Kojote
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Kurz erklärt
Der Kojote ist ein Wildhund aus Nordamerika, kleiner und schlanker als ein Wolf und größer als ein Fuchs. Er frisst fast alles, von Mäusen und Kaninchen bis zu Früchten. Seit etwa 1900 hat er sich von den trockenen Gebieten im Westen über fast ganz Nordamerika bis nach Panama ausgebreitet. Heute lebt er sogar mitten in Großstädten wie Chicago.
Steckbrief
| Wissenschaftl. Name | Canis latrans |
|---|---|
| Abstammung |
|
| Körpergröße | Länge 75 bis 100 cm, dazu ein buschiger Schwanz, der etwa halb so lang ist wie der Körper; Männchen größer als Weibchen |
| Körpergewicht | 7 bis 21 kg |
| Ernährung | Allesfresser mit Schwerpunkt Fleisch: vor allem kleine Säugetiere wie Mäuse, Kaninchen und Erdhörnchen, dazu Aas, Vögel, Schlangen, Insekten sowie Früchte und Blätter |
| Lebenserwartung | In freier Natur höchstens etwa 10 Jahre, in Menschenobhut bis 18 Jahre |
| Sozialverhalten | Paare, die oft mehrere Jahre zusammenbleiben, und Familiengruppen; bildet seltener Rudel als der Wolf |
| Herkunft | Westliches Nordamerika |
| Verbreitung | Von Alaska und Kanada über die USA und Mexiko bis nach Panama; ursprünglich vor allem im trockenen Westen Nordamerikas und in Mexiko Nordamerika |
| Entdeckung | Wissenschaftlich beschrieben 1823 von dem Naturforscher Say |
| Gefährdung | LC Nicht gefährdet (Rote Liste der IUCN, 2018) |
Ein Wildhund auf Erfolgskurs
Der Kojote (Canis latrans) ist ein Wildhund aus Nordamerika. Er gehört zur selben Gattung Canis wie der Wolf und der Rotwolf. Während viele andere Säugetiere seit 1900 seltener geworden sind, hat der Kojote sein Verbreitungsgebiet stark vergrößert. Heute lebt er von Alaska bis Panama und sogar mitten in Großstädten.
Kojoten zählen zu den vorherrschenden Raubtieren an Land in Nordamerika. Sie gelten als außergewöhnlich anpassungsfähig: Sie fressen fast alles und kommen in Wüsten genauso zurecht wie in Wäldern, auf Feldern und in Vorstädten.
Aussehen und Körperbau
Ein Kojote ist deutlich kleiner als ein Grauwolf, aber viel größer als ein Fuchs.
- Größe: Der Körper ist 75 bis 100 Zentimeter lang. Dazu kommt der Schwanz, der etwa halb so lang ist wie der Körper.
- Gewicht: Kojoten wiegen 7 bis 21 Kilogramm. Männchen sind größer als Weibchen.
- Fell: Oben ist es graubraun bis gelblich grau, Kehle und Bauch sind weißlich. Beine, Kopfseiten, Schnauze und Pfoten sind rötlich braun. Lange Deckhaare mit schwarzen Spitzen bilden einen dunklen Streifen auf dem Rücken und ein dunkles Kreuz über den Schultern.
- Kopf: Die Schnauze ist lang und schmal, die Ohren sind im Verhältnis zum Kopf groß und stehen aufrecht. Die Augen haben eine gelbe Iris.
- Schwanz: Er ist buschig, hat eine schwarze Spitze und erinnert in der Form an eine Flasche.
Von einem Haushund unterscheidet man den Kojoten an den spitzen, aufrechten Ohren und am hängenden Schwanz, den er beim Laufen unterhalb der Rückenlinie trägt. Einmal im Jahr wechselt er sein Fell, von Mai bis Juli.
Verbreitung: von der Prärie bis nach Panama
Lange hieß es, der Kojote habe ursprünglich nur in den Great Plains gelebt, den Grasländern in der Mitte Nordamerikas. Eine Auswertung von Fossilien, Museumsstücken und Fundberichten durch James Hody und Roland Kays zeichnete 2018 ein genaueres Bild: Kojoten lebten schon seit Tausenden von Jahren im trockenen Westen Nordamerikas und in Kalifornien, lange bevor Europäer kamen. Ihr Gebiet deckte sich mit den offenen, waldfreien Landschaften.
