Indri

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Indri mit schwarz-weißem Fell und runden Ohren klammert sich senkrecht an einen Baumstamm
Christophe Germain / Wikimedia Commons / CC BY-SA 4.0

Kurz erklärt

Der Indri ist der größte heute lebende Lemur und lebt nur in den Regenwäldern im Osten Madagaskars. Er hat fast keinen Schwanz und springt senkrecht von Stamm zu Stamm. Berühmt ist er für seinen Gesang, den man bis zu zwei Kilometer weit hört. Die Art ist vom Aussterben bedroht.

Steckbrief

Wissenschaftl. NameIndri indri
Abstammung
  • Klasse: Säugetiere
  • Ordnung: Primaten
  • Unterordnung: Feuchtnasenprimaten (Strepsirrhini)
  • Familie: Indriartige (Indriidae)
  • Gattung: Indri
  • Art: Indri
Körpergröße60 bis 90 cm
Körpergewicht7 bis 10 kg
ErnährungPflanzenfresser: vor allem junge Blätter, dazu Früchte, Blüten, Samen und Rinde
LebenserwartungIn freier Natur 15 bis 18 Jahre
SozialverhaltenFamiliengruppen aus Elternpaar und Nachwuchs
HerkunftMadagaskar
Verbreitung Regenwälder im Osten Madagaskars, von Anjanaharibe-Sud im Norden bis Anosibe An'ala im Süden Afrika
EntdeckungErstbeschreibung 1788 durch Johann Friedrich Gmelin
GefährdungCR Vom Aussterben bedroht (Rote Liste der IUCN, 2020)
SonstigesDer Indri ist der größte heute lebende Lemur. Sein Schwanz ist nur 5 bis 6 cm lang. In Menschenobhut ließ sich die Art bisher nicht halten und züchten.

Aussehen und Körperbau

Der Indri ist der größte Lemur der Welt. Kopf und Rumpf messen 60 bis 90 Zentimeter, ausgewachsene Tiere wiegen 7 bis 10 Kilogramm. Ungewöhnlich ist sein Schwanz: Er ist nur 5 bis 6 Zentimeter lang und damit ein Stummel. Alle anderen Lemuren haben lange Schwänze, oft so lang wie ihr Körper.

Das Fell ist seidig und schwarz-weiß gemustert. Ohren, Gesicht, Schultern, Rücken und Arme sind meist schwarz, helle Flecken sitzen auf Scheitel, Nacken, Flanken, Hinterteil und an den Außenseiten der Gliedmaßen. Wie viel Weiß ein Tier trägt, hängt davon ab, wo es lebt: Indris im Norden des Verbreitungsgebiets sind fast ganz schwarz, Tiere im Süden deutlich heller. Lange vermutete man dahinter verschiedene Arten oder Unterarten, das hat sich aber nicht bestätigt.

Auffällig sind die runden, büschelig behaarten Ohren, die lange Schnauze und die großen, nach vorn gerichteten Augen. Die Hinterbeine sind lang und kräftig, die Arme kurz. Hände und Füße sind groß und greiffähig. Der große Zeh lässt sich weit abspreizen und funktioniert wie ein Daumen, die übrigen Zehen sind durch Häute verbunden und bewegen sich gemeinsam wie eine Zange.

Verbreitung und Lebensraum

Indris leben ausschließlich auf Madagaskar, so wie alle Lemuren. Ihr Gebiet liegt im Osten der Insel und reicht von Anjanaharibe-Sud im Norden bis Anosibe An'ala im Süden. Sie bewohnen Küsten- und Bergregenwälder vom Meeresspiegel bis in 1.800 Meter Höhe, bevorzugen aber tiefere und mittlere Lagen.

Den größten Teil ihres Lebens verbringen Indris in den Bäumen. Sie klettern und springen senkrecht von Stamm zu Stamm: Der Körper bleibt dabei aufrecht, die Arme sind erhoben, und die Tiere landen zuerst mit den Füßen am Zielast. Auf dem Boden hüpfen sie mit erhobenen Armen weiter. Eine Gruppe legt am Tag 300 bis 700 Meter zurück.

Ernährung

Indris fressen Pflanzen. Den größten Teil der Nahrung machen junge Blätter aus, dazu kommen Früchte, Blüten, Samen und gelegentlich Rinde. Insgesamt sind rund 139 Pflanzenarten auf ihrem Speiseplan nachgewiesen. Je nach Jahreszeit ändert sich, was sie bevorzugen, und sie nehmen dafür auch weite Wege in Kauf. Zwischen 30 und 60 Prozent ihrer aktiven Zeit verbringen sie mit Fressen.

