Hornisse
Zuletzt aktualisiert:

Kurz erklärt
Die Europäische Hornisse ist die größte Wespe Mitteleuropas. Trotz ihrer Größe ist sie friedlich und sticht meist nur, wenn man ihrem Nest zu nahe kommt oder sie einklemmt. Ihr Gift ist nicht stärker als das von Bienen oder Wespen. Hornissen jagen andere Insekten für ihre Larven und sind in Deutschland besonders geschützt.
Steckbrief
| Wissenschaftl. Name | Vespa crabro |
|---|---|
| Abstammung |
|
| Körpergröße | Arbeiterinnen 18 bis 25 mm, Drohnen (Männchen) 21 bis 28 mm, Königinnen 25 bis 40 mm |
| Körpergewicht | Arbeiterinnen 0,5 bis 0,6 g, Drohnen 0,6 bis 0,7 g, Königinnen zur Zeit der Eiablage über 1,1 g |
| Ernährung | Larven: erbeutete Insekten; erwachsene Hornissen: vor allem zuckerhaltige Pflanzensäfte, besonders Baumsaft |
| Lebenserwartung | Arbeiterinnen im Durchschnitt etwa 2 Wochen, einzelne über 6 Wochen; Königinnen etwa ein Jahr |
| Sozialverhalten | Staatenbildend; ein Volk hat im Spätsommer meist 400 bis 700 Tiere |
| Herkunft | Europa und Asien |
| Verbreitung | Weite Teile Europas und Asiens bis nach Japan; im 19. Jahrhundert nach Nordamerika eingeschleppt AsienEuropaNordamerika |
| Entdeckung | Erstbeschreibung 1758 durch Carl von Linné |
| Gefährdung | NE Nicht bewertet |
| Sonstiges | In Deutschland besonders geschützt; nicht zu verwechseln mit der eingeschleppten Asiatischen Hornisse (Vespa velutina) |
Die größte Wespe Mitteleuropas
Die Hornisse ist eine Wespe, genauer die größte Faltenwespe Mitteleuropas. Sie gehört wie Bienen und Ameisen zu den Hautflüglern. Wegen ihrer Größe und ihres lauten Brummens haben viele Menschen Angst vor ihr. Die Hornisse ist aber viel friedlicher, als ihr Ruf vermuten lässt.
Bis vor einigen Jahren gab es in Deutschland nur eine einzige Hornissenart, die Europäische Hornisse (Vespa crabro). Um sie geht es auf dieser Seite. Inzwischen hat sich zusätzlich die eingeschleppte Asiatische Hornisse ausgebreitet (mehr dazu weiter unten).
Aussehen und Körperbau
Farben: Die Europäische Hornisse ist nicht schwarz-gelb wie eine Wespe, sondern rotbraun, schwarz und gelb. Der Kopf ist rotbraun und gelb, die Brust rotbraun und schwarz. Der Hinterleib ist kräftig gelb-schwarz gemustert. Die Beine sind rotbraun.
Größe: Hornissen gibt es in drei Größen, je nachdem, welche Aufgabe sie im Volk haben:
| Tier | Körperlänge | Gewicht |
|---|---|---|
| Arbeiterin | 18 bis 25 mm | 0,5 bis 0,6 g |
| Drohn (Männchen) | 21 bis 28 mm | 0,6 bis 0,7 g |
| Königin | 25 bis 40 mm | über 1,1 g zur Zeit der Eiablage |
Die Angaben schwanken je nach Quelle etwas. Der NABU nennt zum Beispiel für Arbeiterinnen bis 3,5 cm.
Körperbau: Wie alle Wespen hat die Hornisse eine schmale „Wespentaille“ zwischen Brust und Hinterleib. In Ruhe legt sie ihre Flügel längs gefaltet an den Körper.
Stachel: Nur die Weibchen, also Königinnen und Arbeiterinnen, haben einen Stachel. Bei der Arbeiterin ist er 3,4 bis 3,7 mm lang, bei der Königin etwa 7 mm. Anders als Honigbienen verlieren Hornissen ihren Stachel beim Stechen nicht. Drohnen haben keinen Stachel.
