Humboldt-Pinguin
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Kurz erklärt
Der Humboldt-Pinguin lebt an der Pazifikküste von Peru und Chile, wo der kalte Humboldtstrom viele Fische bringt. Er wird etwa 65 bis 72 cm groß, hat ein schwarzes Brustband und rosa Haut am Schnabel. Seine Bruthöhlen gräbt er gern in alte Schichten aus Vogelkot. In freier Natur ist er gefährdet, in vielen Zoos kann man ihn aber sehen.
Steckbrief
| Wissenschaftl. Name | Spheniscus humboldti |
|---|---|
| Abstammung |
|
| Körpergröße | 65 bis 72 cm |
| Körpergewicht | 4 bis 5 kg |
| Ernährung | Fischfresser: vor allem Schwarmfische wie Sardellen und Sardinen, dazu Tintenfische |
| Lebenserwartung | In Zoos meist 15 bis 20 Jahre, einzelne Tiere über 30 Jahre; in freier Natur unbekannt |
| Sozialverhalten | Brütet in Kolonien |
| Herkunft | Südamerika |
| Verbreitung | Pazifikküste von Peru und Chile Südamerika |
| Entdeckung | Erstbeschreibung 1834 durch Franz Julius Ferdinand Meyen |
| Gefährdung | VU Gefährdet (Rote Liste der IUCN, 2020) |
Name und Verwandtschaft
Der Humboldt-Pinguin (Spheniscus humboldti), auch Humboldtpinguin geschrieben, ist nach dem deutschen Naturforscher Alexander von Humboldt benannt. Nach ihm heißt auch der Humboldtstrom, die kalte Meeresströmung vor der Westküste Südamerikas, in der der Pinguin lebt. Wissenschaftlich beschrieben hat ihn Franz Julius Ferdinand Meyen im Jahr 1834.
Der Humboldt-Pinguin gehört zur Gattung der Brillenpinguine (Spheniscus). Zu ihr zählen vier Arten:
- der Humboldt-Pinguin an der Pazifikküste von Peru und Chile
- der Magellan-Pinguin im Süden Südamerikas
- der Galápagos-Pinguin auf den Galápagos-Inseln
- der Brillenpinguin im südlichen Afrika
Achtung, Verwechslungsgefahr: „Brillenpinguin“ ist also sowohl der Name der Gattung als auch der Name einer afrikanischen Art. Der Humboldt-Pinguin selbst ist nicht der Brillenpinguin.
Aussehen und Körperbau
Größe und Gewicht: Humboldt-Pinguine sind mittelgroße Pinguine. Je nach Quelle werden sie etwa 65 bis 72 Zentimeter groß und wiegen meist 4 bis 5 Kilogramm. Männchen sind im Durchschnitt etwas größer als Weibchen. Am Gefieder kann man die Geschlechter aber nicht unterscheiden.
Gefieder: Rücken und Flügel sind schwarzgrau, der Bauch ist weiß. Der Kopf ist schwarz. Hinter jedem Auge beginnt ein weißer Streifen, der um die Kopfseiten herumläuft und sich am Kinn trifft. So entsteht eine Art Hufeisen. Quer über die Brust zieht sich ein einzelnes schwarzes Band, das seitlich bis zu den Beinen reicht.
Rosa Haut: Um die Schnabelwurzel herum hat der Humboldt-Pinguin nackte, rosafarbene Haut. Auf dem Foto oben ist sie gut zu sehen.
Jungvögel: Junge Humboldt-Pinguine haben einen dunklen Kopf und noch kein Brustband.
Unterschied zum Magellan-Pinguin: Im Süden Chiles leben beide Arten nebeneinander, manchmal sogar in denselben Kolonien. Der erwachsene Humboldt-Pinguin hat ein schwarzes Brustband, der erwachsene Magellan-Pinguin zwei.
Sinne: Humboldt-Pinguine sehen unter Wasser und an Land etwa gleich gut. Sie haben außerdem einen feinen Geruchssinn. Küken lernen den Geruch ihrer Eltern kennen. Forschende vermuten, dass die Tiere so Verwandte erkennen und nachts ihre Bruthöhle wiederfinden.
