Kolibri

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Kolibri mit grün schimmerndem Gefieder schwebt im Schwirrflug vor einer Blüte und streckt den langen Schnabel hinein
User:Mdf / Wikimedia Commons / CC BY-SA 3.0

Kurz erklärt

Kolibris sind winzige Vögel, die nur in Amerika leben. Sie können auf der Stelle schweben, seitwärts und sogar rückwärts fliegen. Dabei schlagen ihre Flügel so schnell, dass sie summen. Zu der Familie gehört auch die Bienenelfe aus Kuba, mit 6 Zentimetern der kleinste Vogel der Welt.

Steckbrief

Wissenschaftl. NameTrochilidae
Abstammung
  • Klasse: Vögel
  • Ordnung: Seglervögel
  • Familie: Kolibris
Körpergröße6 bis 23 cm
Körpergewicht2 bis 24 g
ErnährungNektarfresser, dazu kleine Insekten und Spinnen
LebenserwartungMeist 3 bis 5 Jahre, einzelne Vögel über 10 Jahre
SozialverhaltenEinzelgänger, Männchen verteidigen Futterreviere
HerkunftSüdamerika
Verbreitung Nord-, Mittel- und Südamerika sowie Karibik, von Alaska bis Feuerland NordamerikaSüdamerika
GefährdungNE Nicht bewertet
SonstigesDie Rote Liste bewertet einzelne Arten, nicht die ganze Familie. 2026 galten 8 Kolibriarten als vom Aussterben bedroht und 13 als stark gefährdet.

Was ist ein Kolibri?

Kolibris (Trochilidae) sind eine Familie sehr kleiner Vögel, die sich hauptsächlich von Blütennektar ernähren. Je nach Systematik werden 366 bis 375 Arten unterschieden, verteilt auf über 100 Gattungen.

Ihre nächsten Verwandten sind die Segler und die Baumsegler. Zusammen mit ihnen bilden die Kolibris die Ordnung der Seglervögel (Apodiformes). Der Name Kolibri kam im 18. Jahrhundert über das Französische (colibri) zu uns und stammt vermutlich aus einer karibischen Sprache.

Aussehen und Körperbau

Größe und Gewicht: Kolibris sind 6 bis rund 23 cm lang. Die Bienenelfe (Mellisuga helenae) aus Kuba misst samt Schnabel und Schwanzfedern nur etwa 6 cm und wiegt ungefähr 2 Gramm. Sie ist der kleinste Vogel der Welt. Am anderen Ende steht der Riesenkolibri (Patagona gigas) mit etwa 22 bis 23 cm Länge, 21,5 cm Flügelspannweite und 18 bis 24 Gramm Gewicht. Die meisten Arten liegen dazwischen und wiegen zwischen 2 und 20 Gramm.

Gefieder: Viele Kolibris schillern metallisch grün, blau, violett oder rot. Diese Farben entstehen nicht durch Farbstoffe, sondern durch die Struktur der Federn: Sie brechen das Licht wie eine Seifenblase. Deshalb wechselt die Farbe je nach Blickwinkel. Besonders auffällig sind die Männchen mit ihrer leuchtenden Kehle.

Schnabel: Der Schnabel ist lang und dünn und passt jeweils zu den Blüten, die eine Art besucht. Die Schnabellängen reichen von etwa 5 Millimetern beim Kurzschnabelkolibri bis zu rund 110 Millimetern beim Schwertschnabelkolibri, dessen Schnabel fast so lang ist wie der ganze übrige Körper. Manche Arten haben nach unten gebogene Schnäbel für gekrümmte Blüten.

Zunge: Die Zunge ist sehr lang, an der Spitze gespalten und mit Rinnen versehen. Lange dachte man, der Nektar steige darin durch Kapillarkraft auf. Hochgeschwindigkeitsaufnahmen zeigten jedoch, dass sich die Rinnen in der Flüssigkeit öffnen, den Nektar einschließen und ihn festhalten. Ein solcher Zungenschlag dauert nur 14 Tausendstelsekunden, bis zu 20-mal pro Sekunde kann ein Kolibri so trinken.

