Komodowaran

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Komodowaran läuft mit herausgestreckter Zunge auf einem Pfad zwischen Gräsern
Charles J. Sharp / Wikimedia Commons / CC BY-SA 4.0

Kurz erklärt

Der Komodowaran ist die größte und schwerste Echse der Welt. Er lebt nur auf fünf Inseln in Indonesien, wird bis über 3 Meter lang und frisst vor allem Hirsche, Wildschweine und Aas. In seinem Unterkiefer sitzen Giftdrüsen. Weibchen können sogar ohne Männchen Junge bekommen. Weil es nur noch wenige tausend Tiere gibt, ist der Komodowaran stark gefährdet.

Steckbrief

Wissenschaftl. NameVaranus komodoensis
Abstammung
  • Klasse: Reptilien
  • Ordnung: Schuppenkriechtiere (Squamata)
  • Familie: Warane (Varanidae)
  • Gattung: Warane (Varanus)
  • Art: Komodowaran
KörpergrößeGesamtlänge mit 5 Jahren etwa 2 m, danach wächst er langsam weiter; größtes sicher vermessenes Tier 3,13 m. Männchen werden größer und kräftiger als Weibchen. Schlüpflinge etwa 40 cm
KörpergewichtFrei lebende Tiere wiegen typischerweise etwa 70 kg; das größte sicher vermessene Tier (3,13 m) wog 166 kg. Schlüpflinge unter 100 g, mit 5 Jahren etwa 25 kg
ErnährungFleisch- und Aasfresser: vor allem Hirsche, dazu Wildschweine, Ziegen, Affen und Nagetiere, selten bis zum Wasserbüffel; auch Artgenossen. Jungtiere fressen Insekten, kleine Echsen, Schlangen und Vögel
LebenserwartungIn freier Natur etwa 30 Jahre; wird noch erforscht
SozialverhaltenJagt allein aus dem Hinterhalt; an Kadavern fressen oft mehrere Tiere. Männchen tragen Rangkämpfe aus
HerkunftIndonesien (Kleine Sundainseln)
Verbreitung Nur auf fünf Inseln im Südosten Indonesiens: Komodo, Rinca, Nusa Kode und Gili Motang im Komodo-Nationalpark sowie in Restgebieten an der Nord- und Westküste von Flores; auf Padar seit den 1970er-Jahren verschwunden Asien
EntdeckungErstbeschreibung 1912 durch Ouwens
GefährdungEN Stark gefährdet (Rote Liste der IUCN, 2021)
SonstigesGrößte lebende Echse der Welt. In freier Natur leben weniger als 4.000 Tiere, davon weniger als 3.000 im Komodo-Nationalpark.

Die größte Echse der Welt

Der Komodowaran (Varanus komodoensis) ist die größte und schwerste Echse, die heute lebt. Er gehört zur Familie der Warane und kommt nur auf wenigen Inseln in Indonesien vor. Im Englischen heißt er Komodo dragon, also „Komodo-Drache“.

Lange erzählte man, der Komodowaran töte seine Beute mit giftigen Bakterien im Maul. Heute weiß man: Er hat Giftdrüsen im Unterkiefer. Und Weibchen können sogar ohne Männchen Nachwuchs bekommen.

Aussehen und Körperbau

Der Komodowaran ist eine große Echse mit langem Schwanz, kräftigem, beweglichem Hals und stämmigen Beinen. Ausgewachsene Tiere sind fast einheitlich steinfarben und haben große, deutliche Schuppen. Jungtiere sind dagegen bunter gefärbt und gemustert. Seine Zunge ist gelb und gespalten.

Größe und Gewicht:

  • Länge: Mit fünf Jahren ist ein Komodowaran etwa 2 Meter lang. Danach wächst er sein Leben lang langsam weiter. Das größte sicher vermessene Tier war 3,13 Meter lang.
  • Gewicht: Frei lebende Tiere wiegen typischerweise etwa 70 Kilogramm. Das größte sicher vermessene Tier brachte 166 Kilogramm auf die Waage.

Männchen werden größer und kräftiger als Weibchen. Trotzdem ist es schwer, die Geschlechter zu unterscheiden. Einen kleinen Hinweis gibt nur die Anordnung der Schuppen vor der Kloake.

