Käfer

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Goldglänzender Laufkäfer mit metallisch grün-golden gerippten Flügeldecken und rötlichen Beinen krabbelt durch grünes Moos
Björn Sothmann / Wikimedia Commons / CC BY-SA 2.0

Kurz erklärt

Käfer sind Insekten, deren Vorderflügel zu harten Deckflügeln umgebaut sind. Darunter liegen zusammengefaltet die zarten Hinterflügel, mit denen viele Käfer fliegen können. Mit fast 400.000 beschriebenen Arten sind Käfer die artenreichste Tiergruppe der Welt. Sie leben fast überall an Land und im Süßwasser und sind je nach Art 0,3 Millimeter bis etwa 20 Zentimeter groß.

Steckbrief

Wissenschaftl. NameColeoptera
Abstammung
  • Klasse: Insekten (Insecta)
  • Unterklasse: Fluginsekten (Pterygota)
  • Überordnung: Insekten mit vollständiger Verwandlung (Endopterygota)
  • Ordnung: Käfer (Coleoptera)
KörpergrößeJe nach Art von 0,3 mm (Federflügler) bis etwa 20 cm
ErnährungJe nach Art sehr verschieden: die meisten fressen Pflanzen (Blätter, Samen, Nektar, Rinde, Holz), andere Totholz, Aas, Dung, Pilze oder Laubstreu; manche jagen andere Wirbellose
LebenserwartungDie Entwicklung vom Ei zum fertigen Käfer dauert je nach Art wenige Wochen bis mehrere Jahre; bei vielen Familien leben auch die erwachsenen Käfer lange
SozialverhaltenJe nach Art verschieden; viele Männchen finden die Weibchen über Duftstoffe, bei manchen Arten kämpfen Männchen mit Hörnern um Weibchen und Brutplätze
HerkunftWeltweit
Verbreitung Weltweit an Land und im Süßwasser, einige Arten am Meeresufer; die meisten Arten leben in den Tropen
EntdeckungOrdnung 1758 von Linnaeus benannt
SonstigesGruppenseite: Käfer sind eine ganze Ordnung mit rund 386.500 beschriebenen lebenden Arten in 176 Familien (Stand 2011). Eine Gesamteinstufung auf der Roten Liste gibt es nicht, bewertet werden einzelne Arten.

Was sind Käfer?

Käfer (Coleoptera) sind eine Ordnung der Insekten, und zwar die größte. Ihr auffälligstes Merkmal sind die Deckflügel: Das vordere Flügelpaar ist zu harten Schalen umgebaut, die wie ein Panzer auf dem Rücken liegen.

Käfer sind die artenreichste Gruppe von Lebewesen, die wir kennen. Nach einer Übersicht in der Fachzeitschrift Zootaxa waren 2011 rund 386.500 lebende Käferarten beschrieben, verteilt auf 176 Familien und etwa 29.500 Gattungen. Andere Fachgesellschaften nennen 350.000 bis 370.000 Arten. Grob gesagt ist fast jede dritte beschriebene Tierart ein Käfer.

Fertig ist die Liste noch lange nicht. Viele Käfer sind noch gar nicht wissenschaftlich beschrieben. Vorsichtige Schätzungen gehen davon aus, dass mindestens noch einmal so viele Arten auf ihre Entdeckung warten. Manche Fachleute halten 3 bis 5 Millionen Käferarten für möglich. Wie viele es wirklich gibt, weiß niemand.

Körperbau: der Panzer mit Flügeln

Erwachsene Käfer sind an ihrem Bauplan leicht zu erkennen. Die wichtigsten Merkmale:

  • Deckflügel (Elytren): Die Vorderflügel sind stark verhärtet. Sie treffen sich in der Mitte des Rückens und bedecken oft den ganzen Hinterleib. Bei manchen Familien sind sie kürzer, sodass ein Teil des Hinterleibs frei liegt.
  • Hinterflügel: Darunter liegen die dünnen, häutigen Hinterflügel, sorgfältig zusammengefaltet. Nur sie werden zum Fliegen benutzt. Beim Start klappt der Käfer die Deckflügel nach oben und außen, dann entfalten sich die Hinterflügel.
  • Flugunfähige Käfer: Einige Arten haben keine Hinterflügel mehr. Bei ihnen sind die Deckflügel oft miteinander verwachsen.
  • Mundwerkzeuge: Alle Käfer haben beißend-kauende Mundwerkzeuge mit kräftigen Oberkiefern. Damit unterscheiden sie sich zum Beispiel von Wanzen, die einen Saugrüssel haben.
  • Fühler und Augen: Die Fühler sehen je nach Art sehr verschieden aus. Dazu kommen Facettenaugen in unterschiedlicher Größe und Form.
  • Beine: Die Beine sind an die Lebensweise angepasst. Schnelle Läufer haben kräftige, schlanke Beine, Dungkäfer dagegen Grabbeine wie kleine Schaufeln.

