Hecht
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Kurz erklärt
Der Hecht ist ein großer Raubfisch mit langem Körper und einem breiten Maul voller spitzer Zähne. Er lebt in Seen, Teichen und langsam fließenden Flüssen der Nordhalbkugel. Gut getarnt lauert er zwischen Wasserpflanzen und schießt blitzschnell auf vorbeischwimmende Fische zu. Weibchen können über 1 m lang und mehr als 20 kg schwer werden.
Steckbrief
| Wissenschaftl. Name | Esox lucius |
|---|---|
| Abstammung |
|
| Körpergröße | Meist 40 bis 55 cm; Weibchen selten über 130 cm, Höchstlänge laut FishBase 150 cm; Männchen meist unter 1 m |
| Körpergewicht | Große Weibchen über 20 kg, höchstes veröffentlichtes Gewicht 28,4 kg; ein etwa dreijähriger Hecht von 50 cm wiegt knapp 1 kg |
| Ernährung | Raubfisch: vor allem Fische, auch Artgenossen; außerdem Frösche, Krebse, Wasservögel und kleine Säugetiere |
| Lebenserwartung | Bis 30 Jahre (Höchstalter laut FishBase und DAFV) |
| Sozialverhalten | Einzelgänger mit ausgeprägtem Revierverhalten |
| Herkunft | Nordhalbkugel |
| Verbreitung | Europa, Nordamerika sowie Nord- und Zentralasien bis Sibirien; fehlt ursprünglich unter anderem auf der Iberischen Halbinsel, in Island und Nordschottland AsienEuropaNordamerika |
| Entdeckung | Erstbeschreibung 1758 durch Carl von Linné |
| Gefährdung | LC Nicht gefährdet (Rote Liste der IUCN, 2024) |
| Sonstiges | Fisch des Jahres 2016 in Deutschland. Die Gattung Esox umfasst sieben Arten, die größte ist der nordamerikanische Muskellunge. |
Was ist ein Hecht?
Der Hecht (Esox lucius) ist einer der bekanntesten Raubfische in Seen und Flüssen. Mit seinem langen Körper, dem breiten Maul und den vielen spitzen Zähnen ist er kaum zu verwechseln. Er gehört zu den größten heimischen Süßwasserfischen und ist bei Anglern sehr beliebt. Beschrieben hat ihn der schwedische Naturforscher Carl von Linné im Jahr 1758.
Der Hecht ist nicht nur in Europa zu Hause, sondern auch in Asien und Nordamerika. Deshalb wird er auch Nordischer Hecht genannt, der Name „Europäischer Hecht“ ist eigentlich zu eng. In Deutschland war er Fisch des Jahres 2016. Der Deutsche Angelfischerverband und das Bundesamt für Naturschutz wollten damit auf den Schutz von Flussauen und Ufern aufmerksam machen, die der Hecht zum Laichen braucht.
Aussehen und Körperbau
Körperform: Der Hecht hat einen lang gestreckten, fast walzenförmigen Körper. Rückenflosse und Afterflosse sitzen weit hinten, kurz vor dem Schwanz, und stehen sich fast gegenüber. Zusammen mit der großen Schwanzflosse wirken sie wie ein Antrieb am Heck. So kann der Hecht aus dem Stand blitzschnell beschleunigen.
Kopf: Der Kopf macht 25 bis 30 % der Körperlänge aus. Das Maul ist lang, flach und breit und erinnert an einen Entenschnabel. Der Unterkiefer steht etwas vor.
Zähne: Im Maul sitzen über 700 spitze, scharfkantige Zähne, die nach hinten zeigen. Die Zähne im Oberkiefer lassen sich nach hinten umklappen. Eine Beute rutscht so leicht hinein, kann aber kaum wieder heraus. Die Zähne sitzen nur locker auf den Knochen und werden immer wieder ersetzt.
Augen: Die großen, beweglichen Augen sitzen oberhalb der Maulspalte und blicken leicht nach vorn. Dadurch sieht der Hecht in einem Winkel von etwa 80 Grad mit beiden Augen gleichzeitig.
Sinnesorgane: Am Unterkiefer liegen auf jeder Seite vier bis sechs Poren, die wie die Seitenlinie Druckwellen im Wasser wahrnehmen. So spürt der Hecht Bewegungen von Beutetieren.
