Kamel

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Dromedar-Stute mit zotteligem braunem Fell steht in einer Wüste im Iran, neben ihr liegt ihr Jungtier im Sand
Mostafameraji / Wikimedia Commons / CC BY-SA 4.0

Kurz erklärt

Kamele sind große Paarhufer, die hervorragend an Wüsten und Steppen angepasst sind. Es gibt drei Arten: das einhöckrige Dromedar, das zweihöckrige Trampeltier und das seltene Wildkamel. In ihren Höckern speichern Kamele kein Wasser, sondern Fett. Seit Tausenden von Jahren tragen sie Menschen und Lasten durch die Wüste.

Steckbrief

Wissenschaftl. NameCamelus
Abstammung
  • Klasse: Säugetiere
  • Unterklasse: Höhere Säugetiere
  • Überordnung: Laurasiatheria
  • Ordnung: Paarhufer
  • Unterordnung: Schwielensohler (Tylopoda)
  • Familie: Kamele (Camelidae)
  • Gattung: Altweltkamele (Camelus)
KörpergrößeKopf-Rumpf-Länge etwa 2,2 bis 3,5 m, Schulterhöhe je nach Art und Quelle etwa 1,6 bis 2,3 m
KörpergewichtEtwa 300 bis 690 kg, Dromedare meist 400 bis 600 kg
ErnährungPflanzenfresser: vor allem Blätter von Sträuchern, Kräuter und Gräser, auch trockene, dornige und salzige Pflanzen
LebenserwartungFür Dromedare werden oft 40 bis 50 Jahre genannt; bei Hauskamelen mit zwei Höckern sind höchstens gut 35 Jahre belegt. Im San Diego Zoo liegt das mittlere Alter bei knapp 18 Jahren
SozialverhaltenHerden, beim Dromedar meist 2 bis 20 Tiere, oft ein Hengst mit mehreren Stuten und Jungtieren
HerkunftDromedar: Arabische Halbinsel; Trampeltier: Zentralasien
Verbreitung Als Haustier von Nordafrika über Arabien und den Nahen Osten bis nach Zentralasien und in die Mongolei; verwilderte Dromedare in Australien; Wildkamele nur noch in Wüsten im Nordwesten Chinas und in der Mongolei AfrikaAsienAustralien
EntdeckungDromedar und Trampeltier: Erstbeschreibung 1758 durch Carl von Linné; Wildkamel: 1878 durch Nikolai Przewalski
SonstigesDie Seite behandelt die Gattung der Altweltkamele mit drei Arten: Dromedar, Trampeltier (Hauskamel mit zwei Höckern) und Wildkamel. Größe, Gewicht und Alter schwanken je nach Art und Quelle. Australien ist aufgeführt, weil dort große verwilderte Dromedar-Herden leben.

Welche Kamele gibt es?

Das Wort „Kamel“ steht für eine Gattung großer Paarhufer mit dem wissenschaftlichen Namen Camelus. Man nennt sie auch Altweltkamele, weil sie aus Afrika und Asien stammen. Zu dieser Gattung gehören drei Arten:

  • Dromedar (Camelus dromedarius): Es hat einen Höcker und lebt heute nur noch als Haustier, vor allem in Nordafrika, auf der Arabischen Halbinsel und im Nahen Osten.
  • Trampeltier (Camelus bactrianus): Das Hauskamel mit zwei Höckern stammt aus Zentralasien. Man nennt es auch Baktrisches Kamel.
  • Wildkamel (Camelus ferus): Es hat ebenfalls zwei Höcker, ist aber schlanker, hat kleinere Höcker und weniger Fell als das Trampeltier. Es gilt als eigene Art und lebt nur noch in wenigen Wüstengebieten Chinas und der Mongolei.

Merkhilfe: Kippst du ein großes D auf den Bauch, hat es einen Buckel wie das Dromedar. Ein gekipptes B hat zwei Buckel wie das Baktrische Kamel.

Die nahen Verwandten in Südamerika, also Lama, Alpaka, Guanako und Vikunja, gehören ebenfalls zur Familie der Kamele. Sie haben aber keine Höcker und werden Neuweltkamele genannt.

