Koala
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Kurz erklärt
Der Koala ist kein Bär, sondern ein Beuteltier aus Australien. Er wird 60 bis 85 Zentimeter groß und wiegt 4 bis 15 Kilogramm. Koalas fressen fast nur Eukalyptusblätter, die wenig Energie liefern. Deshalb sitzen oder schlafen sie rund 20 Stunden am Tag. Das Junge wächst etwa sechs Monate lang im Beutel der Mutter heran.
Steckbrief
| Wissenschaftl. Name | Phascolarctos cinereus |
|---|---|
| Abstammung |
|
| Körpergröße | Kopf-Rumpf-Länge 60 bis 85 cm; der Schwanz ist nur ein kleiner Stummel, der im Fell verschwindet |
| Körpergewicht | 4 bis 15 kg; Männchen im Mittel etwa 11 kg, Weibchen etwa 8 kg; Koalas im Norden sind kleiner als im Süden |
| Ernährung | Pflanzenfresser: fast nur Blätter bestimmter Eukalyptusarten, selten Blüten, weiche Triebe und Rinde; etwa 600 bis 800 g Blätter am Tag |
| Lebenserwartung | In freier Natur im Mittel etwa 10 bis 12 Jahre, Weibchen leben etwas länger als Männchen |
| Sozialverhalten | Einzelgänger mit sich überlappenden Streifgebieten; das Junge bleibt bis zu 2 Jahre bei der Mutter |
| Herkunft | Australien |
| Verbreitung | Osten und Südosten Australiens, von Nord-Queensland bis in den Südosten von South Australia, in voneinander getrennten Vorkommen; auf mehreren Inseln angesiedelt Australien |
| Entdeckung | Erstbeschreibung 1817 durch Goldfuss (als Lipurus cinereus) |
| Gefährdung | VU Gefährdet (Rote Liste der IUCN, 2020) |
| Sonstiges | In Queensland, New South Wales und dem Australian Capital Territory gilt der Koala nach australischem Bundesrecht (EPBC Act) als stark gefährdet. |
Kein Bär, sondern ein Beuteltier
Wegen seines runden Kopfes, der flauschigen Ohren und des dicken Fells sieht der Koala aus wie ein Teddybär. Viele nennen ihn deshalb „Koalabär“. Mit Bären ist er aber nicht verwandt. Der Koala (Phascolarctos cinereus) ist ein Beuteltier: Seine Jungen kommen winzig und unfertig zur Welt und wachsen im Beutel der Mutter weiter.
Der Koala ist das einzige noch lebende Mitglied seiner Familie, der Koalas (Phascolarctidae). Sein nächster lebender Verwandter ist der Wombat. Beide gehören zur selben Ordnung wie das Känguru. Vor 40 bis 30 Millionen Jahren haben sich die Vorfahren von Koala und Wombat getrennt: Die Koalas wurden Baumbewohner, die Wombats blieben am Boden.
Woher kommt der Name? Das Wort „Koala“ stammt aus der Sprache der Dharug, eines Aborigine-Volkes aus der Gegend um Sydney. Dort hieß das Tier „gulawañ“, kurz „gula“. Oft liest man, „Koala“ bedeute „trinkt nicht“. Das stimmt laut San Diego Zoo nicht. Der wissenschaftliche Name bedeutet „aschgrauer Beutelbär“: Phascolarctos setzt sich aus den griechischen Wörtern für Beutel und Bär zusammen, cinereus ist Latein für aschfarben.
Aussehen und Körperbau
Größe und Gewicht: Ein Koala ist 60 bis 85 cm lang und wiegt 4 bis 15 kg. Männchen wiegen im Durchschnitt etwa 11 kg, Weibchen etwa 8 kg. Weibchen können bis zur Hälfte kleiner sein als Männchen. Außerdem hängt die Größe davon ab, wo ein Koala lebt: Tiere im Norden Australiens sind kleiner als im Süden. Einen richtigen Schwanz hat der Koala nicht, nur einen kleinen Stummel, der im Fell verschwindet.
Fell: Das Fell ist kurz, dicht und wollig. Oben ist es hellgrau, die Brust ist weiß, das Hinterteil weiß gesprenkelt. Die Ohren tragen einen weißen Haarsaum. Das dichte Fell polstert den Koala, wenn er auf Ästen sitzt, und schützt ihn vor Hitze, Kälte und Regen.