Flügel: Beim Kolibri ist die Hand länger als Ober- und Unterarm zusammen. Schulter- und Ellenbogengelenk sind extrem beweglich. Die Muskulatur für den Flügelschlag macht rund ein Viertel des gesamten Körpergewichts aus.

Verbreitung und Lebensraum

Kolibris leben ausschließlich in Amerika, von Süd-Alaska bis Feuerland, dazu auf den Karibikinseln. Die meisten Arten kommen in den Tropen Mittel- und Südamerikas vor, fast 130 Arten allein in der Nähe des Äquators. Besonders artenreich sind die feuchten Bergwälder der nördlichen Anden.

Nördlich von Mexiko brütet nur gut ein Dutzend Arten, die meisten davon im Südwesten der USA. Im Osten Kanadas und der USA ist der Rubinkehlkolibri die einzige Brutvogelart. Kolibris besiedeln Regenwälder ebenso wie Halbwüsten, Gebirge und Gärten. Einige Arten leben dauerhaft in den Anden in Höhen zwischen 1.500 und über 5.000 Metern, wo die Luft deutlich weniger Sauerstoff enthält.

Zug: Die meisten nordamerikanischen Kolibris ziehen im Herbst nach Mexiko, Mittelamerika oder in die Karibik. Ein Rubinkehlkolibri überquert dabei rund 800 Kilometer Golf von Mexiko ohne Pause. Der Südliche Riesenkolibri legt auf seiner Rundreise zwischen Chile und Peru bis zu 8.300 Kilometer zurück und steigt dabei vom Meeresspiegel aus rund 4.100 Höhenmeter auf, verteilt über etwa drei Wochen.

Ernährung

Kolibris sind Nektarfresser. Der Zucker im Nektar liefert die Energie für ihren aufwendigen Flugstil. Besonders rote und orange Blüten ziehen sie an. Mehr als 7.000 Pflanzenarten werden von Kolibris bestäubt, viele davon sind genau auf ihre Besucher zugeschnitten: Die Form der Blüte passt zur Form des Schnabels.

Nektar allein reicht aber nicht, denn er enthält kaum Eiweiß. Deshalb fangen Kolibris zusätzlich kleine Insekten aus der Luft oder sammeln Spinnen aus deren Netzen. Je nach Untersuchung entfallen etwa 10 bis 15 Prozent der Zeit, die ein Kolibri mit Fressen verbringt, auf tierische Nahrung.

Ihr Stoffwechsel ist der schnellste aller gleichwarmen Tiere. Frisch getrunkenen Zucker können Kolibris schon nach 30 bis 45 Minuten direkt in Flugenergie umsetzen. An einem Tag nehmen sie so viel Flüssigkeit auf, dass sie das Fünffache ihres Körpergewichts erreichen kann. Ihre Nieren müssen dieses Wasser laufend wieder ausscheiden.

Schwirrflug: auf der Stelle und rückwärts

Kolibris sind die einzigen Vögel, die dauerhaft auf der Stelle schweben und dabei auch seitwärts und rückwärts fliegen können. Die Flügelspitzen beschreiben dabei eine liegende Acht. Weil die Flügel beim Vor- und beim Rückschwingen Auftrieb erzeugen, bleibt der Vogel in der Luft stehen wie ein Hubschrauber.

Die Schlagfrequenz hängt von der Größe ab: Der Riesenkolibri kommt mit etwa 12 Schlägen pro Sekunde aus, die meisten Arten schlagen 40- bis 50-mal pro Sekunde, sehr kleine Arten bis zu 99-mal. Dieses schnelle Schlagen erzeugt das Summen, dem die Vögel ihren englischen Namen „hummingbird“ verdanken. Das Summen dient auch der Verständigung: Andere Kolibris hören daran, dass jemand an der Blüte ist.

Im normalen Vorwärtsflug erreichen gemessene Arten über 15 Meter pro Sekunde, also mehr als 54 km/h.

