Karpfen

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Zeichnung eines Schuppenkarpfens mit hohem, bronzefarbenem Körper, großen Schuppen, langer Rückenflosse und Barteln am Maul
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Kurz erklärt

Der Karpfen ist ein kräftiger Süßwasserfisch mit vier Barteln am Maul, der gern in warmen, ruhigen Gewässern lebt. Er wühlt im Schlamm nach Würmern, Schnecken und Insektenlarven. Seit Jahrhunderten wird er in Teichen gezüchtet, dabei sind Formen mit wenigen oder fast keinen Schuppen entstanden. Auch die bunten Koi sind Zierkarpfen.

Steckbrief

Wissenschaftl. NameCyprinus carpio
Abstammung
  • Klasse: Strahlenflosser (Actinopterygii)
  • Ordnung: Karpfenartige (Cypriniformes)
  • Familie: Karpfenfische (Cyprinidae)
  • Unterfamilie: Cyprininae
  • Gattung: Cyprinus
  • Art: Karpfen (Gemeiner Karpfen)
KörpergrößeMeist 30 bis 60 cm; Höchstlänge laut FishBase 129 cm
KörpergewichtMeist 0,5 bis 4 kg; Speisekarpfen aus dem Teich 1 bis 1,5 kg; höchstes veröffentlichtes Gewicht 40,1 kg
ErnährungAllesfresser: Kleintiere vom Gewässergrund wie Insektenlarven, Würmer, Schnecken, Muscheln und Krebstiere, dazu Pflanzenteile und Samen; Jungfische fressen Zooplankton
LebenserwartungHöchstalter laut FishBase 38 Jahre; meist deutlich weniger
SozialverhaltenLebt meist in kleinen Schwärmen, große Karpfen oft einzeln
HerkunftFlüsse im Einzugsgebiet von Schwarzem Meer, Kaspischem Meer und Aralsee
Verbreitung Wildkarpfen ursprünglich in Flüssen zum Schwarzen Meer (zum Beispiel der Donau), zum Kaspischen Meer und zum Aralsee; vom Menschen fast weltweit eingeführt AsienEuropa
EntdeckungErstbeschreibung 1758 durch Carl von Linné
GefährdungLC Nicht gefährdet (Rote Liste der IUCN, 2024)
SonstigesBekannte Zuchtformen sind Schuppen-, Spiegel- und Lederkarpfen; Koi sind bunte Zierkarpfen. Rote Liste Deutschland (2023): ungefährdet. In Bayern wird etwa die Hälfte der deutschen Speisekarpfen erzeugt.

Was ist ein Karpfen?

Der Karpfen (Cyprinus carpio), auch Gemeiner Karpfen genannt, gehört zur Familie der Karpfenfische (Cyprinidae). Sein wissenschaftlicher Name ist doppelt gemoppelt: Cyprinus ist der alte lateinische Name für den Karpfen, und auch carpio ist eine latinisierte Form des Wortes Karpfen.

Der Karpfen ist einer der wichtigsten Teichfische in Deutschland. Die Teichlandschaften in Franken und der Oberpfalz, in denen er gezüchtet wird, sind über rund 1.200 Jahre gewachsen. Heute gibt es den Karpfen in drei Varianten, die man auseinanderhalten sollte: den Wildkarpfen in Flüssen, den Zuchtkarpfen im Teich und den bunten Koi im Gartenteich.

Wildkarpfen und Zuchtkarpfen

Der Wildkarpfen: Ursprünglich lebte der Karpfen nur in Flüssen, die ins Schwarze Meer, ins Kaspische Meer und in den Aralsee münden. Vermutlich stammen die europäischen Karpfen von einer wilden Population in der Donau ab, die strömendes Wasser bevorzugt. Wildkarpfen sind schlanker gebaut als Zuchtkarpfen, ihr Körper wirkt weniger gedrungen. Ihre Bestände gehen seit langem zurück. Gründe sind begradigte und gestaute Flüsse und die Vermischung mit gezüchteten Karpfen und mit verwandten Arten aus Ostasien.

