Karakal

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Rotbrauner Karakal mit langen schwarzen Ohrpinseln liegt auf einem sandigen Weg am Grasrand
Christiaan Viljoen / Wikimedia Commons / CC BY 4.0

Kurz erklärt

Der Karakal ist eine mittelgroße Wildkatze aus Afrika und Asien. Typisch sind seine langen, hinten schwarzen Ohren mit Haarpinseln an der Spitze. Er wiegt 6 bis 18 Kilogramm und kann zwei Meter oder höher in die Luft springen, um auffliegende Vögel zu fangen. In Afrika ist er vielerorts häufig, in Indien dagegen sehr selten geworden.

Steckbrief

Wissenschaftl. NameCaracal caracal
Abstammung
  • Klasse: Säugetiere
  • Ordnung: Raubtiere (Carnivora)
  • Unterordnung: Katzenartige (Feliformia)
  • Familie: Katzen (Felidae)
  • Unterfamilie: Kleinkatzen (Felinae)
  • Gattung: Caracal
  • Art: Karakal oder Wüstenluchs
KörpergrößeKopf-Rumpf-Länge 80 bis 100 cm, Schwanz 20 bis 34 cm; Männchen größer als Weibchen
Körpergewicht6 bis 18 kg; Männchen schwerer als Weibchen
ErnährungFleischfresser: vor allem kleine und mittelgroße Säugetiere und Vögel, meist unter 5 kg, auch junge Antilopen, Reptilien und Nutztiere
LebenserwartungIn Menschenobhut bis etwa 20 Jahre; für frei lebende Tiere keine verlässlichen Daten
SozialverhaltenEinzelgänger; Männchen haben größere Reviere, die mehrere Weibchenreviere einschließen
HerkunftAfrika und Asien
Verbreitung Große Teile Afrikas außer den tropischen Regenwäldern im Westen und in der Mitte, der Namib-Region und der zentralen Sahara; Arabische Halbinsel, Naher Osten bis Turkmenistan und Nordwestindien AfrikaAsien
EntdeckungErstbeschreibung 1776 durch von Schreber
GefährdungLC Nicht gefährdet (Rote Liste der IUCN, 2016)
SonstigesGlobal ungefährdet, regional aber stark bedroht: in Marokko und Pakistan vom Aussterben bedroht, in Indien sehr selten; asiatische Bestände in Anhang I des Washingtoner Artenschutzübereinkommens

Die Katze mit den schwarzen Ohren

Der Karakal (Caracal caracal) ist eine schlanke, hochbeinige Wildkatze aus Afrika und Asien. Er ist die größte der afrikanischen Kleinkatzen. Sein Name kommt vom türkischen Wort karakulak, das „schwarzes Ohr“ bedeutet. In Indien heißt er Siya Gosh, ein persischer Name mit derselben Bedeutung.

Wegen seiner Ohrpinsel nennt man ihn auch Wüstenluchs. Früher ordneten ihn Fachleute tatsächlich den Luchsen oder den Echten Katzen (Felis) zu. Heute weiß man: Mit dem Luchs ist der Karakal nicht näher verwandt. Seine nächsten Verwandten sind die Afrikanische Goldkatze (Caracal aurata) und der Serval.

Aussehen und Körperbau

Das auffälligste Merkmal sind die großen, dreieckigen Ohren. Sie sind hinten schwarz und tragen an der Spitze 4 bis 5 Zentimeter lange schwarze Haarpinsel. Der Karakal nutzt seine Ohren auch, um sich mit Artgenossen zu verständigen. Wie viele Wüstentiere sieht und hört er ausgezeichnet.

