Hummer
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Kurz erklärt
Hummer sind große Krebse mit zwei kräftigen Scheren, die am felsigen Grund des Nordatlantiks leben. Es gibt zwei Arten: den Europäischen Hummer, der auch bei Helgoland vorkommt, und den Amerikanischen Hummer. Lebende Hummer sind blau, grünlich oder braun, rot werden sie erst beim Kochen. Sie wachsen ihr Leben lang und können sehr alt werden.
Steckbrief
| Wissenschaftl. Name | Homarus (Europäischer Hummer: Homarus gammarus; Amerikanischer Hummer: Homarus americanus) |
|---|---|
| Abstammung |
|
| Körpergröße | Europäischer Hummer: große Tiere meist 23 bis 50 cm, höchstens etwa 60 cm; Amerikanischer Hummer: meist um 25 cm, höchstens 64 cm (Gesamtlänge) |
| Körpergewicht | Europäischer Hummer bei 60 cm Länge etwa 5 bis 6 kg; Amerikanischer Hummer bis rund 20 kg |
| Ernährung | Allesfresser mit Schwerpunkt auf Tieren: Krebse, Muscheln und Schnecken, Würmer, Seeigel, Seesterne und Fische, dazu Algen; Larven fressen Plankton |
| Lebenserwartung | Schwer bestimmbar, weil Hummer bei jeder Häutung ihren Panzer abwerfen; große Tiere sind mehrere Jahrzehnte alt, beim Amerikanischen Hummer halten Forscher bis zu 100 Jahre für möglich |
| Sozialverhalten | Einzelgänger, die ihr Versteck als Revier verteidigen |
| Herkunft | Nordatlantik |
| Verbreitung | Europäischer Hummer: Ostatlantik von den Lofoten bis Marokko und zu den Azoren, Nordsee, Mittelmeer und Nordwesten des Schwarzen Meeres; Amerikanischer Hummer: Westatlantik von Labrador bis North Carolina AfrikaEuropaNordamerikaMeer |
| Entdeckung | Europäischer Hummer 1758 von Carl von Linné beschrieben, Amerikanischer Hummer 1837 von H. Milne Edwards |
| Sonstiges | Gruppenseite ohne eigene Gefährdungseinstufung. Die Rote Liste der IUCN bewertet beide Arten einzeln als nicht gefährdet (LC, jeweils 2011). Der Bestand bei Helgoland ist seit den 1940er Jahren stark zurückgegangen. |
Was ist ein Hummer?
Hummer sind große Krebse aus der Gruppe der Zehnfußkrebse. Ihre nächsten Verwandten sind die Flusskrebse. Auch die Langusten gehören zu den großen Zehnfußkrebsen, die über den Meeresgrund kriechen. Hummer haben einen langen Hinterleib, den man oft Schwanz nennt, und zehn Beine. Das vorderste Beinpaar trägt zwei große Scheren.
Zur Gattung Homarus gehören heute zwei Arten:
- Der Europäische Hummer (Homarus gammarus) lebt an den Küsten Europas und Nordafrikas. Er ist der einzige Hummer in Deutschland und kommt hier nur bei Helgoland vor.
- Der Amerikanische Hummer (Homarus americanus) lebt an der Atlantikküste Nordamerikas. Er wird größer und schwerer als sein europäischer Verwandter.
Früher zählte man noch einen dritten, sehr seltenen und nur 8 bis 10 Zentimeter kleinen Hummer aus Südafrika zur Gattung, den Kap-Hummer. Er wird heute in eine eigene Gattung gestellt (Homarinus capensis).
Aussehen und Körperbau
Der Körper eines Hummers steckt in einem harten Panzer aus Chitin und Kalk. Ein inneres Skelett mit Knochen besitzt er nicht. Vorne am Kopf sitzen lange Antennen, mit denen der Hummer tastet.
Die beiden Scheren sind verschieden gebaut. Die dickere Knackschere hat grobe Zähne und zermalmt harte Schalen. Die schlankere Greifschere hat feinere Schneiden, ähnlich wie ein Steakmesser, und zerreißt weiches Fleisch. Männchen haben deutlich größere Scheren als Weibchen. Weibchen erkennt man dagegen an ihrem breiteren Hinterleib, unter dem sie später ihre Eier tragen.
