Heimchen
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Kurz erklärt
Das Heimchen ist eine kleine, hellbraune Grille, die bei uns vor allem in warmen Gebäuden lebt. Die Männchen zirpen nachts, um Weibchen anzulocken. Heimchen werden in großen Mengen gezüchtet, als Futter für Reptilien und andere Tiere. Seit 2022 dürfen sie in der EU auch als Lebensmittel verkauft werden.
Steckbrief
| Wissenschaftl. Name | Acheta domesticus |
|---|---|
| Abstammung |
|
| Körpergröße | 15 bis 21 mm; beim Weibchen kommt ein etwa 15 mm langer Legebohrer dazu |
| Ernährung | Allesfresser: fast alle organischen Stoffe, am liebsten weiche, abgestorbene Pflanzenteile, aber auch Aas und andere Insekten |
| Lebenserwartung | Keine gesicherten Angaben; vom Ei bis zum erwachsenen Tier vergehen bei 27 bis 32 °C etwa 2 bis 3 Monate |
| Sozialverhalten | Nachtaktiv; die Männchen zirpen, um Weibchen anzulocken und Reviergrenzen anzuzeigen |
| Herkunft | Wahrscheinlich Südwestasien |
| Verbreitung | Durch den Menschen weltweit verbreitet; in Mitteleuropa vor allem in warmen Gebäuden, im Sommer auch auf Mülldeponien und in Gärten |
| Entdeckung | Erstbeschreibung 1758 durch Carl von Linné |
| Gefährdung | NE Nicht bewertet |
| Sonstiges | Auch Hausgrille genannt. Seit 2022 in der EU als neuartiges Lebensmittel zugelassen (gefroren, getrocknet oder als Pulver). Rote Liste Deutschland (2024): Daten unzureichend. |
Was ist ein Heimchen?
Das Heimchen (Acheta domesticus) ist eine Grille. Es gehört zur Familie der Echten Grillen und damit zu den Heuschrecken. Ein anderer Name ist Hausgrille. Beide Namen zeigen, wo man das Heimchen bei uns findet: im Haus und in anderen Gebäuden.
Heimchen zählen zu den Langfühlerschrecken. Diese Gruppe hat ihren Namen von den langen Fühlern, die beim Heimchen meist so lang sind wie der ganze Körper. Für Menschen sind Heimchen völlig harmlos.
Heute kennen viele Menschen das Heimchen vor allem als Futterinsekt aus der Zoohandlung. In manchen Ländern wird es auch gegessen, und seit 2022 ist es in der EU als Lebensmittel zugelassen.
Aussehen und Körperbau
Größe: Ein erwachsenes Heimchen ist 15 bis 21 mm lang. Beim Weibchen kommt am Hinterende noch ein etwa 15 mm langer, nadelförmiger Legebohrer dazu. Mit ihm legt es seine Eier in den Boden.
Farbe: Heimchen sind hellgelblich-braun bis graubraun. Über den Kopf und zwischen den Augen verlaufen drei dunkle Querbinden. Auch die Brust trägt eine dunkle Zeichnung.
Beine: Die Hinterbeine sind wie bei allen Echten Grillen zu kräftigen Sprungbeinen geworden. An den Schienen der Vorderbeine sitzen bei Männchen und Weibchen kleine Gehörorgane. Damit hören die Tiere das Zirpen ihrer Artgenossen.
Flügel: Heimchen haben zwei Paar Flügel. Die Hinterflügel lassen sich zusammenfalten und dienen zum Fliegen. Die Vorderflügel der Weibchen bedecken fast den ganzen Hinterleib, die der Männchen sind etwas kürzer. Alle erwachsenen Heimchen haben zunächst lange Hinterflügel, manche werfen sie aber später ab.
Hinterleib: Am Ende des Hinterleibs tragen Heimchen zwei Anhänge, die Cerci.
Mundwerkzeuge: Heimchen haben kauend-beißende Mundwerkzeuge, mit denen sie feste Nahrung zerkleinern können.
Verbreitung und Lebensraum
Herkunft: Das Heimchen stammt wahrscheinlich aus Südwestasien. Der Mensch hat es über die ganze Welt verbreitet.
In Mitteleuropa: Heimchen lieben Wärme und Feuchtigkeit. Am wohlsten fühlen sie sich bei 25 bis 30 °C. In unserem kühlen Klima leben sie deshalb vor allem in Gebäuden, die das ganze Jahr über gleichmäßig warm sind. Dazu gehören:
- Heizungskeller und Warmwasseranlagen
- Küchen und Badezimmer
- Wäschereien und Bäckereien
- Tropenhäuser
Im Sommer kann man Heimchen auch im Freien finden, etwa auf Mülldeponien oder in Gärten. Den Winter überstehen sie in kalten Gegenden in und an Gebäuden oder auf Müllhalden, wo verrottende Abfälle Wärme erzeugen.
