Japanmakak
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Kurz erklärt
Der Japanmakak ist ein Affe mit rosarotem Gesicht, dichtem Fell und kurzem Stummelschwanz. Er lebt in den Wäldern Japans und kommt so weit im Norden vor wie kein anderer Affe außer dem Menschen. Weil er auch im tiefen Schnee zurechtkommt, heißt er Schneeaffe. Berühmt sind Japanmakaken, die im Winter in heißen Quellen baden oder Süßkartoffeln im Meerwasser waschen.
Steckbrief
| Wissenschaftl. Name | Macaca fuscata |
|---|---|
| Abstammung |
|
| Körpergröße | Kopf-Rumpf-Länge im Durchschnitt 57 cm (Männchen) und 52 cm (Weibchen), dazu ein Stummelschwanz von etwa 8 bis 9 cm |
| Körpergewicht | Im Durchschnitt 11,3 kg (Männchen) und 8,4 kg (Weibchen); Tiere aus dem kalten Norden sind schwerer als im warmen Süden |
| Ernährung | Allesfresser: vor allem Früchte, Blätter, Samen, Nüsse und Kräuter (über 213 Pflanzenarten), dazu Insekten, Pilze und Erde; im Winter auch Rinde; in der Nähe von Menschen auch Feldfrüchte |
| Lebenserwartung | Frei lebende Weibchen im Durchschnitt nur etwa 6 Jahre (Primate Info Net); Höchstalter in freier Natur 28 Jahre bei Männchen und 32 Jahre bei Weibchen (Primate Info Net, Animal Diversity Web) |
| Sozialverhalten | Gruppen von im Schnitt 41 Tieren (10 bis 161) mit mehreren Männchen und Weibchen; Weibchen bleiben lebenslang in ihrer Geburtsgruppe, Männchen wandern mit etwa 5 Jahren ab |
| Herkunft | Japan |
| Verbreitung | Japan: Honshu, Shikoku, Kyushu und kleinere Inseln wie Yakushima, nicht auf Hokkaido; eine 1972 nach Texas (USA) umgesiedelte Gruppe lebt dort weiter Asien |
| Entdeckung | Erstbeschreibung 1875 durch Blyth |
| Gefährdung | LC Nicht gefährdet (Rote Liste der IUCN, 2020) |
| Sonstiges | Seit 1947 in Japan vor der Jagd geschützt, trotzdem werden jedes Jahr über 10.000 Tiere wegen Ernteschäden getötet. Bestand nach älteren Schätzungen rund 100.000 Tiere. |
Der Affe im Schnee
Der Japanmakak (Macaca fuscata) heißt auf Englisch "Japanese macaque" oder "snow monkey", also Schneeaffe. Auf Japanisch nennt man ihn "Nihonzaru". Er gehört zur Gattung der Makaken und ist damit ein naher Verwandter des Rhesusaffen.
Das Besondere: Japanmakaken leben weiter im Norden als alle anderen Affen außer dem Menschen. Die nördlichsten Gruppen wohnen auf der Shimokita-Halbinsel ganz im Norden der Insel Honshu. Dort liegt bis zu einem Drittel des Jahres Schnee, oft 2 bis 3 Meter hoch.
Kaum eine Affenart ist so lange in freier Natur erforscht worden. Japanische Wissenschaftler beobachten Japanmakaken seit 1948 an vielen Orten des Landes. Sie gaben jedem Tier einen Namen und beobachteten die Gruppen über Jahrzehnte. Dabei entdeckten sie Verhaltensweisen, die bis heute in Biologiebüchern stehen.
Aussehen und Körperbau
Größe: Männchen sind im Durchschnitt 57 Zentimeter lang, Weibchen 52 Zentimeter, jeweils ohne Schwanz gemessen. Der Schwanz ist nur ein kurzer Stummel von etwa 8 bis 9 Zentimetern.
Gewicht: Männchen wiegen im Schnitt 11,3 Kilogramm, Weibchen 8,4 Kilogramm. Japanmakaken aus dem kalten Norden sind schwerer als Tiere aus wärmeren Gegenden.
Fell: Das Fell ist grau, gelbbraun oder braun. Je kälter es im Lebensraum ist, desto dicker wird es. So kommen die Affen mit Wintertemperaturen bis minus 20 Grad Celsius zurecht. Einen Winterschlaf halten sie nicht.
Gesicht: Gesicht und Hinterteil sind nackt und rosarot. In der Paarungszeit färben sie sich bei Männchen und Weibchen kräftig rot.
Japanmakaken laufen meist auf allen vieren. Weibchen halten sich öfter in Bäumen auf, Männchen eher am Boden. Sie springen gut, hangeln aber selten. Außerdem sind sie ausgezeichnete Schwimmer: Es wurden Strecken von über einem halben Kilometer beobachtet.
