Klippschliefer

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Klippschliefer mit gelbbraunem Fell, kurzen runden Ohren und dunklen Augen sitzt auf einem flachen Felsen
Bernard DUPONT from FRANCE / Wikimedia Commons / CC BY-SA 2.0

Kurz erklärt

Der Klippschliefer ist ein kleines, rundliches Säugetier mit braunem Fell, kurzen Ohren und fast ohne Schwanz. Er lebt in Kolonien zwischen Felsen in Afrika und Vorderasien und frisst vor allem Gras. Obwohl er wie ein Nagetier aussieht, sind seine nächsten lebenden Verwandten die Elefanten und die Seekühe. Morgens wärmt er sich lange in der Sonne auf.

Steckbrief

Wissenschaftl. NameProcavia capensis
Abstammung
  • Klasse: Säugetiere
  • Überordnung: Afrotheria
  • Ordnung: Schliefer (Hyracoidea)
  • Familie: Schliefer (Procaviidae)
  • Gattung: Procavia
  • Art: Klippschliefer
KörpergrößeGesamtlänge etwa 30 bis 55 cm, davon nur 1 bis 2,4 cm Schwanz; Schulterhöhe 20 bis 30 cm
Körpergewicht2 bis 5 kg; im Mittel Männchen etwa 4 kg, Weibchen etwa 3,6 kg
ErnährungPflanzenfresser: vor allem Gräser, außerdem junge Triebe, Knospen, Blätter und Früchte; in Dürrezeiten auch Rinde und Flechten
Lebenserwartung9 bis 12 Jahre
SozialverhaltenKolonien mit meist 5 bis 60, selten bis 80 Tieren; ein Männchen lebt mit mehreren Weibchen und deren Jungen
HerkunftAfrika und Vorderasien
Verbreitung Weite Teile Afrikas außer dem Kongobecken und Madagaskar, außerdem Arabische Halbinsel, Sinai, Israel, Jordanien und Libanon AfrikaAsien
EntdeckungErstbeschreibung 1766 durch Pallas
GefährdungLC Nicht gefährdet (Rote Liste der IUCN, 2026)
SonstigesKein Nagetier: Der Klippschliefer gehört wie Elefanten und Seekühe zu den Afrotheria, einer Gruppe von Säugetieren afrikanischen Ursprungs.

Was ist ein Klippschliefer?

Der Klippschliefer (Procavia capensis) ist ein kleines, rundliches Säugetier, das zwischen Felsen lebt. Im Englischen heißt er „rock hyrax“, also Felsen-Schliefer. Er bildet zusammen mit wenigen nahe verwandten Arten eine eigene Ordnung, die Schliefer.

Wer einen Klippschliefer zum ersten Mal sieht, hält ihn oft für ein großes Meerschweinchen oder ein Murmeltier. Mit Nagetieren ist er aber nicht näher verwandt. Seine nächsten lebenden Verwandten sind die Elefanten und die Seekühe. Wie es zu dieser überraschenden Verwandtschaft kommt, steht weiter unten.

Aussehen und Körperbau

Größe und Gewicht: Ein erwachsener Klippschliefer ist etwa 30 bis 55 Zentimeter lang und an der Schulter 20 bis 30 Zentimeter hoch. Er wiegt 2 bis 5 Kilogramm. Männchen sind etwas schwerer als Weibchen: Im Mittel wiegen Männchen etwa 4 Kilogramm, Weibchen etwa 3,6 Kilogramm. Für seine Größe ist der Klippschliefer kräftig und gedrungen gebaut.

Fell: Das Fell ist dicht und rau, mit dicker Unterwolle und einzelnen längeren Haaren. Die Farbe reicht je nach Region von grau über gelbbraun bis dunkelbraun, der Bauch ist heller. Im Kapgebiet Südafrikas haben Tiere aus feuchten Gegenden ein dunkleres Fell als Tiere aus trockenen Gegenden. Lange schwarze Tasthaare wachsen um das Maul und auf dem Rücken.

Rückendrüse: Mitten auf dem Rücken sitzt ein Fleck aus Haaren in einer anderen Farbe, zum Beispiel schwarz, gelb oder orange. Darunter liegt eine Duftdrüse. Ist das Tier wütend oder erschrocken, stellen sich die Haare über der Drüse auf.

Kopf und Zähne: Der Klippschliefer hat eine kurze Schnauze, eine gespaltene Oberlippe und kleine, runde Ohren. Im Oberkiefer trägt er zwei lange Schneidezähne, die ständig nachwachsen und wie kleine Stoßzähne aussehen. Bei Männchen sind sie größer und spitzer als bei Weibchen. Die Backenzähne ähneln denen von Nashörnern.