Um 1900 begann die große Ausbreitung. Kojoten zogen
- nach Norden in die Nadelwälder der Taiga bis nach Alaska,
- nach Osten in die Laubwälder bis an die Atlantikküste,
- nach Westen in die Regenwälder an der Pazifikküste und
- nach Süden in die tropischen Regenwälder Mittelamerikas bis nach Panama.
Seit den 1950er-Jahren hat sich das Verbreitungsgebiet um geschätzt 40 Prozent vergrößert. Das ist mindestens doppelt so viel wie bei jedem anderen Raubtier Nordamerikas im selben Zeitraum. Inzwischen erreichen Kojoten sogar Inseln wie Long Island bei New York und die Florida Keys.
Warum konnte sich der Kojote so ausbreiten? Die Forschenden vermuten zwei Hauptgründe:
- Wälder wurden gerodet und in Felder verwandelt. Dadurch entstanden offene Landschaften, wie Kojoten sie mögen.
- Größere Raubtiere verschwanden. Im Osten Nordamerikas wurden Wölfe und Pumas fast überall ausgerottet, in Mittelamerika gingen Pumas und Jaguare zurück. Damit fehlten Konkurrenten und Feinde.
In Panama breiten sich Kojoten vor allem dort aus, wo Wald gerodet wurde. Als letzte große Barriere vor Südamerika gelten die dichten Wälder des Darién. Ob Kojoten eines Tages nach Südamerika gelangen, ist offen.
Kojoten in der Großstadt
Kojoten leben heute auch in Städten. Am besten erforscht ist das in Chicago. Dort untersuchen der Wildtierforscher Stanley Gehrt und sein Team im Cook County Coyote Project seit dem Jahr 2000 die Stadtkojoten. In der Region leben mehr als neun Millionen Menschen. Das Team hat über 1.000 Kojoten markiert und mehr als 440 mit Funkhalsbändern ausgestattet. Es ist die größte Studie über Stadtkojoten weltweit.
Die wichtigsten Ergebnisse:
- Kojoten sind in fast der ganzen Region verbreitet. Menschen und Kojoten leben jeden Tag nebeneinander, meist ohne dass die Menschen es merken.
- Sie gehen Menschen aus dem Weg. Kojoten meiden bebaute Flächen und sind in der Stadt vor allem nachts aktiv, wenn wenig los ist. Einzelne Tiere halten aber auch Reviere in Gegenden mit kaum Natur und vielen Menschen.
- Sie fressen meist ihre natürliche Beute, vor allem Nagetiere und Kaninchen, und rühren Müll kaum an.
- Sie helfen bei der Kontrolle von Nagetieren, Hirschen und Kanadagänsen.
- Nur wenige machen Ärger: Von 446 Kojoten mit Halsband wurden nur 14 als lästig gemeldet. Probleme entstehen zum Beispiel, wenn Menschen Wildtiere füttern und Kojoten sich dadurch an Menschen gewöhnen.
Stadtkojoten scheinen sogar besser zu überleben als ihre Artgenossen auf dem Land, und ihre Bestände sind womöglich dichter.
Ernährung
Kojoten sind sehr vielseitige Esser. Etwa 90 Prozent ihrer Nahrung sind Säugetiere, vor allem kleine wie Kaninchen, Erdhörnchen und Mäuse. Daneben fressen sie:
- Vögel, Schlangen, große Insekten und andere Wirbellose
- viel Aas, obwohl sie frisches Fleisch bevorzugen
- Früchte und Blätter, im Herbst und Winter sogar in großen Mengen
- in Vorstädten manchmal Abfall und Haustiere
Mäusejagd: Der Kojote schleicht langsam durchs Gras und schnüffelt nach der Maus. Plötzlich erstarrt er und springt mit steif zusammengehaltenen Beinen auf die Beute.
Hirschjagd: Größere Beute wie Hirsche jagen Kojoten im Team. Sie verfolgen das Tier abwechselnd, bis es müde wird, oder treiben es einem versteckten Gruppenmitglied zu.
