Hammerhai

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Hammerhai mit breitem, hammerförmigem Kopf und hoher Rückenflosse schwimmt im blauen Wasser
suneko / Wikimedia Commons / CC BY 2.0

Kurz erklärt

Hammerhaie erkennt man sofort an ihrem breiten, hammerförmigen Kopf. Augen und Nasenlöcher sitzen ganz außen an den Enden, dazwischen liegen Tausende winziger Sinnesorgane für elektrische Signale. Damit spüren die Haie sogar Rochen auf, die sich im Sand versteckt haben. Die größte der zehn Arten ist der Große Hammerhai mit bis zu 6,1 Metern Länge.

Steckbrief

Wissenschaftl. NameSphyrnidae
Abstammung
  • Klasse: Knorpelfische
  • Unterklasse: Euselachii
  • Überordnung: Galeomorphii
  • Ordnung: Grundhaie
  • Familie: Hammerhaie
Körpergröße92 cm bis 6,1 m
Körpergewicht230 bis 580 kg
ErnährungFleischfresser: Rochen, Knochenfische, Tintenfische, Krebstiere und kleinere Haie
Lebenserwartung20 bis 30 Jahre
SozialverhaltenMeist Einzelgänger, einige Arten bilden große Schulen
HerkunftUnbekannt
Verbreitung Tropische und subtropische Küstengewässer weltweit Meer
EntdeckungErstbeschreibung des Großen Hammerhais 1837 durch Eduard Rüppell
GefährdungCR Vom Aussterben bedroht (Rote Liste der IUCN, 2019)
SonstigesDie Angaben zu Gewicht, Lebenserwartung und Gefährdung beziehen sich auf den Großen Hammerhai (Sphyrna mokarran), die größte der zehn Arten.

Zehn Arten mit Hammerkopf

„Hammerhai“ ist kein einzelnes Tier, sondern eine ganze Familie: die Sphyrnidae. Zu ihr gehören heute zehn Arten in zwei Gattungen. Die jüngste davon, Sphyrna alleni, wurde erst 2024 beschrieben. Die Arten unterscheiden sich vor allem in der Größe und in der Form ihres Kopfes.

  • Der Große Hammerhai (Sphyrna mokarran) ist mit maximal 5,5 bis 6,1 Metern die längste Art.
  • Der Bogenstirn-Hammerhai (Sphyrna lewini) und der Glatte Hammerhai (Sphyrna zygaena) werden ebenfalls über 3 Meter lang und bilden riesige Schwärme.
  • Der Carolina-Hammerhai (Sphyrna gilberti) wurde erst 2013 als eigene Art beschrieben. Von außen ist er vom Bogenstirn-Hammerhai nicht zu unterscheiden, nur an der Zahl seiner Wirbel und am Erbgut.
  • Der Korona-Hammerhai (Sphyrna corona) ist mit höchstens 92 cm die kleinste Art.
  • Der Flügelkopf-Hammerhai (Eusphyra blochii) hat den extremsten Kopf: Seine Breite macht 40 bis 50 Prozent der Körperlänge aus.

Aussehen und Körperbau

Hammerhaie haben einen stromlinienförmigen Körper, meist bräunlich bis grau gefärbt mit weißem Bauch. Ihr Kennzeichen ist der stark verbreiterte Kopf, den Fachleute Cephalofoil nennen. Bei den Arten der Gattung Sphyrna entspricht seine Breite 17 bis 33 Prozent der Körperlänge.

Die Augen sitzen seitlich ganz außen an den Enden des Hammers, die Nasenlöcher an der Vorderkante. Das Maul liegt darunter und ist parabelförmig. Die Zähne sind dreieckig und stark gesägt. Der Große Hammerhai trägt auf jeder Seite 17 Zahnreihen im Oberkiefer.

