Kakapo
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Kurz erklärt
Der Kakapo ist ein großer, moosgrüner Papagei aus Neuseeland, der nicht fliegen kann. Er ist nachts aktiv, wird bis 4 Kilogramm schwer und ist damit der schwerste Papagei der Welt. Kakapos gehören zu den seltensten Vögeln der Erde: Im September 2026 lebten genau 325 Tiere, alle auf geschützten Inseln und in einem umzäunten Schutzgebiet.
Steckbrief
| Wissenschaftl. Name | Strigops habroptilus |
|---|---|
| Abstammung |
|
| Körpergröße | Körperlänge 58 bis 64 cm |
| Körpergewicht | Männchen 2 bis 4 kg, Weibchen 1 bis 2,5 kg; schwerste Papageienart der Welt |
| Ernährung | Reiner Pflanzenfresser: Blätter, Knospen, Blüten, Farnwedel, Rinde, Wurzeln, Knollen, Früchte und Samen; in Brutjahren vor allem die Früchte des Rimu-Baums |
| Lebenserwartung | Sehr langlebig, Höchstalter nicht genau bekannt: laut NZ Birds Online über 50 Jahre, laut Naturschutzbehörde DOC möglicherweise 60 bis 90 Jahre |
| Sozialverhalten | Einzelgänger; Männchen balzen an festen Balzplätzen (Lek), das Weibchen zieht die Küken allein auf |
| Herkunft | Neuseeland |
| Verbreitung | Nur noch auf raubtierfreien Inseln vor Neuseeland (Whenua Hou/Codfish Island, Pukenui/Anchor Island, Te Kākahu/Chalky Island), im umzäunten Schutzgebiet Maungatautari auf der Nordinsel und probeweise auf der raubtierarmen Insel Te Puka-Hereka/Coal Island Australien |
| Entdeckung | Erstbeschreibung 1845 durch George Robert Gray |
| Gefährdung | CR Vom Aussterben bedroht (Rote Liste der IUCN, 2018) |
| Sonstiges | Bestand am 1. September 2026: 325 Tiere (Department of Conservation Neuseeland). Jeder Kakapo trägt einen kleinen Sender auf dem Rücken. |
Ein Papagei, der nicht fliegen kann
Der Kakapo (Strigops habroptilus) ist einer der ungewöhnlichsten Vögel der Welt. Er ist ein Papagei, kann aber nicht fliegen. Er ist nachts unterwegs, sieht mit seinem hellen Gesicht ein wenig aus wie eine Eule und watschelt über den Waldboden. Auf Māori heißt er Kākāpō. Für die Ngāi Tahu, das wichtigste Māori-Volk im Süden Neuseelands, ist er ein Taonga, ein besonders wertvoller Schatz.
Der Kakapo hält gleich mehrere Rekorde:
- Er ist der schwerste Papagei der Welt.
- Er ist der einzige Papagei, bei dem die Männchen an festen Balzplätzen um die Weibchen werben (Lek-Balz).
- Er ist vielleicht der langlebigste Vogel überhaupt.
Verwechseln könnte man ihn höchstens mit zwei anderen Papageien Neuseelands, dem Kea und dem Kaka. Doch das moosgrüne Gefieder, die Größe, die Flugunfähigkeit und die nächtliche Lebensweise machen ihn unverkennbar. Wissenschaftlich beschrieben hat ihn der Zoologe George Robert Gray im Jahr 1845.
Aussehen und Körperbau
Größe und Gewicht: Ein Kakapo ist 58 bis 64 cm lang. Männchen wiegen 2 bis 4 kg, Weibchen 1 bis 2,5 kg. Die Männchen sind also deutlich schwerer als die Weibchen.
Gefieder: Die Oberseite ist moosgrün und mit Gelb und Schwarz gesprenkelt, die Unterseite ähnlich, aber gelblicher. Diese Färbung ist eine hervorragende Tarnung im Wald. Das Gesicht ist blass und von einem Kranz aus Federn umgeben, ähnlich einem Eulengesicht.
Schnabel und Füße: Der große Schnabel ist grau, ebenso die kräftigen Beine und Füße. Die Fußsohlen sind hell. Mit ihren starken Krallen klettern Kakapos mühelos bis zu 20 m hoch in die Kronen der Rimu-Bäume.