Blätter sind schwer verdaulich. Der Indri hat dafür mehr Anpassungen als jeder andere Lemur: große Speicheldrüsen, einen geräumigen Magen, einen langen, geschlungenen Dickdarm und einen erweiterten Blinddarm, in dem Bakterien die Pflanzenfasern vergären. Manchmal steigen Indris zum Boden hinab und fressen Erde. Diese Geophagie hilft vermutlich, die Giftstoffe aus den Blättern unschädlich zu machen.

Der Gesang des Indri

Der Indri ist der einzige Lemur, der singt, und einer der wenigen singenden Primaten überhaupt; dazu zählen sonst Gibbons, Koboldmakis und Springaffen. Der Gesang ist bis zu zwei Kilometer weit zu hören. Er beginnt meist mit einem rauen Brüllen, darauf folgen lange, kaum modulierte Töne und danach Phrasen, deren Tonhöhe abfällt.

Gesungen wird im Chor: Zwei bis fünf Tiere einer Familie stimmen gemeinsam an, meistens am Morgen, wenn die Sonne die Baumkronen erreicht. Forschende unterscheiden mehrere Arten von Liedern. Werbe- und Reviergesänge zeigen Nachbargruppen, wo die Grenzen verlaufen, und regeln Streit. Andere Lieder halten die Familie zusammen. Neben dem Gesang kennt der Indri acht weitere Lauttypen, darunter Grunzen, Schnalzen und ein Hupen bei Gefahr.

2021 werteten Forschende Aufnahmen aus zwölf Jahren aus: die Gesänge von 39 erwachsenen Indris aus 20 Gruppen. Dabei zeigte sich etwas, das man bisher nur aus menschlicher Musik kannte: Die Abstände zwischen den Tönen folgen festen Verhältnissen, entweder gleich lang (1:1) oder doppelt so lang (1:2). Solche rhythmischen Kategorien sind Grundbausteine von Musik. Der Indri ist damit das erste Säugetier außer dem Menschen, bei dem sie nachgewiesen wurden.

Verhalten und Familienleben

Indris leben in kleinen Familien aus zwei bis sechs Tieren: ein Elternpaar und dessen Nachwuchs, manchmal aus mehreren Jahrgängen. Das Weibchen ist ranghöher als das Männchen. Es bekommt die besten Futterplätze, entscheidet mit, wie viel das Männchen frisst, und wird häufiger gekrault, als es selbst krault.

Von allen Lemuren Madagaskars ist der Indri am strengsten tagaktiv. Sein Tagesablauf richtet sich nach der Sonne und verschiebt sich mit der Länge der Tage. Der Morgen beginnt mit dem gemeinsamen Gesang, danach wird gefressen, verdaut, gekrault und gespielt. Am Mittag zieht die Familie zu neuen Futterbäumen weiter, am Abend sucht sie hoch oben einen sicheren Schlafplatz.

Jede Familie verteidigt ein Revier. Zuständig dafür sind die Männchen: Sie markieren mit Urin und mit dem Sekret von Drüsen an der Schnauze. Trotzdem verlassen Gruppen ihr Gebiet, wenn anderswo besseres Futter wächst, und nehmen dafür Streit mit den Nachbarn in Kauf.

Fortpflanzung und Nachwuchs

Die Paarungszeit liegt zwischen Dezember und März, in der heißesten und feuchtesten Zeit Madagaskars. Nach 120 bis 150 Tagen Tragzeit kommt im Mai oder Juni ein einzelnes Junges zur Welt. Zwillinge sind nicht bekannt.

Neugeborene sind schwarz mit einem weißen Fleck am Rumpf. Zwei bis drei Monate klammern sie sich an den Bauch der Mutter, mit etwa fünf Monaten wechseln sie auf ihren Rücken. Gesäugt werden sie rund sechs Monate lang. Mit acht Monaten bewegen sie sich selbständig, bleiben aber bis zum Alter von etwa zwei Jahren dicht bei der Mutter. Geschlechtsreif werden Indris erst mit sieben bis neun Jahren. Weibchen bekommen nur alle zwei bis drei Jahre ein Junges, weil die Aufzucht so lange dauert. Junge Weibchen bleiben oft in der Familie, Männchen wandern ab.

Gefährdung

Die IUCN führt den Indri als vom Aussterben bedroht (CR), die Einstufung stammt aus der Roten Liste von 2020. Die Schätzungen für den Gesamtbestand reichen von 1.000 bis 10.000 Tieren, der Bestand nimmt ab. Der Indri zählt zu den 25 am stärksten bedrohten Primaten der Welt und steht in Anhang I des Washingtoner Artenschutzübereinkommens (CITES).

