Kohlmeise
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Kurz erklärt
Die Kohlmeise ist die größte Meise Europas und einer der häufigsten Vögel in unseren Gärten. Man erkennt sie am glänzend schwarzen Kopf mit weißen Wangen, an der gelben Brust und am schwarzen Streifen auf dem Bauch. Sie brütet in Baumhöhlen und gern in Nistkästen. Im Sommer frisst sie vor allem Insekten und Raupen, im Winter Samen, oft auch am Futterhaus.
Steckbrief
| Wissenschaftl. Name | Parus major |
|---|---|
| Abstammung |
|
| Körpergröße | Körperlänge 13,5 bis 15 cm, Flügelspannweite 21 bis 23 cm |
| Körpergewicht | Meist etwa 16,6 bis 20,8 g, im Schnitt 18,6 g; Männchen etwas schwerer als Weibchen (Messungen an lebenden Vögeln in Großbritannien) |
| Ernährung | Im Sommer vor allem Insekten und ihre Larven, Raupen, Blattläuse und Spinnen; nach der Brutzeit und im Winter vor allem Samen und Nüsse, gern auch Fettfutter |
| Lebenserwartung | Vögel, die das Brutalter erreichen, leben typischerweise etwa 3 Jahre; ältester beringter Vogel in Großbritannien 10 Jahre und 5 Monate (BTO) |
| Sozialverhalten | Zur Brutzeit paarweise im Revier; im Winter oft in gemischten Trupps mit anderen Meisen, in denen sie meist dominiert |
| Herkunft | Europa, Nordafrika und Asien |
| Verbreitung | West- und Mitteleurasien und Nordafrika: ganz Europa, Kleinasien, Kaukasus, Naher Osten, Zentralasien, Sibirien bis zur Mongolei AfrikaAsienEuropa |
| Entdeckung | Erstbeschreibung 1758 durch Carl von Linné |
| Gefährdung | LC Nicht gefährdet (Rote Liste der IUCN, 2024) |
| Sonstiges | In Deutschland brüten laut NABU 6 bis 7,45 Millionen Paare; der Bestand gilt als stabil und nicht gefährdet. Standvogel, ein Teil der Jungvögel zieht im Herbst nach Süden. |
Die größte Meise Europas
Die Kohlmeise (Parus major) ist die größte Meisenart Europas und einer der häufigsten Gäste in unseren Gärten. Neben der Blaumeise, die ebenfalls oft im Garten zu sehen ist, wirkt sie deutlich größer und etwas plump. Kohlmeisen sind wenig scheu. Im Winter kommen sie regelmäßig ans Futterhaus, im Frühjahr ziehen sie gern in Nistkästen ein.
Aussehen und Körperbau
Mit ihrer Zeichnung ist die Kohlmeise kaum zu verwechseln:
- Kopf: glänzend schwarz, mit großen weißen Wangenflecken
- Unterseite: leuchtend gelb, in der Mitte durch einen schwarzen Längsstreifen geteilt
- Rücken: moosgrün
- Flügel: blaugrau mit einer schmalen weißen Binde
Größe und Gewicht:
- Körperlänge: 13,5 bis 15 Zentimeter
- Flügelspannweite: 21 bis 23 Zentimeter
- Gewicht: meist etwa 16,6 bis 20,8 Gramm, im Schnitt 18,6 Gramm
Männchen und Weibchen unterscheiden
Männchen und Weibchen sehen sich ähnlich, aber es gibt Unterschiede. Das Männchen ist an der Unterseite sattgelb, das Weibchen etwas blasser. Der schwarze Bauchstreifen ist beim Männchen breiter und tiefer schwarz als beim Weibchen. Männchen sind im Schnitt auch etwas schwerer.
Der Streifen verrät sogar etwas über den Rang eines Vogels: Kohlmeisen mit besonders breitem Streifen haben einen höheren sozialen Status. Die Weibchen bevorzugen Männchen mit besonders prächtiger Zeichnung.
Verwechslung mit Blaumeise und Tannenmeise
- Die Blaumeise ist deutlich kleiner, hat eine blaue Kopfkappe und ein weißes Gesicht mit einem schmalen Streifen durchs Auge.
- Die Tannenmeise hat ebenfalls einen schwarzen Kopf mit weißen Wangen. Ihre Unterseite ist aber graubeige, und im Nacken trägt sie einen auffälligen weißen Fleck.