Farbe: Lebende Hummer sind nicht rot. Der Europäische Hummer ist oben blau mit ineinanderlaufenden Flecken und unten gelblich. Amerikanische Hummer sind meist olivgrün oder grünlich braun, manche haben orangefarbene, rötliche oder schwarze Sprenkel und bläuliche Gelenke. Die bekannte rote Farbe entsteht erst beim Kochen.
Größe: Große Europäische Hummer messen meist 23 bis 50 Zentimeter. Höchstens werden sie nach Angaben der Welternährungsorganisation FAO etwa 60 Zentimeter lang und dann 5 bis 6 Kilogramm schwer. Der Amerikanische Hummer ist meist um die 25 Zentimeter lang, kann aber bis zu 64 Zentimeter erreichen. Er gehört damit vermutlich zu den längsten Zehnfußkrebsen der Welt. Die schwersten Amerikanischen Hummer wiegen laut der US-Fischereibehörde NOAA bis zu 44 Pfund, also rund 20 Kilogramm.
Wachsen durch Häutung
Weil der Panzer nicht mitwächst, muss ein Hummer ihn von Zeit zu Zeit abwerfen. Diese Häutung ist gefährlich: Danach ist das Tier weich und kann sich kaum bewegen. Deshalb braucht jeder Hummer ein sicheres Versteck. Nach der Häutung frisst er viel, oft auch den eigenen abgestreiften Panzer. So bekommt er Kalk zurück, mit dem der neue Panzer aushärtet.
Amerikanische Hummer häuten sich etwa 20- bis 25-mal, bis sie nach fünf bis acht Jahren erwachsen sind. Hummer wachsen ihr ganzes Leben lang weiter. Wie alt ein Hummer ist, lässt sich nur schwer feststellen, weil bei jeder Häutung der alte Panzer verloren geht. Forscher halten es für möglich, dass manche Amerikanische Hummer bis zu 100 Jahre alt werden.
Verbreitung und Lebensraum
Der Europäische Hummer lebt im Ostatlantik von den Lofoten in Nordnorwegen bis nach Marokko und zu den Azoren. Er kommt in der Nordsee rund um die Britischen Inseln vor, im Mittelmeer bis etwa Kreta und im Nordwesten des Schwarzen Meeres. Ob er auch in der Ostsee lebt, wird unterschiedlich angegeben: Die FAO schreibt, dass er dort fehlt, Forschende aus Helgoland nennen dagegen auch die westliche Ostsee.
Der Amerikanische Hummer lebt im Nordwestatlantik von Labrador in Kanada bis North Carolina in den USA. Am häufigsten ist er an den Küsten zwischen Maine und New Jersey.
Beide Arten brauchen harten Untergrund wie Fels, Steine oder festen Schlamm. Dort verstecken sie sich in Spalten, Höhlen und selbst gegrabenen Gängen. Der Europäische Hummer lebt meist in weniger als 50 Metern Tiefe, höchstens bis etwa 150 Meter. Amerikanische Hummer sind meist in 4 bis 50 Metern Tiefe zu finden, vor der Küste aber auch noch in rund 700 Metern.
Ernährung
Hummer fressen, was sie in ihrer Umgebung leicht bekommen. Erwachsene Amerikanische Hummer erbeuten vor allem Krebse, Muscheln und Schnecken, Würmer, Seeigel, Seesterne und Fische, daneben fressen sie auch Algen. Junge Europäische Hummer jagen Weichtiere, Borstenwürmer und andere Krebse, manchmal auch Artgenossen.
Hummerlarven treiben frei im Wasser und fressen winziges pflanzliches und tierisches Plankton.
Verhalten und Lebensweise
Hummer sind nachtaktive Einzelgänger. Tagsüber sitzen sie in ihrem Versteck, nachts gehen sie auf Nahrungssuche. Ihr Versteck verteidigen sie gegen andere Hummer. In einer Gruppe gibt es eine feste Rangordnung: Schwächere Tiere weichen stärkeren aus.
Hummer orientieren sich stark über den Geruch. Untersuchungen haben gezeigt, dass Wasser, das mit Erdöl verschmutzt ist, ihre Verständigung stört: Die Tiere erkennen sich nicht mehr, kämpfen häufiger und finden schwerer Futter.