Zuchtkarpfen: Der Karpfen verändert sich durch Züchtung und Umwelt sehr leicht. Deshalb sind viele Formen mit unterschiedlicher Gestalt und Beschuppung entstanden. Die drei bekanntesten sind:

  • Schuppenkarpfen: Der ganze Körper ist gleichmäßig mit Schuppen bedeckt, wie beim Wildkarpfen.
  • Spiegelkarpfen: Er hat nur einige große Schuppen, die in Reihen an den Seiten liegen. Der übrige Körper ist nackt.
  • Lederkarpfen: Er hat nur wenige oder gar keine Schuppen auf dem Rücken und eine dicke Haut.

Karpfen und Koi

Koi sind bunte Zierkarpfen. Sie sind keine eigene Wildart, sondern farbige Zuchtformen. Woher sie genau stammen und ob man sie zum Gemeinen Karpfen oder zu einer ostasiatischen Karpfenart zählt, erklärt die Seite über den Koi. Wie eng Karpfen und Koi zusammenhängen, zeigt eine Krankheit: Das Koi-Herpesvirus befällt sowohl Koi als auch Speisekarpfen.

Aussehen und Körperbau

Größe und Gewicht: Die meisten Karpfen werden 30 bis 60 cm lang und 0,5 bis 4 kg schwer. Laut FishBase ist die häufigste Länge 31 cm. Große Karpfen erreichen aber deutlich mehr. Die größte gemessene Länge liegt bei 129 cm, das schwerste veröffentlichte Gewicht bei 40,1 kg. Speisekarpfen aus dem Teich werden im Alter von drei Sommern mit 1 bis 1,5 kg geerntet.

Körper: Der Körper ist kräftig und recht hoch gebaut. Er ist grau bis bronzefarben. Die Schuppen sind groß und dick. Die lange Rückenflosse beginnt mit einem harten, hinten gesägten Stachel.

Kopf: Am Maul sitzen zwei Paar Barteln, also vier Barteln. Zusammen mit der langen Rückenflosse ist das ein wichtiges Merkmal, an dem man ihn von anderen Karpfenfischen Europas unterscheidet. Im Rachen hat der Karpfen kräftige Schlundzähne, die ähnlich wie Backenzähne geformt sind und eine flache Krone haben.

Männchen und Weibchen: Männchen erkennt man meist an den größeren Bauchflossen.

Verbreitung und Lebensraum

Die ursprüngliche Heimat des Wildkarpfens liegt in Südosteuropa und Asien, in den Flusssystemen von Schwarzem Meer, Kaspischem Meer und Aralsee. Heute kommt der Karpfen durch den Menschen fast überall auf der Welt vor, nur nicht in den Polargebieten und im Norden Asiens.

Lebensraum: Karpfen leben am liebsten in warmen, tiefen, langsam fließenden oder stehenden Gewässern, zum Beispiel in Flüssen des Tieflands und in großen Seen mit vielen Wasserpflanzen. Weicher, schlammiger Grund ist ihnen wichtig. Karpfen sind sehr robust. Sie vertragen Wassertemperaturen von 3 bis 35 °C, trübes Wasser und sogar leicht salziges Brackwasser.

In Deutschland führt ihn die Rote Liste von 2023 als einheimische oder alteingebürgerte Art. Sein Bestand gilt dort als selten, hat aber lang- und kurzfristig deutlich zugenommen.

Ernährung

Der Karpfen ist ein Allesfresser, der seine Nahrung vor allem am Gewässergrund sucht. Frisch geschlüpfte Karpfen fressen zuerst winzige Tiere im Wasser, das Zooplankton, und Algen. Junge Karpfen fressen dann Mückenlarven, Köcherfliegenlarven, Weichtiere und kleine Krebstiere. Erwachsene Karpfen fressen Insekten, Krebstiere, Würmer, Schnecken und Muscheln, Fischlaich, dazu Pflanzenknollen und Samen. Manchmal saugen sie auch Insekten von der Wasseroberfläche.

Schlammwühler: Beim Fressen saugt der Karpfen Schlamm vom Grund ein, stößt ihn wieder aus und pickt sich die Nahrung heraus, solange sie im Wasser schwebt. Wo Karpfen fressen, sieht man im flachen Wasser oft kleine Mulden im Boden.