Rekorde

  • Schnellster Sturzflug im Verhältnis zur Körpergröße: Männliche Annakolibris stürzen bei der Balz aus etwa 30 Metern Höhe herab. Dabei wurden im Mittel 27,3 Meter pro Sekunde gemessen, also rund 98 km/h. Umgerechnet sind das 385 Körperlängen pro Sekunde und damit der höchste bekannte Wert bei Wirbeltieren. Ein Wanderfalke erreicht im Sturzflug rund 200 Körperlängen pro Sekunde. Beim Abfangen wirkt auf den Kolibri fast das Neunfache der Erdbeschleunigung. Mehr dazu in unserer Liste der schnellsten Tiere.
  • Kleinster Vogel der Welt: die Bienenelfe mit rund 6 cm und 2 Gramm.
  • Kleinste Vogeleier der Welt: Kolibrieier sind etwa erbsengroß.
  • Höchste Herzfrequenz: Bei einem Blaukehlkolibri wurden bis zu 1.260 Herzschläge pro Minute gemessen. In Ruhe atmet er dabei rund 250-mal pro Minute.

Torpor: Nachtruhe wie ein Winterschlaf

Ein so kleiner Körper kühlt schnell aus, und die Energiereserven reichen nur für wenige Stunden. Deshalb fallen viele Kolibris nachts oder bei Nahrungsmangel in einen Starrezustand, den Torpor. Der Stoffwechsel sinkt dabei auf etwa ein Fünfzehntel. Bei einer karibischen Art fiel die Körpertemperatur von 40 auf 18 Grad Celsius, der Herzschlag von über 1.000 auf 50 bis 180 Schläge pro Minute. Am Morgen dauert es einige Minuten, bis der Vogel wieder aufgewärmt ist und losfliegen kann.

Fortpflanzung und Nachwuchs

Die Männchen werben mit Balzflügen, schillerndem Gefieder und Geräuschen, die sie mit den Schwanzfedern erzeugen. Um die Brut kümmern sie sich nicht.

Das Weibchen baut allein ein winziges, napfförmiges Nest von etwa 3,8 cm Durchmesser. Es besteht aus Pflanzenwolle, Moos und Flechten und wird mit Spinnweben an einem Zweig befestigt. Die Spinnseide ist dehnbar, dadurch wächst das Nest mit den Jungen mit.

Im Abstand von zwei Tagen legt das Weibchen zwei weiße Eier, die kleinsten aller Vögel. Es brütet 14 bis 19 Tage. Danach füttert es die Jungen drei bis vier Wochen lang, an manchen Tagen bis zu 140-mal. Verlässt es das Nest, lässt es sich oft fallen und segelt wie ein Blatt zu Boden, damit Nesträuber das Versteck nicht finden.

Trotz ihres rasenden Stoffwechsels werden Kolibris erstaunlich alt. Die bekannteren nordamerikanischen Arten leben meist drei bis fünf Jahre. Ein beringtes Weibchen eines Breitschwanzkolibris wurde nachweislich mindestens zwölf Jahre alt.

Feinde und Gefährdung

Zu den natürlichen Feinden der Kolibris zählen Schlangen, Greifvögel, Katzen und Marder. Der größte Druck kommt aber vom Menschen: Wo Bergwälder gerodet werden, verschwinden auch die Blüten, von denen spezialisierte Arten abhängen.

Die Rote Liste der Weltnaturschutzunion IUCN bewertet jede Art einzeln. 2026 galten 8 Kolibriarten als vom Aussterben bedroht (CR), 13 als stark gefährdet (EN), 13 als gefährdet (VU) und 22 als potenziell gefährdet (NT). Häufige Arten wie der Rubinkehlkolibri sind dagegen sehr zahlreich, sein Bestand wird auf etwa 34 Millionen Vögel geschätzt.

Häufige Fragen zum Kolibri

Wie groß und wie schwer ist ein Kolibri?

