Koboldmaki

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Koboldmaki mit riesigen gelben Augen klammert sich senkrecht an einen dünnen Ast
Lip Kee Yap / Wikimedia Commons / CC BY-SA 2.0

Kurz erklärt

Koboldmakis sind winzige, nachtaktive Primaten aus Südostasien. Sie wiegen nur 80 bis 150 Gramm, und jedes ihrer riesigen Augen wiegt fast so viel wie ihr ganzes Gehirn. Mit ihren extrem verlängerten Hinterbeinen springen sie bis zum 45-Fachen ihrer Körperlänge weit. Koboldmakis fressen als einzige Primaten ausschließlich Tiere.

Steckbrief

Wissenschaftl. NameTarsiidae
Abstammung
  • Klasse: Säugetiere
  • Überordnung: Euarchontoglires
  • Ordnung: Primaten
  • Unterordnung: Trockennasenprimaten (Haplorrhini)
  • Familie: Koboldmakis (Tarsiidae)
  • Gattung: Tarsius, Cephalopachus, Carlito
Körpergröße10 cm
Körpergewicht80 bis 150 g
ErnährungFleischfresser: Insekten, Spinnentiere, kleine Wirbeltiere
LebenserwartungBis zu 16 Jahre
SozialverhaltenMeist kleine Gruppen, nachts allein unterwegs
HerkunftSüdostasien
Verbreitung Sumatra, Borneo, Sulawesi und Nachbarinseln, Philippinen Asien
GefährdungVU Gefährdet (Rote Liste der IUCN)
SonstigesDie Familie hat keinen eigenen IUCN-Status, das Kürzel steht für die häufigste Einstufung der Arten. Von den 14 in der Roten Liste geführten Arten gelten 7 als gefährdet (VU), 4 als stark gefährdet (EN) und eine als vom Aussterben bedroht (CR). Größe und Gewicht sind Angaben für die ganze Familie: Kopf-Rumpf-Länge bis 10 cm, dazu ein 20 bis 25 cm langer Schwanz.

Aussehen und Körperbau

Koboldmakis sind unter den Primaten echte Winzlinge. Ein erwachsenes Tier wiegt 80 bis 150 Gramm, also etwa so viel wie ein Apfel. Die Kopf-Rumpf-Länge beträgt nach Angaben des Animal Diversity Web bis zu 10 Zentimeter. Dazu kommt ein dünner, 20 bis 25 Zentimeter langer Schwanz, der fast nackt ist und nur an der Spitze ein Haarbüschel trägt. Auf der Unterseite des Schwanzes sitzen Hautleisten, mit denen sich das Tier an senkrechten Stämmen abstützt.

Das Fell ist samtig weich und je nach Art graubraun, dunkelbraun oder sandfarben, die Unterseite ist heller. Die Färbung erinnert an trockenes Laub und Baumrinde. Arten aus höheren Lagen haben manchmal gekräuseltes Fell.

Die Augen sind das auffälligste Merkmal. Sie sind so groß, dass ein einzelnes Auge fast so viel wiegt wie das gesamte Gehirn des Tieres. Die Augenhöhlen im Schädel sind riesig, nach vorn gerichtet und nur durch eine hauchdünne Knochenwand voneinander getrennt. Bewegen können Koboldmakis ihre Augen kaum. Dafür drehen sie den Kopf um mehr als 180 Grad, ähnlich wie eine Eule.

Der Körperbau ist ganz auf das Springen ausgelegt. Die Vorderbeine sind kurz, die Hinterbeine im Verhältnis zur Körperlänge länger als bei jedem anderen Säugetier. Verlängert sind dabei nicht die Mittelfußknochen, sondern zwei Fußwurzelknochen, das Fersenbein und das Kahnbein. Diesem Bauplan verdankt die Familie ihren wissenschaftlichen Namen: Die Fußwurzel heißt auf Latein Tarsus. Weil die Hand dadurch beweglich bleibt, können Koboldmakis trotz der langen Beine sehr genau zugreifen. Die Finger und Zehen sind auffällig lang und enden in weichen, runden Haftballen. Alle Finger und Zehen tragen flache Nägel, nur die zweite und dritte Zehe des Hinterfußes hat krallenartige Nägel, mit denen sich die Tiere das Fell putzen.