Farbe und Tarnung: Der Rücken ist dunkel, meist grünlich bis bräunlich, der Bauch hell. Auf den Seiten liegen gelbliche Querbinden oder helle Flecken. Die Färbung ist sehr unterschiedlich und passt sich der Umgebung an. Zwischen Pflanzen ist ein ruhig stehender Hecht kaum zu erkennen.
Größe und Gewicht: Viele Hechte sind 40 bis 55 cm lang. Weibchen werden deutlich größer als Männchen: Sie erreichen selten mehr als 130 cm, die Fischdatenbank FishBase nennt als Höchstlänge 150 cm. Männchen bleiben meist unter 1 m. Große Weibchen wiegen über 20 kg, das höchste veröffentlichte Gewicht liegt bei 28,4 kg.
Verbreitung und Lebensraum
Heimat: Kein anderer Hecht ist so weit verbreitet. Das Gebiet reicht von Kanada und den nördlichen USA über Irland, Großbritannien, Mittel- und Nordeuropa bis nach Sibirien und zum äußersten Osten Russlands. Ursprünglich fehlt der Hecht auf der Iberischen Halbinsel, in Island und Nordschottland sowie in Teilen Italiens und Griechenlands. Die Hechte in Südwestfrankreich und Norditalien gelten heute als eigene Arten.
Lebensraum: Der Hecht stellt keine großen Ansprüche. Am liebsten lebt er in stehenden und langsam fließenden Gewässern mit vielen Wasserpflanzen, also in Seen, Teichen, Altarmen und ruhigen Flussabschnitten. In schnelleren Flüssen hält er sich an ruhigen Ufern auf. In tiefen Seen jagen manche Hechte im freien Wasser Schwärmen von Maränen hinterher. In den Bergen kommt er bis in 1.600 m Höhe vor.
Auch im Brackwasser: Hechte vertragen leicht salziges Wasser und können sich bis zu einem Salzgehalt von 7 Promille fortpflanzen. Bekannte Hechtgebiete im Brackwasser sind die Boddengewässer und die schwedischen Schären in der Ostsee.
Temperatur und Sauerstoff: Am besten wächst der Hecht bei etwa 20 °C. Die tödlichen Temperaturgrenzen liegen bei 0,1 °C und 29,4 °C. Je nach Wassertemperatur kommt er auch mit wenig Sauerstoff im Wasser aus.
Ernährung
Der Hecht ist ein Raubfisch und frisst vor allem andere Fische. Er ist dabei nicht wählerisch und nimmt, was er am leichtesten bekommt. Zu seiner Beute gehören auch Frösche, Krebse, Wasservögel und kleine Säugetiere, die ins Wasser fallen. In der Ostsee jagt er im Frühjahr die Heringsschwärme, die zum Laichen ans Ufer ziehen.
Artgenossen als Beute: Hechte fressen auch andere Hechte. Das passiert besonders, wenn zu viele Hechte in einem Gewässer leben oder wenn Verstecke für die Jungfische fehlen. Der Kannibalismus scheint dabei zu helfen, die Zahl der Hechte in einem Gewässer zu regulieren.
Kopf voran: Hat der Hecht einen Fisch gepackt, dreht er ihn im Maul und schluckt ihn mit dem Kopf voran. Das ist besonders bei Beutefischen mit harten Flossenstrahlen wichtig.
Von klein auf ein Jäger: Die Larven fressen zuerst Zooplankton. Schon mit 2 bis 4 cm Länge, etwa vier bis fünf Wochen nach dem Schlupf, stellen junge Hechte auf Fischbrut um.
Verhalten und Lebensweise
Lauerjäger: Der Hecht ist ein Einzelgänger mit ausgeprägtem Revierverhalten. Meist steht er regungslos in Deckung, etwa am Schilfrand oder zwischen Wasserpflanzen. Kommt ein Fisch vorbei, schießt er hervor und packt zu. Dabei erreicht er kurzzeitig bis zu 4 m pro Sekunde, das sind über 14 km/h.
Beißreflex: Der Hecht schnappt oft nach allem, was sich in seiner Reichweite bewegt. Manchmal überschätzt er sich dabei und packt Tiere, die zu groß zum Schlucken sind. Weil seine Zähne nach hinten gebogen sind, kann er sie kaum wieder loslassen. Es gibt Berichte über Hechte, die an zu großer Beute erstickt sind.