Verbreitung und Lebensraum
Japanmakaken gibt es nur in Japan. Sie leben auf drei der vier Hauptinseln, nämlich Honshu, Shikoku und Kyushu, sowie auf kleineren Inseln wie Awaji, Shodo, Kinkazan und Yakushima. Auf der nördlichsten Hauptinsel Hokkaido fehlen sie. Die Japanmakaken auf der Insel Yakushima im Süden gelten als eigene Unterart (M. f. yakui).
Ihr Lebensraum reicht von subtropischen Wäldern im Süden bis zu Bergwäldern im kalten Norden. Am wichtigsten sind immergrüne Laubwälder und Laubwälder, die im Winter ihre Blätter verlieren. Im Norden stehen die Bäume bis zu fünf Monate im Jahr kahl. In dicht besiedelten Tiefländern sind sie selten. Der höchste bekannte Fundort liegt auf 3.180 Metern.
1972 wurde eine ganze Gruppe von 150 Japanmakaken aus Arashiyama bei Kyoto nach Texas in den USA gebracht. Sie gewöhnte sich an das trockene Buschland und war 1989 auf 470 Tiere angewachsen.
Ernährung
Japanmakaken sind Allesfresser und nicht wählerisch. Forschende zählten über 213 Pflanzenarten auf ihrem Speiseplan. Sie fressen Früchte, Blätter, Beeren, Samen, Nüsse, Pilze, Farne und Kräuter, dazu Insekten, andere kleine Tiere und sogar Erde. Manchmal graben sie nach Wurzeln, in Notzeiten fressen sie auch rohen Fisch.
Was auf dem Speiseplan steht, hängt stark von Ort und Jahreszeit ab:
- Im warmen Süden auf Yakushima fressen sie vor allem Früchte, reife Blätter und heruntergefallene Samen, im Sommer mehr Früchte, im Winter mehr Kräuter.
- Im kalten Norden müssen sie sich im Herbst mit Früchten und Nüssen einen Fettvorrat anfressen. Im Winter liegt Schnee, dann finden sie nur noch nährstoffarme Kost wie trockene Blätter und Baumrinde.
- In der Nähe von Menschen plündern sie auch Felder und Gärten.
Verhalten und Lebensweise
Japanmakaken sind tagaktiv. Sie leben in Gruppen von durchschnittlich 41 Tieren, es können aber auch nur 10 oder bis zu 161 sein. Werden Gruppen von Menschen gefüttert, wachsen sie stärker; eine solche Gruppe zählte sogar über tausend Tiere. Das Streifgebiet einer Gruppe ist im Schnitt etwa 3,7 Quadratkilometer groß.
Familienbande: Die Weibchen bleiben ihr Leben lang in der Gruppe, in der sie geboren wurden. Männchen verlassen ihre Geburtsgruppe meist mit etwa 5 Jahren, bevor sie geschlechtsreif sind. Manche wandern dabei über 100 Kilometer weit und wechseln später noch mehrmals die Gruppe.
Rangordnung: Männchen wie Weibchen haben eine feste Rangordnung. Eine Tochter bekommt ungefähr den Rang ihrer Mutter. Unter Schwestern steht meist die jüngste am höchsten. Ein Männchen steigt oft in der Rangordnung auf, je länger es schon in der Gruppe lebt.
Fellpflege: Gegenseitiges Lausen ist sehr wichtig. Es hält das Fell sauber und stärkt vor allem die Freundschaften unter verwandten Weibchen.
Sprache: Japanmakaken haben viele verschiedene Laute. Mehr als die Hälfte davon klingen friedlich. Beim Fressen oder Wandern geben sie oft einen weichen "Coo"-Laut von sich, der die Gruppe zusammenhält.
Wärme im Winter: Geschlafen wird meist in Bäumen, manchmal auch am Boden. Im Winter kuscheln sich mehrere Tiere am Boden eng aneinander. Je kälter es ist, desto größer werden diese Schlafgruppen.
Baden in heißen Quellen
In den Shiga-Bergen in Mitteljapan steigen Japanmakaken im Winter in heiße Quellen und bleiben darin sitzen, vermutlich um sich zu wärmen. Gut untersucht ist das im Affenpark Jigokudani, wo Forschende die Tiere seit 1960 beobachten.
Eine Studie von 2018 untersuchte dort zwölf erwachsene Weibchen. Ergebnis: Die Affen nutzen das warme Wasser im Winter, um ihre Körpertemperatur zu halten. Die einzige Quelle ist aber begehrt, und ranghohe Weibchen dürfen zuerst hinein. Die ranghohen Weibchen hatten insgesamt mehr Stresshormone, was mit häufigerem Streit im Winter zusammenhing. Das Baden war dagegen mit niedrigeren Stresshormonwerten verbunden. Es hilft vermutlich, im kalten Winter Energie zu sparen.
