Hirschkäfer
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Kurz erklärt
Der Hirschkäfer ist der größte Käfer Europas. Die Männchen tragen riesige Oberkiefer, die wie ein Hirschgeweih aussehen und mit denen sie gegeneinander kämpfen. Fast sein ganzes Leben verbringt der Hirschkäfer als Larve im morschen Holz unter der Erde, oft fünf Jahre oder länger. Als fertiger Käfer lebt er nur wenige Wochen. In Deutschland ist er selten geworden, weil ihm alte Eichen und morsches Holz fehlen.
Steckbrief
| Wissenschaftl. Name | Lucanus cervus |
|---|---|
| Abstammung |
|
| Körpergröße | Männchen mit Oberkiefern meist 3 bis 8 cm, selten bis 9 cm; Weibchen meist 3 bis 4 cm, selten bis 5 cm; die Larven werden bis zu 11 cm lang |
| Ernährung | Käfer: Baumsaft aus Wunden alter Eichen und anderer Laubbäume sowie Saft reifer Früchte; Larven: morsches, von Pilzen zersetztes Holz, vor allem von Eichen |
| Lebenserwartung | Entwicklung vom Ei zum Käfer meist 5, selten bis 8 Jahre; der fertige Käfer lebt nur 3 bis 8 Wochen |
| Sozialverhalten | Einzelgänger; zur Paarungszeit treffen sich Männchen und Weibchen an Bäumen mit Saftfluss, wo die Männchen um die Weibchen kämpfen |
| Herkunft | Europa |
| Verbreitung | Große Teile Europas mit Ausnahme des Nordens, das Verbreitungsgebiet reicht bis nach Asien; in Deutschland nur noch kleine, zerstreute Vorkommen AsienEuropa |
| Entdeckung | Erstbeschreibung 1758 durch Carl von Linné |
| Gefährdung | NE Nicht bewertet |
| Sonstiges | Anhang II der FFH-Richtlinie; nach Bundesartenschutzverordnung besonders geschützt; Rote Liste Deutschland (2021): stark gefährdet |
Was ist ein Hirschkäfer?
Der Hirschkäfer (Lucanus cervus) ist der größte Käfer Europas. Er gehört zur Familie der Schröter, die man auch Hirschkäfer nennt. Seinen Namen verdankt er den Männchen: Ihre Oberkiefer sind riesig vergrößert und sehen aus wie das Geweih eines Hirsches.
Der Hirschkäfer ist ein Tier der alten Eichenwälder. Die meiste Zeit seines Lebens verbringt er unsichtbar als Larve im morschen Holz unter der Erde. Nur wenige Wochen im Sommer sieht man die fertigen Käfer. In Deutschland ist er selten geworden und steht unter Schutz.
Aussehen und Körperbau
Größe: Hirschkäfer sind sehr unterschiedlich groß, je nachdem, wie gut sich die Larve ernähren konnte. Männchen messen mit ihren Oberkiefern 30 bis 75 mm, große Tiere bis 80 mm und in seltenen Fällen 90 mm. Weibchen sind deutlich kleiner: In Nordrhein-Westfalen werden sie höchstens 40 mm lang, das Natural History Museum in London nennt bis 50 mm.
Farbe: Kopf und Halsschild sind schwarz, die Flügeldecken dunkel- bis rotbraun.
Das Geweih: Die „Geweihe“ der Männchen sind keine Hörner, sondern stark vergrößerte Oberkiefer. Der Kopf der Männchen ist dafür stark verbreitert. Zum Fressen taugen diese Zangen nicht. Die Männchen nutzen sie bei Kämpfen mit Rivalen und bei der Balz: Dann umkreisen sie das Weibchen mit weit geöffneten Zangen. Die Weibchen haben einen schmaleren Kopf und kurze, aber kräftige Oberkiefer.
Verwechslung: Kleine Hirschkäferweibchen kann man mit dem verwandten Balkenschröter verwechseln, der ebenfalls zur Familie der Schröter gehört. Die Männchen mit ihrem Geweih sind unverwechselbar.
Verbreitung und Lebensraum
Der Hirschkäfer lebt in großen Teilen Europas, fehlt aber im Norden. Sein Verbreitungsgebiet reicht bis nach Asien. In Deutschland war er früher fast überall zu finden. Heute gibt es nur noch kleine, zerstreute Vorkommen, vor allem in alten Laubmischwäldern und in großen, alten Parks.
Lebensraum: Der Hirschkäfer braucht alte, totholzreiche Wälder, vor allem mit Eichen, aber auch Buchenwälder. Er bevorzugt warme, sonnige Lagen im Flach- und Hügelland und besiedelt gern Waldränder. Nach Angaben der Bayerischen Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft (LWF) sind Eichenbestände von 150 bis 250 Jahren besonders wichtig. Außerhalb des Waldes lebt er in alten Parkanlagen, Gärten und Obstwiesen, wenn dort absterbende Bäume und Baumstümpfe stehen bleiben. Sogar alte Weidepfosten aus Holz können als Kinderstube dienen.
