuchs
Halsbandsittiche leben monogam: Ein Weibchen paart sich mit einem Männchen. Ungewöhnlich: Das Weibchen leitet die Paarung ein, indem es seinen Kopf wiederholt am Kopf des Männchens reibt.
Die Art brütet früh im Jahr. Die Balz beginnt im Dezember und Januar, die Eier werden im Februar und März gelegt. Ein Gelege besteht im Schnitt aus vier Eiern (beobachtet wurden 1 bis 7). Die Brutdauer beträgt rund drei Wochen, nach etwa sieben Wochen fliegen die Jungen aus. Beide Eltern füttern und verteidigen den Nachwuchs.
Halsbandsittiche sind Nachmieter: Sie zimmern keine eigenen Höhlen, sondern nutzen vorhandene Baumhöhlen, oft alte Spechthöhlen von Buntspecht und Grünspecht. Genau daraus entsteht ein ökologisches Problem, denn dieselben Höhlen brauchen heimische Arten wie Kleiber, Blaumeise, Kohlmeise, Hohltaube und Star. Wo Halsbandsittiche häufig sind, konkurrieren sie mit ihnen um Brutplätze. Bietet sich die Gelegenheit, brüten sie kolonieartig nebeneinander, Einzelbruten kommen ebenfalls vor.
Alter und Gefährdung
In Menschenobhut können Halsbandsittiche sehr alt werden: Bis zu 34 Jahre sind dokumentiert. Wie alt wildlebende Vögel werden, ist kaum untersucht; der älteste in Großbritannien beringte Halsbandsittich wurde 8 Jahre und 11 Monate alt.
Die Weltnaturschutzunion IUCN stuft die Art als nicht gefährdet ("Least Concern") ein; die aktuelle Einschätzung von BirdLife International stammt aus dem Jahr 2024. Der NABU nennt für Deutschland ebenfalls keine Gefährdung. Die eigentliche Naturschutzfrage lautet hier umgekehrt: Wie wirkt sich ein zunehmender Bestand eingebürgerter Papageien auf heimische Höhlenbrüter aus? Dazu laufen weiterhin Untersuchungen.
Ein Hinweis zum wissenschaftlichen Namen: Die IOC World Bird List führt die Art als Psittacula krameri. BirdLife International und die IUCN stellen sie inzwischen in die Gattung Alexandrinus und schreiben Alexandrinus krameri. Gemeint ist derselbe Vogel.
Häufige Fragen zum Halsbandsittich
Wie groß wird ein Halsbandsittich?
37 bis 43 cm von der Schnabelspitze bis zur Schwanzspitze. Davon entfallen 18 bis 23 cm auf den Schwanz, für den Körper bleiben also nur rund 19 bis 20 cm.
Warum leben Papageien in deutschen Städten?
Weil einzelne Vögel aus Volieren entkommen sind und sich vermehrt haben. Die erste Brut in freier Natur wurde 1969 in Köln festgestellt. Städte sind wärmer als das Umland und bieten ganzjährig Nahrung, deshalb überleben die Vögel dort auch den Winter.
In welchen Städten gibt es Halsbandsittiche?
Der NABU nennt für Deutschland vor allem Köln, Mannheim und Wiesbaden. Auch in anderen Städten am Rhein sowie in Belgien, den Niederlanden und Großbritannien leben freilebende Schwärme.
Was frisst ein Halsbandsittich?
Überwiegend Samen und Körner, dazu Früchte, Knospen, Blüten, grüne Pflanzenteile und Nektar. In Deutschland nutzt er auch Futterstellen in Gärten.
Wie unterscheide ich Männchen und Weibchen?
Nur erwachsene Männchen tragen die schwarze Kehle mit dem rosaroten Nackenband. Weibchen und Jungvögel sind einfarbig grün. Das Halsband erscheint erst mit etwa drei Jahren.
Sind Halsbandsittiche ein Problem für heimische Vögel?
Sie können es sein. Halsbandsittiche brüten in vorhandenen Baumhöhlen und konkurrieren dabei mit Kleiber, Meisen, Hohltaube und Star. In ihrer Heimat gelten sie zudem als Ernteschädlinge.
Wie alt wird ein Halsbandsittich?
In Menschenobhut sind bis zu 34 Jahre belegt. Für wildlebende Vögel gibt es kaum Daten; der älteste beringte Vogel Großbritanniens war knapp neun Jahre alt.
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Quellen
- Halsbandsittich - Vogelporträt des NABU
- Psittacula krameri (rose-ringed parakeet) - Animal Diversity Web, University of Michigan
- Ring-necked Parakeet - BirdFacts, British Trust for Ornithology
- BirdLife International (2024): Alexandrinus krameri. The IUCN Red List of Threatened Species 2024
- Gill, F., Donsker, D. & Rasmussen, P. (Hrsg.): IOC World Bird List v15.2
Größenvergleich
Ein Halsbandsittich erreicht eine Körpergröße von 37 bis 43 cm. Damit passt er bequem zwischen einen Fußball (22 cm) und einen Kind (1,2 m) auf unserer Vergleichsskala. Ein Kind wäre dagegen noch rund 3-mal so groß.
Gewichtsvergleich
Mit 125 bis 160 g gehört der Halsbandsittich zu den leichteren Tieren in unserem Lexikon. Zum Vergleich: Eine Tafel Schokolade wiegt nur 100 g, während ein Fußball mit 430 g deutlich mehr auf die Waage bringt.