In Deutschland: Die Rote Liste der Heuschrecken Deutschlands von 2024 bezeichnet das Heimchen als mäßig häufig und führt es als einheimische oder schon vor langer Zeit eingebürgerte Art. Eine Gefährdungskategorie konnte sie nicht vergeben: Das Heimchen steht in der Kategorie „Daten unzureichend“. Eine Auswertung ergab zwar einen Rückgang der Nachweise um 44 Prozent. Es ist aber unklar, ob die Bestände wirklich abnehmen oder ob nur zu wenig nach Heimchen gesucht wurde. In Rheinland-Pfalz steht die Art auf der Vorwarnliste.
Ernährung
Heimchen sind Allesfresser. Sie fressen fast alle organischen Stoffe. Am liebsten mögen sie weiche, abgestorbene Pflanzenteile. Sie fressen aber auch Aas und andere Insekten.
Im Haus: Weil Heimchen so wenig wählerisch sind, finden sie in Gebäuden genug zu fressen. Manchmal nagen sie sogar Textilien, Leder oder Seide an.
Verhalten und Lebensweise
Nachtaktiv: Heimchen sind nachtaktiv und werden von Licht angelockt.
Das Zirpen: Bekannt ist das Heimchen vor allem durch sein Zirpen. Nur die Männchen zirpen. Dafür reiben sie ihre beiden Vorderflügel aneinander. Auf der Unterseite des einen Flügels sitzt eine Leiste mit vielen feinen Querrippen, die Schrillleiste. Sie wird über eine Kante am anderen Flügel gerieben, die Schrillkante. Zwei dünne, häutige Flächen auf den Flügeln verstärken den Ton wie ein Lautsprecher.
So klingt es: Der Lockgesang besteht aus einer Reihe kurzer Zirplaute. Jeder Zirplaut setzt sich aus zwei oder drei einzelnen Tönen zusammen. Sie entstehen jedes Mal, wenn das Männchen die Flügel schließt. Beim Öffnen der Flügel ist nichts zu hören.
Wozu das Zirpen dient: Mit seinem Gesang lockt das Männchen Weibchen an und zeigt, dass es sich paaren möchte. Außerdem markiert es damit die Grenzen seines Reviers.
Lästige Mitbewohner: Viele Menschen empfinden das ständige Zirpen als störend, besonders wenn viele Heimchen in einem Haus leben. Deshalb gelten Heimchen als Lästlinge. In Betrieben, die Lebensmittel herstellen, können sie Krankheitskeime verschleppen. Die Schäden durch Heimchen sind aber meist gering.
Fortpflanzung und Entwicklung
Das ganze Jahr: In warmen Gebäuden können sich Heimchen das ganze Jahr über fortpflanzen.
Eier: Das Weibchen legt seine Eier einzeln mit dem Legebohrer ab, zum Beispiel in Bodenritzen oder in feuchten Sand und andere feuchte Materialien.
Ohne Puppe: Heimchen entwickeln sich ohne Puppenstadium. Fachleute nennen das unvollständige Verwandlung. Aus dem Ei schlüpft eine Larve, die schon aussieht wie ein kleines Heimchen. Ihr fehlen aber noch die Flügel. Die Larve wächst und häutet sich dabei mehrmals, bis sie erwachsen ist.
Wie schnell es geht: In Zuchten bei 27 bis 32 °C durchlaufen Heimchen ihren ganzen Lebenszyklus in nur zwei bis drei Monaten.
Lebensdauer: Bei hoher Luftfeuchtigkeit und Wärme können Heimchen bis zu einem Jahr alt werden, sonst werden sie etwa zehn Wochen alt.
Heimchen als Futterinsekt
Heimchen sind beliebte Futtertiere für Reptilien und andere Terrarientiere. In Florida werden sie außerdem als Angelköder verkauft. Gezüchtet werden sie in großen Insektenfarmen. Weil sie sich leicht vermehren lassen, kann man Heimchen auch zu Hause oder im Klassenzimmer halten und beobachten.
Entkommen Heimchen aus einem Terrarium, können sie sich im Haus ansiedeln. Für die Rote Liste ist es deshalb nicht immer leicht zu unterscheiden, ob ein Fund von einem dauerhaften Vorkommen stammt oder von einem einzelnen „Terrarienflüchtling“.
Heimchen als Lebensmittel
In anderen Ländern: In einigen Ländern essen Menschen schon lange Heimchen, vor allem in Thailand und Laos, aber auch in Kambodscha, Ghana und Mexiko. In Thailand gibt es nach einer Studie etwa 20.000 kleine und mittelgroße Heimchenfarmen.