Zwei Dinge sind für ihn unverzichtbar: große, vermodernde Baumstümpfe und Wurzelstöcke für die Larven und alte Bäume mit Saftfluss, an denen die Käfer trinken.
Ernährung
Die Käfer: Fertige Hirschkäfer fressen keine feste Nahrung mehr. Sie leben vor allem von den Reserven, die sie als Larve angelegt haben. Sie trinken aber Baumsaft, der aus Wunden alter Eichen fließt, etwa aus Frostrissen. Für die Reifung der Eier und Samenzellen ist dieser Saft notwendig. Weibchen können mit ihren Oberkiefern die Rinde anritzen und so selbst Saft zum Fließen bringen, die Männchen können das nicht. Männchen werden außerdem von gärendem Obst angelockt, besonders von Kirschen.
Die Larven: Die Larven fressen morsches, feuchtes Holz, das von Pilzen zersetzt ist. Am liebsten ist ihnen das Holz von Eichenwurzeln und -stümpfen. Sie entwickeln sich aber auch in Buchen, Weiden, Pappeln, Linden, Obstbäumen und anderen Laubbäumen. Nadelholz meiden sie meist. Eine große Larve verbraucht laut LWF etwa 250 Kubikzentimeter Holz im Monat. In einem einzigen Buchenstumpf wurden mehr als 1.000 Larven gefunden.
Der Lebenszyklus: fünf Jahre unter der Erde
Das Besondere am Hirschkäfer ist seine lange Entwicklung. Sie läuft in vier Stufen ab: Ei, Larve, Puppe und Käfer.
1. Eiablage: Nach der Paarung gräbt sich das Weibchen in die Erde und legt 50 bis 100 Eier an morsche Wurzelstöcke und Baumstümpfe. Danach stirbt es. Entscheidend für die Wahl des Platzes sind der Zustand und die Feuchtigkeit des Holzes und die richtigen Pilze.
2. Larve: Aus den Eiern schlüpfen die Larven. Sie fressen sich durch das verpilzte Holz und wachsen über Jahre. Je nach Nahrung dauert die Larvenzeit 3 bis 8 Jahre. Am Ende sind die Larven bis zu 11 cm lang und damit größer als der fertige Käfer.
3. Puppe: Ist die Larve ausgewachsen, verlässt sie das Holz und baut sich im Boden in etwa 15 bis 20 cm Tiefe eine faustgroße Kammer aus Erde, die Puppenwiege. Die Verpuppung beginnt im Herbst und dauert etwa sechs Wochen.
4. Käfer: Der fertige Käfer schlüpft noch im Herbst, bleibt aber den Winter über in der Erde. Erst im folgenden Frühjahr oder Frühsommer gräbt er sich an die Oberfläche. Die Männchen erscheinen zuerst, weil die Puppenwiegen der Weibchen tiefer im Boden liegen.
Vom Ei bis zum Käfer vergehen nach Angaben des Bundesamts für Naturschutz (BfN) meist fünf Jahre, in seltenen Fällen sogar acht Jahre. Als Käfer lebt der Hirschkäfer dann nur noch drei bis acht Wochen.
Verhalten und Lebensweise
Flugzeit: Die Käfer fliegen von Ende Mai bis August, vor allem im Juni und Juli. Sie sind in der Dämmerung und nachts aktiv und schwirren an warmen Abenden um die Baumkronen. Hirschkäfer können fliegen, sind aber keine starken Flieger. Flüge von bis zu 5 km sind belegt, meist bleiben sie aber in der Nähe ihres Geburtsortes. Deshalb können sie verlorene Brutplätze kaum ausgleichen.
Treffpunkt Saftbaum: An alten Eichen mit Saftfluss sammeln sich oft viele Käfer. Ihr Geruch lockt die Käfer an, in einem Versuch reichte die Lockwirkung etwa 200 m weit. Dort tragen die Männchen mit ihren Geweihen Zweikämpfe um die Weibchen aus, und dort findet auch die Paarung statt.
Feinde und Gefährdung
Feinde: Die großen Käfer sind eine willkommene Beute für Vögel. Den Larven und Puppen im Boden werden vor allem Wildschweine gefährlich, die gezielt in morschen Baumstümpfen nach ihnen wühlen und dabei auch Puppenwiegen zerstören.
Warum ist der Hirschkäfer selten? Schon 1881 wurde beobachtet, dass der Käfer seltener wird, weil altes, morsches Holz aus den Wäldern entfernt wurde. Seit etwa 1900 ist er in vielen Gegenden ganz verschwunden. Im Spessart schrumpften die Bestände von etwa 1930 bis 1980 auf weniger als ein Zehntel. Die Hauptgründe:
- Alte und absterbende Laubbäume werden gefällt, Totholz und Baumstümpfe werden entfernt.