Die erste Rückenflosse ist auffällig hoch und sichelförmig nach hinten gebogen. Bei jungen Tieren ist die Vorderkante des Kopfes noch stärker gerundet als bei erwachsenen. Der Große Hammerhai schwimmt häufig seitlich geneigt, fast auf der Seite liegend.

Größe und Gewicht: Erwachsene Große Hammerhaie messen meist ab 3,5 Meter und wiegen über 230 kg. Der längste dokumentierte Hammerhai war 6,1 Meter lang. Das schwerste bekannte Tier war ein trächtiges Weibchen von 4,4 Metern Länge und 580 kg, das 2006 vor Boca Grande in Florida gefangen wurde, es trug 55 ungeborene Junge in sich.

Wozu dient der Hammerkopf?

Warum der Kopf im Lauf der Evolution so breit wurde, ist nicht endgültig geklärt. Fachleute nennen mehrere Vorteile, die sich ergänzen:

  1. Größeres Sichtfeld: Weil die Augen weit auseinander stehen, überblickt der Hai einen größeren Bereich als ein rundköpfiger Hai.
  2. Bessere Elektroortung: An der Unterseite des Cephalofoils liegen die Lorenzinischen Ampullen, winzige mit Gallerte gefüllte Poren. Sie nehmen schwächste elektrische Felder wahr, die jedes Lebewesen erzeugt. Über die breite Fläche verteilt wirken sie wie ein Metalldetektor, mit dem der Hai den Meeresboden absucht. Eine Modellrechnung von 2002 bestätigte, dass ein hammerköpfiger Hai Beute damit besser findet als ein rundköpfiger.
  3. Mehr Geruchsfläche: Die Nasenlöcher liegen weit auseinander. So kann der Hai besser einschätzen, aus welcher Richtung ein Geruch kommt.
  4. Bessere Manövrierfähigkeit: Der Kopf wirkt wie ein Tragflügel und hilft beim schnellen Wenden.
  5. Werkzeug bei der Jagd: Große Hammerhaie drücken Rochen mit dem Kopf auf den Boden, um sie festzuhalten.

Verbreitung und Lebensraum

Hammerhaie leben weltweit in warmen Meeren. Der Große und der Bogenstirn-Hammerhai kommen rund um den Globus in tropischen und subtropischen Gewässern vor, der Glatte Hammerhai auch in gemäßigten Zonen und im Sommer sogar in kühleren Regionen. Die kleineren Arten bewohnen kleinere Gebiete, der Korona-Hammerhai zum Beispiel nur die Pazifikküste zwischen dem Golf von Kalifornien und Peru.

Die meisten Hammerhaie halten sich über dem Kontinentalschelf, an Riffen, in Lagunen und in Küstennähe auf. Der Große Hammerhai kommt von flachem Wasser bis in etwa 80 Meter Tiefe vor, weiter draußen im offenen Meer vereinzelt auch bis etwa 300 Meter. Am tiefsten taucht der Bogenstirn-Hammerhai, er wurde unter 270 Metern nachgewiesen. Manche Bestände wandern im Sommer in kühlere Gebiete und im Winter zurück.

Ernährung

Hammerhaie sind Raubfische. Auf dem Speiseplan der großen Arten stehen Knochenfische wie Sardinen, Heringe und Makrelen, dazu Tintenfische, Kalmare, Krebstiere und kleinere Haie. Große Tiere fressen gelegentlich auch Artgenossen.

Die Spezialität des Großen Hammerhais sind Rochen, vor allem Stechrochen. Ihre Giftstacheln scheinen ihn nicht zu stören: In einem vor Florida gefangenen Tier steckten 96 Stacheln im und um das Maul. Gejagt wird vor allem nachts und in der Dämmerung. Dabei schwingt der Hai seinen Kopf in weiten Bögen über den Meeresboden und sucht mit den Lorenzinischen Ampullen nach elektrischen Signalen, selbst von Beute, die sich im Sand eingegraben hat.