Hände und Füße: Die Hände sind perfekte Klettergeräte. An jeder Hand stehen zwei Finger den anderen drei gegenüber, ähnlich wie unser Daumen. So kann der Koala Äste fest umklammern. Alle Finger tragen lange, gebogene Krallen. Am Fuß steht die erste Zehe den anderen gegenüber. Die zweite und dritte Zehe sind zusammengewachsen und haben je eine eigene Kralle. Mit ihnen kämmt der Koala sein Fell.
Fingerabdrücke: Koalas haben Fingerabdrücke, die denen von Menschen erstaunlich ähnlich sehen. Wie bei uns hat jedes Tier sein eigenes Muster.
Nase, Ohren und Augen: Die große, schwarze, lederige Nase ist sehr wichtig, denn der Koala wählt seine Blätter nach dem Geruch aus. Auch das Gehör ist sehr gut. Die Pupillen sind senkrechte Schlitze, anders als bei anderen Beuteltieren.
Männchen und Weibchen: Männchen haben einen breiteren Kopf, eine leicht gebogene „Römernase“ und auf der Brust eine große Duftdrüse. Weibchen sind kleiner, haben ein spitzeres Kinn und größere Ohren. Ihr Beutel öffnet sich nach unten, ähnlich wie beim Wombat. Ein kräftiger Muskel am Beutelrand sorgt dafür, dass das Junge nicht herausfällt.
Verbreitung und Lebensraum
Koalas leben nur in Australien, und zwar im Osten und Südosten des Kontinents. Ihr Verbreitungsgebiet erstreckt sich über rund 2.000 km, von Cooktown im Norden von Queensland bis in den Südosten von South Australia. Es ist aber kein zusammenhängendes Gebiet, sondern besteht aus vielen einzelnen Vorkommen. In der Gegend um Sydney sind Koalas nicht mehr häufig. Seit den 1870er-Jahren hat man sie auf mindestens 20 Inseln angesiedelt, zum Beispiel auf Kangaroo Island.
Lebensraum: Koalas leben in Eukalyptuswäldern und halboffenen Waldlandschaften. Sie bevorzugen große Bäume, die auf fruchtbaren Böden wachsen. Solche Gegenden sind allerdings auch als Ackerland begehrt. Koalas kommen auch in Landschaften zurecht, die der Mensch verändert hat, etwa auf Farmen und am Rand von Siedlungen.
Ernährung
Koalas sind echte Spezialisten: Sie fressen fast nur Eukalyptusblätter. In Australien wachsen fast 900 Eukalyptusarten, aber Koalas fressen nur etwa 70 davon, und in jeder Gegend bevorzugen sie wenige bestimmte Arten. Selten knabbern sie auch weiche Triebe, Blüten und etwas Rinde.
Eine schwierige Nahrung: Eukalyptusblätter sind zäh, faserig und liefern wenig Energie. Außerdem enthalten sie Gerbstoffe und Öle, die für die meisten Tiere giftig sind. Der Koala kommt damit zurecht:
- Mit seinen kräftigen Kiefern und scharfkantigen Backenzähnen zerkleinert er die Blätter sehr fein.
- Sein Blinddarm ist bis zu 2,5 m lang, im Verhältnis zur Körpergröße der größte aller Säugetiere. Dort zersetzen Bakterien die Pflanzenfasern.
- Er schnuppert an den Blättern und wählt aus, welche er frisst.
Ein Koala frisst etwa 600 bis 800 g Blätter am Tag. Säugende Weibchen fressen 20 bis 25 Prozent mehr.
Trinken Koalas? Nur selten. Eukalyptusblätter enthalten viel Wasser, das reicht meistens aus. Der Koala spart außerdem Wasser, indem er sehr trockenen Kot absetzt.
Probleme im Alter: Mit etwa sechs Jahren werden die Zähne stumpfer. Alte Koalas müssen länger kauen und mehr fressen. Sind die Zähne stark abgenutzt, können sie verhungern.
Verhalten und Lebensweise
Viel Ruhe: Weil seine Nahrung so wenig Energie liefert, spart der Koala, wo er kann. Ein erwachsenes Tier verbringt etwa 19 bis 20 Stunden am Tag sitzend oder schlafend. Nur 1 bis 4 Stunden täglich frisst es, den Rest der wachen Zeit putzt es sich oder wechselt den Baum.