Kleine Hummer bleiben meist in der Nähe ihres Verstecks, große können dagegen weite Strecken zurücklegen. Amerikanische Hummer, die weiter draußen auf dem Meer leben, wandern im Frühjahr 80 bis gut 300 Kilometer weit.
Fortpflanzung und Nachwuchs
Die Paarung ist eng an die Häutung des Weibchens gebunden. Beim Europäischen Hummer sucht ein Weibchen etwa eine Woche vor seiner Häutung ein ranghohes Männchen auf. Beide wohnen dann gemeinsam in der Höhle des Männchens. Wenige Stunden nach der Häutung findet die Paarung statt. Das Männchen dreht das Weibchen auf den Rücken und überträgt ein Samenpaket. Danach bleibt das noch weiche Weibchen etwa eine Woche geschützt in der Höhle, bis sein neuer Panzer fester ist.
Das Weibchen kann die Samen lange speichern, bis zur nächsten Häutung und damit über mehrere Jahre. Erst wenn es die Eier ablegt, werden sie befruchtet. Das Weibchen klebt die Eier an die kleinen Beinchen unter seinem Hinterleib und trägt sie dort 9 bis 11 Monate lang mit sich herum. Es fächelt ihnen regelmäßig frisches Wasser zu und hält sie sauber. Beim Amerikanischen Hummer sind es je nach Größe des Weibchens 5.000 bis über 100.000 Eier.
Aus den Eiern schlüpfen Larven, die frei im Wasser schwimmen. Sie durchlaufen drei Larvenstadien. Danach häuten sie sich zu einem Tier, das schon aussieht wie ein kleiner Hummer, und suchen am Grund ein Versteck. Das erste Jahr verbringen die Junghummer fast unsichtbar in ihrem Unterschlupf. Bei Helgoland werden Männchen mit vier bis fünf Jahren geschlechtsreif und wiegen dann knapp 500 Gramm, Weibchen erst mit etwa sechs Jahren.
Feinde und Gefährdung
Junge Hummer haben viele Feinde, zum Beispiel Fische, Haie, Rochen, Kraken und Krabben. Große Hummer mit hartem Panzer haben dagegen kaum noch natürliche Feinde. Ihr wichtigster Feind ist der Mensch.
Hummer sind begehrte Speisetiere. Gefangen werden sie meist mit beköderten Hummerkörben. Der Amerikanische Hummer ist die Grundlage einer der wichtigsten Krebsfischereien im Nordwestatlantik. Allein in den USA wurden 2024 rund 113 Millionen Pfund angelandet, also gut 51.000 Tonnen. Vom Europäischen Hummer fing man nach FAO-Angaben Ende der 1980er Jahre im Nordostatlantik dagegen nur gut 2.000 Tonnen im Jahr.
Die Rote Liste der IUCN stuft beide Arten als nicht gefährdet (LC) ein, die Bewertungen stammen jeweils von 2011. In vielen Gebieten gelten Fangregeln, etwa Mindestgrößen und ein Fangverbot für Weibchen, die Eier tragen.
Der Hummer von Helgoland
In der Deutschen Bucht ist der Meeresboden fast überall sandig oder schlickig. Nur der Felssockel rund um Helgoland bietet Hummern den harten Grund, den sie brauchen. Deshalb lebt dort der einzige Hummerbestand Deutschlands. Für die Insel ist der Hummer so wichtig, dass er dort fast die Rolle eines Wappentiers hat.
Früher war der Fang groß: Im Jahr 1937 holten die Helgoländer Fischer gut 40 Tonnen Hummer aus dem Meer, das waren etwa 80.000 Tiere. Zwischen 1930 und 1950 lag der Fang im Mittel bei mehr als 20 Tonnen pro Jahr. Seit den 1940er Jahren ging der Bestand stark zurück. Als mögliche Gründe nennen Forschende der Biologischen Anstalt Helgoland:
- die Zerstörung des Lebensraums durch die Bombardierung der Insel nach dem Zweiten Weltkrieg,
- einen hohen Fangdruck,
- die Verschmutzung des Wassers durch Erdöl.
Seit Anfang der 1980er Jahre werden nur noch wenige hundert Kilogramm pro Jahr gefangen. Zugleich gibt es statt früher bis zu 60 nur noch weniger als zehn Fischerboote. Nach einer Untersuchung von 2011 ist der Bestand auf niedrigem Niveau stabil, wächst aus eigener Kraft aber nicht wieder auf seine alte Größe an.