Partnerschaft mit dem Dachs: Manchmal jagen Kojoten zusammen mit Dachsen. Der Kojote fängt Nagetiere, die an der Oberfläche fliehen. Der Dachs gräbt diejenigen aus, die sich in ihren Bau retten. So entkommt kaum ein Beutetier.
Verhalten und Lebensweise
Kojoten sind vor allem nachts und in der Dämmerung aktiv, zeigen sich aber auch tagsüber. Sie jagen allein, zu zweit oder als Familie, je nachdem, welche Beute es gibt. Feste Rudel bilden sie seltener als Wölfe. Auf einer nächtlichen Jagd legen sie im Schnitt etwa 4 Kilometer zurück.
Kojoten können bis zu 65 Kilometer pro Stunde schnell rennen und bis zu 4 Meter weit springen. Sie schwimmen sehr gut, klettern aber schlecht. Sie hören und riechen ausgezeichnet.
Die Stimme der Prärie: Kojoten sind die stimmfreudigsten wild lebenden Säugetiere Nordamerikas. Ihr Ruf beginnt mit einer schnellen Folge von Kläfflauten und endet in einem hohen Heulen. Mit dem Heulen zeigen sie anderen Gruppen, wo ihr Revier ist, und rufen Familienmitglieder zusammen.
Als Bau nutzen Kojoten gern die erweiterten Höhlen von Murmeltieren oder Dachsen, graben aber auch selbst. Ein Bau hat mehrere Eingänge und wird Jahr für Jahr wieder bezogen.
Fortpflanzung und Nachwuchs
Ein Kojotenpaar bleibt oft mehrere Jahre zusammen, aber nicht unbedingt ein Leben lang. Die Paarungszeit liegt zwischen Januar und März.
- Tragzeit: etwa 60 bis 63 Tage
- Wurfgröße: im Schnitt 6 Welpen, die Spanne reicht von 1 bis 19
- Geburtsgewicht: etwa 250 Gramm
Die Welpen kommen blind zur Welt. Nach etwa 10 Tagen öffnen sie die Augen. Mit drei bis vier Wochen verlassen sie zum ersten Mal den Bau, mit etwa fünf Wochen trinken sie keine Milch mehr. Beide Eltern bringen ihnen Futter, das sie hervorwürgen, und verteidigen sie.
Die jungen Männchen verlassen die Familie mit 6 bis 9 Monaten. Die Weibchen bleiben oft bei den Eltern und bilden den Kern der Gruppe. Mit 9 bis 12 Monaten sind die Jungen ausgewachsen. In freier Natur werden Kojoten höchstens etwa 10 Jahre alt, in Menschenobhut bis zu 18 Jahre.
Kojote und Wolf: Mischlinge im Nordosten
Kojoten können sich mit Haushunden und gelegentlich mit Wölfen paaren. Besonders spannend ist das im Nordosten der USA.
Auf ihrem Weg nach Osten kamen Kojoten auf zwei Routen voran. Eine Studie von Roland Kays und Kollegen untersuchte 2010 das Erbgut von 686 Kojoten aus dem Osten und 196 Schädel:
- Auf der nördlichen Route durch Ontario in Kanada paarten sich Kojoten mit Wölfen der Großen Seen. Die Nachkommen haben größere und breitere Schädel mit kräftigeren Kaumuskeln. Diese Gruppe breitete sich fünfmal schneller aus als die Kojoten auf der südlichen Route.
- Auf der südlichen Route durch Ohio gab es keine Wölfe mehr. Dort blieben die Kojoten kleiner.
Die Forschenden vermuten: Durch die Wolfsgene wurden die Kojoten im Nordosten größer und konnten besser Hirsche jagen. So übernahmen sie einen Teil der Rolle, die vorher die ausgerotteten Wölfe hatten. Auch im Südosten der USA tragen Kojoten Spuren von Hunde-Erbgut. Bei Kojoten in Mittelamerika vermutet man wegen ihres Aussehens Mischungen mit Haushunden.