Aussehen und Körperbau

Kamele haben lange Beine, einen langen, gebogenen Hals und eine tiefe, schmale Brust.

Größe und Gewicht: Dromedare sind 2,2 bis 3,4 Meter lang und wiegen meist 400 bis 600 kg. Ihre Schulterhöhe liegt bei 1,6 bis 2 Metern, wobei die Hengste etwa 10 cm höher und etwa 10 Prozent schwerer sind als die Stuten. Trampeltiere erreichen eine Kopf-Rumpf-Länge von 2,25 bis 3,45 Metern und eine Schulterhöhe von 1,6 bis 2,3 Metern. Sie wiegen je nach Quelle 300 bis 690 kg.

Fell: Beim Dromedar ist das Fell an Kehle, Schultern und Höcker länger. Trampeltiere haben besonders langes Haar.

Schutz vor Sand: Kamele haben zwei Reihen langer Wimpern, die Sand von den Augen fernhalten. Ihre Nasenlöcher können sie verschließen, zum Beispiel bei einem Sandsturm.

Füße: Die breiten Füße haben dicke, schwielige Sohlen. Beim Auftreten spreizen sie sich auseinander und beim Anheben ziehen sie sich wieder zusammen. So sinken Kamele weniger in Sand oder Schnee ein. Wegen dieser Sohlen gehören Kamele zu den Schwielensohlern.

Lippen: Die Lippen sind zäh und trotzdem beweglich. Damit können Kamele auch dornige Zweige abreißen.

Der Höcker: Fett statt Wasser

Viele Menschen glauben, dass Kamele in ihrem Höcker Wasser speichern. Das stimmt nicht. Der Höcker besteht vor allem aus Fett, das von festem Bindegewebe zusammengehalten wird. Er ist ein Vorratslager für schlechte Zeiten.

  • Hat ein Kamel genug zu fressen, steht der Höcker prall und aufrecht.
  • Findet es wenig Futter, verbraucht sein Körper das Fett. Der Höcker schrumpft und kippt zur Seite.
  • Neugeborene Kamele haben noch keine Höcker. An den Stellen, an denen sie später wachsen, tragen sie nur kleine Hautspitzen mit lockigem Haar.

Wie kommen Kamele so lange ohne Wasser aus?

Nach Angaben des San Diego Zoos können Kamele eine Woche oder länger ohne Wasser und mehrere Monate ohne Futter überleben. Dafür haben sie mehrere Tricks:

  • Schwankende Körpertemperatur: Beim Dromedar schwankt die Körpertemperatur im Lauf des Tages zwischen 34 °C und 41,7 °C. Es erwärmt sich also erst einmal, statt gleich zu schwitzen, und spart so Wasser.
  • Großer Wasserverlust: Dromedare überstehen einen Wasserverlust von mehr als 30 Prozent. Für die meisten anderen Säugetiere wäre das tödlich.
  • Schnelles Auftanken: Findet ein durstiges Kamel eine Wasserstelle, trinkt es in kurzer Zeit riesige Mengen. Ein Dromedar kann 100 Liter in nur 10 Minuten trinken. Der San Diego Zoo nennt bis zu 145 Liter in einer einzigen Trinkpause.

Trampeltiere halten außerdem große Temperaturunterschiede aus, von etwa minus 29 °C bis plus 49 °C. Gegen die Kälte wächst ihnen im Winter ein zotteliges Fell, das sie im heißen Sommer wieder verlieren.

Verbreitung und Lebensraum

Kamele leben in Wüsten, Halbwüsten und trockenen Steppen.

  • Dromedare werden von Nordafrika, vor allem der Sahara, über die Arabische Halbinsel und den Nahen Osten bis nach Nordindien gehalten. Ihre wilden Vorfahren lebten vermutlich auf der Arabischen Halbinsel und in Südasien. Wilde Dromedare gibt es heute nicht mehr.
  • Trampeltiere sind in Zentralasien zu Hause, zum Beispiel in der Wüste Gobi und in den Steppen der Mongolei. Dort sind die Winter eisig kalt und die Sommer heiß.
  • Wildkamele leben nur noch an wenigen Orten: Nach Angaben der Wild Camel Protection Foundation, einer Naturschutzstiftung, sind es etwa 600 Tiere in der Wüste Gobi im Nordwesten Chinas und etwa 450 in der Mongolei. Der San Diego Zoo nennt für China etwa 650 Tiere.

