Kalmar

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Kalmar mit langem, hellem Körper, seitlichen Flossen und Armen am Kopf
Andreas Faessler / Wikimedia Commons / CC BY-SA 3.0

Kurz erklärt

Kalmare sind Tintenfische mit einem langen, schlanken Körper, acht Armen und zwei längeren Fangarmen. Sie leben in allen Meeren, von der Küste bis in die Tiefsee, und schwimmen mit einem Rückstoß-Antrieb. Die meisten Arten werden nur etwa ein Jahr alt. Zu den Kalmaren gehören auch Riesenkalmar und Koloss-Kalmar, die zu den größten wirbellosen Tieren der Erde zählen.

Steckbrief

Wissenschaftl. NameTeuthida
Abstammung
  • Klasse: Kopffüßer (Cephalopoda)
  • Unterklasse: Tintenfische (Coleoidea)
  • Überordnung: Zehnarmige Tintenfische (Decapodiformes)
  • Ordnung: Kalmare (Teuthida)
KörpergrößeJe nach Art sehr verschieden: der Gemeine Kalmar erreicht bis 64 cm Mantellänge, der Riesenkalmar mit Fangarmen 15 m und mehr
KörpergewichtGemeiner Kalmar bis 1,5 kg; Riesenkalmar mindestens 220 kg; Koloss-Kalmar rund 470 kg
ErnährungFleischfresser: Fische, Krebstiere und andere Kopffüßer, auch andere Kalmare
LebenserwartungMeist etwa 1 Jahr; beim Gemeinen Kalmar Weibchen 1,5 bis 2 Jahre, Männchen bis 3,5 Jahre
HerkunftMeere weltweit
Verbreitung In allen Weltmeeren, von Küstengewässern bis in die Tiefsee Meer
SonstigesDie Rote Liste bewertet einzelne Arten, nicht die ganze Gruppe. Der Riesenkalmar gilt als nicht gefährdet (IUCN, 2014).

Was ist ein Kalmar?

„Kalmar“ ist kein Name für eine einzelne Tierart, sondern für eine ganze Gruppe von Tintenfischen. Fachleute nennen sie Teuthida. Weltweit gibt es mehr als 300 Arten.

Kalmare sind Weichtiere, genau wie Schnecken und Muscheln. Innerhalb der Weichtiere gehören sie zu den Kopffüßern, bei denen die Arme direkt am Kopf sitzen. Ihre nächsten Verwandten sind die Sepien, die ebenfalls zehn Arme haben. Zusammen bilden beide die Zehnarmigen Tintenfische. Die Kraken gehören dagegen zu einer anderen Gruppe, den Achtarmigen Tintenfischen.

Der Kalmar auf dem Teller: Wer in Europa von „dem Kalmar“ spricht, meint oft den Gemeinen Kalmar (Loligo vulgaris). Er lebt im Ostatlantik und im Mittelmeer und wird als Speisetier gefangen. Auf dieser Seite geht es um die Kalmare als ganze Gruppe. Wo nur eine bestimmte Art gemeint ist, steht ihr Name dabei.

Aussehen und Körperbau

Kalmare haben einen langen, stromlinienförmigen Körper. Der größte Teil davon ist der Mantel, ein muskulöser Schlauch, in dem die inneren Organe liegen. Am hinteren Ende sitzen zwei Flossen.

Zehn Arme: Rund um den Mund stehen acht Arme, die mit Saugnäpfen besetzt sind. Dazu kommen zwei lange Fangarme (Tentakel), die nur an der verbreiterten Spitze Saugnäpfe tragen. In den Saugnäpfen sitzen kleine zahnartige Zacken, mit denen der Kalmar seine Beute festhält.

Schnabel: Im Mund sitzt ein harter Schnabel, der wie ein Papageienschnabel aussieht. Damit tötet und zerteilt der Kalmar seine Beute. Beim Riesenkalmar hilft zusätzlich eine Raspelzunge (Radula) mit vielen kleinen Zähnchen.

Gladius: Kalmare haben keine Knochen. Stattdessen stützt eine schmale, biegsame innere Schale den Mantel. Sie heißt Gladius oder „Feder“.

Drei Herzen: Ein Kalmar hat drei Herzen. Zwei davon pumpen das Blut durch die Kiemen, das dritte versorgt den übrigen Körper.