1998 beschlossen das Land Schleswig-Holstein, die Fischer, der Naturschutz und die Biologische Anstalt Helgoland ein Schutzprogramm: Rund um die Helgoländer Düne entstand ein Schutzgebiet, in dem nicht gefischt werden darf. Vom 15. Juli bis 31. August gilt eine Schonzeit, die Mindestgröße wurde erhöht und Weibchen mit Eiern dürfen nie gefangen werden. Außerdem zog die Biologische Anstalt Helgoland jedes Jahr über 1.000 Junghummer auf. Viele davon wurden markiert und auf dem Felssockel ausgesetzt.
Häufige Fragen zum Hummer
Warum wird ein Hummer beim Kochen rot?
Lebende Hummer sind blau, grünlich oder braun. Die rote Farbe zeigt sich erst, wenn der Hummer gekocht wird. Deshalb sieht man rote Hummer fast nur auf dem Teller.
Wie alt kann ein Hummer werden?
Das genaue Alter lässt sich schwer bestimmen, weil Hummer bei jeder Häutung ihren Panzer verlieren. Große Tiere sind mehrere Jahrzehnte alt. Beim Amerikanischen Hummer halten Forscher bis zu 100 Jahre für möglich.
Wie groß und schwer wird ein Hummer?
Europäische Hummer werden höchstens etwa 60 Zentimeter lang und 5 bis 6 Kilogramm schwer. Amerikanische Hummer erreichen bis zu 64 Zentimeter und rund 20 Kilogramm. Die meisten Tiere sind aber viel kleiner.
Was frisst ein Hummer?
Hummer fressen vor allem andere Tiere vom Meeresgrund, etwa Krebse, Muscheln, Schnecken, Würmer, Seeigel, Seesterne und Fische. Dazu kommen Algen. Ihre Larven ernähren sich von Plankton.
Gibt es Hummer in Deutschland?
Ja, aber nur an einer Stelle: auf dem Felssockel rund um Helgoland in der Nordsee. Der Bestand ist seit den 1940er Jahren stark geschrumpft und wird durch ein Schutzgebiet, eine Schonzeit und das Aussetzen von Junghummern geschützt.
Was ist der Unterschied zwischen Hummer und Languste?
Hummer haben zwei große Scheren. Langusten sind ebenfalls große Zehnfußkrebse, ihren Beinen fehlen aber solche Scheren. Dafür haben sie lange, peitschenartige Antennen.
Ähnliche Tiere
- Krabbe - ebenfalls ein Zehnfußkrebs, aber mit kurzem, untergeschlagenem Hinterleib
- Garnele - kleine Verwandte aus der Gruppe der Zehnfußkrebse
- Einsiedlerkrebs - schützt seinen weichen Hinterleib in einem Schneckenhaus
- Königskrabbe - ein großer Krebs aus kalten Meeren
- Pfeilschwanzkrebse - heißen Krebse, sind aber näher mit Spinnen verwandt
- Seestern - steht auf dem Speiseplan des Hummers
Quellen
- Holthuis, L. B. (1991): FAO Species Catalogue Vol. 13. Marine Lobsters of the World (u. a. Bestimmungsschlüssel und Gattung Homarus). FAO, Rom
- American Lobster - NOAA Fisheries
- Wilson, E. (2008): Homarus gammarus, Common lobster - Marine Life Information Network (MarLIN), Marine Biological Association of the UK
- Mehrtens, F. (2011): Untersuchungen zu den Entwicklungsbedingungen des Europäischen Hummers Homarus gammarus bei Helgoland in Freiland und Labor. Dissertation, Universität Hamburg / Biologische Anstalt Helgoland, Alfred-Wegener-Institut
- Homarus Weber, 1795 - World Register of Marine Species (WoRMS)
- Butler, M. et al. (2011): Homarus gammarus und Wahle, R. et al. (2011): Homarus americanus. The IUCN Red List of Threatened Species 2011
Größenvergleich
Stell dir vor, du stellst einen Fußball (22 cm) neben einen Hummer: Der Hummer ist größer. Neben einem Kind (1,2 m) wirkt er mit seinen 23 bis 64 cm aber wiederum etwas kleiner.