Größe: Die kleinsten Käfer sind die Federflügler. Erwachsene Tiere sind nur etwa 0,3 Millimeter lang. Die größten Käfer werden etwa 20 Zentimeter lang. Einen dieser Riesen aus den Tropen stellt die Seite zum Herkuleskäfer vor.

Die harten Deckflügel sind ein Grund für den Erfolg der Käfer. Gut geschützt können sie sich in den Boden graben, unter Rinde kriechen oder zwischen Steinen, Sand und Kies leben. Andere Insekten mit zarten Flügeln würden sich dabei verletzen.

Verbreitung und Lebensraum

Käfer gibt es auf der ganzen Welt und in fast jedem Lebensraum an Land und im Süßwasser. Die meisten Arten leben in den Tropen. Auf großen Landmassen leben mehr Arten als auf abgelegenen Inseln. Dafür findet man auf Inseln oft Käfer, die nirgendwo sonst vorkommen.

  • An Land: Die meisten Käfer leben an Land: im Boden, in der Laubstreu, unter Rinde, in morschem Holz, unter Steinen, in Dung, Aas und Pilzen.
  • Im Wasser: Viele Familien leben ganz oder teilweise im Süßwasser, etwa die Schwimmkäfer. Man findet sie in Tümpeln und Gebirgsbächen bis hin zu Brackwasser.
  • Am Meer: Einige Arten leben am Meeresufer, sogar zwischen Felsen in der Gezeitenzone.
  • Ungewöhnliche Orte: Manche Käfer leben tief in Höhlen, andere in den Nestern von Wirbeltieren, Termiten, Bienen, Wespen oder Ameisen.

Ernährung

Käfer fressen fast alles, was die Natur bietet. Larven und erwachsene Käfer können dasselbe fressen oder ganz verschiedene Dinge.

  • Pflanzenfresser: Die meisten Käferarten fressen Pflanzen, zum Beispiel Blätter, Samen, Nektar, Rinde oder Holz. Viele Blattkäfer, Bockkäfer und Rüsselkäfer sind auf eine einzige Pflanzenart spezialisiert.
  • Resteverwerter: Viele Käfer fressen morsches Holz, Aas, Dung, Pilze oder abgestorbene Blätter.
  • Jäger: Manche Käfer jagen andere Wirbellose. Einige Laufkäfer leben sogar als Parasiten an den Jugendstadien anderer Käfer.
  • Wechsel im Leben: Bei manchen Arten jagen die Larven, während die erwachsenen Käfer Pflanzen fressen.

Entwicklung: vom Ei über Larve und Puppe zum Käfer

Käfer machen eine vollständige Verwandlung durch. Ihr Leben hat vier Stufen:

  1. Ei: Das Weibchen legt die Eier meist in die Nähe der Nahrung, die die Larven später brauchen, zum Beispiel in den Boden oder auf eine Futterpflanze. Je nach Art sind es nur ein oder zwei Eier oder mehrere Hundert.
  2. Larve: Aus dem Ei schlüpft eine Larve. Sie hat eine harte Kopfkapsel, kauende Mundwerkzeuge, kurze Fühler und meist Beine. Die Larve frisst und wächst. Dabei häutet sie sich mehrmals, meist durchläuft sie 3 bis 5 Larvenstadien. Bekannte Käferlarven sind die Mehlwürmer, die Larven des Mehlkäfers.
  3. Puppe: Die ausgewachsene Larve verpuppt sich. Die Puppe ist ein eigenes Stadium zwischen Larve und fertigem Käfer.
  4. Käfer: Am Ende schlüpft der fertige Käfer.

Wie lange das dauert, hängt von der Art ab: wenige Wochen bis mehrere Jahre. Oft frisst vor allem die Larve. Bei vielen Familien leben aber auch die erwachsenen Käfer lange und fressen weiter.

Partnersuche

Bei vielen Käfern sind die Fühler der Männchen größer und stärker verzweigt als die der Weibchen. Mit ihnen spüren die Männchen Duftstoffe auf, die die Weibchen aussenden. Manche Männchen tragen Hörner am Kopf oder an der Brust. Damit tragen sie Schiebekämpfe um Weibchen und Brutplätze aus. Viele Arten zeigen vor der Paarung auch einen regelrechten Balztanz.