Tag oder Nacht? Koalas gelten oft als nachtaktiv. Eine Studie mit 59 Koalas mit Sendern auf St. Bees Island in Queensland zeigte aber, dass sie tagsüber fast genauso weit wandern wie nachts. Am meisten bewegen sie sich zwischen 17 Uhr und Mitternacht.
Hitze und Kälte: An heißen Tagen lässt ein Koala Arme und Beine links und rechts vom Ast herabhängen. Bei kaltem, nassem Wetter rollt er sich zusammen und zieht Arme und Beine an den Körper.
Am Boden: Koalas leben auf Bäumen. Um zu einem anderen Baum zu kommen, müssen sie aber oft auf den Boden. Dort laufen sie auf allen vieren und etwas unbeholfen. Manche Koalas legen zwischen Baumgruppen 10 km und mehr zurück. Koalas können auch schwimmen.
Allein, aber nicht einsam: Koalas sind Einzelgänger und verbringen die meiste Zeit allein. Trotzdem leben sie in einer Gemeinschaft: Ihre Streifgebiete überlappen sich, und in der erwähnten Studie teilte jeder Koala sein Gebiet mit mindestens sieben anderen. Einen Baum teilen sie dagegen selten. Ein Streifgebiet ist je nach Gegend 6 bis 300 Hektar groß.
Das Brüllen der Männchen: Koala-Männchen stoßen tiefe, laute Brülllaute aus, besonders zur Paarungszeit. Forschende fanden heraus, dass Koalas sie mit besonderen Stimmfalten am Gaumensegel erzeugen, nicht wie andere Säugetiere mit dem Kehlkopf. Weibchen wandern mehr umher, wenn viel gebrüllt wird, vermutlich suchen sie dann nach einem Partner. Männchen markieren außerdem Bäume mit ihrer Duftdrüse auf der Brust.
Fortpflanzung und Nachwuchs
Paarung: Die Paarungszeit liegt im australischen Frühling und Sommer. Die meisten Jungen kommen zwischen Dezember und März zur Welt. Ein Weibchen bekommt höchstens einmal im Jahr ein Junges, oft nur alle zwei Jahre.
Geburt: Nach einer Tragzeit von nur etwa 35 Tagen wird meist ein Junges geboren, sehr selten zwei. Das Neugeborene wiegt weniger als ein halbes Gramm und ist etwa 2 cm lang. Es ist blind und kaum entwickelt. Trotzdem krabbelt es mit seinen kräftigen Vorderbeinen allein durch das Fell der Mutter in den Beutel.
Im Beutel: Das Junge, auf Englisch „Joey“ genannt, bleibt etwa sechs Monate im Beutel und wächst. Danach schaut es immer öfter heraus und verlässt den Beutel mit sieben bis acht Monaten ganz.
Der besondere Brei: Wenn das Junge anfängt, Blätter zu fressen, bekommt es von der Mutter einen weichen Brei, den sie aus ihrem Blinddarm ausscheidet. Fachleute nennen ihn „Pap“. Er enthält die Bakterien, die das Junge braucht, um später Eukalyptus verdauen zu können.
Auf dem Rücken der Mutter: Nach der Zeit im Beutel reitet das Junge auf dem Rücken der Mutter und trinkt noch bis zum Alter von etwa einem Jahr Milch. Selbstständig wird es mit ein bis zwei Jahren, meist wenn die Mutter ihr nächstes Junges bekommt. Junge Weibchen bleiben oft in der Nähe, junge Männchen wandern weiter weg.
Geschlechtsreife: Weibchen werden mit 2 bis 3 Jahren geschlechtsreif. Männchen sind zwar schon mit 2 Jahren zeugungsfähig, kommen aber meist erst mit 4 oder 5 Jahren zum Zug.
Lebensdauer: In freier Natur werden Koalas im Durchschnitt etwa 10 bis 12 Jahre alt, Weibchen etwas älter als Männchen.
Feinde und Gefährdung
Natürliche Feinde: Erwachsene Koalas haben heute vor allem Dingos und Hunde als Feinde. Besonders gefährdet sind sie am Boden. Junge Koalas werden auch von Keilschwanzadlern, großen Eulen und Waranen erbeutet.
Früher: die Jagd nach dem Fell: Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts wurden Koalas massenhaft für ihr Fell getötet. Laut Aufzeichnungen des Pelzhandels waren es zwischen 1888 und 1927 mindestens 8 Millionen Tiere. In South Australia waren Koalas um 1920 ausgestorben und wurden später wieder angesiedelt.
