Kleidermotte

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Kleidermotte in Seitenansicht mit glänzend goldgelben, eng an den Körper gelegten Flügeln, gefransten Flügelrändern und gelbem Haarschopf auf dem Kopf
Olaf Leillinger / Wikimedia Commons / CC BY-SA 2.5

Kurz erklärt

Die Kleidermotte ist ein kleiner, goldgelber Nachtfalter, der in Wohnungen auf der ganzen Welt vorkommt. Schaden richten nur ihre Raupen an: Sie fressen Wolle, Pelze, Federn und Haare, weil darin der Eiweißstoff Keratin steckt. Die erwachsenen Falter fressen überhaupt nichts und leben nur etwa zwei Wochen. Für Menschen ist die Kleidermotte laut Umweltbundesamt nicht gesundheitsschädlich.

Steckbrief

Wissenschaftl. NameTineola bisselliella
Abstammung
  • Klasse: Insekten
  • Ordnung: Schmetterlinge (Lepidoptera)
  • Familie: Echte Motten (Tineidae)
  • Gattung: Tineola
  • Art: Kleidermotte
KörpergrößeFalter 4 bis 9 mm lang (laut Umweltbundesamt bis 1 cm), Flügelspannweite etwa 1,3 cm; Raupen bis etwa 1 cm
ErnährungNur die Raupen fressen: keratinhaltige tierische Stoffe wie Wolle, Haare, Federn und Pelze. Die Falter nehmen keine Nahrung auf.
LebenserwartungFalter im Schnitt 12 bis 18 Tage; die Raupenzeit dauert je nach Wärme und Nahrung etwa 5 Wochen bis 2,5 Jahre
Verbreitung Weltweit in Gebäuden, zum Beispiel in Wohnungen und Museen; Funde von allen Kontinenten außer der Antarktis
EntdeckungErstbeschreibung 1823 durch Hummel
GefährdungNE Nicht bewertet
SonstigesMaterialschädling: Schäden verursachen nur die Raupen. Gesundheitsrisiken für Menschen sind laut Umweltbundesamt nicht bekannt.

Was ist eine Kleidermotte?

Die Kleidermotte (Tineola bisselliella) ist ein kleiner Nachtfalter, also ein Schmetterling. Sie gehört zur Familie der Echten Motten. Kleidermotten leben in Wohnungen und anderen Gebäuden auf der ganzen Welt. Fundmeldungen gibt es von allen Kontinenten außer der Antarktis.

Viele Menschen ärgern sich über Löcher im Wollpullover und geben dem kleinen Falter die Schuld. Doch der Falter selbst frisst nichts. Die Löcher stammen von seinen Raupen, die man auch Larven nennt. Sie fressen Stoffe, in denen Keratin steckt. Keratin ist ein Eiweiß, aus dem Wolle, Haare, Fell und Federn bestehen.

Aussehen und Körperbau

Falter: Die erwachsene Kleidermotte ist 4 bis 9 Millimeter lang, laut Umweltbundesamt höchstens etwa 1 Zentimeter. Körper und Vorderflügel sind einfarbig strohgelb bis goldgelb, manchmal eher bräunlich. Je nachdem, was die Raupe gefressen hat, fällt die Farbe etwas anders aus. Die Flügel haben keine Flecken oder Muster. An ihren Rändern sitzen feine Fransen. In Ruhe legt die Motte die Vorderflügel über die Hinterflügel, sodass sie schmal wirkt. Mit ausgebreiteten Flügeln misst sie etwa 1,3 Zentimeter.

Haarschopf: Auf dem Kopf trägt die Kleidermotte einen Schopf aus rötlich-goldenen Haaren. Mit einer Lupe kann man ihn gut erkennen.

Raupe: Die Raupe ist weißlich bis gelblich und hat eine braune Kopfkapsel. Kurz bevor sie sich verpuppt, ist sie bis zu etwa 1 Zentimeter lang.

Wo lebt die Kleidermotte?

Kleidermotten mögen es warm und halten sich gern an dunklen, geschützten Orten auf. Typisch sind Kleiderschränke, Kommoden und Truhen, Ritzen in Dielen, Teppiche unter schweren Möbeln und Polstermöbel. Auch Staub unter Vitrinen oder in Lüftungsgittern kann reichen, denn er enthält Haare, Hautschuppen und Wollfasern.

Wie kommen sie ins Haus? In warmen Monaten können Kleidermotten von draußen hereinfliegen. Häufiger werden sie aber mit befallenen Textilien eingeschleppt, etwa mit gebrauchter Kleidung oder alten Teppichen.

Lichtscheu: Anders als viele andere Nachtfalter fliegt die Kleidermotte nicht zum Licht. Sie ist im Gegenteil sehr lichtscheu und versteckt sich sofort, wenn sie gestört wird.

Was frisst die Kleidermotte?