- Laubwälder wurden durch Fichtenforste ersetzt.
- Es gibt weniger alte Bäume mit Saftfluss.
- Mehr Wildschweine wühlen die Larven aus.
Schutzstatus:
- FFH-Richtlinie: Der Hirschkäfer steht in Anhang II der europäischen Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie. Für solche Arten müssen die EU-Länder Schutzgebiete ausweisen.
- Deutschland: Nach der Bundesartenschutzverordnung ist der Hirschkäfer besonders geschützt. Damit gelten für ihn, seine Larven und seine Brutstätten die Schutzvorschriften des Bundesnaturschutzgesetzes.
- Rote Liste Deutschland (2021): stark gefährdet (Kategorie 2).
- Weltweit: Auf der weltweiten Roten Liste der IUCN ist der Hirschkäfer bisher nicht bewertet.
Was hilft dem Hirschkäfer? Wichtig ist, alte Eichen und Bäume mit Saftfluss zu erhalten und Totholz und Baumstümpfe im Wald, in Parks und in Gärten stehen zu lassen. Förster im Spessart haben eine Hilfe erfunden, die Hirschkäferwiege: Stücke von angemodertem Eichenholz werden in einer flachen Grube pyramidenförmig eingegraben, mit Häcksel aufgefüllt und abgedeckt. Das funktioniert aber nur, wenn im Umkreis von zwei bis drei Kilometern noch Hirschkäfer leben. Weil eine Generation meist fünf Jahre oder länger braucht, kann sich der Erfolg solcher Maßnahmen erst nach vielen Jahren zeigen.
Häufige Fragen zum Hirschkäfer
Wie groß wird ein Hirschkäfer?
Männchen werden mit ihrem Geweih meist 3 bis 8 cm lang, sehr selten bis 9 cm. Weibchen erreichen meist 3 bis 4 cm, selten bis 5 cm. Die Larven können sogar 11 cm lang werden.
Wie lange lebt ein Hirschkäfer?
Vom Ei bis zum Käfer vergehen meist fünf, selten bis zu acht Jahre. Davon verbringt er fast die ganze Zeit als Larve im Holz unter der Erde. Der fertige Käfer lebt nur drei bis acht Wochen.
Was frisst ein Hirschkäfer?
Die Käfer trinken Baumsaft aus Wunden alter Eichen und den Saft reifer Früchte. Die Larven fressen morsches, von Pilzen zersetztes Holz, vor allem von Eichen.
Ist der Hirschkäfer gefährlich?
Nein. Die Männchen nutzen ihre Zangen für Kämpfe mit Rivalen und zum Festhalten der Weibchen, nicht gegen Menschen. Weil Hirschkäfer besonders geschützt sind, sollte man sie nur beobachten und nicht mitnehmen.
Warum steht der Hirschkäfer unter Naturschutz?
Weil er selten geworden ist. Ihm fehlen alte Eichen und morsches Holz, in dem sich seine Larven entwickeln. In Deutschland gilt er als stark gefährdet und ist besonders geschützt.
Wann kann man Hirschkäfer sehen?
Von Ende Mai bis August, am besten im Juni und Juli an warmen Abenden in der Dämmerung. Gute Orte sind alte Eichenwälder, Waldränder und alte Parks.
Ähnliche Tiere
- Nashornkäfer - ein großer heimischer Käfer, dessen Larven ebenfalls in morschem Holz leben
- Herkuleskäfer - einer der größten Käfer der Welt, aus den Regenwäldern Amerikas
- Maikäfer - ein bekannter Käfer, dessen Larven mehrere Jahre im Boden leben
- Rosenkäfer - ein heimischer Käfer, der an Blüten und Früchten frisst
- Mistkäfer - ein weiterer Blatthornkäfer
Quellen
- Lucanus cervus - Hirschkäfer, Artenportrait - Bundesamt für Naturschutz
- LWF (2006): Artenhandbuch der für den Wald relevanten Arten der Anhänge II FFH-RL und I VS-RL: Hirschkäfer - Bayerische Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft
- Vollzugshinweise zum Schutz von Wirbellosenarten in Niedersachsen: Hirschkäfer (Entwurf 2009) - NLWKN
- Hirschkäfer, Steckbrief geschützte Arten (2022) - Bundesanstalt für Gewässerkunde
- Hirschkäfer (Lucanus cervus) - FFH-Arten in NRW, Landesamt für Natur, Umwelt und Klima NRW
- Stag beetles - Natural History Museum London
Größenvergleich
Wie groß ist der Hirschkäfer wirklich? Mit 3 bis 9 cm überragt er eine 1-Euro-Münze (2,3 cm), kommt aber noch nicht an einen Fußball (22 cm) heran. Anschaulich gesprochen: Man müsste etwa 3 1-Euro-Münzen übereinander stapeln, um so groß wie ein Hirschkäfer zu werden. Selbst eine Biene (1,5 cm) wirkt daneben noch klein.