Verbreitung und Lebensraum
Die Kohlmeise lebt in weiten Teilen Europas, Nordafrikas und Asiens. Ihr Verbreitungsgebiet reicht von den Britischen Inseln und der Iberischen Halbinsel über ganz Europa, Kleinasien und den Kaukasus bis nach Sibirien und in die Mongolei. Auch im Nordwesten Afrikas und im Nahen Osten bis Nordostägypten kommt sie vor. Fachleute unterscheiden viele Unterarten. Eigene Formen leben zum Beispiel auf den Britischen Inseln, den Balearen, Sardinien und Kreta sowie in Nordwestafrika. Kohlmeisen aus Zentralasien wurden früher als eigene Art (Parus bokharensis) geführt, nach neueren Untersuchungen gehören sie aber zur Kohlmeise. In Großbritannien und Irland kommt die Kohlmeise in rund 90 Prozent aller Kartierquadrate von 10 mal 10 Kilometern vor, größere Lücken gibt es nur in baumlosen Moorgebieten im Norden Schottlands.
Kohlmeisen brüten fast überall, wo es Bäume gibt: in Laub- und Mischwäldern, in Parks und Gärten, in Siedlungen und in Gehölzen in der offenen Landschaft.
In Deutschland ist die Kohlmeise ein Standvogel, man sieht sie also das ganze Jahr. Ein Teil der Jungvögel wandert im Herbst nach Süden. Fachleute nennen sie deshalb einen Teilzieher.
Ernährung
Was eine Kohlmeise frisst, hängt von der Jahreszeit ab:
- Im Frühjahr und Sommer: vor allem Insekten und ihre Larven, Schmetterlingsraupen, Blattläuse und Spinnen. Ihre Beute sucht sie meist in den Bäumen.
- Für die Jungen: Raupen sind die wichtigste Nahrung für die Nestlinge.
- Nach der Brutzeit und im Winter: überwiegend Samen und Nüsse. Dann sucht sie ihr Futter oft auch am Boden oder dicht darüber.
Am Futterhaus frisst die Kohlmeise gern fettreiche Samen, Nüsse und festes Fettfutter wie Meisenknödel oder Fettblöcke.
Gesang und Rufe
Der Gesang des Männchens ist sehr vielfältig. Meist besteht er aus kurzen Motiven mit ein bis vier Silben, die mehrmals hintereinander wiederholt werden. Typisch sind Strophen wie:
- „zi-zi-bäh“
- „züi-ti-züi-ti“
- „zi-zi-dä“
Charakteristisch ist der Wechsel zwischen kräftigen, volltönenden und dünnen, spitzen Tönen. Unter den vielen Rufen fallen die „pink“-Rufe auf, die an den Buchfink erinnern. Ein anderer Ruf klingt wie „zi tuhi“.
Verhalten und Lebensweise
Kohlmeisen gelten als intelligent und neugierig. Sie können viel von Artgenossen lernen. Zur Brutzeit verteidigen sie ein eigenes Revier.
Im Winter schließen sie sich oft gemischten Trupps mit anderen Meisenarten an. Darin ist die Kohlmeise den anderen Meisen gegenüber dominant. In dieser Jahreszeit übernachten sie auch in Nistkästen.
Fortpflanzung und Nachwuchs
Kohlmeisen sind Höhlenbrüter. Natürlich brüten sie in Baumhöhlen oder Felsspalten. In Siedlungen nutzen sie allerlei andere Hohlräume, sogar Briefkästen, und nehmen sehr gern Nistkästen an. Das Nest wird mit weichem Material wie Moos und Tierhaaren ausgepolstert.
- Legebeginn: In Großbritannien legen Kohlmeisen ihre ersten Eier im Schnitt um den 26. April, je nach Jahr und Ort zwischen dem 10. April und dem 17. Mai.
- Bruten: meist eine, manchmal zwei Bruten im Jahr
- Gelegegröße: meist 6 bis 12 Eier, typisch sind 7 bis 9. In Großbritannien wurden Gelege mit 2 bis 16 Eiern gefunden.
- Eier: etwa 18 mal 14 Millimeter groß und 1,7 Gramm schwer
- Brutdauer: 13 bis 14 Tage, es brütet nur das Weibchen
- Nestlingszeit: etwa 18 bis 21 Tage
Die Jungen sind Nesthocker: Sie schlüpfen hilflos und nur mit etwas Flaum. Ihre wichtigste Nahrung sind Raupen. Kohlmeisen brüten meist im Alter von einem Jahr zum ersten Mal.
In Großbritannien legen Kohlmeisen ihre Eier heute im Schnitt neun Tage früher als 1968. Das passt zum Klimawandel: Der frühere Brutbeginn hängt damit zusammen, dass die Wälder im Frühjahr früher grün werden.
Ein Nistkasten für die Kohlmeise
Natürliche Baumhöhlen werden in vielen Gegenden seltener. Mit einem Nistkasten kann man Kohlmeisen gut helfen. Entscheidend ist die Größe des Einfluglochs:
| Vogelart | Durchmesser des Einfluglochs |
|---|---|
| Blaumeise, Tannenmeise und andere kleine Meisen | 26 bis 28 mm |
| Kohlmeise | 32 mm |
| Feldsperling | 32 mm |
| Haussperling, Trauerschnäpper | 32 bis 34 mm |
Bei 32 Millimetern können neben Kohlmeisen auch Feldsperlinge einziehen. Wenn im September die letzten Jungvögel ausgeflogen sind, entfernt man das alte Nest. So werden Vogelflöhe, Milben und Zecken die Brut im nächsten Jahr nicht übermäßig befallen.