Kamele in Australien: Zwischen 1840 und 1907 brachten Menschen 10.000 bis 20.000 Kamele aus Indien nach Australien. Sie sollten bei der Erforschung des trockenen Landesinneren helfen. Heute lebt in Australien vermutlich die größte freilebende Dromedar-Population der Welt. Die verwilderten Kamele wandern bis zu 70 km am Tag. Sie fressen die Pflanzen ab, verschmutzen Wasserlöcher und beschädigen Kultstätten der Aborigines. Deshalb werden sie dort bekämpft.

Ernährung

Kamele sind Pflanzenfresser. Dromedare fressen vor allem Blätter von Sträuchern und Kräuter, sie machen bis zu 70 Prozent ihrer Nahrung aus. Kamele sind nicht wählerisch: Sie fressen auch trockene, dornige, bittere und salzige Pflanzen, die andere Tiere verschmähen. Trampeltiere scharren im Winter sogar Futter unter dem Schnee hervor.

Beim Fressen zupft ein Dromedar von jeder Pflanze nur einige Blätter ab und zieht dann weiter. So schont es die spärliche Wüstenvegetation. Es verbringt etwa 8 bis 12 Stunden am Tag mit Fressen und genauso lange mit Wiederkäuen. Dabei würgt es Nahrung aus dem Magen wieder hoch und kaut sie ein zweites Mal.

Verhalten und Lebensweise

Kamele leben in Herden. Beim Dromedar bestehen die Gruppen meist aus 2 bis 20 Tieren. Eine Familiengruppe besteht aus einem Hengst, einer oder mehreren Stuten und deren Nachwuchs. Wildkamele ziehen meist in Herden von 6 bis 20 Tieren umher.

Streiten sich Dromedare, schieben sie sich mit dem ganzen Körper oder mit gesenktem Kopf und Hals weg. Sie schnappen nacheinander, ohne richtig zuzubeißen.

Spucken Kamele? Ja, aber es ist eher ein Erbrechen als ein Spucken: Ein Kamel, das sich bedroht fühlt, schleudert Mageninhalt und Speichel aus dem Maul. Kurz vorher blähen sich seine Backen auf. Daran erkennt man, dass es gleich losgeht.

Fortpflanzung und Nachwuchs

Eine Kamelstute ist sehr lange trächtig. Beim Dromedar dauert die Tragzeit etwa 12 bis 15 Monate, beim Trampeltier 360 bis 440 Tage. Meist kommt ein einzelnes Jungtier zur Welt, Zwillinge sind selten. Ein neugeborenes Trampeltier wiegt etwa 37 kg.

Das Jungtier kann schon nach etwa einer halben Stunde neben seiner Mutter herlaufen. Mutter und Kind verständigen sich mit summenden Lauten. Die Jungen trinken bis zu zwei Jahre lang Milch. Weil die Aufzucht so lange dauert, bekommt eine Stute meist nur alle zwei Jahre ein Junges. Stuten werden mit etwa drei Jahren geschlechtsreif, Hengste mit fünf bis sieben Jahren.

Wie alt Kamele werden, geben Fachquellen sehr unterschiedlich an. Für Dromedare werden oft 40 bis 50 Jahre genannt. Für Hauskamele mit zwei Höckern ist dagegen kein höheres Alter als gut 35 Jahre belegt. Der San Diego Zoo gibt für seine Kamele ein mittleres Alter von knapp 18 Jahren an. Viele Kamele werden also deutlich weniger alt als die Höchstwerte.

Kamele und Menschen

Menschen halten Kamele seit mehr als 3.000 Jahren. Etwa 90 Prozent aller Kamele auf der Welt sind Dromedare.

Kamele sind bis heute wichtige Last- und Reittiere. Ein Kamel kann etwa 90 kg zusätzliche Last tragen und damit rund 32 km am Tag laufen.

Feinde und Gefährdung

Man könnte meinen, so große Tiere hätten keine Feinde. An Wasserstellen werden Trampeltiere aber manchmal von Wölfen angegriffen.