Der Hals wirkt fast nicht vorhanden, die Schnauze ist kurz, die Ohren sind nackt, mittelgroß bis groß und sehr beweglich. Männchen und Weibchen sehen gleich aus, Männchen sind höchstens etwas größer.

Verbreitung und Lebensraum

Koboldmakis leben ausschließlich auf den Inseln Südostasiens: auf Sumatra, Borneo, Sulawesi mit seinen Nachbarinseln und auf einigen Inseln der Philippinen. Heute werden drei Gattungen unterschieden. Cephalopachus lebt auf Borneo, Sumatra und benachbarten Inseln, Carlito auf den Philippinen und Tarsius auf Sulawesi und den umliegenden Inselgruppen. Ältere Bücher stellen noch alle Arten in die Gattung Tarsius.

Ihr Lebensraum sind tropische Wälder mit dichtem, senkrechtem Bewuchs. Genau darauf kommt es an: Koboldmakis brauchen viele aufrechte Stämme und Stangen, zwischen denen sie springen können. Sie kommen auch in Sekundärwald, Mangroven oder Buschland zurecht, solange genug senkrechte Ansitze vorhanden sind. Auf den Boden springen sie nur kurz, sie halten sich dort nie lange auf.

Den größten Teil ihrer Zeit auf Nahrungssuche verbringen sie unterhalb von einem Meter Höhe. Zum Schlafen ziehen sie sich tagsüber in Baumhöhlen, Lianengewirr oder dichtes Geäst zurück, meist in zwei bis fünf Metern Höhe.

Ernährung

Koboldmakis sind die einzigen Primaten, die sich rein von tierischer Nahrung ernähren. Pflanzenteile stehen nicht auf dem Speiseplan. Hauptnahrung sind Gliederfüßer: Nachtfalter und Schmetterlinge, Heuschrecken, Käfer und Ameisen, dazu Spinnen. Größere Arten erbeuten auch kleine Wirbeltiere wie Vögel, Eidechsen und sogar Schlangen. Beutetiere bis zur eigenen Körpergröße sind möglich.

Die Jagd läuft nach Gehör und Sicht ab. Der Koboldmaki sitzt senkrecht an einem Stamm, dreht den Kopf, ortet ein Geräusch und schnappt sich die Beute im Sprung. Bei einer auf Sulawesi lebenden Art wurde gemessen, dass rund 60 Prozent der Beute von Ästen oder Blättern gepflückt und etwa 25 Prozent in der Luft gefangen werden. Nur ungefähr 5 Prozent der Beute stammt vom Boden.

Verhalten und Lebensweise

Alle Arten sind nacht- oder dämmerungsaktiv. Die meisten leben in kleinen Gruppen, oft aus einem dominanten Männchen, mehreren Weibchen und deren Jungtieren. Der Borneo-Koboldmaki lebt eher für sich. Typisch ist: Nachts ist jedes Tier meist allein unterwegs, tagsüber schlafen mehrere Tiere gemeinsam an einem festen Platz.

Reviere werden mit Duftmarken und Rufen verteidigt. Die Tiere setzen Urin ab und reiben Drüsensekrete an Ästen; Drüsen sitzen an den Lippen, an der Brust und in der Genitalregion. Viele Arten rufen bei Sonnenauf- und -untergang, oft im Duett oder im Chor der ganzen Gruppe.