Verbreitung und Lebensraum
Verbreitung: Die Europäische Hornisse lebt in weiten Teilen Europas und Asiens, im Osten bis nach Japan. Um 1840 wurde sie zum ersten Mal in Nordamerika nachgewiesen, wohin sie der Mensch aus Europa eingeschleppt hatte. Dort lebt sie heute vor allem im Osten der USA.
In Deutschland: Über viele Jahrzehnte gingen die Hornissen in Deutschland zurück. Seit den 1970er Jahren haben sich die Bestände dank Schutz und Aufklärung erholt, heute kommt die Hornisse wieder im ganzen Bundesgebiet vor.
Nistplätze: Ursprünglich bauen Hornissen ihr Nest in Baumhöhlen. Weil es solche Höhlen immer seltener gibt, ziehen sie auch in Vogelnistkästen, Dachböden, Schuppen, Rollladenkästen oder hinter Holzverschalungen ein. Wichtig ist ein dunkler, trockener Hohlraum.
Ernährung
Bei der Hornisse fressen Erwachsene und Larven ganz Unterschiedliches:
Die Larven brauchen tierisches Eiweiß. Die Arbeiterinnen jagen dafür andere Insekten und verfüttern sie an die Larven. Besonders oft erbeuten sie Wespen, Hornissen gelten deshalb als gute Wespenjäger. Auch Honigbienen gehören zu ihrer Beute. Ein starkes Volk verfüttert im Sommer bis zu ein Pfund Insekten am Tag.
Die erwachsenen Hornissen ernähren sich vor allem von zuckerhaltigen Säften, besonders von Baumsaft, der an verletzten Stellen der Rinde austritt, zum Beispiel an Flieder und Esche. Bei einer Untersuchung im Juni und Juli bestand mehr als die Hälfte der Ladungen, die Arbeiterinnen ins Nest trugen, aus zuckerhaltigen Flüssigkeiten.
Kein Interesse an Kuchen: Anders als manche Wespenarten haben Hornissen keine Vorliebe für Kuchen, Eis oder Limonade. Am Kaffeetisch tauchen sie meist nur auf, um Wespen zu jagen.
Das Hornissenvolk
Hornissen leben in einem Staat mit strenger Arbeitsteilung:
- Die Königin gründet das Nest und legt alle Eier.
- Die Arbeiterinnen sind unfruchtbare Weibchen. Sie bauen das Nest aus, jagen, füttern die Larven und verteidigen das Volk.
- Die Drohnen sind die Männchen. Sie schlüpfen erst im Spätsommer und paaren sich mit den jungen Königinnen.
Größe des Volkes: Auf dem Höhepunkt zwischen Mitte August und Mitte September leben in einem Hornissennest meist 400 bis 700 Tiere.
Das Nest: Die Königin baut das Nest aus zerkautem morschem Holz und Speichel. Im Inneren liegen mehrere Stockwerke mit Waben, meist 7 bis 10. Ein großes Nest kann über 50 cm hoch werden und einige hundert bis mehrere tausend Zellen haben. Jedes Nest wird nur einen Sommer lang genutzt.
Nachtflieger: Eine Besonderheit unter den heimischen Wespen: Hornissen fliegen auch in völliger Dunkelheit aus. Dabei werden sie manchmal von Lampen angelockt und fliegen durch offene Fenster in beleuchtete Zimmer.
Das Hornissenjahr
- Frühling: Nur die jungen, im Vorjahr begatteten Königinnen überleben den Winter. Im April oder Mai wacht die Königin auf und sucht einen Nistplatz. Allein baut sie die ersten Zellen und legt in jede ein Ei.
- Entwicklung: Aus dem Ei schlüpft nach etwa 5 Tagen eine Larve. Nach rund 12 Tagen verpuppt sie sich, und nach etwa 15 weiteren Tagen schlüpft die fertige Hornisse. Insgesamt dauert die Entwicklung einer Arbeiterin rund einen Monat.
- Frühsommer: Ab Juni übernehmen die ersten Arbeiterinnen die Arbeit. Die Königin kümmert sich danach nur noch ums Eierlegen.
- Spätsommer: Ab August entstehen junge Königinnen und Drohnen. Sie paaren sich im Herbst.
- Herbst: Die alte Königin, die Arbeiterinnen und die Drohnen sterben bis Ende Oktober oder Anfang November. Nur die jungen Königinnen suchen sich ein Versteck für den Winter, zum Beispiel in morschem Holz.