Feinde und Gefährdung
Natürliche Feinde des Kojoten sind Wölfe und Pumas. In Gegenden mit Wölfen fehlen Kojoten meist. Ihre Welpen halten sie im oder nahe am Bau, damit Feinde sie nicht erwischen. Der wichtigste Feind ist aber der Mensch. Viele Landwirte sehen Kojoten als Gefahr für Geflügel und Weidetiere, und Jäger sehen in ihnen Konkurrenten. Kojoten können außerdem Krankheiten wie Tollwut übertragen.
Trotzdem ist der Kojote häufig und weit verbreitet. Auf der Roten Liste der IUCN gilt er als nicht gefährdet (LC, 2018). In Chicago hat sich gezeigt: Werden Kojoten getötet, rücken schnell andere nach. Sinnvoller ist es, gezielt einzelne Problemtiere zu behandeln, die Menschen aufzuklären und Wildtiere nicht zu füttern.
Häufige Fragen zum Kojoten
Wie groß und schwer wird ein Kojote?
Ein Kojote wird 75 bis 100 Zentimeter lang, dazu kommt der Schwanz mit etwa der halben Körperlänge. Er wiegt 7 bis 21 Kilogramm. Männchen sind größer als Weibchen.
Was ist der Unterschied zwischen Kojote und Wolf?
Kojoten sind deutlich kleiner und leichter als Grauwölfe. Sie bilden seltener feste Rudel und jagen oft allein oder zu zweit.
Sind Kojoten gefährlich für Menschen?
In der großen Studie in Chicago mieden die allermeisten Kojoten den Menschen. Nur sehr wenige Tiere machen Ärger, etwa wenn sie durch Füttern an Menschen gewöhnt wurden. Wildtiere sollte man deshalb nicht füttern.
Warum heulen Kojoten?
Mit dem Heulen markieren sie ihr Revier gegenüber anderen Gruppen. Außerdem rufen sie damit Familienmitglieder zusammen und zeigen sich gegenseitig, wo sie sind.
Wo lebt der Kojote?
In fast ganz Nordamerika, von Alaska und Kanada über die USA und Mexiko bis nach Panama. Er lebt in Wüsten, Grasland, Wäldern und Sümpfen und auch in Städten.
Gibt es Mischlinge aus Kojote und Wolf?
Ja. Im Nordosten der USA tragen viele Kojoten Erbgut von Wölfen in sich, weil sich ihre Vorfahren in Kanada mit Wölfen gepaart haben. Diese Tiere sind größer als Kojoten im Westen.
Ähnliche Tiere
- Wolf - der größere Verwandte, mit dem sich Kojoten gelegentlich paaren
- Rotwolf - ein Wildhund aus derselben Gattung, mit dem sich Kojoten ebenfalls mischen können
- Schakal - weitere Wildhunde aus der Familie der Hunde
- Fuchs - deutlich kleiner als der Kojote
- Dachs - jagt manchmal gemeinsam mit dem Kojoten
Quellen
- Hody, J. W. & Kays, R. (2018): Mapping the expansion of coyotes (Canis latrans) across North and Central America. ZooKeys 759, 81-97
- Kays, R., Curtis, A. & Kirchman, J. J. (2010): Rapid adaptive evolution of northeastern coyotes via hybridization with wolves. Biology Letters 6(1), 89-93
- Cook County Coyote Project (Urban Coyote Research): About the Project, Study Results und Basics of Studying Coyotes
- Canis latrans - Animal Diversity Web, University of Michigan Museum of Zoology
- Kays, R. (2018): Canis latrans. The IUCN Red List of Threatened Species 2018
Größenvergleich
Mit 75 cm bis 1 m gehört der Kojote zu den mittelgroßen Tieren in unserem Lexikon. Ein Fußball (22 cm) ist dagegen deutlich kleiner, während ein Kind mit 1,2 m noch etwas an Größe drauflegt. Stell dir vor: Der Kojote ist ungefähr 4-mal so lang wie ein Fußball!
Gewichtsvergleich
Ein Kojote bringt 7 bis 21 kg auf die Waage. Das ist schwerer als eine Hauskatze (4 kg), aber leichter als ein Kind (25 kg). Anders ausgedrückt: Der Kojote wiegt so viel wie etwa 4 Hauskatzen.