Verbreitung und Lebensraum
Der Humboldt-Pinguin lebt nur an der Pazifikküste Südamerikas. Seine Brutplätze reichen von der Isla Foca im Norden Perus bis zu kleinen Inseln vor der chilenischen Insel Chiloé, zum Beispiel den Puñihuil-Inseln. Die meisten Kolonien liegen zwischen Nordperu und Zentralchile. Einzelne umherstreifende Tiere wurden auch in Ecuador und Kolumbien beobachtet.
Der Humboldtstrom: Die Art kommt nur dort vor, wo der kalte, nährstoffreiche Humboldtstrom an der Küste entlangfließt. Das kalte Wasser bringt viele kleine Schwarmfische mit sich und damit reichlich Nahrung für Seevögel. Deshalb können Pinguine hier leben, obwohl das Gebiet teilweise in den Tropen liegt und an die trockene Atacama-Wüste grenzt.
Brutplätze: Zum Brüten kommen die Pinguine an Land. Sie nisten auf Inseln und an felsigen Küsten. An der Küste von Peru und Chile gibt es dicke Schichten aus Guano, also getrocknetem Vogelkot. Darin graben die Pinguine ihre Bruthöhlen. Manchmal nutzen sie auch Mulden oder Höhlen am Ufer. Eine der größten Kolonien liegt auf der Isla Chañaral in Chile. Dort zählten Forschende Anfang der 2000er Jahre etwa 7.000 Brutpaare. Perus größte Kolonie befindet sich bei Punta San Juan.
Auf dem Meer: Den größten Teil ihrer Zeit verbringen Humboldt-Pinguine im küstennahen Wasser. Tiere, die gerade nicht brüten, bleiben im Schnitt etwa 60 Stunden am Stück auf See, höchstens rund eine Woche. Brutvögel kehren schon nach durchschnittlich etwa 22 Stunden zum Nest zurück. Bei einer Untersuchung lagen die meisten Aufenthaltsorte in einem Umkreis von 35 Kilometern um die Kolonie, die weitesten etwa 100 Kilometer entfernt.
Ernährung
Humboldt-Pinguine sind Fischfresser. Sie jagen vor allem kleine Fische, die in großen Schwärmen im offenen Wasser leben. Was genau sie fressen, hängt davon ab, wo sie leben:
- In Nordchile fressen sie vor allem Hornhechte.
- In Zentralchile stehen Sardellen, Sardinen und Tintenfische auf dem Speiseplan.
- Außerdem fressen sie Heringsfische und Ährenfische.
Jagd: Humboldt-Pinguine jagen mit den Augen. Sie tauchen meist nur flach, im Durchschnitt etwa 10 Meter tief. Als größte Tauchtiefe nennt das Animal Diversity Web knapp 62 Meter. Bei Messungen an einer Kolonie in Chile waren es höchstens 53 Meter. Pinguine mit Küken machen vor allem tagsüber kurze, flache Tauchgänge, damit sie schnell wieder beim Nest sind.
Verhalten und Lebensweise
Humboldt-Pinguine brüten in Kolonien. Große Kolonien bieten Schutz, weil viele Tiere zusammen sind. Um sich zu verständigen, nutzen sie verschiedene Rufe: einen Kontaktruf, einen Balzruf und einen Drohruf. Partner erkennen sich an der Stimme, denn jeder Pinguin klingt ein bisschen anders.
Mauser: Einmal im Jahr, meist im Januar, wechseln Humboldt-Pinguine ihr Gefieder. Das dauert etwa zwei Wochen. Für Pinguine ist ein intaktes Gefieder wichtig, denn es hält warm und das Wasser ab. Während der Mauser können sie nicht zum Jagen ins Wasser, deshalb bleiben sie an Land und fressen nichts.
Weite Wanderungen: Früher dachte man, Humboldt-Pinguine blieben das ganze Jahr in der Nähe ihrer Kolonie. Mit Satellitensendern hat man aber herausgefunden, dass sie bei Nahrungsmangel weit wandern. Bei El Niño verlassen sie sogar ihre Nester und können bis zu 895 Kilometer weit aufs Meer hinausschwimmen.