  • Fell: kurz und einfarbig, gelbbraun bis ziegelrot, ohne Flecken; die Unterseite ist hell. Auch schwarze Tiere kommen vor.
  • Gesicht: dunkle Linien und weiße Flecken an Nase und Augen
  • Beine: lang, die Hinterbeine sind besonders kräftig
  • Schwanz: kurz, etwa ein Drittel so lang wie Kopf und Rumpf
  • Pfoten: steife Haare zwischen den Ballen helfen beim Laufen über Sand

Die Maße laut der Katzen-Expertengruppe der IUCN (Cat Specialist Group):

  • Kopf-Rumpf-Länge: 80 bis 100 cm
  • Schwanz: 20 bis 34 cm
  • Gewicht: 6 bis 18 kg

Männchen sind im Durchschnitt in allen Maßen größer als Weibchen. Karakale in Indien sind etwas kleiner als die Tiere südlich der Sahara.

Verbreitung und Lebensraum

Der Karakal hat ein riesiges Verbreitungsgebiet. Es reicht von Afrika über die Arabische Halbinsel und den Nahen Osten bis in die Türkei, nach Turkmenistan und in den Nordwesten Indiens. In Afrika fehlt er nur in den tropischen Wäldern im Westen und in der Mitte des Kontinents sowie in den Wüsten Namibias und der zentralen Sahara.

Am häufigsten ist er im südlichen Afrika, vor allem im Norden Südafrikas und im Süden Namibias. Auch in Ostafrika ist er auf Weideland häufig. In Nordafrika und in den Savannen West- und Zentralafrikas ist er dagegen selten.

Der Karakal kommt mit vielen Lebensräumen zurecht: Halbwüsten, Steppen, Savannen, Buschland und Trockenwälder, aber auch feuchtere Wälder. Am liebsten mag er offenes, trockenes Gelände mit Büschen oder Felsen als Deckung. Echte Wüsten und tropische Regenwälder meidet er. In Äthiopien wurde er bis in 2.500 Meter Höhe beobachtet, in seltenen Fällen bis 3.300 Meter.

Ernährung

Der Karakal ist ein vielseitiger Jäger. Was er frisst, hängt davon ab, welche Beute in seiner Gegend häufig ist. Meist erbeutet er Tiere, die weniger als 5 Kilogramm wiegen:

  • Hasen, Nagetiere und Klippschliefer
  • Vögel
  • junge Antilopen
  • Reptilien, darunter auch Schlangen
  • Insekten und andere Wirbellose, manchmal Fische

Der Karakal kann aber auch Tiere töten, die zwei- bis dreimal so groß sind wie er selbst, etwa ausgewachsene Springböcke oder junge Kudus. Sogar kleinere Raubtiere wie Schabrackenschakale und Erdwölfe stehen auf seiner Liste. In manchen Gegenden reißt er Schafe, Ziegen und Hühner. Er frisst auch Aas.

Wasser braucht der Karakal nicht unbedingt: Bei Bedarf deckt er seinen Flüssigkeitsbedarf aus der Beute. Wasserstellen sind trotzdem wichtig für ihn, weil sich dort Beutetiere aufhalten.

Der Sprung nach dem Vogel

Berühmt ist der Karakal für seine gewaltigen Sprünge. Er kann zwei Meter oder höher in die Luft springen. Oft schleicht er sich an Vögel heran und springt hoch, wenn sie auffliegen, um sie aus der Luft zu greifen.

Diese Fähigkeit machten sich Menschen schon vor Jahrhunderten zunutze. In Indien und Iran zähmte man Karakale und ließ sie in Wettkämpfen Tauben fangen. In Indien setzte man sie im späten Mittelalter zur Jagd ein. Sultan Firuz Shah Tughlaq soll im 14. Jahrhundert eine eigene Einrichtung für Jagd-Karakale unterhalten haben, und der Mogulkaiser Akbar jagte ebenfalls viel mit ihnen.

Verhalten und Lebensweise

Karakale sind Einzelgänger. Sie sind vor allem nachts unterwegs, können aber je nach Lebensraum und Temperatur auch tagsüber aktiv sein, besonders in Schutzgebieten. Im Winter sind sie häufiger am Tag zu sehen. Zum Ausruhen ziehen sie sich in dichtes Gebüsch, in Felsspalten oder an heißen Tagen auch in einen Bau zurück.