Nur die Raupen fressen. Die erwachsenen Falter haben verkümmerte Mundwerkzeuge und nehmen keine Nahrung mehr auf. Die Raupen dagegen fressen keratinhaltige, tierische Stoffe:

  • Wolle, zum Beispiel in Pullovern, Decken und Wollteppichen
  • Pelze und Felle, die sie am Haaransatz abfressen, sodass kahle Stellen entstehen
  • Federn, etwa in Kissen
  • Haare, zum Beispiel Tierhaare auf Haustierbetten oder in Bürsten
  • Polstermöbel mit Füllungen aus Rosshaar

Schmutz lockt an: Die Raupen finden ihr Futter mit dem Geruchssinn. Stoffe, an denen Schweiß, Hautschuppen, Haare oder Essensreste haften, mögen sie besonders. Saubere Kleidung wird seltener angefressen.

Baumwolle und Kunstfasern: Pflanzenfasern wie Baumwolle und Kunstfasern können die Raupen nicht verdauen. Laut Umweltbundesamt werden reine Pflanzenfasern nicht befallen. Das Institut für Schädlingskunde weist aber darauf hin, dass die Raupen solche Fasern trotzdem durchlöchern können, weil sie sie für den Bau ihrer Wohnröhren verwenden. Mischgewebe mit Wollanteil werden angefressen.

Entwicklung: Vom Ei zum Falter

Die Kleidermotte macht eine vollständige Verwandlung durch, wie alle Schmetterlinge: Ei, Raupe, Puppe und Falter.

Eier: Nach der Paarung legt das Weibchen seine Eier einzeln direkt auf geeignete Nahrung, zum Beispiel auf einen Wollpullover. Wie viele es sind, schwankt stark. Das Institut für Schädlingskunde nennt 100 bis 250 Eier im Leben eines Weibchens, die University of California im Durchschnitt 40 bis 50. Je nach Wärme schlüpfen die Raupen nach einigen Tagen bis etwa zwei Wochen.

Raupen in Gespinströhren: Gleich nach dem Schlüpfen baut sich jede Raupe eine Röhre aus Seidenfäden. Darin verarbeitet sie auch Fasern des Stoffes und ihren eigenen Kot. Die Röhre ist an beiden Enden offen und schützt die Raupe vor dem Austrocknen und vor Feinden. Die Raupe häutet sich mehrmals, je nach Bedingungen 5- bis 45-mal.

Wie lange dauert es? Das hängt stark von Wärme und Nahrungsangebot ab. Unter guten Bedingungen dauert es vom Ei bis zum Falter etwa zwei Monate. Ist es kühl, legen die Raupen Fresspausen ein. Dann kann die Raupenzeit bis zu zweieinhalb Jahre dauern. Meist gibt es zwei Generationen im Jahr, in warmen Jahren drei oder vier. In geheizten Wohnungen entwickeln sich Kleidermotten auch im Winter weiter.

Puppe: Zum Verpuppen spinnt die Raupe einen festen Kokon, der an beiden Seiten geschlossen ist. Nach etwa ein bis vier Wochen schlüpft der Falter.

Falter: Das Weibchen lockt mit einem Duftstoff, einem Pheromon, sofort Männchen an. Die Falter leben im Schnitt nur 12 bis 18 Tage. Die Weibchen laufen lieber, als dass sie fliegen. Die Männchen fliegen häufiger und können bei Wärme mehrere hundert Meter weit kommen.

Klima: Die Fachquellen nennen etwa 24 bis 30 °C als beste Temperatur für die Entwicklung. Kühle unter etwa 10 bis 15 °C und Hitze über 30 °C sind ungünstig. Bei der Luftfeuchtigkeit sind sich die Quellen nicht einig: Das Umweltbundesamt nennt mindestens 75 Prozent als ideal, das Institut für Schädlingskunde 70 Prozent, das Deutsche Historische Museum beschreibt warme und trockene Bedingungen als günstig.

Ist die Kleidermotte schädlich?

Für Menschen: Kleidermotten sind Materialschädlinge. Laut Umweltbundesamt sind keine Gesundheitsrisiken für Menschen bekannt.

Für Textilien: Der Schaden kann groß sein. Museen mit wertvollen Textilien und Pelzen kontrollieren deshalb regelmäßig mit Fallen, ob Kleidermotten auftauchen. Typische Anzeichen für einen Befall sind:

  • kleine, unregelmäßige Löcher, die über das ganze Stück verteilt sind
  • Gespinströhren und Kokons an versteckten Stellen, etwa unter Kragen und Manschetten
  • Kotkrümel, die oft dieselbe Farbe haben wie der angefressene Stoff

Kleidermotten vorbeugen und bekämpfen

Das Umweltbundesamt empfiehlt, möglichst ohne Gift auszukommen. Meist reicht eine Kombination aus Vorbeugung und einfachen Maßnahmen.

Vorbeugen:

  • Wollsachen, die länger nicht getragen werden, sauber und dicht verpackt lagern, zum Beispiel in Kleidersäcken oder Vakuumbeuteln
  • Kleidung, Decken und Felle regelmäßig ausklopfen, lüften und in die Sonne hängen
  • Ritzen, Fußleisten und Teppiche unter Möbeln regelmäßig absaugen
  • Fliegengitter an Fenstern verhindern, dass Motten hereinfliegen
  • Lavendel, Nelken oder Zedernholz können Motten zusätzlich abschrecken, wirken aber nicht hundertprozentig

Befall feststellen:Pheromonfallen locken mit dem Duft der Weibchen die Männchen auf einen Klebestreifen. Sie zeigen, ob und wo Kleidermotten sind. Weil sie nur Männchen fangen, beseitigen sie einen Befall allein nicht.