Die kleineren Arten ernähren sich überwiegend von wirbellosen Tieren. Der Schaufelnasen-Hammerhai hat sich auf hartschalige Beute wie Krabben, Garnelen und Muscheln spezialisiert. Seine hinteren Zähne sind abgeflacht wie Mahlsteine, damit knackt er die Panzer.

Verhalten und Lebensweise

Die meisten Hammerhaie sind Einzelgänger. Der Glatte und der Bogenstirn-Hammerhai bilden jedoch regelmäßig Gruppen, die Fachleute Schulen nennen. Sie können aus mehreren hundert bis mehreren tausend Tieren bestehen.

Ausgewachsene große Hammerhaie haben kaum natürliche Feinde, nur Schwertwale sind ihnen gefährlich. Jungtiere und kleine Arten werden dagegen von anderen Haien gefressen, zum Beispiel von Bullenhaien.

Fortpflanzung und Nachwuchs

Alle Hammerhaie sind lebendgebärend. Die Embryonen ernähren sich zuerst von ihrem Dottersack. Ist er aufgebraucht, wird er zu einer Plazenta umgebaut, ähnlich wie bei Säugetieren, und versorgt die Jungen über den Blutkreislauf der Mutter.

Beim Großen Hammerhai dauert die Tragzeit etwa elf Monate. Ein Wurf umfasst 6 bis 55 Jungtiere, meist 20 bis 40. Sie sind bei der Geburt 50 bis 70 cm lang. Die Weibchen bekommen nur alle zwei Jahre Nachwuchs. Männchen werden mit 2,3 bis 2,8 Metern geschlechtsreif, Weibchen mit 2,5 bis 3,0 Metern. Bogenstirn-Hammerhaie bringen ihre Jungen in flachen Küstengewässern zur Welt, wo diese ihre ersten Lebensjahre verbringen.

Geburt ohne Vater: Im Dezember 2001 gebar ein Schaufelnasen-Hammerhai im Zoo von Omaha in Nebraska ein Junges, obwohl im Becken kein Männchen lebte. Eine DNA-Untersuchung, die 2007 veröffentlicht wurde, zeigte, dass im Erbgut des Jungtiers kein väterlicher Anteil steckte. Es war der erste Nachweis einer Jungfernzeugung (Parthenogenese) bei Haien. Inzwischen kennt man solche Fälle auch von anderen Haiarten.

Gefährdung

Hammerhaie sind durch die Fischerei stark unter Druck geraten. Ihre großen Flossen sind auf dem asiatischen Markt für Haifischflossensuppe besonders wertvoll. Das Fleisch wird dagegen selten gegessen. Viele Tiere gehen als Beifang in Langleinen, Netzen und Schleppnetzen verloren, im Nordwestatlantik und im Golf von Mexiko sterben über 90 Prozent der gefangenen Tiere. Dazu kommt, dass Hammerhaie spät geschlechtsreif werden und nur alle zwei Jahre Junge bekommen. Verluste gleichen die Bestände deshalb nur langsam aus.

Auf der Roten Liste der Weltnaturschutzunion IUCN steht der Große Hammerhai seit der Einstufung von 2019 als vom Aussterben bedroht (Critically Endangered). Vor Westafrika sind die Bestände in 25 Jahren um schätzungsweise 80 Prozent zurückgegangen, im Indischen Ozean sanken die Fangraten zwischen 1978 und 2003 um 73 Prozent. Mehrere Länder und die EU haben das Abtrennen der Flossen an Bord (Finning) verboten.

Wie gefährlich sind Hammerhaie für Menschen?

Große Hammerhaie könnten einen Menschen schwer verletzen, greifen aber praktisch nie an. Taucherinnen und Taucher beschreiben sie meist als scheu oder neugierig. Die International Shark Attack File zählte für die gesamte Gattung Sphyrna 17 unprovozierte Bisse, keiner davon endete tödlich. Weil sich die Arten im Wasser kaum unterscheiden lassen, ist unklar, wie viele davon auf den Großen Hammerhai zurückgehen. Trotzdem gilt: Abstand halten und die Tiere nicht bedrängen.