Schwanz: Einen Schwanz sieht man praktisch nicht. Er ist nur etwa 1 bis 2,4 Zentimeter lang.

Füße wie Saugnäpfe: An den Vorderfüßen hat der Klippschliefer vier Zehen, an den Hinterfüßen drei. Die Zehen tragen keine Krallen, sondern abgerundete, hufartige Nägel. Nur die innere Zehe am Hinterfuß hat eine Kralle, mit der er sein Fell pflegt. Die Fußsohlen sind gummiartig und werden von Drüsen feucht gehalten. In der Mitte der Sohle bilden Muskeln eine Mulde, die wie ein Saugnapf wirkt. So kann der Klippschliefer sicher über steile, glatte Felsen laufen und springen.

Augen: Im Auge des Klippschliefers sitzt eine besondere Hautfalte, das Umbraculum. Fachleute vermuten, dass sie das Auge vor grellem Sonnenlicht schützt. Klippschliefer sehen und hören sehr gut.

Verwandt mit Elefanten und Seekühen

Woher weiß man, dass ein so kleines Tier mit Elefanten verwandt ist? Die Antwort stammt vor allem aus dem Erbgut. 1997 verglich ein Forschungsteam um Mark Springer DNA-Abschnitte vieler Säugetiere. Dabei zeigte sich eine Gruppe, zu der Schliefer, Elefanten, Seekühe, Erdferkel, Rüsselspringer und Goldmulle gehören. Diese Tiere sehen völlig unterschiedlich aus und leben auf ganz verschiedene Weise, stammen aber von einem gemeinsamen Vorfahren ab. Die Gruppe stammt vermutlich aus Afrika, sie heißt heute Afrotheria. Nach den Daten der Forschenden begann ihre Aufspaltung schon in der Kreidezeit, als Afrika noch von anderen Kontinenten getrennt war.

Innerhalb dieser Gruppe sind Elefanten und Seekühe die engsten lebenden Verwandten der Schliefer.

Verbreitung und Lebensraum

Der Klippschliefer kommt in weiten Teilen Afrikas vor. Er fehlt nur im Kongobecken und auf Madagaskar. Außerhalb Afrikas lebt er auf der Arabischen Halbinsel, auf dem Sinai sowie in Israel, Jordanien und im Libanon. Unter allen Schliefern kommt er am besten mit Trockenheit zurecht und lebt sogar in Bergregionen der Namib, der Sahara und der arabischen Wüsten.

Entscheidend ist nicht das Klima, sondern das Gelände: Klippschliefer brauchen Felsen mit vielen Spalten und Höhlen, in die sie sich zurückziehen können. Solche Felshügel heißen in Afrika „Kopjes“. Daneben braucht es etwas Pflanzenwuchs zum Fressen. Selbst graben Klippschliefer keine Baue. Sie ziehen aber gern in verlassene Höhlen von Erdferkeln oder Erdmännchen ein. Auch zwischen den Steinen von Mauern, unter Straßen in Durchlässen und an Steinhaufen am Rand von Feldern finden sie Unterschlupf.

Ernährung

Klippschliefer sind Pflanzenfresser und grasen vor allem. In der Regenzeit besteht ihre Nahrung zu etwa 78 Prozent aus Gräsern, in der Trockenzeit nur zu etwa 57 Prozent. Nach Regen fressen sie gern junge Triebe, Knospen und Blätter, im Tiefland auch Früchte, Beeren und Feigen. In Dürrezeiten weichen sie auf hartes Futter wie Rinde, Flechten und Lebermoose aus. Sie vertragen sogar Pflanzen, die für die meisten anderen Tiere giftig sind, etwa bestimmte Nachtschatten- und Wolfsmilchgewächse.

Bemerkenswert ist, wie schnell sie fressen. Eine ganze Kolonie verbringt oft weniger als eine Stunde am Tag mit der Nahrungsaufnahme. Meist gibt es zwei Fressrunden von etwa 20 Minuten: eine rund drei Stunden nach Sonnenaufgang und eine etwa zwei Stunden vor Sonnenuntergang. Dabei entfernen sich die Tiere selten weiter als 60 Meter von ihren Felsen, nur bei Dürre gehen sie weiter. Beim Grasen halten sie Abstand zueinander und achten ständig auf Feinde. Weil sie viel auf einmal fressen und den Rest der Zeit ruhen, kommen Klippschliefer mit karger Nahrung aus, die für andere, aktivere Tiere ihrer Größe nicht reichen würde.