Käfer bei uns: bekannte heimische Arten

In Mitteleuropa leben Tausende Käferarten. Allein in Großbritannien sind es etwa 4.000. Einige kennt fast jedes Kind:

  • Marienkäfer: Sie fressen Blattläuse, Schildläuse und Fransenflügler. Deshalb gelten sie als wichtige Nützlinge.
  • Maikäfer: Er gehört zu den Blatthornkäfern, genau wie Mistkäfer und Nashornkäfer.
  • Hirschkäfer: Der Hirschkäfer ist in Deutschland streng geschützt, ebenso der Eremit, ein anderer Blatthornkäfer.
  • Mistkäfer: Mistkäfer und andere Dungkäfer verwerten den Kot von Weidetieren. Von ganzjährigen Weideprojekten mit großen Pflanzenfressern profitieren viele Dungkäferarten.
  • Rosenkäfer: Zu dieser Gruppe zählt auch der Glattschienige Pinselkäfer. Er hat sich seit etwa 60 Jahren von Berlin aus weit ausgebreitet und lebt heute auch in Gärten.
  • Glühwürmchen: Auch sie sind keine Würmer, sondern Käfer.
  • Kartoffelkäfer und Dickmaulrüssler: Diese Blattkäfer und Rüsselkäfer sind bekannt, weil sie Nutzpflanzen fressen.

Nützlinge und Schädlinge

Für den Menschen sind manche Käfer Schädlinge. Sie fressen an Feldfrüchten, Weidepflanzen, Holz oder Vorräten. Andere Käfer sind wertvolle Nützlinge. Marienkäfer vertilgen Blattläuse. In Australien wurden sogar Mistkäfer eingeführt: Sie räumen Kuhfladen weg und verringern so die Zahl der Fliegen, die sich darin entwickeln. Ein Rüsselkäfer wird dort gegen die Wasserhyazinthe eingesetzt, eine Wasserpflanze, die als Unkraut gilt.

Gefährdung

Eine Gefährdungseinstufung für alle Käfer gibt es nicht, bewertet werden einzelne Arten. In Deutschland hat das Bundesamt für Naturschutz 2022 eine neue Rote Liste für einen großen Teil der heimischen Käfer vorgelegt. Darin wurden 5.542 Käfer-Taxa bewertet. Etwa ein Viertel (24,6 Prozent) davon ist im Bestand gefährdet.

Wie stark es die Käfer trifft, hängt von ihrer Lebensweise ab. Bei den Borkenkäfern sind nur 9,5 Prozent gefährdet. Sie sind sehr beweglich und besiedeln kranke Bäume häufiger Baumarten. Bei den Blattkäfern sind es dagegen 41,1 Prozent, bei den Rüsselkäfern 39,0 und bei den Blatthornkäfern 32,8 Prozent. Viele dieser Arten sind an bestimmte Lebensräume und Futterpflanzen gebunden und können neue Gebiete kaum besiedeln. Mittel gegen Parasiten, die Weidetieren gegeben werden, bedrohen außerdem viele Dungkäfer.

Häufige Fragen zu Käfern

Wie viele Käferarten gibt es?

Beschrieben sind rund 386.500 lebende Arten (Stand 2011). Damit sind Käfer die artenreichste Gruppe aller Lebewesen. Weil ständig neue Arten entdeckt werden, liegt die wahre Zahl wohl deutlich höher. Schätzungen reichen bis zu mehreren Millionen.

Was ist der Unterschied zwischen Käfer und Wanze?

Käfer haben harte Deckflügel und beißend-kauende Mundwerkzeuge. Wanzen haben dagegen einen Saugrüssel und ernähren sich von Flüssigkeiten wie Pflanzensaft. Außerdem machen Käfer eine vollständige Verwandlung mit Larve und Puppe durch, während junge Wanzen schon wie kleine erwachsene Wanzen ohne Flügel aussehen.

Können alle Käfer fliegen?

Nein. Ein großer Teil der Käfer kann fliegen, und zwar mit den Hinterflügeln. Einige Arten haben die Hinterflügel aber verloren. Bei ihnen sind die Deckflügel oft fest miteinander verwachsen.

Wie groß ist der größte Käfer der Welt?

Die größten Käfer werden etwa 20 Zentimeter lang. Die kleinsten, die Federflügler, messen dagegen nur rund 0,3 Millimeter. Einen der tropischen Riesen stellt die Seite zum Herkuleskäfer vor.

Was fressen Käfer?

Die meisten Käfer fressen Pflanzen, etwa Blätter, Samen, Nektar oder Holz. Andere ernähren sich von Totholz, Aas, Dung oder Pilzen, und manche jagen Blattläuse oder andere kleine Tiere.

Sind Käfer Insekten?

Ja. Käfer sind eine Ordnung der Insekten, und zwar die artenreichste. Ihr besonderes Merkmal sind die harten Deckflügel, unter denen die Flugflügel liegen.

Ähnliche Tiere

Quellen

Größenvergleich

🪙1-Euro-Münze
2,3 cm
⚽Fußball
22 cm
🧒Kind
1,2 m
🧑Erwachsener
1,8 m
🏠Haus
10 m
▼Käfer
0,3 mm bis 20 cm

Der Käfer ist mit 0,3 mm bis 20 cm sehr unterschiedlich groß. Die kleinsten Exemplare sind nicht größer als eine Biene (1,5 cm), die größten bleiben aber kleiner als ein Fußball (22 cm).