Flügel: Kakapos haben Flügel, fliegen aber nicht. Ihre Vorfahren lebten in einem Land ohne Säugetiere am Boden, das Fliegen war daher nicht mehr nötig. Die Vögel wurden schwerer und verloren die Flugfähigkeit. Heute nutzen sie die Flügel, um das Gleichgewicht zu halten und Stürze abzubremsen. Die leichteren Weibchen schaffen kurze Gleitflüge über Lücken von 3 bis 4 m.
Verbreitung und Lebensraum
Bevor Menschen nach Neuseeland kamen, lebten Kakapos fast im ganzen Land. Knochenfunde und Speisereste der Māori zeigen, dass sie einst zu den häufigsten Vögeln Neuseelands gehörten und in sehr unterschiedlichen Landschaften vorkamen.
Der Rückgang: Nach der Ankunft der Menschen gingen die Bestände durch Jagd, eingeschleppte Raubtiere und die Zerstörung ihres Lebensraums zurück. Auf der Nordinsel verschwanden Kakapos um 1930. Im Fiordland auf der Südinsel starben die letzten Tiere in den späten 1980er-Jahren aus. 1977 entdeckte man auf Stewart Island (Rakiura) eine Gruppe von weniger als 200 Tieren, doch auch dort töteten verwilderte Katzen viele Vögel.
Heute leben Kakapos nur noch an Orten, an denen es keine oder kaum Raubtiere gibt:
- Whenua Hou/Codfish Island (1.396 ha), 3 km westlich von Stewart Island: das Zentrum des Schutzprogramms. Die ersten Kakapos kamen 1987 hierher, 1998 wurden die Ratten ausgerottet.
- Pukenui/Anchor Island (1.140 ha) im Fiordland, seit 2005 besiedelt.
- Te Kākahu/Chalky Island (514 ha) im Fiordland, seit 2003 besiedelt, eine kleine Brutgruppe gibt es dort seit 2020.
- Sanctuary Mountain Maungatautari (3.400 ha) auf der Nordinsel: ein Wald, der von einem 47 km langen Schutzzaun umgeben ist. Seit Juli 2023 leben hier einige Männchen.
- Te Puka-Hereka/Coal Island (1.163 ha) im Fiordland: Seit Mai 2024 leben dort einige Männchen zur Probe. Ein dichtes Netz aus Fallen hält die meisten Raubtiere fern, ganz frei von Hermelinen ist die Insel aber nicht.
Nur auf den ersten drei Inseln brüten Kakapos. Alle Tiere sind wild. Es gibt keinen Zoo und keinen Ort, an dem Besucher Kakapos sehen können.
Ernährung
Kakapos sind reine Pflanzenfresser. Auf ihrem Speiseplan stehen Blätter, Knospen, Blüten, Farnwedel, Rinde, Wurzeln, Wurzelstöcke, Knollen, Früchte und Samen. Was sie fressen, wechselt mit den Jahreszeiten. Gibt es eine Nahrung reichlich, fressen sie fast nur diese.
Der Rimu-Baum: Besonders wichtig sind die Früchte des Rimu, eines großen Waldbaums in Neuseeland. Kakapos klettern dafür bis in die Spitzen der Äste. Wenn der Rimu besonders viele Früchte trägt, beginnt eine Brutsaison.
Kauen statt schlucken: Zähe Blätter zieht der Kakapo mit Hilfe der Füße durch den Schnabel, zerdrückt sie am fein gerillten Oberschnabel und saugt den Saft heraus. Zurück bleibt ein Knäuel aus Pflanzenfasern, das an der Pflanze hängt. Auch kleine, sichelförmige Bissspuren verraten, wo ein Kakapo gefressen hat.
Zufutter: In Brutjahren bekommen manche Kakapos zusätzliches Futter, damit die Mütter ihre Küken auch dann versorgen können, wenn es zu wenige Rimu-Früchte gibt.
Verhalten und Lebensweise
Nachtaktiv: Tagsüber schlafen Kakapos gut versteckt am Boden oder oben in den Baumkronen. Nachts gehen sie auf Nahrungssuche. Sie sind ausdauernde Läufer, legen mehrere Kilometer am Stück zurück und können sogar recht schnell rennen.
Einzelgänger mit Kontakten: Kakapos leben meist allein und nutzen über viele Jahre dasselbe Streifgebiet. Ganz so einsam wie lange gedacht sind sie aber nicht: Weibchen und junge Vögel wurden gelegentlich in kleinen Gruppen von zwei bis vier Tieren beobachtet. Nachbarn halten mit lauten, kreischenden Rufen („skraak“) Kontakt. Männchen und Weibchen treffen sich nur zur Paarung.