Im Teich: Zuchtkarpfen ernähren sich weitgehend von der Naturnahrung im Teich, etwa Wasserflöhen, Hüpferlingen und Insektenlarven. Meist füttern die Teichwirte etwas Getreide dazu.

Verhalten und Lebensweise

Karpfen leben meist in kleinen Schwärmen, große, alte Tiere oft allein. Am aktivsten sind sie in der Dämmerung, morgens und abends. Der Karpfen liebt Wärme. Er frisst und wächst deshalb vor allem im Sommerhalbjahr.

Wie alt werden Karpfen? Das höchste bei FishBase angegebene Alter liegt bei 38 Jahren. Es gibt auch einen Bericht über einen 47 Jahre alten Karpfen, der aber vermutlich in Gefangenschaft lebte. Andere Berichte nennen ein Höchstalter von 17 bis 20 Jahren, das wohl eher typisch ist.

Fortpflanzung und Nachwuchs

Laichwanderung: Im Frühling und Frühsommer suchen Wildkarpfen flache, warme Stellen mit vielen Wasserpflanzen. Oft legen sie dafür weite Strecken zu Altarmen und überschwemmten Wiesen zurück. Gelaicht wird bei Wassertemperaturen von etwa 15 bis 20 °C. Im Teich dauert die Laichzeit von Mai bis Mitte Juni.

Laichen: Ein Weibchen wird beim Laichen meist von mehreren Männchen begleitet. Es verteilt die Eier lebhaft über die Wasserpflanzen, die Männchen geben ihre Spermien dazu. Die klebrigen Eier haften an Pflanzen oder anderen Gegenständen im Wasser. Um die Eier kümmern sich die Eltern nicht.

Viele Eier: Ein etwa 45 cm großes Weibchen legt rund 300.000 Eier, große Weibchen in einer Saison mehr als eine Million.

Schlupf: Je nach Wassertemperatur schlüpfen die Larven schon nach drei bis vier Tagen. Sie sind nur 5 bis 5,5 mm lang. Die Larven überleben nur in sehr warmem, flachem Wasser zwischen Pflanzen. Deshalb klappt die Fortpflanzung in freier Natur nur in Jahren, in denen der Wasserstand im Mai steigt und Wiesen im Mai und Juni lange überschwemmt und warm sind.

Erwachsen werden: Männchen werden mit drei bis fünf Jahren geschlechtsreif, Weibchen mit vier bis fünf Jahren.

Der Karpfen im Teich

Bayern ist das Zentrum der Karpfenzucht in Deutschland. Etwa 5.500 Teichwirte erzeugen dort auf knapp 20.000 Hektar Teichfläche jährlich rund 6.000 Tonnen Speisekarpfen. Das ist die Hälfte der gesamten deutschen Karpfenproduktion.

Drei Sommer bis zum Speisefisch: Ein Zuchtkarpfen braucht drei Sommer, bis er groß genug ist. Teichwirte nennen ihn deshalb nach seinem Alter:

BezeichnungAlterGewicht
K0 (Jungbrut)frisch geschlüpft2.000 Stück passen auf einen Teelöffel
KV (Vorstreckbrut)etwa 4 Wochenetwa 1 g
K1nach dem ersten Sommer20 bis 40 g
K2nach dem zweiten Sommer250 bis 300 g
K3 (Speisekarpfen)nach dem dritten Sommer1 bis 1,5 kg

Die Altersgruppen leben in getrennten Teichen, die jedes Jahr abgefischt werden. Zusammen mit den Karpfen ziehen die Teichwirte oft auch andere Fische auf, etwa Schleie, Zander, Hecht und Wels.

Die Teiche sind nicht nur für die Fischzucht wichtig. Sie bieten Lebensraum für viele seltene Tiere und Pflanzen und speichern Wasser, was bei Hochwasser hilft. In den Karpfengegenden Nordbayerns wird der Karpfen meist als halber Fisch gebacken serviert.

Feinde und Gefährdung

Feinde: Junge Karpfen werden von Raubfischen wie dem Hecht gefressen, vermutlich auch von Reihern. Große Karpfen haben außer dem Menschen kaum Feinde.