Lebensdauer: Eine Arbeiterin lebt im Durchschnitt nur etwa 2 Wochen, einzelne werden über 6 Wochen alt. Eine Königin lebt etwa ein Jahr.
Wie gefährlich ist eine Hornisse?
Der Stich: Ein Hornissenstich tut weh, weil der Stachel länger ist als bei Bienen und Wespen und das Gift zusätzlich den Stoff Acetylcholin enthält, der den Schmerz verstärkt. Das Gift selbst ist aber nicht giftiger als Bienen- oder Wespengift, sondern sogar schwächer. Für einen gesunden Menschen ist ein einzelner Hornissenstich deshalb nicht gefährlicher als ein Bienen- oder Wespenstich.
Der Mythos: Den alten Spruch „Sieben Stiche töten ein Pferd, drei einen Menschen“ kennen viele. Er ist falsch. Laut NABU Berlin wäre ein gesunder Mensch theoretisch erst bei rund 1.000 Stichen in Lebensgefahr, das Umweltamt Pforzheim nennt 500 bis 1.000 Stiche.
Allergiker: Wer allergisch auf Wespenstiche reagiert, reagiert oft auch auf Hornissen. Für diese Menschen kann ein Stich gefährlich sein, sie sollten einen Notfallplan mit ihrem Arzt besprechen.
Wann stechen Hornissen? Jagende oder Futter suchende Hornissen stechen fast nie. Sie stechen, wenn man sie einklemmt oder drückt, und wenn sie ihr Nest verteidigen. Am Nest reagieren sie vor allem auf Erschütterungen, hektische Bewegungen, Schlagen nach den Tieren, einen versperrten Flugweg und Anatmen.
Tipps:
- Ruhig bleiben, nicht nach Hornissen schlagen
- Am Nest nicht rütteln, das Einflugloch nicht versperren, nicht direkt davor stehen bleiben und die Tiere nicht anatmen
- Nachts Fliegengitter nutzen oder das Licht ausschalten, wenn die Fenster offen sind
Europäische und Asiatische Hornisse: der Unterschied
Seit einigen Jahren breitet sich in Deutschland die Asiatische Hornisse (Vespa velutina) aus. Sie stammt aus Südostasien und wurde 2004 mit Warentransporten nach Frankreich eingeschleppt. In Deutschland wurde sie 2014 zum ersten Mal nachgewiesen, bei Waghäusel in Baden-Württemberg. Seit März 2025 gilt sie hier offiziell als etabliert.
| Merkmal | Europäische Hornisse | Asiatische Hornisse |
|---|---|---|
| Farbe | rotbraun, schwarz und viel Gelb am Hinterleib | deutlich dunklerer Körper |
| Kopf | rotbraun und gelb | schwarz |
| Beine | rotbraun | Enden gelb („gelbe Füße“) |
| Größe der Arbeiterinnen | 18 bis 25 mm | 17 bis 25 mm |
| Nest | meist in Hohlräumen wie Baumhöhlen | im Sommer oft große Nester hoch in Baumkronen |
| Volk | bis etwa 700 Tiere | bis etwa 2.000 Tiere |
Die Asiatische Hornisse ist für Menschen nicht gefährlicher als die heimische Hornisse. Sie jagt aber viele Honigbienen und andere Insekten und steht deshalb seit 2016 auf der Liste der invasiven Arten der EU. Funde kann man den Meldestellen der Bundesländer melden, seit März 2025 besteht dafür aber keine Pflicht mehr. Wichtig: Die heimische Europäische Hornisse darf nicht mit ihr verwechselt und getötet werden.
Nicht verwechseln sollte man beide auch mit der Asiatischen Riesenhornisse (Vespa mandarinia). Diese riesige Art lebt in Ostasien und kommt in Deutschland nicht vor.
Feinde und Schutz
Natürliche Feinde: Wegen ihrer Größe hat die Hornisse keine direkten Feinde unter den Insekten. Vögel wie der Bienenfresser oder der Wespenbussard erbeuten einzelne Hornissen. Spitzmäuse können in Nester eindringen und sie zerstören. Die Raupen der Hummelwachsmotte können schwache Völker im Nest schädigen.