Bekämpfen:

  • Zerstörte Textilien in einer verschlossenen Plastiktüte im Hausmüll entsorgen
  • Schrank und Umgebung gründlich aussaugen, besonders Fugen und Ritzen, dann mit Essigwasser auswischen
  • Befallene Textilien waschen oder reinigen und in die Sonne legen
  • Einfrieren: Laut Umweltbundesamt sterben die Larven bei mindestens minus 19 °C nach mindestens 36 Stunden
  • Diese Schritte über mehrere Wochen wiederholen

Nützlinge: Bei starkem Befall helfen winzige Schlupfwespen (Trichogramma evanescens). Sie sind nur etwa 0,4 Millimeter groß und für Menschen und Haustiere harmlos. Die Wespen legen ihre Eier in die Motteneier, die dadurch absterben. Gibt es keine Motteneier mehr, verschwinden auch die Schlupfwespen. Man kauft sie auf Kärtchen, die über etwa viereinhalb Monate bis zu sechsmal erneuert werden.

Kommt der Befall immer wieder, rät das Umweltbundesamt, eine Fachfirma für Schädlingsbekämpfung zu fragen.

Kleidermotte oder Lebensmittelmotte?

Im Haushalt gibt es noch andere Motten. Die häufigsten Verwechslungen sind die Lebensmittelmotten, deren Raupen in Vorräten leben. So unterscheidet man sie:

MerkmalKleidermotteLebensmittelmotte
Größe in Ruheetwa 6 bis 7 mmetwa doppelt so lang
Flügeleinfarbig goldgelb, ohne Mustermeist mit Zeichnung
Flugflatternd und taumelnd, meist nahe dem Befallsortgerader, fliegt durch die ganze Wohnung
Kopfmit Haarschopfohne Haarschopf
Nahrung der RaupenWolle, Pelz, Federn, HaareVorräte wie Getreide und Trockenobst

Eine nahe Verwandte ist Tinea pellionella. Ihre Flügel sind eher bräunlich mit schwachen dunklen Flecken, und ihre Raupen tragen einen Köcher aus Seide mit sich herum.

Häufige Fragen zur Kleidermotte

Fressen Kleidermotten Kleidung?

Nur die Raupen fressen, die erwachsenen Falter nehmen gar keine Nahrung auf. Die Raupen fressen keratinhaltige Stoffe wie Wolle, Pelz, Federn und Haare. Baumwolle und Kunstfasern können sie nicht verdauen.

Wie lange lebt eine Kleidermotte?

Der Falter lebt im Schnitt nur 12 bis 18 Tage. Die Raupenzeit davor ist viel länger: unter guten Bedingungen einige Wochen, bei Kälte und wenig Nahrung bis zu zweieinhalb Jahre.

Sind Kleidermotten gefährlich?

Für Menschen nicht. Laut Umweltbundesamt sind keine Gesundheitsrisiken bekannt. Sie können aber Kleidung, Teppiche und Pelze stark beschädigen.

Wie bekommt man Kleidermotten weg?

Befallene Sachen waschen, reinigen oder einfrieren, den Schrank gründlich aussaugen und auswischen und die Maßnahmen über einige Wochen wiederholen. Bei starkem Befall helfen Schlupfwespen, bei hartnäckigem Befall eine Fachfirma.

Wie erkennt man Kleidermotten?

Der Falter ist klein, goldgelb, ohne Flecken und flattert eher, als dass er zielstrebig fliegt. Ein Befall zeigt sich an kleinen, unregelmäßigen Löchern, an Gespinströhren und an Kotkrümeln in der Farbe des Stoffes.

Woher kommen Kleidermotten?

Meist werden sie mit befallenen Textilien eingeschleppt, zum Beispiel mit gebrauchter Kleidung. In warmen Monaten können sie auch von draußen hereinfliegen.

Ähnliche Tiere

  • Lebensmittelmotte - ihre Raupen fressen Vorräte statt Wolle
  • Motte - Überblick über die kleinen Falter, die man als Motten bezeichnet
  • Silberfischchen - ein flügelloses Insekt, das ebenfalls in Wohnungen lebt und Textilfasern frisst
  • Schabe - ein Insekt im Haus, das anders als die Kleidermotte als Gesundheitsschädling gilt

Quellen

Größenvergleich

🪙1-Euro-Münze
2,3 cm
⚽Fußball
22 cm
🧒Kind
1,2 m
🧑Erwachsener
1,8 m
🏠Haus
10 m
▼Kleidermotte
4 mm bis 1 cm

Die Kleidermotte ist mit 4 mm bis 1 cm ein echtes Leichtgewicht auf der Größenskala. Selbst eine Biene (1,5 cm) überragt sie. Dafür passt die Kleidermotte bequem auf eine Handfläche - oder sogar auf einen Fingernagel!