Ein Komodowaran kann in einer Mahlzeit bis zu 80 Prozent seines eigenen Körpergewichts fressen. Das erklärt wohl manche übertriebenen Berichte über riesige Gewichte gefangener Tiere.

Verbreitung und Lebensraum

Komodowarane leben heute nur noch auf fünf Inseln im Südosten Indonesiens, in der Provinz Ost-Nusa-Tenggara:

  • Komodo, Rinca, Nusa Kode und Gili Motang: Diese Inseln gehören zum Komodo-Nationalpark, der seit 1980 besteht und heute Weltnaturerbe ist.
  • Flores: Auf der größten Insel leben Komodowarane nur noch in wenigen kleinen Gebieten an der Nord- und Westküste.

Auf der Insel Padar wurden seit den 1970er-Jahren keine Komodowarane mehr gesehen. Dort hatten Wilderer in großem Stil Hirsche gejagt, die wichtigste Beute der Warane.

Komodowarane leben vor allem in tropischen Savannenwäldern, streifen aber über die ganzen Inseln, vom Strand bis auf die Bergkämme. In der Mittagshitze und nachts ziehen sie sich in Erdbaue zurück, die gerade groß genug für sie sind.

Ernährung

Komodowarane fressen fast jede Art von Fleisch. Sie erbeuten lebende Tiere und fressen Aas. Was auf dem Speiseplan steht, hängt vom Alter ab:

  • Jungtiere: kleine Echsen und Insekten, außerdem Schlangen und Vögel
  • Ab etwa fünf Jahren: größere Tiere wie Nagetiere, Affen, Ziegen, Wildschweine und vor allem Hirsche, ihre häufigste Beute. Selbst große Wasserbüffel können sie überwältigen.
  • Artgenossen: Große Komodowarane fressen auch kleinere.

Komodowarane verwerten ihre Beute fast vollständig. Sie fressen auch Knochen, Hufe und Haut und lassen nur etwa 12 Prozent des Tieres übrig.

So jagt der Komodowaran

Der Komodowaran ist ein Lauerjäger. Er kann stundenlang an einem Wildwechsel warten, bis ein Hirsch vorbeikommt. Dann greift er blitzschnell an. Kurze Strecken schafft er mit 16 bis 20 Kilometern pro Stunde. Die meisten Angriffe misslingen aber.

Seine wichtigste Waffe sind die großen, gebogenen und gesägten Zähne, mit denen er tiefe Wunden reißt. Sein Biss ist dagegen erstaunlich schwach: Eine Studie errechnete eine Beißkraft von 39 Newton. Das ist rund 6,5-mal weniger als bei einem Leistenkrokodil (Crocodylus porosus) mit gleich großem Schädel. Dafür hält sein leichter Schädel starke Zugkräfte aus, wenn der Waran an seiner Beute zerrt.

Um Nahrung zu finden, verlässt er sich vor allem auf seinen Geruchssinn. Mit der gespaltenen Zunge nimmt er Duftstoffe aus der Luft auf und führt sie zum Jacobson-Organ am Gaumen. So erkennt er sogar, aus welcher Richtung ein Geruch kommt. Aas kann er auf bis zu 4 Kilometer Entfernung riechen. Bewegungen sieht er auf bis zu 300 Meter.

Gift statt Bakterien

Viele Jahre galt als sicher, dass der Komodowaran seine Beute mit gefährlichen Bakterien im Speichel tötet. Im Speichel wurden tatsächlich viele verschiedene Bakterien gefunden. Eine Studie von Fry und anderen aus dem Jahr 2009 kam aber zu einem anderen Ergebnis: Für die Rolle der Bakterien bei der Jagd gibt es keine überzeugenden Belege.

Die Forschenden untersuchten den Kopf eines Komodowarans mit einem Magnetresonanztomografen. Sie fanden im Unterkiefer eine Giftdrüse mit einer großen und fünf kleineren Kammern. Aus jeder Kammer führt ein eigener Gang zwischen die Zähne. Es ist die am kompliziertesten gebaute Giftdrüse, die man bis dahin bei einem Reptil beschrieben hatte.