Verhalten und Lebensweise

Sonnenbad am Morgen: Klippschliefer sind gleichwarme Säugetiere, ihre Körpertemperatur schwankt aber stärker als bei den meisten anderen. Deshalb verhalten sie sich ähnlich wie Reptilien: Morgens kommen sie aus ihren Felsspalten und sonnen sich etwa eine Stunde lang, bevor sie fressen gehen. In der Mittagshitze ruhen sie im Schatten. Bei kaltem, regnerischem Wetter bleiben sie oft den ganzen Tag in ihren Höhlen.

Viel Ruhe: Erwachsene Klippschliefer verbringen rund 95 Prozent ihrer Zeit mit Ruhen. Bei Kälte liegen sie in der Höhle übereinander, bei milderem Wetter kuscheln sie sich nebeneinander, bei Wärme ruht jedes Tier für sich.

Leben in der Kolonie: Klippschliefer sind sehr gesellig. Eine Kolonie umfasst meist 5 bis 60 Tiere, unter guten Bedingungen bis zu 80. Den Kern bildet ein Männchen, das ein Revier verteidigt und mit mehreren verwandten Weibchen und deren Jungen zusammenlebt. Weibchen bleiben meist ihr Leben lang in ihrer Gruppe. Junge Männchen müssen die Gruppe dagegen verlassen, meist im Alter von 17 bis 24 Monaten. Oft leben sie danach am Rand der Kolonie, bis sie ein eigenes Revier übernehmen können. Manchmal teilen sich Klippschliefer ihre Felsen mit Buschschliefern, einer verwandten Art.

Laute: Klippschliefer verständigen sich mit vielen Lauten. Erwachsene kennen rund 21 verschiedene Laute, darunter laute Revierrufe der Männchen und Warnrufe, wenn ein Feind auftaucht. Auf einen Warnruf hin verschwinden alle sofort in den Felsspalten.

Weiße Felsen: Klippschliefer setzen Kot und Urin immer an denselben Stellen ab. Der Urin enthält viel Kalk, der als weiße Kruste auf den Felsen zurückbleibt. Über lange Zeit entsteht an solchen Plätzen eine feste, klebrige Masse. Sie wurde in Afrika und in Europa früher als Heilmittel verwendet, unter anderem gegen Epilepsie.

Fortpflanzung und Nachwuchs

Paarungszeit: Klippschliefer pflanzen sich einmal im Jahr fort, und zwar so, dass die Jungen in der Regenzeit zur Welt kommen. In Kenia liegt die Paarungszeit zum Beispiel zwischen August und November. In dieser Zeit rufen die Männchen viel häufiger und sind angriffslustiger. Ihre Hoden werden dann mehr als 20-mal so groß wie sonst.

Lange Tragzeit: Die Tragzeit dauert 6 bis 8 Monate. Das ist für ein so kleines Säugetier ungewöhnlich lang. Forschende vermuten, dass die Vorfahren der Schliefer viel größer waren.

Die Jungen: Ein Weibchen bringt 1 bis 6 Junge zur Welt, im Schnitt 2 bis 3. Die Neugeborenen wiegen 170 bis 240 Gramm, sind voll behaart und haben die Augen schon offen. Bereits mit zwei Tagen können sie springen, nach drei bis vier Tagen knabbern sie erste Pflanzen. Gesäugt werden sie etwa drei Monate lang. Gern klettern die Kleinen auf den Rücken der Mutter.

Erwachsen werden: Mit etwa 16 Monaten sind Klippschliefer geschlechtsreif. Ihre volle Größe erreichen sie aber erst mit etwa drei Jahren.

Feinde und Gefährdung

Natürliche Feinde: Der wichtigste Feind des Klippschliefers ist der Leopard. Außerdem jagen ihn Schlangen wie Uräusschlangen und Puffottern, Greifvögel wie Kaffernadler und Kampfadler, Eulen, Schakale, Afrikanische Wildhunde sowie Katzen wie Serval, Karakal und Löwe. Neugeborene werden manchmal von Mangusten erbeutet.

Schutz vor Feinden: Klippschliefer entfernen sich beim Fressen kaum von ihren Verstecken und achten auf die Warnrufe ihrer Artgenossen und mancher Vögel. Ihre Felsspalten sind oft zu eng für größere Räuber. Manchmal stellen sie sich auch tot oder vertreiben kleinere Räuber gemeinsam.