Standorttreu: Die meisten Hechte bleiben in ihrem Gebiet und unternehmen keine langen Wanderungen. Einzelne Tiere legen aber größere Strecken zurück. Viele Hechte aus der Ostsee ziehen zum Laichen ins Süßwasser.
Warnstoffe: Im Kot des Hechts stecken Alarmstoffe, die andere Fische meiden. Hechte setzen ihren Kot deshalb an bestimmten Stellen ab, weit entfernt von ihren Jagdplätzen.
Fortpflanzung und Nachwuchs
Laichzeit: Hechte laichen im Frühjahr, je nach Wetter von März bis in den Mai. Schon im Spätherbst des Vorjahres dringen die Männchen in die Reviere der Weibchen ein. Die Männchen kämpfen mit Rammstößen und Bissen um die Weibchen.
Laichplätze: Der Hecht braucht zum Laichen flache, pflanzenreiche Stellen. Ideal sind im Frühjahr überschwemmte Wiesen in Flussauen, außerdem flache Uferzonen von Seen, Gräben und Nebenarme. Weil das Wasser dort flach ist, erwärmt es sich im Frühjahr schnell.
Eiablage: Beim Laichen kommt jeweils nur ein Männchen zum Zug. Ein Weibchen trägt etwa 40.000 Eier pro Kilogramm Körpergewicht. Die Eier sind 2 bis 3 mm groß und kleben an den Wasserpflanzen fest.
Gefährliche Mütter: Nach dem Laichen verlieren die Weibchen ihre Scheu vor den oft viel kleineren Männchen. Kleine Männchen werden dann manchmal von den Weibchen gefressen.
Schlupf und Wachstum: Nach 10 bis 30 Tagen, je nach Temperatur, schlüpfen 6 bis 8 mm lange Larven. Sie kleben sich mit einer Drüse am Kopf an Pflanzen fest und leben zunächst von ihrem Dottersack. Unter guten Bedingungen sind junge Hechte nach einem Jahr über 15 cm lang, nach etwa drei Jahren rund 50 cm. Männchen können schon im zweiten Lebensjahr geschlechtsreif sein, Weibchen oft erst im vierten.
Wenige überleben: Nur 0,04 bis 0,4 % der Eier werden zu einjährigen Hechten.
Feinde und Gefährdung
Natürliche Feinde: Eier und Jungfische werden von Fischen, Insektenlarven, Vögeln und Säugetieren im Wasser gefressen. In flachen Laichgebieten erbeuten besonders Reiher viele junge Hechte. Dazu kommen größere Artgenossen.
Gefährdung: Die Rote Liste der IUCN stuft den Hecht weltweit als nicht gefährdet (LC) ein (IUCN, 2024). Auch in der aktuellen Roten Liste Deutschlands von 2023 gilt er als ungefährdet. In den Roten Listen von Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Sachsen und Schleswig-Holstein stand er nach Angaben von DAFV und BfN (2016) dagegen als gefährdet.
Was dem Hecht schadet: Viele Laichplätze sind verschwunden. Wiesen wurden trockengelegt und Flüsse reguliert, sodass die Frühjahrsüberschwemmungen ausbleiben. Durch begradigte und verbaute Ufer ging weiterer Lebensraum verloren. In der Ostsee gingen Hechtbestände zurück, weil Häfen gebaut wurden, sich Stichlinge stark vermehrten und Fadenalgen in den Küstengewässern zunahmen. Wo Auen und Ufer naturnah bleiben oder renaturiert werden, profitiert neben dem Hecht auch eine Vielzahl anderer Tiere und Pflanzen.
Angeln: Mindestmaße, Schonzeiten und Fangbeschränkungen für den Hecht legen in Deutschland die Bundesländer fest. Es gibt 16 verschiedene Landesfischereigesetze und Verordnungen.
Besonderheiten
Die Verwandtschaft: Zur Gattung Esox gehören sieben Arten. Die größte ist der Muskellunge aus Nordamerika mit bis zu 1,82 m Länge und 32 kg Gewicht. Der Aquitanische Hecht aus Südwestfrankreich wurde erst 2014 als eigene Art beschrieben.