Das Gift wirkt auf zwei Arten:

  • Es hemmt die Blutgerinnung, sodass die Wunden stark bluten.
  • Es senkt den Blutdruck und kann die Beute in einen Schock versetzen.

So wird die Beute durch Blutverlust und Schock schnell geschwächt und kann nicht mehr fliehen. Das passt zu Beobachtungen, dass gebissene Tiere oft auffallend ruhig werden. Entkommt ein gebissenes Tier, kann es noch Tage später sterben. Der Komodowaran folgt ihm dann mit seinem Geruchssinn. Andere Komodowarane, die bei Kämpfen gebissen werden, scheinen dagegen nicht zu erkranken.

Fortpflanzung und Nachwuchs

Gelegenheit zur Balz gibt es, wenn sich mehrere Warane an einem Kadaver treffen. Gepaart wird zwischen Mai und August. Vorher kämpfen die Männchen um die Weibchen: Sie richten sich auf, stützen sich mit dem Schwanz ab und versuchen, den Gegner mit den Vorderbeinen umzuwerfen. Dabei fließt oft Blut.

  • Gelege: etwa 30 Eier
  • Nest: eine selbst gegrabene Grube an einem Hang oder ein übernommener Bruthügel von Großfußhühnern. Diese Hügel können bis zu 1 Meter hoch und 3 Meter breit sein.
  • Brutzeit: etwa neun Monate. Das Weibchen liegt manchmal auf dem Nest, um die Eier zu schützen.
  • Schlüpflinge: etwa 40 Zentimeter lang und unter 100 Gramm schwer

Um die Jungen kümmert sich niemand. Ihre ersten Jahre sind gefährlich, denn auch große Komodowarane fressen sie. Junge Warane wälzen sich deshalb in Kot. Den Geruch meiden die großen Tiere. Mit fünf Jahren wiegen sie etwa 25 Kilogramm. In freier Natur werden Komodowarane etwa 30 Jahre alt. Genau erforscht ist das aber noch nicht.

Jungfernzeugung: Junge ohne Vater

Im Jahr 2006 berichteten Forschende über eine Überraschung: Zwei Komodowaran-Weibchen im Londoner Zoo und im Zoo von Chester in England hatten Junge bekommen, obwohl sie ohne Männchen gehalten wurden. Mit genetischen Tests bewiesen Watts und andere, dass die Jungen durch Jungfernzeugung entstanden waren. Bei dieser Parthenogenese entwickeln sich Eier ohne Befruchtung zu Jungtieren.

  • Die so entstandenen Jungtiere sind immer Männchen.
  • Eines der beiden Weibchen bekam später auch Junge auf normalem Weg, also nach einer Paarung.

Weibchen können also zwischen beiden Arten der Fortpflanzung wechseln, je nachdem, ob ein Partner da ist. Für Zoos ist das wichtig: Jungfernzeugung verringert die genetische Vielfalt. Die Forschenden schlugen deshalb vor, Männchen und Weibchen gemeinsam zu halten.

Gefährdung und Schutz

Die Weltnaturschutzunion IUCN stuft den Komodowaran als stark gefährdet ein (Endangered, Einstufung von 2021). In freier Natur leben weniger als 4.000 Tiere. Weniger als 3.000 davon teilen sich im Komodo-Nationalpark eine Fläche von nur etwa 600 Quadratkilometern.

Das sind die größten Bedrohungen:

  • Kleines Verbreitungsgebiet: Die Art lebt nur auf wenigen Inseln.
  • Verlust von Lebensraum auf Flores: Siedlungen wachsen, Wälder werden für Felder gerodet. Nur rund 80 Quadratkilometer möglicher Lebensraum sind dort geschützt.
  • Wilderei: Menschen jagen illegal Hirsche und andere Beutetiere.
  • Vergiftung: Manche Dorfbewohner legen vergiftete Köder aus.
  • Geringe genetische Vielfalt: Die Erbanlagen sind so wenig vielfältig wie bei anderen bedrohten oder schon ausgestorbenen Reptilien. Die Warane auf Komodo und an der Nordküste von Flores unterscheiden sich genetisch so deutlich, dass Fachleute sie als getrennte Schutzeinheiten betrachten.

