Igel

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Braunbrustigel mit braunen Stacheln und spitzer Schnauze läuft über den Boden
Tomaž Demšar at Slovenian Wikipedia / Wikimedia Commons / CC BY-SA 3.0

Kurz erklärt

Der Igel bei uns heißt Braunbrustigel oder Westeuropäischer Igel. Er trägt 5.000 bis 8.000 Stacheln und rollt sich bei Gefahr zu einer Kugel ein. Nachts sucht er nach Käfern, Raupen und Regenwürmern, von November bis März hält er Winterschlaf. Igel sind seltener geworden und brauchen naturnahe Gärten mit Hecken und Laubhaufen.

Steckbrief

Wissenschaftl. NameErinaceus europaeus
Abstammung
  • Klasse: Säugetiere
  • Unterklasse: Höhere Säugetiere
  • Überordnung: Laurasiatheria
  • Ordnung: Insektenfresser (Eulipotyphla)
  • Familie: Igel (Erinaceidae)
  • Gattung: Erinaceus
  • Art: Braunbrustigel (Westeuropäischer Igel)
KörpergrößeErwachsene Igel 24 bis 28 cm lang, selten bis 30 cm
KörpergewichtErwachsene Igel 800 bis 1.500 g, Männchen meist schwerer als Weibchen
ErnährungInsektenfresser: vor allem Laufkäfer, Schmetterlingsraupen und Regenwürmer, außerdem Ohrwürmer, Schnecken, Spinnen, Hundert- und Tausendfüßer, selten Vogeleier und kleine Säugetiere
LebenserwartungBis etwa 7 Jahre, die meisten Igel sterben aber deutlich früher
SozialverhaltenEinzelgänger
HerkunftEuropa
Verbreitung West- und Mitteleuropa; in Deutschland überall verbreitet Europa
EntdeckungErstbeschreibung 1758 durch Carl von Linné
GefährdungNT Potenziell gefährdet (Rote Liste der IUCN, 2024)
SonstigesIn Deutschland seit 2020 auf der Vorwarnliste der Roten Liste. Tier des Jahres 2024.

Was ist ein Igel?

Igel sind kleine Säugetiere aus der Ordnung der Insektenfresser. Der Igel, den wir in Deutschland in Gärten und Parks sehen, ist der Braunbrustigel (Erinaceus europaeus). Er wird auch Westigel oder Westeuropäischer Igel genannt. Um ihn geht es auf dieser Seite. Weltweit gibt es viele weitere Igelarten, zum Beispiel den Langohrigel.

Igel gehören zu den ältesten heute noch lebenden Säugetierformen. Ihre Vorfahren lebten schon vor etwa 65 Millionen Jahren. So wie heute sehen Igel seit ungefähr 15 Millionen Jahren aus.

Die Deutsche Wildtier Stiftung hat den Igel zum Tier des Jahres 2024 gewählt. Damit wollte sie auf die Gefahren aufmerksam machen, denen der Igel bei uns ausgesetzt ist.

Aussehen und Körperbau

Größe: Ein erwachsener Igel ist 24 bis 28 cm lang, selten bis 30 cm. Er ist damit etwa so groß wie ein Kaninchen, aber gedrungener.

Gewicht: Erwachsene Igel wiegen 800 bis 1.500 g. Männchen sind meist schwerer als Weibchen. Wie schwer ein Igel ist, hängt stark von der Jahreszeit ab: Im Herbst frisst er sich ein Fettpolster an, im Winterschlaf verliert er einen großen Teil davon wieder.

Stacheln: Das auffälligste Merkmal sind die Stacheln. Ein erwachsener Igel trägt etwa 5.000 bis 8.000 Stück. Die Deutsche Wildtier Stiftung nennt im Schnitt 5.000 bis 7.000, der Verein Pro Igel 6.000 bis 8.000. Die Stacheln sind verhornte Haare. Jeder Stachel ist braun, weiß und fast schwarz gefärbt. So ist der Igel im Laub und auf dem Boden gut getarnt. Kopf, Bauch und Beine sind nicht stachelig, sondern mit weichem Fell bedeckt.