Größe: Die Unterschiede zwischen den Arten sind riesig. Der Gemeine Kalmar erreicht als Männchen eine Mantellänge von bis zu 64 cm, Weibchen bleiben mit höchstens 32 cm deutlich kleiner. Er wiegt höchstens 1,5 kg. Am anderen Ende stehen der Riesenkalmar und der Koloss-Kalmar, die weiter unten genauer vorgestellt werden.

Verbreitung und Lebensraum

Kalmare leben in allen Weltmeeren, von flachen Küstengewässern bis in die Tiefsee.

Gemeiner Kalmar: Er kommt von der Nordsee und den Britischen Inseln bis nach Südwestafrika vor, außerdem im Mittelmeer. Man findet ihn vom Wasserspiegel bis in 500 m Tiefe, meistens zwischen 20 und 250 m. Während der Laichzeit hält er sich am Meeresboden auf, zum Jagen schwimmt er frei im Wasser.

Tiefsee: Riesenkalmare leben im dunklen, kalten Wasser des offenen Ozeans und wurden in 400 bis 800 m Tiefe gefangen. Ein Koloss-Kalmar griff in antarktischen Gewässern einen Fisch an einer Angelleine in 1.500 m Tiefe an. Einen Großflossenkalmar haben Forscher sogar in rund 4,8 km Tiefe beobachtet.

Ernährung

Alle Kalmare sind Fleischfresser und geschickte Jäger. Sie fressen vor allem Fische, Krebstiere und andere Kopffüßer, darunter auch andere Kalmare.

So jagt ein Kalmar: Mit den langen Fangarmen packt er seine Beute und zieht sie zu den acht kürzeren Armen. Diese halten das Tier fest, während der Schnabel es zerteilt.

Beispiel Gemeiner Kalmar: Junge Tiere fressen winzige Planktontiere wie Ruderfußkrebse und Schwebegarnelen. Erwachsene jagen Fische, Krebstiere und gelegentlich andere Kopffüßer.

Beispiel Riesenkalmar: Im Magen von Riesenkalmaren fanden Forscher Reste großer Fische und Saugnäpfe anderer Kalmare, die fast so groß waren wie ihre eigenen. Die ersten Fotos eines lebenden Riesenkalmars zeigten, dass er seine Beute aktiv mit den langen Fangarmen anschlägt und umschlingt. Er ist also ein viel aktiverer Jäger, als Forscher vorher vermutet hatten.

Verhalten und Lebensweise

Rückstoß-Antrieb: Kalmare schwimmen nach dem Rückstoß-Prinzip. Sie füllen ihren Mantel durch kleine Öffnungen am Kopf mit Wasser und pressen es dann kräftig durch einen Trichter wieder hinaus. Der Trichter ist beweglich, so kann der Kalmar die Richtung ändern.

Fliegende Kalmare: Manche Arten werden so schnell, dass sie aus dem Wasser schießen und durch die Luft gleiten. Dabei legen sie bis zu 50 m zurück.

Farbwechsel: In der Haut der Kalmare sitzen besondere Farbzellen, die Chromatophoren. Mit ihnen ändert der Kalmar Farbe und Muster. So tarnt er sich, warnt Angreifer oder verständigt sich mit anderen Kalmaren.

Tinte: Bei Gefahr stößt ein Kalmar eine Wolke aus Tinte aus. Sie dient als Ablenkung oder Täuschung, während der Kalmar flieht.

Fortpflanzung und Lebensdauer

Kurzes Leben: Die meisten Kalmare leben nur etwa ein Jahr und sterben bald nach der Paarung. Beim Gemeinen Kalmar werden die Weibchen 1,5 bis 2 Jahre alt, die Männchen bis zu 3,5 Jahre. Auch bei ihm sterben die Tiere meist kurz nach der Fortpflanzung: die Männchen nach dem Laichen, die Weibchen nach der Brutpflege.

Paarung: Das Männchen überträgt Samenpakete. Beim Gemeinen Kalmar benutzt es dafür einen besonders geformten Arm, den Hektokotylus, und legt die Samenpakete damit in die Mantelhöhle des Weibchens. Männliche Riesenkalmare besitzen dagegen ein muskulöses Begattungsorgan von bis zu einem Meter Länge. Sie bringen die Samenpakete in die Haut des Weibchens. Das Weibchen speichert den Samen, bis seine Eier reif sind.

Getrennte Geschlechter: Bei Kalmaren gibt es Männchen und Weibchen. Beim Gemeinen Kalmar sind die Männchen deutlich größer als die Weibchen.