Häufige Fragen zum Hammerhai

Wie groß und wie schwer wird ein Hammerhai?

Der Große Hammerhai, die größte Art, erreicht maximal 5,5 bis 6,1 Meter. Erwachsene Tiere wiegen meist über 230 kg. Der schwerste bekannte Hammerhai wog 580 kg. Die kleinste Art, der Korona-Hammerhai, bleibt dagegen unter einem Meter.

Warum hat der Hammerhai so einen komischen Kopf?

Der breite Kopf vergrößert das Sichtfeld, verteilt die Geruchs- und Elektrosinnesorgane über eine größere Fläche und wirkt beim Schwimmen wie ein Tragflügel. Dadurch findet der Hai Beute besser, auch wenn sie im Sand versteckt ist, und kann schneller wenden.

Was frisst ein Hammerhai?

Vor allem Fische, Tintenfische, Krebstiere und kleinere Haie. Der Große Hammerhai bevorzugt Rochen, besonders Stechrochen. Die kleinen Arten wie der Schaufelnasen-Hammerhai knacken mit flachen Zähnen die Panzer von Krabben und Muscheln.

Ist der Hammerhai gefährlich für Menschen?

Angriffe sind sehr selten. Für alle Hammerhai-Arten zusammen sind 17 unprovozierte Bisse dokumentiert, keiner davon tödlich. Umgekehrt ist der Mensch für den Hai lebensgefährlich: Der Große Hammerhai gilt als vom Aussterben bedroht.

Wie viele Junge bekommt ein Hammerhai?

Beim Großen Hammerhai sind es 6 bis 55 Junge pro Wurf, meist 20 bis 40. Sie kommen nach etwa elf Monaten Tragzeit lebend zur Welt und sind dann 50 bis 70 cm lang. Ein Weibchen bekommt nur alle zwei Jahre Nachwuchs.

Wie alt werden Hammerhaie?

Der Große Hammerhai lebt normalerweise 20 bis 30 Jahre. Weil er erst spät geschlechtsreif wird, dauert es lange, bis sich ein befischter Bestand erholt.

Ähnliche Tiere

  • Weißer Hai - der bekannteste große Raubhai
  • Tigerhai - ebenfalls ein Grundhai warmer Meere
  • Bullenhai - jagt auch in Flüssen und frisst junge Hammerhaie
  • Grauer Riffhai - typischer Hai tropischer Korallenriffe
  • Stachelrochen - die Lieblingsbeute des Großen Hammerhais
  • Fische - Übersicht über alle Fische im Lexikon

Quellen

Größenvergleich

🪙1-Euro-Münze
2,3 cm
⚽Fußball
22 cm
🧒Kind
1,2 m
🧑Erwachsener
1,8 m
🏠Haus
10 m
▼Hammerhai
92 cm bis 6,1 m

Wie groß ist der Hammerhai wirklich? Mit 92 cm bis 6,1 m überragt er einen Fußball (22 cm) deutlich, kommt aber noch nicht an ein Haus (10 m) heran. Anschaulich gesprochen: Man müsste etwa 16 Fußbälle übereinander stapeln, um so groß wie ein Hammerhai zu werden. Selbst eine 1-Euro-Münze (2,3 cm) wirkt daneben noch winzig.

Gewichtsvergleich

🪙1-Euro-Münze
7,5 g
🍫Tafel Schokolade
100 g
⚽Fußball
430 g
🧒Kind
25 kg
🧑Erwachsener
75 kg
🚗Auto
1,5 t
🚌Schulbus
12 t
▼Hammerhai
230 bis 580 kg

Ein Hammerhai bringt 230 bis 580 kg auf die Waage. Das ist schwerer als ein Erwachsener (75 kg), aber leichter als ein Auto (1,5 t). Anders ausgedrückt: Der Hammerhai wiegt so viel wie etwa 5 Erwachsene.