Einrollen: Jeder Stachel hat einen eigenen kleinen Muskel. Bei Gefahr richtet der Igel die Stacheln auf und rollt sich mit Hilfe eines kräftigen Ringmuskels zu einer Kugel ein. So ist er fast unangreifbar. Die Stacheln sind am Ansatz verdickt und leicht gebogen. Dadurch federn sie einen Aufprall ab, wenn der Igel zum Beispiel einen kleinen Hang hinunterrollt.

Männchen oder Weibchen? Von außen sieht man den Unterschied kaum. Sicher erkennt man ihn nur an der Lage der Geschlechtsorgane am Bauch.

Sinne und Geräusche

Nase: Der Igel hat einen hervorragenden Geruchssinn. Damit findet er Nahrung und Artgenossen.

Ohren: Auch das Gehör ist sehr gut. Igel hören bis weit in den Ultraschallbereich, also Töne, die für Menschen zu hoch sind.

Augen: Sehen kann der Igel dagegen nur mäßig.

Selbstbespucken: Riecht ein Igel etwas Unbekanntes, zum Beispiel frische Farbe, kaut er darauf herum, bis schaumiger Speichel entsteht. Diesen spuckt er sich dann mit großen Verrenkungen auf den Rücken. Beim Prüfen des Geruchs hilft ihm ein zusätzliches Sinnesorgan, das Jacobsonsche Organ. Mit Tollwut hat dieses Verhalten nichts zu tun.

Geräusche: Igel sind überraschend laut. Man hört sie im Laub rascheln und beim Fressen schmatzen. Treffen zwei Igel aufeinander, keckern, fauchen oder kreischen sie. Bei Gefahr puffen und tuckern sie.

Verbreitung und Lebensraum

Verbreitung: Der Braunbrustigel lebt in West- und Mitteleuropa. In Deutschland kommt er überall vor.

Lebensraum: Igel brauchen eine kleinteilige, abwechslungsreiche Landschaft mit Hecken, Gebüschen und Gehölzen. Dort finden sie Futter und Verstecke. Schon ihr englischer Name hedgehog bedeutet wörtlich „Heckenschwein“.

Vom Land in die Stadt: Früher lebten Igel vor allem auf dem Land. Doch dort sind viele Hecken, Feldgehölze und artenreiche Wiesen verschwunden. Heute leben Igel häufiger in Siedlungen mit Gärten und Parks. In Städten kommen nach Angaben der Deutschen Wildtier Stiftung inzwischen bis zu neunmal so viele Igel vor wie auf dem Land. Stadtigel bauen ihre Nester oft ganz nah am Menschen, etwa in Gebüschen an Hauswänden.

Ernährung

Der Igel ist ein Insektenfresser. Er frisst vor allem kleine Tiere, die am Boden leben.

  • Hauptnahrung: Laufkäfer, Regenwürmer und die Raupen von Nachtfaltern
  • Lieblingsspeise: Ohrwürmer. Asseln mag er dagegen nicht besonders.
  • Außerdem: Schnecken, Hundert- und Tausendfüßer, Spinnen und andere Insekten
  • Selten: Vogeleier und kleine Säugetiere

Kein Obst: Igel fressen weder Obst noch Gemüse. Pflanzliches schlucken sie nur zufällig mit, etwa wenn an einem Regenwurm noch Gras klebt. Wenn ein Igel an Fallobst schnuppert, sucht er nach den Würmern und Maden darin.

Weite Wege: Auf der Suche nach Futter legt ein Igel in einer Nacht oft mehrere Kilometer zurück.

Verhalten und Winterschlaf

Nachtaktiv: Igel sind vorwiegend in der Dämmerung und nachts unterwegs. Den Tag verschlafen sie in selbst gebauten Nestern.

Einzelgänger: Igel leben allein. Ihre Streifgebiete können sich überschneiden. Meist gehen sich die Tiere aber einfach aus dem Weg, statt um ihr Gebiet zu kämpfen.

Winterschlaf: Im Winter finden Igel kaum Nahrung. Deshalb halten sie etwa von November bis März Winterschlaf, also rund fünf Monate. Vorher fressen sie sich ein Fettpolster an. Ihr Winternest bauen sie gern in Gebüschen oder unter Holzstapeln. Sie tragen Laub zusammen und verdichten es, indem sie sich im Nest hin und her rollen.