Gefährdung: Auf der weltweiten Roten Liste der IUCN ist die Europäische Hornisse nicht bewertet. In Deutschland war sie lange selten, inzwischen hat sich ihr Bestand erholt.
Gesetzlicher Schutz: Seit 1987 ist die Hornisse in Deutschland nach der Bundesartenschutzverordnung besonders geschützt. Man darf Hornissen nicht fangen, verletzen oder töten und ihre Nester nicht zerstören. Wer dagegen verstößt, begeht eine Ordnungswidrigkeit, für die nach § 69 des Bundesnaturschutzgesetzes eine Geldbuße von bis zu 50.000 Euro möglich ist.
Nest am Haus? Meist kann man ein Hornissennest den Sommer über in Ruhe lassen. Spätestens im November ist es ohnehin verlassen. Wenn ein Nest wirklich stört, zum Beispiel direkt neben einer Tür oder einem Kinderzimmer, dürfen nur Fachleute es umsiedeln, und das nur mit einer Genehmigung der Naturschutzbehörde.
Häufige Fragen zur Hornisse
Ist ein Hornissenstich gefährlich?
Für gesunde Menschen ist ein Hornissenstich zwar schmerzhaft, aber nicht gefährlicher als ein Bienen- oder Wespenstich. Das Gift ist nicht stärker. Gefährlich kann ein Stich für Allergiker werden.
Stimmt es, dass drei Hornissenstiche einen Menschen töten?
Nein, das ist ein alter Mythos. Ein gesunder Erwachsener würde laut NABU Berlin theoretisch erst bei rund 1.000 Stichen in Lebensgefahr geraten. Bei Allergikern ist das anders.
Wie groß wird eine Hornisse?
Arbeiterinnen sind 18 bis 25 mm lang, Drohnen 21 bis 28 mm und Königinnen 25 bis 40 mm. Damit ist die Hornisse die größte Wespe Mitteleuropas.
Was fressen Hornissen?
Die erwachsenen Hornissen trinken vor allem zuckerhaltigen Baumsaft. Für ihre Larven jagen sie andere Insekten, besonders gern Wespen. Kuchen oder Eis interessieren Hornissen kaum.
Warum fliegen Hornissen nachts ins Licht?
Hornissen sind die einzigen heimischen Wespen, die auch in völliger Dunkelheit ausfliegen. Dabei lassen sie sich von Lampen anlocken und geraten durch offene Fenster ins Haus. Ein Fliegengitter oder ausgeschaltetes Licht hilft.
Darf man ein Hornissennest entfernen?
Nein, nicht einfach so. Die Hornisse ist besonders geschützt, ihr Nest darf nicht zerstört werden. In Ausnahmefällen können Fachleute ein Nest mit Genehmigung der Naturschutzbehörde umsiedeln.
Ähnliche Tiere
- Asiatische Riesenhornisse - die größte Hornisse der Welt, lebt in Ostasien
- Wespe - die kleineren Verwandten aus der Familie der Faltenwespen
- Honigbiene - ebenfalls ein staatenbildender Hautflügler
- Hummel - ein großer, pelziger Hautflügler
- Bienenfresser - ein bunter Vogel, der Bienen, Wespen und Hornissen im Flug fängt
Quellen
- Die Europäische Hornisse - NABU
- Die Asiatische Hornisse breitet sich in Deutschland weiter aus - NABU
- Sanfter Riese: die Europäische Hornisse im Porträt - NABU Berlin
- Keine Angst vor Wespen und Hornissen - Amt für Umweltschutz der Stadt Pforzheim (PDF)
- Hornissen: Maße, Daten und Fakten - hornissen.de
- § 69 Bundesnaturschutzgesetz: Bußgeldvorschriften - Gesetze im Internet
Größenvergleich
Mit 1,8 bis 4 cm gehört die Hornisse zu den kleineren Tieren in unserem Lexikon. Eine Biene (1,5 cm) ist dagegen kleiner, während ein Fußball mit 22 cm noch einiges an Größe drauflegt.
Gewichtsvergleich
Die Hornisse wiegt nur 500 mg bis 1,1 g - ein echtes Federgewicht! Selbst eine 1-Euro-Münze (7,5 g) bringt ein Vielfaches davon auf die Waage. Dafür ist die Hornisse leicht genug, um vom Wind davongetragen zu werden.