Das hängt stark von der Art ab. Die Bienenelfe aus Kuba ist mit 6 cm und 2 Gramm der kleinste Vogel der Welt, der Riesenkolibri aus den Anden wird 22 bis 23 cm lang und 18 bis 24 Gramm schwer. Die meisten Arten liegen zwischen diesen Werten.

Wie schnell schlagen die Flügel eines Kolibris?

Meist 40- bis 50-mal pro Sekunde. Sehr kleine Arten schaffen bis zu 99 Schläge, der große Riesenkolibri kommt mit etwa 12 aus. So schnelle Bewegungen kann das menschliche Auge nicht mehr einzeln erkennen, man sieht nur einen Schleier und hört ein Summen.

Können Kolibris wirklich rückwärts fliegen?

Ja. Kolibris sind die einzigen Vögel, die kontrolliert rückwärts und seitwärts fliegen und lange auf der Stelle schweben können. Möglich wird das durch die besonders bewegliche Schulter und Flügel, die in beide Richtungen Auftrieb erzeugen.

Was fressen Kolibris?

Vor allem Blütennektar, dazu kleine Insekten und Spinnen als Eiweißquelle. Pollen und Fruchtfleisch können sie nicht verdauen. Im Garten nehmen sie auch Zuckerwasser aus Futterspendern an, das ist vor allem in Nord- und Mittelamerika verbreitet.

Gibt es Kolibris in Europa?

Nein, wild lebende Kolibris gibt es nur in Amerika. Wer in Europa scheinbar einen Kolibri an einer Blüte schweben sieht, hat fast immer das Taubenschwänzchen vor sich, einen tagaktiven Schmetterling. Fossilien zeigen allerdings, dass vor etwa 30 Millionen Jahren kolibriartige Vögel in Europa lebten, zum Beispiel Eurotrochilus aus der Grube Unterfeld bei Wiesloch in Baden-Württemberg. Die Skelette sind nur etwa vier Zentimeter lang.

Wie lange lebt ein Kolibri?

Viele sterben im ersten Lebensjahr. Wer diese Zeit übersteht, wird meist drei bis fünf Jahre alt. Einzelne beringte Vögel erreichten über zehn Jahre, der Rekord liegt bei mindestens zwölf Jahren.

Ähnliche Tiere

  • Vulkanelfe - eine der kleinsten Kolibriarten aus Costa Rica und Panama
  • Taubenschwänzchen - ein Schmetterling, der im Schwirrflug wie ein Kolibri wirkt
  • Quetzal - ein weiterer farbenprächtiger Vogel Mittelamerikas
  • Tukan - bekannt für seinen riesigen Schnabel
  • Papagei - ebenfalls typisch für die Tropen Amerikas
  • Vögel - Übersicht über alle Vogelarten im Lexikon

Quellen

Größenvergleich

🪙1-Euro-Münze
2,3 cm
⚽Fußball
22 cm
🧒Kind
1,2 m
🧑Erwachsener
1,8 m
🏠Haus
10 m
▼Kolibri
6 bis 23 cm

Ein Kolibri erreicht eine Körpergröße von 6 bis 23 cm. Damit passt er bequem zwischen eine 1-Euro-Münze (2,3 cm) und ein Kind (1,2 m) auf unserer Vergleichsskala. Das bedeutet: Der Kolibri ist etwa 6-mal so groß wie eine 1-Euro-Münze. Ein Kind wäre dagegen noch rund 8-mal so groß.

Gewichtsvergleich

🪙1-Euro-Münze
7,5 g
🍫Tafel Schokolade
100 g
⚽Fußball
430 g
🧒Kind
25 kg
🧑Erwachsener
75 kg
🚗Auto
1,5 t
🚌Schulbus
12 t
▼Kolibri
2 bis 24 g

Der Kolibri wiegt nur 2 bis 24 g - ein echtes Federgewicht! Selbst eine Tafel Schokolade (100 g) bringt ein Vielfaches davon auf die Waage. Dafür ist der Kolibri leicht genug, um bequem in eine Hand zu passen.