Erste Schutzpläne gab es schon 1915 unter der niederländischen Kolonialregierung. Heute schützt der Nationalpark die meisten Tiere. Jedes Jahr kommen mehr als 18.000 Touristen, um Komodowarane zu sehen. Das gibt den Menschen vor Ort einen Grund, die Tiere zu schützen.

Was der Klimawandel bedeutet

Eine Studie von Jones und anderen hat 2020 berechnet, wie sich der Klimawandel auf die Komodowarane auswirken könnte. Für Indonesien erwartet man steigende Temperaturen, weniger Regen, längere Trockenzeiten und mehr Brände. Außerdem steigt der Meeresspiegel. Je nach Szenario sagen die Modelle bis 2050 voraus:

  • 8 bis 87 Prozent weniger geeigneter Lebensraum
  • 27 bis 99 Prozent weniger Komodowarane

Am sichersten sind die Tiere auf den beiden großen Inseln Komodo und Rinca. Die Forschenden fordern, den Schutz vor allem dort zu verstärken und schnell gegen die Folgen des Klimawandels zu handeln.

Häufige Fragen zum Komodowaran

Wie groß und schwer wird ein Komodowaran?

Frei lebende Komodowarane wiegen meist etwa 70 Kilogramm. Das größte sicher vermessene Tier war 3,13 Meter lang und 166 Kilogramm schwer. Männchen werden größer als Weibchen.

Ist der Komodowaran giftig?

Ja. Er hat im Unterkiefer Giftdrüsen. Sein Gift hemmt die Blutgerinnung und senkt den Blutdruck. Die alte Vorstellung, er töte seine Beute vor allem mit Bakterien im Speichel, ist nicht belegt.

Wo lebt der Komodowaran?

Nur auf fünf Inseln in Indonesien: Komodo, Rinca, Nusa Kode, Gili Motang und Flores. Die ersten vier gehören zum Komodo-Nationalpark.

Was frisst ein Komodowaran?

Vor allem Hirsche, außerdem Wildschweine, Ziegen, Affen, Nagetiere und Aas. Junge Komodowarane fressen Insekten, kleine Echsen, Schlangen und Vögel.

Können Komodowarane ohne Männchen Junge bekommen?

Ja. Bei zwei Weibchen in englischen Zoos wurde 2006 Jungfernzeugung nachgewiesen. Die Jungen, die so entstehen, sind immer Männchen.

Wie viele Komodowarane gibt es noch?

In freier Natur leben weniger als 4.000 Tiere. Die IUCN stuft die Art als stark gefährdet ein.

Ähnliche Tiere

  • Waran - die Familie, zu der der Komodowaran gehört
  • Gila-Krustenechse - eine andere giftige Echse
  • Echse - Überblick über alle Echsen
  • Krokodil - hat einen viel stärkeren Biss als der Komodowaran
  • Bartagame - eine kleine Echse, die oft als Haustier gehalten wird

Quellen

Größenvergleich

🪙1-Euro-Münze
2,3 cm
⚽Fußball
22 cm
🧒Kind
1,2 m
🧑Erwachsener
1,8 m
🏠Haus
10 m
▼Komodowaran
2 bis 3,13 m

Der Komodowaran wird 2 bis 3,13 m groß - eine beachtliche Erscheinung. Auf unserer Größenskala liegt er zwischen einem Erwachsenen (1,8 m) und einem Elefanten (3,5 m).

Gewichtsvergleich

🪙1-Euro-Münze
7,5 g
🍫Tafel Schokolade
100 g
⚽Fußball
430 g
🧒Kind
25 kg
🧑Erwachsener
75 kg
🚗Auto
1,5 t
🚌Schulbus
12 t
▼Komodowaran
70 bis 166 kg

Ein Komodowaran bringt 70 bis 166 kg auf die Waage. Das ist schwerer als ein Kind (25 kg), aber leichter als ein Auto (1,5 t). Anders ausgedrückt: Der Komodowaran wiegt so viel wie etwa 5 Kinder.