Die größte Gefahr ist der Verlust des Regenwalds. In den letzten 2.000 Jahren hat Madagaskar mehr als 90 Prozent seiner Waldfläche verloren, fast die Hälfte davon zwischen 1950 und 2000. Brandrodung für den Reisanbau, illegaler Bergbau auf Saphire und Holzeinschlag zerstören weiter Lebensraum, auch in Schutzgebieten. Wo Wald in kleine Inseln zerfällt, können sich Gruppen nicht mehr mischen, und die genetische Vielfalt sinkt.

Früher schützte ein Tabu die Tiere: In vielen Regionen gilt der Indri als Ahne, sein madagassischer Name babakoto wird oft mit "Vorfahr" übersetzt, und ihn zu töten war verboten. Mit der Zuwanderung von Menschen aus anderen Landesteilen verliert dieses Tabu an Kraft, und Indris werden häufiger wegen ihres Fleisches und ihres Fells gejagt.

Besonders schwierig: Indris lassen sich nicht in Zoos halten. Alle Versuche sind gescheitert, vor allem weil ihre Blattnahrung nicht nachzubilden ist. Zuchtprogramme, die anderen Primaten geholfen haben, sind für den Indri keine Option. Verschwindet sein Wald, verschwindet die Art.

Häufige Fragen zum Indri

Wie groß wird ein Indri?

Kopf und Rumpf messen 60 bis 90 Zentimeter, das Gewicht liegt bei 7 bis 10 Kilogramm. Damit ist der Indri der größte heute lebende Lemur. Sein Schwanz ist mit 5 bis 6 Zentimetern nur ein Stummel.

Warum singt der Indri?

Der Gesang hält die Familie zusammen und zeigt Nachbargruppen die Reviergrenzen. Er ist bis zu zwei Kilometer weit zu hören. Zwei bis fünf Tiere singen gemeinsam, meist am Morgen.

Was frisst ein Indri?

Vor allem junge Blätter, dazu Früchte, Blüten, Samen und Rinde von etwa 139 Pflanzenarten. Manchmal frisst er auch Erde, was vermutlich hilft, Giftstoffe aus den Blättern zu binden.

Wo lebt der Indri?

Nur in den Regenwäldern im Osten Madagaskars, vom Meeresspiegel bis auf 1.800 Meter Höhe. Außerhalb dieser Insel kommt er nirgends vor, auch nicht in Zoos.

Warum ist der Indri vom Aussterben bedroht?

Sein Regenwald wird gerodet, außerdem wird er trotz alter Tabus gejagt. Die IUCN stuft ihn seit 2020 als vom Aussterben bedroht (CR) ein, der Bestand wird auf 1.000 bis 10.000 Tiere geschätzt.

Was bedeutet der Name Indri?

Der Name beruht auf einem Missverständnis: Auf Madagassisch heißt das Tier babakoto. "Indri" geht vermutlich auf einen Ausruf zurück, der so viel bedeutet wie "da ist er".

Ähnliche Tiere

  • Lemur - Überblick über die Halbaffen Madagaskars
  • Vari - großer, lauter Lemur aus denselben Regenwäldern
  • Grauer Mausmaki - einer der kleinsten Primaten der Welt
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  • Koboldmaki - kleiner Primat Südostasiens, der ebenfalls singt
  • Gibbon - Menschenaffe, der wie der Indri im Duett singt
  • Tiere mit I - weitere Tiere, die mit I beginnen

Quellen

Größenvergleich

🪙1-Euro-Münze
2,3 cm
⚽Fußball
22 cm
🧒Kind
1,2 m
🧑Erwachsener
1,8 m
🏠Haus
10 m
▼Indri
60 bis 90 cm

Ein Indri erreicht eine Körpergröße von 60 bis 90 cm. Damit passt er bequem zwischen einen Fußball (22 cm) und ein Kind (1,2 m) auf unserer Vergleichsskala. Das bedeutet: Der Indri ist etwa 3-mal so groß wie ein Fußball.

Gewichtsvergleich

🪙1-Euro-Münze
7,5 g
🍫Tafel Schokolade
100 g
⚽Fußball
430 g
🧒Kind
25 kg
🧑Erwachsener
75 kg
🚗Auto
1,5 t
🚌Schulbus
12 t
▼Indri
7 bis 10 kg

Ein Indri bringt 7 bis 10 kg auf die Waage. Das ist schwerer als eine Hauskatze (4 kg), aber leichter als ein Kind (25 kg).