Schwer zu züchten: Trotz vieler Versuche ließ sich der Hecht nie vollständig domestizieren. Er nimmt kein künstliches Futter an. Zur Unterstützung der Bestände werden aber Hechtlarven erbrütet und ausgesetzt.
Parasiten: Hechte können vom Fischbandwurm befallen sein, der auch Menschen infizieren kann. Hechtfleisch muss deshalb immer gut durchgegart werden.
Häufige Fragen zum Hecht
Wie groß und schwer wird ein Hecht?
Viele Hechte sind 40 bis 55 cm lang. Weibchen werden viel größer als Männchen und erreichen selten über 130 cm, als Höchstlänge werden 150 cm angegeben. Große Weibchen wiegen über 20 kg, das höchste veröffentlichte Gewicht beträgt 28,4 kg.
Wie viele Zähne hat ein Hecht?
Ein Hecht hat über 700 spitze, nach hinten gerichtete Zähne. Die Zähne im Oberkiefer lassen sich nach hinten umklappen, damit die Beute leicht hinein-, aber kaum herausrutscht. Verlorene Zähne werden immer wieder ersetzt.
Was frisst ein Hecht?
Vor allem Fische, auch andere Hechte. Daneben frisst er Frösche, Krebse, Wasservögel und kleine Säugetiere, die ins Wasser fallen. Junge Hechte beginnen mit Zooplankton und jagen schon mit wenigen Zentimetern Länge Fischbrut.
Wie alt wird ein Hecht?
Hechte können bis zu 30 Jahre alt werden. Das Wachstum hängt stark vom Nahrungsangebot ab. Mit zunehmendem Alter wachsen Hechte kaum noch in die Länge, werden aber schwerer.
Wann laicht der Hecht?
Die Laichzeit liegt je nach Wetter zwischen März und Mai. Die Weibchen legen ihre klebrigen Eier an Wasserpflanzen in flachem Wasser ab, am liebsten auf überschwemmten Wiesen. Nach 10 bis 30 Tagen schlüpfen die Larven.
Warum muss man beim Anfassen eines Hechts vorsichtig sein?
Der Hecht hat scharfe, nach hinten gerichtete Zähne und kann seine Kiefer fest zusammenpressen. Was einmal in seinem Maul steckt, kommt nur schwer wieder heraus, auch die Hand eines Anglers. Außerdem schnappt der Hecht reflexartig nach vielem, was in seine Reichweite gerät.
Ähnliche Tiere
- Zander - ein Raubfisch aus der Barschfamilie, der eher in trübem Wasser und in Gruppen jagt
- Knochenhecht - sieht dem Hecht ähnlich, gehört aber zu einer anderen Fischordnung
- Barrakuda - ein Raubfisch des Meeres mit ähnlich langem Körper und spitzen Zähnen
- Welsartige - zu ihnen gehört der Wels, ein weiterer großer Raubfisch im Süßwasser
- Europäischer Aal - ebenfalls ein Fisch unserer Seen und Flüsse, der auch ins Brackwasser zieht
Quellen
- Deutscher Angelfischerverband & Bundesamt für Naturschutz (2016): Fisch des Jahres 2016 - Der Hecht (Esox lucius)
- Esox lucius, Northern pike - FishBase
- Ford, M. (2024): Esox lucius. The IUCN Red List of Threatened Species
- Freyhof, J. et al. (2023): Rote Liste und Gesamtartenliste der sich im Süßwasser reproduzierenden Fische und Neunaugen Deutschlands. Naturschutz und Biologische Vielfalt 170 (6) - Rote-Liste-Zentrum
- Bundesweite Regelungen zur Ausübung der Angelfischerei - Deutscher Angelfischerverband (DAFV)
Größenvergleich
Ein Hecht erreicht eine Körpergröße von 40 cm bis 1,5 m. Damit passt er bequem zwischen einen Fußball (22 cm) und einen Erwachsenen (1,8 m) auf unserer Vergleichsskala. Das bedeutet: Der Hecht ist etwa 4-mal so groß wie ein Fußball.
Gewichtsvergleich
Ein Hecht bringt 1 bis 28,4 kg auf die Waage. Das ist schwerer als ein Fußball (430 g), aber leichter als ein Erwachsener (75 kg). Anders ausgedrückt: Der Hecht wiegt so viel wie etwa 34 Fußbälle.