Lebenserwartung, Gefährdung und Bestand
Das Leben einer Kohlmeise ist meist kurz. In Großbritannien überleben nur etwa 38 Prozent der Jungvögel ihr erstes Jahr, bei den Altvögeln sind es rund 54 Prozent pro Jahr. Vögel, die das Brutalter erreichen, werden typischerweise etwa 3 Jahre alt. Der älteste in Großbritannien beringte Vogel wurde 10 Jahre und 5 Monate alt.
Die Weltnaturschutzunion IUCN stuft die Kohlmeise weltweit als nicht gefährdet ein (Least Concern, Einstufung von 2024). Auch in Deutschland ist sie nicht gefährdet. Laut NABU brüten hier 6 bis 7,45 Millionen Paare, der Bestand gilt als stabil. In Großbritannien hat die Zahl der Kohlmeisen seit den 1960er-Jahren deutlich zugenommen. Futterhäuser im Winter und Nistkästen kommen ihr dort zugute.
Ein Problem ist eine Form der Vogelpocken, die in Großbritannien seit 2006 bei Kohlmeisen auftritt und häufiger wird. Futterstellen können die Ausbreitung begünstigen. Wer Vögel füttert, sollte deshalb auf Sauberkeit achten.
Häufige Fragen zur Kohlmeise
Wie erkennt man eine Kohlmeise?
Am glänzend schwarzen Kopf mit weißen Wangen, an der gelben Unterseite und am schwarzen Längsstreifen auf Brust und Bauch. Der Rücken ist moosgrün, die Flügel sind blaugrau mit einer weißen Binde.
Wie unterscheidet man Männchen und Weibchen?
Beim Männchen ist der schwarze Bauchstreifen breiter und kräftiger schwarz, die Unterseite ist sattgelb. Das Weibchen hat einen schmaleren Streifen und ist etwas blasser gefärbt.
Wie viele Eier legt eine Kohlmeise?
Meist 6 bis 12 Eier, am häufigsten 7 bis 9. Das Weibchen brütet sie 13 bis 14 Tage lang aus, danach bleiben die Jungen noch etwa 18 bis 21 Tage im Nest.
Wie groß muss das Einflugloch für Kohlmeisen sein?
Für Kohlmeisen empfiehlt der NABU ein Einflugloch mit 32 Millimetern Durchmesser. Bei 26 bis 28 Millimetern kommen nur kleinere Meisen wie die Blaumeise hinein.
Wie singt die Kohlmeise?
Typisch ist ein mehrfach wiederholtes „zi-zi-bäh“. Die Kohlmeise kennt aber viele verschiedene Strophen, etwa „züi-ti-züi-ti“ oder „zi-zi-dä“.
Bleibt die Kohlmeise im Winter in Deutschland?
Ja. Kohlmeisen sind bei uns Standvögel und das ganze Jahr zu sehen. Nur ein Teil der Jungvögel zieht im Herbst ein Stück nach Süden.
Ähnliche Tiere
- Blaumeise - die kleinere Verwandte mit blauer Kappe
- Buchfink - ein häufiger Gartenvogel mit ähnlichem „pink“-Ruf
- Rotkehlchen - ebenfalls ganzjährig im Garten zu sehen
- Amsel - einer der häufigsten Brutvögel Deutschlands
- Spatz - brütet wie die Kohlmeise gern in Nistkästen
Quellen
- Kohlmeise - Vogelporträt des NABU
- Bauanleitung Höhlenbrüter-Nistkasten - NABU
- Kohlmeise - Artenporträt von BirdLife Österreich
- Great Tit - BirdFacts des British Trust for Ornithology (BTO)
- IOC World Bird List, Version 15.2 - International Ornithological Committee
- BirdLife International (2024): Parus major. The IUCN Red List of Threatened Species
Größenvergleich
Stell dir vor, du stellst eine 1-Euro-Münze (2,3 cm) neben eine Kohlmeise: Die Kohlmeise ist um einiges größer. Neben einem Fußball (22 cm) wirkt sie mit ihren 13,5 bis 15 cm aber wiederum etwas kleiner. Genauer gesagt ist die Kohlmeise etwa 6-mal so groß wie eine 1-Euro-Münze.
Gewichtsvergleich
Würde man die Kohlmeise auf eine Waage stellen, zeigte sie 16 bis 21 g an. Eine 1-Euro-Münze (7,5 g) wäre da deutlich leichter. Eine Tafel Schokolade hingegen bringt 100 g auf die Waage - um ein Vielfaches mehr als die Kohlmeise.