Süßkartoffeln waschen auf Kōshima
Auf der kleinen Insel Kōshima im Süden Japans fütterten Forschende die dortige Affengruppe seit 1952, unter anderem mit Süßkartoffeln. Im September 1953 begann ein anderthalb Jahre altes Weibchen namens Imo, ihre Kartoffeln an einem Bach zu waschen, um den Sand abzuspülen.
Andere Affen schauten es sich ab. Noch 1953 lernten es Imos Mutter Eba und ein weiteres junges Tier, in den folgenden Jahren immer mehr. Innerhalb einer Familie lernten meist die Jüngeren zuerst. Am leichtesten fiel es Jungtieren zwischen einem und zweieinhalb Jahren. Männchen über vier Jahre lernten es kaum: Sie leben am Rand der Gruppe und fressen selten mit Weibchen und Jungtieren. Im August 1962 wuschen 36 von 49 Affen, die älter als zwei Jahre waren, ihre Kartoffeln.
Ab 1957 wuschen viele Affen ihre Kartoffeln im Meerwasser statt im Bach. Ende 1961 nutzten alle Kartoffelwäscher Salz- und Süßwasser, bevorzugten aber das Meer. Jüngere Tiere tauchten die Kartoffel nach ein oder zwei Bissen immer wieder ins Wasser. Der Forscher Masao Kawai deutete das als Würzen mit Salz. Imo erfand später noch etwas: Sie warf Weizenkörner mit Sand ins Wasser. Der Sand sank, die Körner schwammen oben und ließen sich leicht aufsammeln.
Kawai sprach von "vorkulturellem" Verhalten: Ein Tier erfindet etwas Neues, und die Gruppe gibt es an die nächste Generation weiter. Auch Schneebälle rollen und das Spielen mit Steinen haben Fachleute bei Japanmakaken beobachtet und gesehen, wie andere es übernehmen.
Fortpflanzung und Nachwuchs
Die Paarungszeit dauert vier bis fünf Monate und liegt je nach Gegend zwischen September und April. Ein Männchen und ein Weibchen bilden dann für kurze Zeit ein Paar. Sie fressen, ruhen und wandern gemeinsam, im Durchschnitt 1,6 Tage lang. Ranghohe Männchen bleiben länger mit einem Weibchen zusammen. Die Weibchen paaren sich in einer Saison meist mit mehreren Männchen und entscheiden letztlich selbst, mit wem.
Nach einer Tragzeit von etwa 172 Tagen kommt zwischen März und September meist ein einzelnes Junges zur Welt. Es wiegt rund 540 Gramm und hat zunächst ein sehr dunkles Fell, das in den ersten sechs Monaten heller wird. Zwillinge gibt es nur etwa bei einer von 488 Geburten.
In den ersten vier Wochen trägt die Mutter ihr Junges am Bauch, danach auch auf dem Rücken. Mit 5 bis 6 Wochen probiert es feste Nahrung, mit 7 Wochen sucht es schon selbst nach Futter. Entwöhnt wird es frühestens mit sechs Monaten, oft später und manchmal erst nach über 18 Monaten. In manchen Gruppen kümmern sich auch ältere Männchen um Jungtiere, tragen und beschützen sie. Weibchen werden mit etwa 3,5 Jahren geschlechtsreif, Männchen mit etwa 4,5 Jahren.
Das Leben ist gefährlich: Etwa 28 Prozent der Jungtiere sterben in freier Natur im ersten Lebensjahr. Frei lebende Weibchen werden im Durchschnitt nur etwa 6 Jahre alt. Das älteste bekannte frei lebende Männchen wurde 28 Jahre alt, das älteste Weibchen 32 Jahre.
Feinde und Gefährdung
Zu den natürlichen Feinden gehören verwilderte Hunde und ein Greifvogel, der Adler Spizaetus nipalensis (englisch Mountain Hawk Eagle). Jungtiere werden möglicherweise auch vom Marderhund erbeutet.
Die Rote Liste der IUCN stuft den Japanmakaken als nicht gefährdet (LC, 2020) ein. Er ist weit verbreitet, lebt in vielen Nationalparks, und vielerorts wächst sein Bestand. 1994 hatte ihn die IUCN noch als gefährdet und 1996 sogar als stark gefährdet eingestuft. Ältere Schätzungen gehen von rund 100.000 frei lebenden Tieren aus.