Mensch: In vielen Gegenden werden Klippschliefer wegen ihres Fleisches gejagt. In Südafrika gelten sie teils als Schädlinge, weil sie an Obstbäumen fressen.

Gefährdungsstatus: Auf der Roten Liste der IUCN ist der Klippschliefer als nicht gefährdet (Least Concern) eingestuft (Butynski, Betjes & de Jong, 2026). Er kommt in vielen Schutzgebieten vor. Gefahren drohen ihm durch Jagd und durch die Veränderung seines Lebensraums, örtlich ist er bereits verschwunden.

Klippschliefer in der Bibel

Der Klippschliefer kommt auch in der Bibel vor, im hebräischen Text heißt er „šāfān“. In Psalm 104,18 heißt es, die Felsen seien seine Zuflucht. Nach 3. Mose 11,5 und 5. Mose 14,7 gilt er als unrein, weil er keine gespaltenen Hufe hat. In den Sprüchen 30,26 zählt er zu den vier kleinen Tieren auf der Erde. Im heutigen Israel lebt er zum Beispiel noch in der Nähe von En-Gedi.

Häufige Fragen zum Klippschliefer

Ist der Klippschliefer ein Nagetier?

Nein. Er sieht zwar aus wie ein großes Meerschweinchen, gehört aber zu einer eigenen Ordnung, den Schliefern. Seine nächsten lebenden Verwandten sind Elefanten und Seekühe.

Warum ist der Klippschliefer mit dem Elefanten verwandt?

Erbgutvergleiche zeigen, dass Schliefer, Elefanten, Seekühe und einige andere Säugetiere wie das Erdferkel von einem gemeinsamen Vorfahren in Afrika abstammen. Diese Gruppe heißt Afrotheria. Von außen sieht man den Tieren die Verwandtschaft kaum an.

Wie groß und schwer wird ein Klippschliefer?

Er wird etwa 30 bis 55 Zentimeter lang und 2 bis 5 Kilogramm schwer. Männchen sind etwas schwerer als Weibchen.

Was frisst ein Klippschliefer?

Vor allem Gras. Dazu kommen junge Triebe, Blätter, Knospen und Früchte, in Dürrezeiten auch Rinde und Flechten. Er frisst sehr schnell, oft weniger als eine Stunde am Tag.

Wie alt wird ein Klippschliefer?

Das Smithsonian's National Zoo gibt eine Lebenserwartung von 9 bis 12 Jahren an. In der Natur werden Klippschliefer nach bisherigen Hinweisen bis zu 12 Jahre alt.

Wo kann man Klippschliefer sehen?

In der Natur leben sie in felsigen Gegenden Afrikas und Vorderasiens, zum Beispiel in Israel. Auch Zoos halten Klippschliefer, etwa das Smithsonian's National Zoo in Washington.

Ähnliche Tiere

  • Afrikanischer Elefant - ein naher Verwandter aus der Gruppe der Afrotheria
  • Dugong - eine Seekuh und ebenfalls ein Verwandter der Schliefer
  • Erdferkel - gehört auch zu den Afrotheria, seine Baue nutzen Klippschliefer als Unterschlupf
  • Murmeltier - ein Nagetier, das ähnlich aussieht und sich ebenfalls gern sonnt
  • Meerschweinchen - ein Nagetier, mit dem der Klippschliefer oft verwechselt wird

Quellen

Größenvergleich

🪙1-Euro-Münze
2,3 cm
⚽Fußball
22 cm
🧒Kind
1,2 m
🧑Erwachsener
1,8 m
🏠Haus
10 m
▼Klippschliefer
30 bis 55 cm

Mit 30 bis 55 cm gehört der Klippschliefer zu den kleineren Tieren in unserem Lexikon. Ein Fußball (22 cm) ist dagegen kleiner, während ein Kind mit 1,2 m noch einiges an Größe drauflegt.

Gewichtsvergleich

🪙1-Euro-Münze
7,5 g
🍫Tafel Schokolade
100 g
⚽Fußball
430 g
🧒Kind
25 kg
🧑Erwachsener
75 kg
🚗Auto
1,5 t
🚌Schulbus
12 t
▼Klippschliefer
2 bis 5 kg

Ein Klippschliefer bringt 2 bis 5 kg auf die Waage. Das ist schwerer als ein Fußball (430 g), aber leichter als ein Kind (25 kg). Anders ausgedrückt: Der Klippschliefer wiegt so viel wie etwa 8 Fußbälle.