Obwohl der Karakal gut klettern kann, jagt er fast nur am Boden. Größere Beute versteckt er manchmal in Bäumen.

Die Reviere der Männchen sind größer als die der Weibchen und umfassen meist mehrere Weibchenreviere. In trockenen Gebieten brauchen Karakale mehr Platz als in feuchten. In der Kapprovinz Südafrikas nutzten Männchen Reviere von 31 bis 65 Quadratkilometern, Weibchen von 4 bis 31 Quadratkilometern. Auf Farmland in Namibia waren es bei drei Männchen im Schnitt über 316 Quadratkilometer. Ihre Reviere markieren Karakale mit Urin, Kot und Kratzspuren.

Karakale haben auch Feinde: Löwen, Hyänen und Leoparden töten sie manchmal, wenn sich ihre Gebiete überschneiden.

Fortpflanzung und Nachwuchs

Karakale können sich wahrscheinlich das ganze Jahr über paaren. In der Sahara sollen die meisten Paarungen im Hochwinter stattfinden. Ein Weibchen paart sich mit mehreren Männchen. Dabei gibt es eine Rangfolge, die vom Alter und von der Größe der Männchen abhängt.

  • Paarungsbereitschaft: 5 bis 6 Tage
  • Tragzeit: 78 bis 80 Tage
  • Wurfgröße: 1 bis 6 Junge, in freier Natur meist nicht mehr als 3
  • Kinderstube: eine Baumhöhle, eine Höhle oder ein verlassener Bau

Die Mutter zieht die Jungen allein groß. Nach etwa einem Monat beginnen die Jungtiere zu spielen und Fleisch zu fressen. Gesäugt werden sie bis zu einem Alter von etwa 15 Wochen. Selbstständig werden junge Karakale mit 9 bis 10 Monaten.

Ein Weibchen bekommt höchstens einen Wurf pro Jahr. Männchen pflanzen sich erstmals mit 12,5 bis 15 Monaten fort, Weibchen mit 14 bis 16 Monaten. Ein Weibchen brachte noch mit 18 Jahren Junge zur Welt. In Menschenobhut werden Karakale bis etwa 20 Jahre alt.

Gefährdung und Schutz

Die IUCN stuft den Karakal weltweit als nicht gefährdet ein (Least Concern, Einstufung von 2016). Das gilt aber nicht überall:

  • In Nordafrika gilt er als bedroht, in Marokko sogar als vom Aussterben bedroht.
  • In Pakistan ist er vom Aussterben bedroht, dort leben schätzungsweise nur noch 100 bis 150 Tiere.
  • In Iran gehen die Bestände zurück, in der Türkei ist er vermutlich sehr selten.
  • Auf der Arabischen Halbinsel sind die Bestände in einigen Ländern rückläufig.

Bedroht wird der Karakal vor allem durch den Verlust seiner Lebensräume und durch Verfolgung. Weil er manchmal Schafe und Ziegen reißt, wird er im südlichen Afrika, auf der Arabischen Halbinsel und in Teilen der Türkei als Schädling verfolgt. In der Karoo-Region Südafrikas wurden zwischen 1931 und 1952 jedes Jahr durchschnittlich 2.219 Karakale getötet. In West- und Zentralafrika jagt man ihn für Felle und Fleisch. Außerdem wird er als exotisches Haustier gehandelt.

Die afrikanischen Bestände stehen in Anhang II, die asiatischen in Anhang I des Washingtoner Artenschutzübereinkommens (CITES). In vielen Ländern ist die Jagd verboten, in Namibia und Südafrika dürfen Farmer ihn dagegen als „Problemtier“ töten.