Erstarren statt fliehen: Bei Gefahr bleibt ein Kakapo regungslos stehen und verlässt sich auf seine Tarnfarbe. Gegen Greifvögel, die mit den Augen jagen, war das früher eine gute Strategie. Zu seinen natürlichen Feinden gehörten der Haastadler und die große Eyles-Weihe, zwei Greifvögel, die inzwischen ausgestorben sind. Gegen Katzen und Hermeline hilft das Erstarren dagegen nicht: Diese eingeschleppten Raubtiere jagen mit der Nase, und Kakapos haben einen starken Eigengeruch.
Persönlichkeit: Die Betreuer lernen viele Kakapos gut kennen. Jeder Vogel hat seinen eigenen Charakter: Manche sind zutraulich, andere mürrisch, verspielt, neugierig oder ganz auf Futter aus.
Fortpflanzung und Nachwuchs
Nur alle paar Jahre: Kakapos brüten nicht jedes Jahr, sondern nur, wenn die Rimu-Bäume massenhaft Früchte tragen. Das passiert etwa alle zwei bis vier Jahre. Erst mit mindestens fünf Jahren, oft später, beginnen Kakapos zu brüten.
Balz mit Dröhnen: In Brutjahren beziehen die Männchen etwa ab Dezember einen erhöhten Platz, etwa einen Grat oder eine Kuppe. Dort legen sie ein Netz aus Pfaden an, die zu flachen Mulden im Boden führen. In der Mulde bläst das Männchen seinen Brustluftsack auf und stößt alle ein bis zwei Sekunden einen tiefen, dröhnenden Laut aus („Booming“), der Hunderte Meter weit zu hören ist. Dazwischen gibt es ein metallisches „Ching“, damit die Weibchen den Sänger genauer orten können. Diese Balz kann acht Stunden pro Nacht dauern, zwei bis drei Monate lang.
Die Wahl der Weibchen: Die Weibchen wandern oft weite Strecken zu ihrem Wunschpartner und gehen dabei an anderen Männchen vorbei. Manche Männchen sind sehr beliebt, andere werden nie gewählt. Nach der Paarung kümmert sich das Männchen um nichts mehr.
Nest und Eier: Das Weibchen baut sein Nest in hohlen Bäumen, unter Wurzeln oder in Felsspalten. Es legt 1 bis 4 weiße Eier, die etwas kleiner sind als Hühnereier. Nach etwa 30 Tagen schlüpfen die Küken.
Allein erziehend: Weil das Weibchen nachts Futter suchen muss, bleibt das Nest lange unbewacht. Wo es Ratten gibt, sind Eier und Küken dann in großer Gefahr. Die Küken werden nach etwa zehn Wochen flügge, das heißt, sie verlassen das Nest. Die Mutter füttert sie danach noch bis zu sechs Monate lang.
Feinde und Gefährdung
Gefährdungsstatus: Die IUCN stuft den Kakapo als vom Aussterben bedroht (Critically Endangered) ein (BirdLife International, 2018). In Neuseeland gilt er als „Nationally Critical“.
Bedrohungen: Die größte Gefahr sind eingeschleppte Raubtiere wie Katzen, Hermeline und Ratten. Hinzu kommen Krankheiten und ein geringer Bruterfolg. Weil alle heutigen Kakapos von sehr wenigen Tieren abstammen, ist ihre genetische Vielfalt gering. Viele Eier sind deshalb unbefruchtet oder die Küken schlüpfen nicht.
Frühe Rettungsversuche: Schon 1894 begannen die ersten Schutzbemühungen. In den 1890er-Jahren brachte man Kakapos auf die Insel Resolution Island. Der Versuch scheiterte, weil Hermeline auf die Insel schwammen. Bis Mitte des 20. Jahrhunderts wäre die Art fast ausgestorben.
Kakapo Recovery: 1995 startete die neuseeländische Naturschutzbehörde (Department of Conservation, DOC) gemeinsam mit den Ngāi Tahu das Schutzprogramm „Kakapo Recovery“. Damals gab es nur noch 51 Kakapos: 31 Männchen und 20 Weibchen. Seitdem wird jeder Vogel eng betreut. Alle Kakapos tragen einen kleinen Sender auf dem Rücken. Die Helfer beobachten die Nester, füttern zu, ziehen schwache Küken von Hand auf und setzen künstliche Befruchtung ein, damit möglichst viele Tiere ihre Gene weitergeben.