Dromedar und Trampeltier sind als Haustiere nicht gefährdet und werden von der IUCN nicht eingestuft.

Das Wildkamel ist dagegen selten. Nach Angaben der Wild Camel Protection Foundation leben nur noch etwa 1.000 Tiere. Die IUCN stuft es als stark gefährdet ein (Endangered, Einstufung von 2025). Wildkamele werden gejagt oder getötet, weil sie mit Hauskamelen und anderem Vieh um Weideland und Wasser konkurrieren. Außerdem werden sie wegen ihres Fleisches gejagt, und illegaler Bergbau nimmt ihnen Lebensraum. In China wurde für sie ein Schutzgebiet eingerichtet, in der Mongolei gibt es Zuchtstationen.

Häufige Fragen zum Kamel

Speichert ein Kamel Wasser im Höcker?

Nein. Im Höcker steckt vor allem Fett, das als Energievorrat dient. Wenn ein Kamel hungert, wird der Höcker kleiner und kippt zur Seite. Dass Kamele lange ohne Wasser auskommen, liegt an ihrem sparsamen Körper, nicht am Höcker.

Wie lange kann ein Kamel ohne Wasser leben?

Ein Kamel kann eine Woche oder länger ohne Wasser auskommen und mehrere Monate ohne Futter. Dromedare überstehen einen Wasserverlust von mehr als 30 Prozent. Wie lange es genau dauert, hängt von Hitze, Futter und Arbeit ab.

Wie viel Wasser trinkt ein Kamel auf einmal?

Ein durstiges Dromedar kann 100 Liter in nur 10 Minuten trinken. Der San Diego Zoo nennt sogar bis zu 145 Liter in einer Trinkpause. Damit gleicht das Kamel den Wasserverlust schnell wieder aus.

Was ist der Unterschied zwischen Kamel, Dromedar und Trampeltier?

„Kamel“ ist der Oberbegriff für die Gattung. Das Dromedar ist ein Kamel mit einem Höcker, das Trampeltier ein Kamel mit zwei Höckern. Daneben gibt es das seltene Wildkamel, das ebenfalls zwei Höcker hat.

Warum spucken Kamele?

Kamele spucken, wenn sie sich bedroht fühlen. Sie wollen den Angreifer damit überraschen, ablenken oder vertreiben. Dabei schleudern sie Mageninhalt und Speichel aus dem Maul, es ist also eher ein Erbrechen. Vorher blähen sich die Backen auf.

Wo leben Kamele?

Dromedare leben als Haustiere in Nordafrika, Arabien und im Nahen Osten, Trampeltiere in Zentralasien. Wildkamele gibt es nur noch in Wüsten in China und der Mongolei. In Australien leben außerdem große Herden verwilderter Dromedare.

Ähnliche Tiere

  • Trampeltier - das Kamel mit zwei Höckern
  • Lama - Verwandter aus Südamerika ohne Höcker
  • Esel - ebenfalls genügsames Last- und Reittier
  • Pferd - Reittier, das oft mit dem Kamel verglichen wird
  • Fennek - ein anderer Wüstenbewohner Nordafrikas

Quellen

Größenvergleich

🪙1-Euro-Münze
2,3 cm
⚽Fußball
22 cm
🧒Kind
1,2 m
🧑Erwachsener
1,8 m
🏠Haus
10 m
▼Kamel
2,25 bis 3,45 m

Ein Kamel erreicht eine Körpergröße von 2,25 bis 3,45 m. Damit passt es bequem zwischen einen Erwachsenen (1,8 m) und einen Elefanten (3,5 m) auf unserer Vergleichsskala.

Gewichtsvergleich

🪙1-Euro-Münze
7,5 g
🍫Tafel Schokolade
100 g
⚽Fußball
430 g
🧒Kind
25 kg
🧑Erwachsener
75 kg
🚗Auto
1,5 t
🚌Schulbus
12 t
▼Kamel
300 bis 690 kg

Ein Kamel bringt 300 bis 690 kg auf die Waage. Das ist schwerer als ein Erwachsener (75 kg), aber leichter als ein Auto (1,5 t). Anders ausgedrückt: Das Kamel wiegt so viel wie etwa 7 Erwachsene.