Springen ist ihre Spezialdisziplin. Die Oberschenkelmuskeln können rund 12 Prozent der gesamten Körpermasse ausmachen. Damit schaffen Koboldmakis Sprünge bis zum 45-Fachen ihrer Körperlänge. Besonders eindrucksvoll ist der Rückwärtssprung: Sie stoßen sich nach hinten ab, drehen sich in der Luft und landen wieder mit den Füßen am nächsten Stamm. Auf dem Boden hüpfen sie auf den Hinterbeinen oder laufen auf allen vieren.

Fortpflanzung und Nachwuchs

Die meisten Arten pflanzen sich saisonal fort, der Höhepunkt der Geburten liegt am Ende der Regenzeit, meist zwischen Februar und Juli. Nach einer Tragzeit von rund sechs Monaten kommt ein einzelnes Junges zur Welt.

Bemerkenswert ist das Geburtsgewicht: Ein Jungtier wiegt 25 bis 30 Prozent so viel wie seine Mutter. Das ist der höchste Wert unter allen Säugetieren. Die Jungen kommen weit entwickelt zur Welt, sie können schon am ersten Tag klettern und sich festklammern. Bei manchen Arten kümmern sich neben der Mutter auch das dominante Männchen und weitere Weibchen der Gruppe um den Nachwuchs. Nach dem Absetzen bleiben die Jungen oft noch eine Zeit lang bei den Eltern.

Koboldmakis können bis zu 16 Jahre alt werden. Wie alt sie in freier Natur werden, ist für die meisten Arten nicht bekannt.

Feinde und Gefährdung

Zu den Feinden gehören alle nachtaktiven Jäger des Regenwaldes. Beobachtet wurde, dass Schlangen und ein Plumplori Koboldmakis erbeuteten. Schutz bietet ihnen vor allem die Lebensweise: Sie sind nachts unterwegs, hören und sehen hervorragend und klammern sich an senkrechte Stämme, an die viele Räuber schlecht herankommen.

Die Familie als Ganzes hat keinen IUCN-Status, denn die Rote Liste bewertet einzelne Arten. Von den 14 dort geführten Koboldmaki-Arten gelten 7 als gefährdet (VU), 4 als stark gefährdet (EN) und eine, der Siau-Koboldmaki (Tarsius tumpara), als vom Aussterben bedroht (CR). Der Philippinen-Koboldmaki ist als potenziell gefährdet (NT) eingestuft, für eine Art reichen die Daten nicht aus (DD).

Das größte Problem ist der Verlust des Waldes. Hinzu kommen der Einsatz von Insektengiften, der die Beutetiere verschwinden lässt, und der Fang für den Tierhandel. Auch der Tourismus setzt den Tieren zu, wenn sie tagsüber an ihren Schlafplätzen gestört werden.

Besonderheiten

Der Philippinen-Koboldmaki hält einen Rekord unter den Primaten: Er hört und ruft im reinen Ultraschall. Eine Studie aus dem Jahr 2012 wies nach, dass seine obere Hörgrenze bei etwa 91 Kilohertz liegt. Aufgenommen wurde außerdem ein Ruf mit einer Hauptfrequenz von 70 Kilohertz. Menschen hören höchstens bis etwa 20 Kilohertz. Dieser private Funkkanal hilft den Tieren vermutlich, sich zu verständigen, ohne dass Feinde oder Beutetiere etwas mitbekommen.

Auffällig sind auch die Parallelen zu Eulen: großer runder Kopf, riesige nach vorn gerichtete Augen, drehbarer Hals, nächtliche Jagd auf Insekten. Über 30 solcher Übereinstimmungen wurden beschrieben, obwohl Eulen und Koboldmakis nicht näher miteinander verwandt sind.

Und noch etwas: Koboldmakis sind ein uralter Zweig der Primaten. Das älteste bekannte Fossil eines koboldmakiartigen Primaten ist rund 50 Millionen Jahre alt und stammt aus China.

Häufige Fragen zum Koboldmaki

Wie groß ist ein Koboldmaki?