Energiesparmodus: Im Winterschlaf fährt der Igel seinen Körper fast ganz herunter:

aktiver Igelim Winterschlaf
Herzschlag pro Minuteetwa 180etwa 8
Atemzüge pro Minute40 bis 503 bis 4
Körpertemperaturetwa 36 °Cetwa 5 °C

Trotzdem verliert der Igel im Winterschlaf 20 bis 40 Prozent seines Körpergewichts. Wird es im Nest zu warm, wacht er auf und verbraucht viel Energie. Deshalb darf das Versteck weder zu feucht noch zu kalt oder zu warm sein.

Fortpflanzung und Nachwuchs

Paarung: Igel paaren sich im Sommer. Das Männchen zieht danach weiter und kümmert sich nicht um den Nachwuchs.

Geburt: Nach einer Tragzeit von etwa 35 Tagen bringt das Weibchen durchschnittlich vier bis fünf Junge zur Welt. Die meisten Igelbabys werden im August und September geboren. Neugeborene wiegen nur etwa 12 bis 25 g. Augen und Ohren sind noch geschlossen.

Stacheln bei der Geburt: Igelbabys haben schon bei der Geburt etwa 100 weiße, weiche Stacheln. Sie stecken zunächst noch in der aufgequollenen Rückenhaut.

Heranwachsen:

  1. Mit etwa 2 Wochen öffnen sich Augen und Ohren.
  2. Mit etwa 3 Wochen brechen die ersten Zähne durch.
  3. Mit 3 bis 4 Wochen verlassen die Jungen erstmals das Nest und fressen auch feste Nahrung.
  4. Mit etwa 6 Wochen hört die Mutter auf, sie zu säugen, und die Jungen werden selbstständig.

Lebenserwartung: Igel können etwa sieben Jahre alt werden. Die durchschnittliche Lebenserwartung ist aber deutlich geringer.

Feinde und Gefährdung

Natürliche Feinde: Zu den natürlichen Feinden des Igels zählen der Uhu und der Dachs.

Gefahren durch den Menschen: Die größte Gefahr für den Igel ist der Mensch.

  • Straßenverkehr: Nach Angaben der Deutschen Wildtier Stiftung sterben jedes Jahr etwa eine halbe Million Igel im Straßenverkehr.
  • Mähroboter: Sie verletzen viele Igel. Die meisten verletzten Tiere verkriechen sich und sterben unbemerkt.
  • Aufgeräumte Gärten: Ohne Hecken, Laubhaufen und Totholz finden Igel weder Unterschlupf noch Futter.
  • Gift: Schneckenkorn und andere Gifte töten Igel direkt oder über vergiftete Beutetiere.
  • Zerschnittene Landschaft: Straßen, Zäune und Mauern trennen Igelgebiete voneinander.

Rote Liste Deutschland: Seit 2020 steht der Igel in Deutschland auf der Vorwarnliste der Roten Liste. Vorher galt er als ungefährdet. In Bayern wurden fast 40 Jahre lang überfahrene Igel gezählt. Die Zahl der Funde ist in dieser Zeit auf etwa ein Fünftel des Werts von 1976 gesunken.

Weltweit: Im Jahr 2024 hat die IUCN den Westeuropäischen Igel als potenziell gefährdet („Near Threatened“) eingestuft (IUCN, 2024). Er ist also noch nicht gefährdet, steht aber kurz davor.

Igel zählen: Seit 2023 rufen die Deutsche Wildtier Stiftung und ihre Partner zur Aktion „Deutschland sucht Igel und Maulwurf“ auf. Jeder kann dabei Igel melden, bisher wurden mehr als 10.000 Igel gemeldet.

Igelhilfe: Wann braucht ein Igel Hilfe?

Gesunde Igel sollte man in Ruhe lassen. Der Verein Pro Igel nennt aber Fälle, in denen ein Igel Hilfe braucht:

  • Verletzte Igel mit offenen Wunden oder torkelndem Gang
  • Kranke Igel: schwach, mager, mit eingefallenen Augen und einer Einbuchtung im Nacken, oft tagsüber unterwegs oder liegend
  • Igelbabys, die außerhalb eines Nestes gefunden werden
  • Herbstigel: Jungtiere, die um November herum weniger als 500 g wiegen
  • Igel, die bei Frost unterwegs sind, obwohl eigentlich Winterschlafzeit ist

Ausnahmen: Wurde ein Nest gestört, etwa weil ein Laubhaufen entfernt wurde, sucht auch ein gesunder Igel am Tag einen neuen Unterschlupf. Findet man ein Nest mit Igelbabys, deckt man es wieder zu und entfernt sich.