Der Karakal in Indien

In Indien ist der Karakal sehr selten geworden. Als selten galt er dort schon seit mindestens 1671. Eine Studie von 2020 hat alle verlässlichen Berichte von 1616 bis April 2020 ausgewertet:

  • Früher wurde der Karakal aus 13 indischen Bundesstaaten gemeldet.
  • Seit 2001 gibt es Nachweise nur noch aus drei Bundesstaaten: Rajasthan, Gujarat und Madhya Pradesh.
  • Nur zwei Bestände sind möglicherweise auf Dauer überlebensfähig.
  • Das gemeldete Verbreitungsgebiet schrumpfte von 1948 bis 2000 um etwa 48 Prozent und von 2001 bis 2020 noch einmal um rund 96 Prozent auf 16.709 Quadratkilometer.

Im Ranthambhore-Tigerreservat in Rajasthan wurden 4,8 Karakale pro 100 Quadratkilometer geschätzt. Die größten Probleme für den Karakal in Indien sind die Zerstörung seiner Lebensräume und zunehmende Störungen durch Menschen.

Häufige Fragen zum Karakal

Ist der Karakal ein Luchs?

Nein. Wegen seiner Ohrpinsel wird er zwar Wüstenluchs genannt und wurde früher zu den Luchsen gezählt. Genetische Untersuchungen zeigen aber, dass er mit der Afrikanischen Goldkatze und dem Serval verwandt ist, nicht mit dem Luchs.

Wie hoch kann ein Karakal springen?

Ein Karakal kann zwei Meter oder höher in die Luft springen. So fängt er Vögel, die gerade auffliegen.

Wie groß und schwer wird ein Karakal?

Ein Karakal ist 80 bis 100 Zentimeter lang, dazu kommt ein 20 bis 34 Zentimeter langer Schwanz. Er wiegt 6 bis 18 Kilogramm, Männchen sind größer als Weibchen.

Was frisst ein Karakal?

Vor allem Hasen, Nagetiere, Klippschliefer und Vögel. Er kann aber auch Antilopen erlegen, die zwei- bis dreimal so groß sind wie er selbst.

Wo lebt der Karakal?

In großen Teilen Afrikas sowie in Asien von der Arabischen Halbinsel und dem Nahen Osten bis nach Turkmenistan und Nordwestindien. Er bevorzugt trockene, offene Landschaften mit etwas Deckung.

Ist der Karakal gefährdet?

Weltweit gilt der Karakal als nicht gefährdet. In Nordafrika, Pakistan und Indien ist er dagegen sehr selten geworden und regional stark bedroht.

Ähnliche Tiere

  • Serval - ein naher Verwandter aus den afrikanischen Savannen
  • Luchs - hat ebenfalls Ohrpinsel, ist aber nicht näher verwandt
  • Rotluchs - ein Luchs aus Nordamerika
  • Gepard - sein früheres Verbreitungsgebiet deckt sich weitgehend mit dem des Karakals
  • Leopard - ein großer Nachbar, der Karakalen gefährlich werden kann

Quellen

Größenvergleich

🪙1-Euro-Münze
2,3 cm
⚽Fußball
22 cm
🧒Kind
1,2 m
🧑Erwachsener
1,8 m
🏠Haus
10 m
▼Karakal
80 cm bis 1 m

Ein Karakal erreicht eine Körpergröße von 80 cm bis 1 m. Damit passt er bequem zwischen einen Fußball (22 cm) und ein Kind (1,2 m) auf unserer Vergleichsskala. Das bedeutet: Der Karakal ist etwa 4-mal so groß wie ein Fußball.

Gewichtsvergleich

🪙1-Euro-Münze
7,5 g
🍫Tafel Schokolade
100 g
⚽Fußball
430 g
🧒Kind
25 kg
🧑Erwachsener
75 kg
🚗Auto
1,5 t
🚌Schulbus
12 t
▼Karakal
6 bis 18 kg

Ein Karakal bringt 6 bis 18 kg auf die Waage. Das ist schwerer als eine Hauskatze (4 kg), aber leichter als ein Kind (25 kg). Anders ausgedrückt: Der Karakal wiegt so viel wie etwa 3 Hauskatzen.