Scheue Vögel: Humboldt-Pinguine reagieren sehr empfindlich auf Menschen. An Brutplätzen, die viele Touristen besuchen, ziehen sie weniger Junge groß. 2010 wurden deshalb Regeln eingeführt, die Tourismus und Brutschutz miteinander vereinbaren sollen.
Fortpflanzung und Nachwuchs
Humboldt-Pinguine können fast das ganze Jahr über brüten, von März bis Dezember. Die meisten Eier werden im April und im August und September gelegt. Viele Paare brüten zweimal im Jahr erfolgreich.
- Nest: Das Paar gräbt eine Bruthöhle, am liebsten in eine dicke Guanoschicht. Die Höhle schützt die Eier vor der starken Sonne und vor Feinden.
- Eier: Das Weibchen legt zwei Eier, die etwa gleich groß sind.
- Brüten: Männchen und Weibchen wechseln sich ab. Nach 40 bis 42 Tagen schlüpfen die Küken.
- Aufzucht: Beide Eltern füttern die Küken. Dafür machen sie kurze Jagdausflüge, damit die Küken regelmäßig Futter bekommen.
- Flügge: Mit 10 bis 12 Wochen verlassen die Jungvögel das Nest.
Geschlechtsreif werden Humboldt-Pinguine mit zwei bis drei Jahren. Das Leben ist für die Jungen gefährlich: Weniger als die Hälfte der Küken überlebt das erste Lebensjahr.
Wie alt werden Humboldt-Pinguine?
Wie alt Humboldt-Pinguine in freier Natur werden, ist nicht bekannt. In Zoos leben sie meist 15 bis 20 Jahre. Fachleute nehmen an, dass Pinguine in Menschenobhut älter werden, weil sie dort keine Feinde haben und regelmäßig gut gefüttert werden. Nach Angaben des Woodland Park Zoo in Seattle liegt die mittlere Lebenserwartung von Humboldt-Pinguinen, die ihr erstes Lebensjahr überleben, bei 17,6 Jahren. Der Pinguin „Mr. Sea“ aus diesem Zoo wurde fast 32 Jahre alt. Er starb im Jahr 2020 und war einer der ältesten Humboldt-Pinguine in Nordamerika.
Feinde und Gefährdung
Natürliche Feinde: Im Meer jagen Haie, Seebären und Seelöwen die Pinguine. An Land fressen verwilderte Katzen und Hunde, Füchse, Schlangen und Nagetiere wie Ratten Eier und Küken. Auch Möwen plündern manchmal Nester. Kleinere Jungvögel und manchmal auch erwachsene Pinguine werden ebenfalls angegriffen.
Gefährdung: Auf der Roten Liste der IUCN ist der Humboldt-Pinguin als gefährdet (Vulnerable) eingestuft (IUCN, 2020). Für diese Einstufung wurde der Bestand auf etwa 23.800 geschlechtsreife Tiere geschätzt, mit abnehmender Tendenz. Die Bestandszahlen schwanken stark von Jahr zu Jahr, deshalb weichen Schätzungen verschiedener Stellen voneinander ab.
Die wichtigsten Gründe für die Gefährdung:
- Fischerei: Pinguine verfangen sich in Netzen und ertrinken. Außerdem fangen Fischer genau die Fische, die auch die Pinguine brauchen.
- Guano-Abbau: Guano ist ein wertvoller Dünger. Im 19. und frühen 20. Jahrhundert wurde er in großen Mengen abgebaut. Dadurch verloren die Pinguine ihre Brutplätze. Nach einem Bericht von 2003 wurde der Abbau in Chile eingestellt, in Peru ging er weiter. Seit 2010 schützt Peru viele Guano-Inseln in einem eigenen Reservat.
- El Niño: Bei diesem Wetterphänomen wird das Meerwasser vor Südamerika wärmer und nährstoffärmer. Dann finden die Pinguine wenig Nahrung, viele Jungvögel sterben und Kolonien werden verlassen.
- Störungen: Menschen an den Brutplätzen, eingeschleppte Ratten und verwilderte Tiere setzen den Kolonien zu.