Riesenkalmar und Koloss-Kalmar

Zwei Kalmararten sind besonders berühmt, weil sie so gewaltig sind.

Riesenkalmar (Architeuthis dux): Sein Körper wird mindestens 2 m lang. Mit den Fangarmen misst er insgesamt 15 m und mehr, wobei die beiden Fangarme etwa zwei Drittel der Länge ausmachen. Er kann mindestens 220 kg wiegen. Lange Zeit kannte man ihn nur von toten oder gefangenen Tieren. 2005 veröffentlichten japanische Forscher die ersten Fotos eines lebenden Riesenkalmars in freier Natur. Ihre Kamera hatte ihn in 900 m Tiefe bei den Ogasawara-Inseln im Nordpazifik aufgenommen, als er einen Köder angriff. Ein abgerissener Fangarm, den die Forscher bergen konnten, bewies, dass das Tier über 8 m lang war.

Koloss-Kalmar (Mesonychoteuthis hamiltoni): Er lebt in den Gewässern rund um die Antarktis und ist noch schwerer. Im Februar 2007 fingen Fischer im Rossmeer ein fast ausgewachsenes Weibchen, das heute im Museum Te Papa in Neuseeland ausgestellt ist. Gefroren wog es 495 kg. Weil dabei etwas Eis mitgewogen wurde, schätzen die Fachleute das echte Gewicht auf etwa 470 kg.

Seeungeheuer: Riesenkalmare tauchen in Romanen und Filmen oft als unheimliche Seeungeheuer auf. Echte Riesenkalmare leben aber in großer Tiefe und sind so schwer zu finden, dass die ersten Fotos eines lebenden Riesenkalmars in seinem Lebensraum erst im September 2004 gelangen.

Feinde und Gefährdung

Natürliche Feinde: Kalmare werden von Fischen, Haien, Robben und Pottwalen gefressen. Vom Pottwal weiß man, dass er sogar Riesenkalmare frisst.

Mensch: Auch der Mensch fängt Kalmare, vor allem als Speise, zum Beispiel für Calamari.

Gefährdung: Die Rote Liste der IUCN bewertet einzelne Arten, nicht die ganze Gruppe der Kalmare. Der Riesenkalmar gilt als nicht gefährdet (IUCN, 2014). Über viele Tiefsee-Arten weiß man bis heute nur wenig.

Häufige Fragen zum Kalmar

Was ist der Unterschied zwischen Kalmar und Tintenfisch?

Kalmare sind Tintenfische. „Tintenfisch“ ist der Oberbegriff für Kalmare, Sepien und Kraken. Kalmare und Sepien haben zehn Arme, Kraken nur acht. Kalmare erkennt man an ihrem langen, schlanken Körper mit den Flossen am Ende und an dem biegsamen Gladius im Inneren.

Wie viele Arme hat ein Kalmar?

Ein Kalmar hat zehn Arme: acht kürzere Arme mit Saugnäpfen und zwei lange Fangarme, die nur an der Spitze Saugnäpfe tragen. Mit den Fangarmen packt er seine Beute.

Wie groß wird ein Kalmar?

Das hängt stark von der Art ab. Der Gemeine Kalmar erreicht eine Mantellänge von bis zu 64 cm. Der Riesenkalmar wird mit Fangarmen 15 m und länger, der Koloss-Kalmar kann rund 470 kg wiegen.

Was frisst ein Kalmar?

Kalmare sind Räuber. Sie fressen Fische, Krebstiere und andere Kopffüßer, darunter auch andere Kalmare. Junge Kalmare ernähren sich von winzigen Planktontieren.

Wie alt wird ein Kalmar?

Die meisten Kalmare werden nur etwa ein Jahr alt und sterben kurz nach der Fortpflanzung. Beim Gemeinen Kalmar können Männchen bis zu 3,5 Jahre alt werden.

Hat ein Kalmar wirklich drei Herzen?

Ja. Zwei Herzen pumpen das Blut durch die Kiemen, wo es Sauerstoff aufnimmt. Das dritte Herz pumpt es in den restlichen Körper.

Ähnliche Tiere

  • Tintenfisch - der Oberbegriff für Kalmare, Sepien und Kraken
  • Sepien - ebenfalls zehnarmige Tintenfische mit breiterem Körper
  • Oktopus (Krake) - Tintenfische mit acht Armen und ohne Fangarme
  • Pottwal - ein bekannter Feind des Riesenkalmars

Quellen