Rekordjahr 2026: Nach vier Jahren Pause gab es 2026 wieder eine Brutsaison, die 13. seit Beginn des Programms. Am 1. September 2026 wurden 90 Küken offiziell in den Bestand aufgenommen, so viele wie nie zuvor in einer Saison. In den ersten Jahren des Programms hatte es 16 Jahre gedauert, bis so viele Küken zusammenkamen. Ein junger Kakapo zählt erst mit, wenn er 150 Tage alt ist. Damit stieg der Bestand auf 325 Tiere. Laut DOC gab es möglicherweise vor bis zu 75 Jahren zum letzten Mal mehr als 300 Kakapos. Einige Küken von 2026 bleiben bewusst ohne Namen: Das Programm will die Vögel Schritt für Schritt weniger eng betreuen.
Das Ziel: Der größte Engpass ist Platz. Es gibt zu wenige große Gebiete ohne Raubtiere. Langfristig sollen Kakapos wieder auf Stewart Island und auf dem Festland leben, ohne dass Menschen jedes Tier betreuen müssen.
Häufige Fragen zum Kakapo
Warum kann der Kakapo nicht fliegen?
Seine Vorfahren lebten in Neuseeland, wo es keine Säugetiere am Boden gab, die ihn jagen konnten. Fliegen war daher nicht nötig. Im Lauf der Evolution wurden Kakapos schwerer und verloren die Flugfähigkeit. Die Flügel helfen heute nur noch beim Balancieren und Gleiten.
Wie viele Kakapos gibt es noch?
Am 1. September 2026 lebten laut dem Department of Conservation 325 Kakapos. 1995 waren es nur 51. Der große Sprung kam 2026 mit 90 Küken, einem Rekord.
Wie alt wird ein Kakapo?
Das weiß niemand genau, denn das Schutzprogramm gibt es erst seit einigen Jahrzehnten. NZ Birds Online nennt ein Höchstalter von über 50 Jahren, die Naturschutzbehörde DOC hält 60 bis 90 Jahre für möglich. Damit wäre der Kakapo einer der langlebigsten Vögel.
Was frisst ein Kakapo?
Nur Pflanzen: Blätter, Knospen, Blüten, Farne, Rinde, Wurzeln, Früchte und Samen. Besonders wichtig sind die Früchte des Rimu-Baums. Nur in Jahren, in denen der Rimu viele Früchte trägt, brüten Kakapos.
Kann man Kakapos im Zoo sehen?
Nein. Alle Kakapos leben wild auf geschützten Inseln oder im Schutzgebiet Maungatautari. Laut der Naturschutzbehörde DOC gibt es derzeit keinen Ort, an dem Besucher Kakapos sehen können.
Warum riecht der Kakapo?
Kakapos haben einen starken, eigenen Geruch. Das war kein Problem, solange ihre Feinde Greifvögel waren, die mit den Augen jagen. Katzen und Hermeline jagen aber mit der Nase und finden Kakapos deshalb leicht.
Ähnliche Tiere
- Kiwi - ein weiterer flugunfähiger, nachtaktiver Vogel aus Neuseeland
- Kakadu - ein anderer großer Papagei
- Papagei - Überblick über die Papageien
- Schleiereule - hat ebenfalls einen Gesichtsschleier aus Federn
- Dodo - ein flugunfähiger Inselvogel, der durch den Menschen ausgestorben ist
Quellen
- BirdLife International (2018): Strigops habroptila. The IUCN Red List of Threatened Species
- Kākāpō - Department of Conservation Neuseeland
- Kākāpō behaviour - Department of Conservation Neuseeland
- Kākāpō habitat and islands - Department of Conservation Neuseeland
- Kākāpō population reaches new milestone, Pressemitteilung vom 1. September 2026 - Department of Conservation
- Elliott, G.P. (2013, aktualisiert 2025): Kākāpō. In: Miskelly, C.M. (Hrsg.): New Zealand Birds Online
Größenvergleich
Wie groß ist der Kakapo wirklich? Mit 58 bis 64 cm überragt er einen Fußball (22 cm) deutlich, kommt aber noch nicht an ein Kind (1,2 m) heran. Anschaulich gesprochen: Man müsste etwa 3 Fußbälle übereinander stapeln, um so groß wie ein Kakapo zu werden. Selbst eine 1-Euro-Münze (2,3 cm) wirkt daneben noch winzig.
Gewichtsvergleich
Ein Kakapo bringt 1 bis 4 kg auf die Waage. Das ist schwerer als ein Fußball (430 g), aber leichter als ein Kind (25 kg). Anders ausgedrückt: Der Kakapo wiegt so viel wie etwa 6 Fußbälle.