Krankheiten: Gefährlich für Karpfen ist das Koi-Herpesvirus. Es kommt inzwischen weltweit vor und kann bei Koi und Speisekarpfen eine schwere Krankheit auslösen, an der viele Fische sterben. Meist bricht sie erst bei Wassertemperaturen über 16 °C aus. Für Teichwirte bedeutet ein Ausbruch oft große wirtschaftliche Verluste.

Gefährdung: Auf der Roten Liste der IUCN gilt der Karpfen weltweit als nicht gefährdet (Least Concern, Ford 2024). Auch in der Roten Liste der Süßwasserfische Deutschlands von 2023 ist er als ungefährdet eingestuft. Die echten Wildkarpfen der Donau gelten aber als bedroht.

Karpfen als Problem: Wo der Karpfen eingeführt wurde, kann er Schaden anrichten. Weil er beim Fressen den Grund aufwühlt, vernichtet er Wasserpflanzen und verschlechtert die Wasserqualität.

Häufige Fragen zum Karpfen

Wie groß und schwer wird ein Karpfen?

Die meisten Karpfen werden 30 bis 60 cm lang und 0,5 bis 4 kg schwer. Rekordtiere erreichen bis 129 cm und über 40 kg.

Was frisst ein Karpfen?

Vor allem Kleintiere vom Gewässergrund wie Insektenlarven, Würmer, Schnecken, Muscheln und Krebstiere. Dazu kommen Pflanzenteile und Samen. Im Teich lebt er von Wasserflöhen und Insektenlarven und bekommt zusätzlich Getreide.

Was ist der Unterschied zwischen Karpfen und Koi?

Koi sind bunte Zierkarpfen. Speisekarpfen und Wildkarpfen sind grau bis bronzefarben. Mehr über Herkunft und Sorten steht auf der Seite über den Koi.

Was ist ein Spiegelkarpfen?

Eine Zuchtform des Karpfens mit nur wenigen großen Schuppen, die in Reihen an den Körperseiten liegen. Der übrige Körper hat keine Schuppen. Daneben gibt es den voll beschuppten Schuppenkarpfen und den fast schuppenlosen Lederkarpfen.

Wie alt wird ein Karpfen?

Das höchste bekannte Alter liegt laut FishBase bei 38 Jahren. Meist werden Karpfen aber deutlich weniger alt. Andere Berichte nennen 17 bis 20 Jahre als eher typisches Höchstalter.

Wie lange dauert es, bis ein Karpfen groß ist?

Im Teich braucht ein Karpfen drei Sommer, bis er mit 1 bis 1,5 kg als Speisekarpfen geerntet wird. Teichwirte nennen ihn dann K3.

Ähnliche Tiere

  • Koi - bunte Zierkarpfen aus dem Gartenteich
  • Schleie - wird in Karpfenteichen als Nebenfisch gehalten
  • Hecht - Raubfisch, der junge Karpfen frisst
  • Zander - wird ebenfalls in Karpfenteichen aufgezogen
  • Welsartige - zu ihnen gehört der Wels, ein weiterer Teichfisch

Quellen

Größenvergleich

🪙1-Euro-Münze
2,3 cm
⚽Fußball
22 cm
🧒Kind
1,2 m
🧑Erwachsener
1,8 m
🏠Haus
10 m
▼Karpfen
30 cm bis 1,29 m

Ein Karpfen erreicht eine Körpergröße von 30 cm bis 1,29 m. Damit passt er bequem zwischen einen Fußball (22 cm) und einen Erwachsenen (1,8 m) auf unserer Vergleichsskala. Das bedeutet: Der Karpfen ist etwa 4-mal so groß wie ein Fußball.

Gewichtsvergleich

🪙1-Euro-Münze
7,5 g
🍫Tafel Schokolade
100 g
⚽Fußball
430 g
🧒Kind
25 kg
🧑Erwachsener
75 kg
🚗Auto
1,5 t
🚌Schulbus
12 t
▼Karpfen
500 g bis 40,1 kg

Ein Karpfen bringt 500 g bis 40,1 kg auf die Waage. Das ist schwerer als ein Fußball (430 g), aber leichter als ein Erwachsener (75 kg). Anders ausgedrückt: Der Karpfen wiegt so viel wie etwa 47 Fußbälle.