Probleme gibt es trotzdem:
- Ernteschäden: Viele Japanmakaken haben ihre Scheu vor Menschen verloren und plündern Felder. Jedes Jahr werden über 10.000 Tiere getötet, um Ernteschäden zu verhindern, obwohl die Art seit 1947 vor der Jagd geschützt ist. Ein Weibchen lebte sogar mehrere Monate mitten in Tokio.
- Lebensraum: Natürliche Wälder wurden durch Holzplantagen ersetzt, in denen die Affen kaum Nahrung finden.
- Vermischung: An zwei Orten haben sich Japanmakaken mit eingeführten Makaken gekreuzt: mit dem Taiwan-Makaken (Macaca cyclopis) in Wakayama und mit Rhesusaffen in Chiba. In Wakayama wurden die meisten Mischlinge inzwischen entfernt.
- Örtlich bedroht: Einige kleine Bestände in der Region Tohoku im Nordosten gelten als gefährdet.
Häufige Fragen zum Japanmakaken
Warum heißt der Japanmakak Schneeaffe?
Japanmakaken leben weiter im Norden als jeder andere Affe außer dem Menschen. In ihren Bergwäldern liegt im Winter oft meterhoch Schnee. Ihr dichtes Fell schützt sie dabei bis etwa minus 20 Grad Celsius.
Warum baden Japanmakaken in heißen Quellen?
Sie wärmen sich im Winter im warmen Wasser auf. Eine Studie im Affenpark Jigokudani zeigte, dass badende Weibchen weniger Stresshormone hatten. Das Baden hilft ihnen vermutlich, in der Kälte Energie zu sparen.
Was fressen Japanmakaken?
Sie sind Allesfresser und nutzen über 213 Pflanzenarten. Vor allem fressen sie Früchte, Blätter, Samen, Nüsse und Kräuter, dazu Insekten. Im Winter müssen sie im Norden mit Baumrinde und trockenen Blättern auskommen.
Wie groß und schwer wird ein Japanmakak?
Männchen sind ohne Schwanz im Schnitt 57 Zentimeter lang und wiegen 11,3 Kilogramm. Weibchen sind mit 52 Zentimetern und 8,4 Kilogramm etwas kleiner. Der Schwanz ist nur etwa 8 bis 9 Zentimeter lang.
Wie alt werden Japanmakaken?
In freier Natur werden Weibchen im Durchschnitt nur etwa 6 Jahre alt, weil viele früh sterben. Einzelne Tiere erreichen aber ein hohes Alter: Das älteste bekannte frei lebende Weibchen wurde 32 Jahre alt, das älteste Männchen 28 Jahre.
Was haben die Affen von Kōshima entdeckt?
1953 begann das junge Weibchen Imo, Süßkartoffeln im Wasser zu waschen. Andere Affen ahmten sie nach, später wuschen sie die Kartoffeln sogar im salzigen Meerwasser. Das Beispiel wird oft diskutiert, wenn es um "Kultur" bei Tieren geht.
Ähnliche Tiere
- Rhesusaffe - ebenfalls ein Makak, lebt in weiten Teilen Asiens
- Javaneraffe - ein Makak aus Südostasien mit langem Schwanz
- Pavian - gehört wie der Japanmakak zu den Backentaschenaffen
- Mandrill - ein afrikanischer Verwandter mit leuchtend farbigem Gesicht
- Marderhund - gilt als möglicher Feind junger Japanmakaken
Quellen
- Watanabe, K. & Tokita, K. (2020): Macaca fuscata. The IUCN Red List of Threatened Species 2020
- Primate Factsheets: Japanese macaque (Macaca fuscata). Primate Info Net, Wisconsin National Primate Research Center, University of Wisconsin-Madison
- Macaca fuscata (Japanese macaque) - Animal Diversity Web, University of Michigan
- Hirata, S., Watanabe, K. & Kawai, M. (2001): "Sweet-potato washing" revisited. In: Matsuzawa, T. (Hrsg.): Primate Origins of Human Cognition and Behavior. Springer, Tokyo, S. 487-508
- Takeshita, R.S.C., Bercovitch, F.B., Kinoshita, K. & Huffman, M.A. (2018): Beneficial effect of hot spring bathing on stress levels in Japanese macaques. Primates 59, 215-225
Größenvergleich
Ein Japanmakak erreicht eine Körpergröße von 52 bis 57 cm. Damit passt er bequem zwischen einen Fußball (22 cm) und ein Kind (1,2 m) auf unserer Vergleichsskala.
Gewichtsvergleich
Ein Japanmakak bringt 8,4 bis 11,3 kg auf die Waage. Das ist schwerer als eine Hauskatze (4 kg), aber leichter als ein Kind (25 kg).