Zulassung in der EU: Lebensmittel, die in der EU vor Mai 1997 kaum gegessen wurden, gelten als neuartige Lebensmittel (englisch Novel Food). Sie brauchen eine eigene Zulassung. Dafür prüft die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA), ob sie sicher sind. Für das Heimchen stellte eine niederländische Firma Ende 2018 einen Antrag. Die EFSA kam im Juli 2021 zu dem Ergebnis, dass gefrorene, getrocknete und gemahlene Heimchen bei den beantragten Verwendungen sicher sind.
Seit 2022 erlaubt: Am 10. Februar 2022 erließ die EU-Kommission die Durchführungsverordnung (EU) 2022/188. Seitdem dürfen Heimchen gefroren, getrocknet oder als Pulver als Snack und als Zutat in Lebensmitteln verkauft werden. Im Januar 2023 kam die Zulassung für teilweise entfettetes Heimchenpulver dazu. Stand Januar 2023 waren in der EU vier Insekten als Lebensmittel zugelassen: neben dem Heimchen der Mehlwurm, die Wanderheuschrecke und der sogenannte Buffalowurm.
Kennzeichnung: Lebensmittel mit Insekten müssen das in der Zutatenliste klar angeben, mit dem deutschen und dem lateinischen Namen und der Form, zum Beispiel als Pulver.
Was drinsteckt: Getrocknete Heimchen bestehen laut EFSA zu etwa 60 Prozent aus Rohprotein und zu rund 30 Prozent aus Fett. Der Eiweißgehalt wird dabei allerdings etwas überschätzt, weil auch der Chitinpanzer Stickstoff enthält. In einem Labortest ließ sich das Heimchen-Eiweiß außerdem etwas schlechter verdauen als das Milcheiweiß Casein.
Allergien: Heimchen können allergische Reaktionen auslösen, besonders bei Menschen mit einer Allergie gegen Krebstiere, Weichtiere oder Hausstaubmilben. Darauf muss ein Hinweis neben der Zutatenliste stehen.
Häufige Fragen zum Heimchen
Ist ein Heimchen eine Grille?
Ja. Das Heimchen gehört zur Familie der Echten Grillen und wird auch Hausgrille genannt. Bei uns lebt es vor allem in warmen Gebäuden.
Warum zirpen Heimchen?
Nur die Männchen zirpen. Mit ihrem Gesang locken sie Weibchen an und zeigen anderen Männchen ihre Reviergrenzen. Das Geräusch entsteht, wenn sie ihre Vorderflügel aneinander reiben.
Wie lange lebt ein Heimchen?
Unter günstigen Bedingungen mit viel Wärme und hoher Luftfeuchtigkeit bis zu einem Jahr. Sonst werden Heimchen etwa zehn Wochen alt.
Darf man Heimchen essen?
Ja. Seit Februar 2022 sind Heimchen in der EU als neuartiges Lebensmittel zugelassen, gefroren, getrocknet oder als Pulver. Lebensmittel mit Heimchen müssen das in der Zutatenliste angeben. Menschen mit einer Allergie gegen Krebstiere, Weichtiere oder Hausstaubmilben sollten vorsichtig sein.
Sind Heimchen schädlich?
Für Menschen sind Heimchen harmlos und ungefährlich. Im Haus können sie durch ihr Zirpen stören und manchmal Textilien annagen. In Lebensmittelbetrieben gelten sie als Hygieneschädlinge, weil sie Keime verschleppen können.
Was fressen Heimchen?
Heimchen sind Allesfresser. Sie fressen fast alle organischen Stoffe, am liebsten weiche, abgestorbene Pflanzenteile, aber auch Aas und andere Insekten.
Ähnliche Tiere
- Heuschrecke - zu den Heuschrecken gehören auch die Grillen
- Gespenstschrecke - ein weiteres Insekt, das oft im Terrarium gehalten wird
- Schabe - ebenfalls ein nachtaktiver Mitbewohner in warmen Gebäuden
- Silberfischchen - ein kleines Insekt, das in feuchten Räumen im Haus lebt
- Zikade - ein Insekt, das ebenfalls durch laute Gesänge auffällt
Quellen
- Walker, T. J. (2023): House Cricket, Acheta domesticus. EENY-063, Featured Creatures, University of Florida/IFAS Extension (PDF)
- Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg (2009): Hausgrille oder Heimchen - Information (PDF, beim Umweltbundesamt)
- Heimchen - Rote Liste der Heuschrecken und Fangschrecken Deutschlands (Poniatowski et al. 2024), Rote-Liste-Zentrum
- Durchführungsverordnung (EU) 2022/188 zur Genehmigung des Inverkehrbringens von Acheta domesticus als neuartiges Lebensmittel - EUR-Lex
- Insekten in Lebensmitteln: die Fakten - Vertretung der EU-Kommission in Deutschland (2023)
- EFSA NDA Panel (2021): Safety of frozen and dried formulations from whole house crickets (Acheta domesticus) as a Novel food. EFSA Journal 19(8): 6779
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