Schutz: Der Humboldt-Pinguin steht im Anhang I des Washingtoner Artenschutzübereinkommens (CITES). Der Handel mit den Tieren ist damit stark eingeschränkt. In Peru und Chile steht die Art unter gesetzlichem Schutz, und mehrere wichtige Kolonien liegen in Schutzgebieten. Weil viele Brutinseln abgelegen sind, lässt sich der Schutz aber nur schwer kontrollieren.
Häufige Fragen zum Humboldt-Pinguin
Wo leben Humboldt-Pinguine?
An der Pazifikküste von Peru und Chile. Sie brüten auf Inseln und felsigen Küstenabschnitten zwischen der Isla Foca in Nordperu und der Insel Chiloé in Südchile. Zum Jagen schwimmen sie im kalten Humboldtstrom vor der Küste.
Wie alt werden Humboldt-Pinguine?
In Zoos meist 15 bis 20 Jahre, einzelne Tiere über 30 Jahre. Wie alt sie in freier Natur werden, weiß man nicht. Dort überlebt weniger als die Hälfte der Küken das erste Jahr.
Wie groß wird ein Humboldt-Pinguin?
Humboldt-Pinguine werden etwa 65 bis 72 Zentimeter groß und wiegen meist 4 bis 5 Kilogramm. Männchen sind etwas größer als Weibchen.
Leben Humboldt-Pinguine im Eis?
Nein. Humboldt-Pinguine leben an Küsten mit Wüsten und steinigen Stränden, zum Teil sogar in den Tropen. Kalt ist bei ihnen nur das Meerwasser, das der Humboldtstrom aus dem Süden heranführt.
Warum ist der Humboldt-Pinguin gefährdet?
Er verfängt sich in Fischernetzen, findet wegen Überfischung weniger Nahrung und hat durch den Abbau von Guano viele Brutplätze verloren. Dazu kommen Störungen durch Menschen und El-Niño-Jahre, in denen kaum Fische da sind.
Wie kann man Humboldt-Pinguine und Magellan-Pinguine unterscheiden?
Am einfachsten an der Brust: Erwachsene Humboldt-Pinguine haben ein schwarzes Brustband, erwachsene Magellan-Pinguine zwei. Beide Arten leben im Süden Chiles teilweise zusammen.
Ähnliche Tiere
- Brillenpinguin - der afrikanische Verwandte aus derselben Gattung
- Magellan-Pinguin - lebt im Süden Chiles teilweise mit dem Humboldt-Pinguin zusammen
- Galápagos-Pinguin - ein weiterer Brillenpinguin, lebt auf den Galápagos-Inseln
- Zwergpinguin - ein kleiner Pinguin aus Australien und Neuseeland
- Seelöwe - einer der Feinde des Humboldt-Pinguins im Meer
Quellen
- Spheniscus humboldti (Humboldt penguin) - Animal Diversity Web, University of Michigan
- BirdLife International (2020): Spheniscus humboldti. The IUCN Red List of Threatened Species
- UNEP-WCMC (2003): Report on the status and conservation of the Humboldt Penguin - Convention on Migratory Species (PDF)
- Farewell, Mr. Sea: Our beloved, oldest penguin passes away - Woodland Park Zoo (2020)
- Humboldt Penguin - Global Penguin Society
- Humboldt penguin - Wikipedia (englisch)
Größenvergleich
Stell dir vor, du stellst einen Fußball (22 cm) neben einen Humboldt-Pinguin: Der Humboldt-Pinguin ist um einiges größer. Neben einem Kind (1,2 m) wirkt er mit seinen 65 bis 72 cm aber wiederum etwas kleiner. Genauer gesagt ist der Humboldt-Pinguin etwa 3-mal so groß wie ein Fußball.
Gewichtsvergleich
Ein Humboldt-Pinguin bringt 4 bis 5 kg auf die Waage. Das ist schwerer als ein Fußball (430 g), aber leichter als ein Kind (25 kg). Anders ausgedrückt: Der Humboldt-Pinguin wiegt so viel wie etwa 10 Fußbälle.