Sehr klein: Die Kopf-Rumpf-Länge liegt bei bis zu 10 Zentimetern, dazu kommt ein 20 bis 25 Zentimeter langer Schwanz. Ein erwachsenes Tier wiegt nur 80 bis 150 Gramm.

Warum hat der Koboldmaki so große Augen?

Weil er nachts jagt. Große Augen sammeln mehr Licht, und beim Koboldmaki ist diese Anpassung extrem weit getrieben: Jedes einzelne Auge wiegt fast so viel wie sein ganzes Gehirn. Die Augen sitzen in riesigen, nach vorn gerichteten Augenhöhlen und lassen sich kaum bewegen. Deshalb dreht das Tier stattdessen den Kopf um mehr als 180 Grad.

Was frisst ein Koboldmaki?

Ausschließlich Tiere. Auf dem Speiseplan stehen Nachtfalter, Heuschrecken, Käfer, Ameisen und Spinnen, größere Arten fangen auch Vögel, Eidechsen und Schlangen. Damit sind Koboldmakis die einzigen Primaten, die überhaupt keine Pflanzen fressen.

Wie weit kann ein Koboldmaki springen?

Bis zum 45-Fachen seiner Körperlänge. Möglich machen das die extrem verlängerten Hinterbeine und Oberschenkelmuskeln, die bis zu 12 Prozent der Körpermasse ausmachen können. Sogar rückwärts springen die Tiere, drehen sich dabei in der Luft und landen mit den Füßen voran.

Ist der Koboldmaki ein Affe?

Nein. Koboldmakis gehören zu den Primaten und innerhalb dieser Ordnung zu den Trockennasenprimaten, so wie die Affen auch. Sie bilden dort aber eine eigene Familie und sind keine Affen im engeren Sinn.

Sind Koboldmakis gefährdet?

Die meisten Arten ja. Von den 14 in der Roten Liste der IUCN geführten Arten gelten 7 als gefährdet, 4 als stark gefährdet und eine als vom Aussterben bedroht. Hauptgrund ist die Zerstörung ihres Waldlebensraums.

Ähnliche Tiere

  • Lemur - nachtaktive und tagaktive Verwandte aus Madagaskar
  • Grauer Mausmaki - einer der kleinsten Primaten der Welt
  • Plumploris - nachtaktive Primaten Südostasiens, Fressfeind der Koboldmakis
  • Fingertier - nachtaktiver Primat mit ähnlich ungewöhnlichem Körperbau
  • Flughörnchen - nachtaktiver Kletterer aus denselben Wäldern
  • Säugetiere - alle Säugetiere im Lexikon
  • Tiere mit K - weitere Tiere, die mit K beginnen

Quellen

Größenvergleich

🪙1-Euro-Münze
2,3 cm
⚽Fußball
22 cm
🧒Kind
1,2 m
🧑Erwachsener
1,8 m
🏠Haus
10 m
▼Koboldmaki
10 cm

Ein Koboldmaki erreicht eine Körpergröße von 10 cm. Damit passt er bequem zwischen eine 1-Euro-Münze (2,3 cm) und einen Fußball (22 cm) auf unserer Vergleichsskala. Das bedeutet: Der Koboldmaki ist etwa 4-mal so groß wie eine 1-Euro-Münze.

Gewichtsvergleich

🪙1-Euro-Münze
7,5 g
🍫Tafel Schokolade
100 g
⚽Fußball
430 g
🧒Kind
25 kg
🧑Erwachsener
75 kg
🚗Auto
1,5 t
🚌Schulbus
12 t
▼Koboldmaki
80 bis 150 g

Ein Koboldmaki bringt 80 bis 150 g auf die Waage. Das ist schwerer als eine 1-Euro-Münze (7,5 g), aber leichter als ein Fußball (430 g). Anders ausgedrückt: Der Koboldmaki wiegt so viel wie etwa 15 1-Euro-Münzen.