Erste Hilfe: Einen hilfsbedürftigen Igel setzt man in einen Karton an einen warmen Ort. Fühlt er sich kälter an als die eigene Hand, wärmt man ihn vorsichtig auf einer handwarmen Wärmflasche. Dann bietet man ungewürzt gegartes Rührei oder Katzenfutter mit hohem Fleischanteil und Wasser an. Anschließend sollte man eine Igelstation oder einen Tierarzt anrufen, der sich mit Igeln auskennt.

Keine Milch! Igel vertragen keinen Milchzucker. Milch und Milchprodukte lösen Durchfall aus, der lebensgefährlich werden kann. Auch Obst und Gemüse sind kein Igelfutter.

Igel im Garten

Wer Igeln helfen möchte, macht seinen Garten igelfreundlich: Hecken und Sträucher, Laubhaufen, Totholz und wild wuchernde Ecken bieten Futter und Verstecke. Auf Gift und Mähroboter sollte man verzichten. Auch Igelhäuser nehmen die Tiere an. Wer Laub- oder Reisighaufen entfernt oder einen Holzstapel abbaut, sollte vorher nachsehen, ob dort ein Igel sein Nest hat.

Häufige Fragen zum Igel

Was fressen Igel?

Igel fressen vor allem Laufkäfer, Regenwürmer und Schmetterlingsraupen, außerdem Ohrwürmer, Schnecken, Spinnen und andere Kleintiere. Obst und Gemüse fressen sie nicht.

Darf man Igeln Milch geben?

Nein. Igel vertragen keinen Milchzucker und bekommen davon Durchfall, der tödlich enden kann. Ein hilfsbedürftiger Igel bekommt Wasser und zum Beispiel Katzenfutter oder ungewürztes Rührei.

Wann halten Igel Winterschlaf?

Etwa von November bis März, also rund fünf Monate lang. Dabei sinkt ihre Körpertemperatur auf etwa 5 °C, und das Herz schlägt nur noch etwa achtmal pro Minute.

Wie viele Stacheln hat ein Igel?

Ein erwachsener Igel hat etwa 5.000 bis 8.000 Stacheln. Neugeborene Igel haben schon rund 100 weiche, weiße Stacheln.

Ist der Igel gefährdet?

In Deutschland steht der Igel seit 2020 auf der Vorwarnliste der Roten Liste. Weltweit stuft die IUCN den Westeuropäischen Igel seit 2024 als potenziell gefährdet ein.

Wie alt wird ein Igel?

Igel können etwa sieben Jahre alt werden. Die meisten sterben aber deutlich früher, zum Beispiel im Straßenverkehr.

Ähnliche Tiere

  • Langohrigel - ein Verwandter mit auffällig großen Ohren
  • Maulwurf - gehört wie der Igel zu den Insektenfressern
  • Dachs - einer der wenigen natürlichen Feinde des Igels
  • Stachelschwein - auch stachelig, aber ein Nagetier und nicht verwandt
  • Ameisenigel - sieht ähnlich aus, ist aber ein eierlegendes Säugetier aus Australien und Neuguinea

Quellen

Größenvergleich

🪙1-Euro-Münze
2,3 cm
⚽Fußball
22 cm
🧒Kind
1,2 m
🧑Erwachsener
1,8 m
🏠Haus
10 m
▼Igel
24 bis 28 cm

Wie groß ist der Igel wirklich? Mit 24 bis 28 cm überragt er einen Fußball (22 cm), kommt aber noch nicht an ein Kind (1,2 m) heran. Selbst eine 1-Euro-Münze (2,3 cm) wirkt daneben noch winzig.

Gewichtsvergleich

🪙1-Euro-Münze
7,5 g
🍫Tafel Schokolade
100 g
⚽Fußball
430 g
🧒Kind
25 kg
🧑Erwachsener
75 kg
🚗Auto
1,5 t
🚌Schulbus
12 t
▼Igel
800 g bis 1,5 kg

Ein Igel bringt 800 g bis 1,5 kg auf die Waage. Das ist schwerer als ein Fußball (430 g), aber leichter als eine Hauskatze (4 kg). Anders ausgedrückt: Der Igel wiegt so viel wie etwa 3 Fußbälle.