Heute: Die größten Gefahren sind:
- Lebensraumverlust: Wälder werden für Siedlungen, Landwirtschaft, Straßen und Holz gerodet und zerschnitten.
- Autos und Hunde: Viele Koalas sterben im Straßenverkehr, vor allem Männchen in der Paarungszeit, wenn sie viel unterwegs sind.
- Krankheiten: Die Bakterienkrankheit Chlamydien kann Koalas unfruchtbar machen und töten. Manche Bestände sind stärker betroffen als andere.
- Klimawandel: Dürren und häufigere, heftigere Waldbrände zerstören Futterbäume und lassen Koalas verhungern oder verbrennen.
Wie viele Koalas gibt es? Schätzungen, auf die sich die IUCN stützt, gehen von etwa 330.000 Koalas aus. Die Zahlen schwanken aber stark: In Victoria sind Koalas häufig, in New South Wales dagegen vielerorts selten, und in Queensland ist ihr Verbreitungsgebiet deutlich geschrumpft.
Gefährdungsstatus: Auf der Roten Liste der IUCN gilt der Koala als gefährdet (Vulnerable) (Woinarski & Burbidge, 2020). Laut dieser Einstufung sind die Bestände in 18 bis 24 Jahren, also in drei Koala-Generationen, um etwa 28 Prozent geschrumpft. In Australien gilt der Koala seit 2022 in Queensland, New South Wales und im Hauptstadtterritorium (ACT) nach Bundesrecht als stark gefährdet.
Häufige Fragen zum Koala
Ist der Koala ein Bär?
Nein. Der Koala sieht zwar aus wie ein Teddybär, ist aber ein Beuteltier. Sein nächster lebender Verwandter ist der Wombat. Mit echten Bären ist er nicht verwandt, die Ähnlichkeit ist nur äußerlich.
Was frisst ein Koala?
Fast nur Eukalyptusblätter, etwa 600 bis 800 g am Tag. Von den fast 900 Eukalyptusarten Australiens frisst er nur etwa 70, und in jeder Gegend nur wenige Lieblingsarten. Selten kommen Blüten, weiche Triebe und etwas Rinde dazu.
Warum schläft der Koala so viel?
Eukalyptusblätter liefern sehr wenig Energie und sind schwer zu verdauen. Deshalb spart der Koala Kraft und sitzt oder schläft etwa 19 bis 20 Stunden am Tag. Nur wenige Stunden täglich frisst er.
Trinken Koalas Wasser?
Nur selten. Den größten Teil ihres Wassers bekommen Koalas über die feuchten Eukalyptusblätter. Dass der Name „Koala“ „trinkt nicht“ bedeutet, ist allerdings ein Irrtum.
Wie groß und schwer wird ein Koala?
Ein Koala wird 60 bis 85 cm lang und wiegt 4 bis 15 kg. Männchen sind im Durchschnitt mit etwa 11 kg deutlich schwerer als Weibchen mit etwa 8 kg. Koalas im Süden Australiens sind größer als im Norden.
Ist der Koala vom Aussterben bedroht?
Die IUCN stuft den Koala als gefährdet ein. In Queensland, New South Wales und im Hauptstadtterritorium gilt er in Australien seit 2022 sogar als stark gefährdet. Gefahren sind Rodungen, Autos, Hunde, Krankheiten sowie Dürren und Waldbrände.
Ähnliche Tiere
- Wombat - der nächste lebende Verwandte des Koalas
- Känguru - gehört zur selben Ordnung der Beuteltiere
- Kuskus - ein weiteres baumbewohnendes Beuteltier aus derselben Ordnung
- Faultier - lebt ähnlich langsam in Bäumen, ist aber kein Beuteltier
- Dingo - einer der wichtigsten Feinde des Koalas
- Schnabeltier - ein weiteres typisches Tier Australiens
Quellen
Größenvergleich
Mit 60 bis 85 cm gehört der Koala zu den mittelgroßen Tieren in unserem Lexikon. Ein Fußball (22 cm) ist dagegen deutlich kleiner, während ein Kind mit 1,2 m noch etwas an Größe drauflegt.
Gewichtsvergleich
Ein Koala bringt 4 bis 15 kg auf die Waage. Das ist schwerer als ein Fußball (430 g), aber leichter als ein Kind (25 kg). Anders ausgedrückt: Der Koala wiegt so viel wie etwa 22 Fußbälle.