Königstiger

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Bengal-Tiger mit orangefarbenem, schwarz gestreiftem Fell steht im trockenen Gras eines Waldes und blickt zur Kamera
Tisha Mukherjee / Wikimedia Commons / CC BY-SA 4.0

Kurz erklärt

Der Königstiger, auch Bengal-Tiger genannt, ist der Tiger des indischen Subkontinents. Er lebt in Indien, Nepal, Bhutan, Bangladesch und Myanmar, von Laubwäldern und Grasland bis zu den Mangrovensümpfen der Sundarbans. Indien hat die meisten wilden Tiger der Welt: Bei der Zählung 2022 kam das Land auf etwa 3.682 Tiere. Die IUCN stuft den Tiger als stark gefährdet ein.

Steckbrief

Wissenschaftl. NamePanthera tigris tigris
Abstammung
  • Klasse: Säugetiere
  • Ordnung: Raubtiere (Carnivora)
  • Unterordnung: Katzenartige (Feliformia)
  • Familie: Katzen (Felidae)
  • Unterfamilie: Großkatzen (Pantherinae)
  • Gattung: Eigentliche Großkatzen (Panthera)
  • Art: Tiger (Panthera tigris), Unterart Königstiger oder Bengal-Tiger; nach Kitchener et al. (2017) umfasst Panthera tigris tigris alle Tiger des asiatischen Festlands
KörpergrößeTiger allgemein: Kopf-Rumpf-Länge 150 bis 230 cm, Schwanz 90 bis 110 cm; der Königstiger zählt mit dem Sibirischen und dem Kaspischen Tiger zu den größten Tigern
KörpergewichtTiger allgemein 75 bis 325 kg, Männchen meist 100 bis 261 kg, Weibchen 75 bis 177 kg; eigene, gut belegte Gewichtsangaben nur für Königstiger nennen die verwendeten Quellen nicht
ErnährungFleischfresser: in Indien vor allem Axishirsche, Sambarhirsche, Nilgauantilopen, Indische Gazellen, Wildschweine und Hanuman-Languren
LebenserwartungTiger allgemein 12 bis 15 Jahre; im Chitwan-Nationalpark (Nepal) wurde die späteste Fortpflanzung mit 14 Jahren beobachtet
SozialverhaltenEinzelgänger; Reviere der Weibchen in Nagarahole (Indien) 10 bis 51 km², in den Sundarbans in Bangladesch 12,3 bis 14,2 km²
HerkunftIndischer Subkontinent
Verbreitung Indien, Nepal, Bhutan, Bangladesch und Myanmar; in Pakistan verschwunden; Lebensräume von Wäldern und Grasland an Flüssen bis zu den Mangroven der Sundarbans Asien
EntdeckungErstbeschreibung des Tigers 1758 durch Linnaeus; das Herkunftsgebiet wurde 1911 von Thomas auf Bengalen festgelegt
GefährdungEN Stark gefährdet (Rote Liste der IUCN, 2022)
SonstigesDie Unterart wird von der IUCN nicht getrennt bewertet, der Gefährdungsstatus gilt für die Art Tiger (Panthera tigris). Bestände: Indien 3.682 (Zählung 2022), Nepal 429 (Zählung 2026), Bhutan 131 (Global Tiger Forum 2023), Bangladesch 125 (Zählung 2023/24, laut Mongabay-Bericht).

Der Tiger des indischen Subkontinents

Der Königstiger (Panthera tigris tigris) heißt auch Bengal-Tiger oder Indischer Tiger. Er ist der Tiger Südasiens und lebt in Indien, Nepal, Bhutan, Bangladesch und Myanmar. Viele grundlegende Studien über das Leben wilder Tiger wurden an Königstigern in Indien und Nepal gemacht.

Allgemeines zum Körperbau, zur Jagd und zur Fortpflanzung aller Tiger steht auf der Seite Tiger. Hier geht es darum, was den Königstiger ausmacht: wo er lebt, wie viele es noch gibt und was die Wissenschaft über seine Stellung als Unterart sagt.

Unterart oder Teil des Festlandtigers?

Wissenschaftlich beschrieben wurde der Tiger 1758 von Linnaeus. Als Herkunftsgebiet gab er nur „Asien“ an. 1911 legte der Zoologe Thomas fest, dass sich der Name auf Tiger aus Bengalen bezieht.

Lange unterschied man acht Unterarten. Der Königstiger war darunter die Unterart Indiens, Pakistans, Bangladeschs, Bhutans und Nepals. Daneben gab es zum Beispiel den Sibirischen Tiger (P. t. altaica), den Indochinesischen Tiger (P. t. corbetti) und den Sumatra-Tiger (P. t. sumatrae).

2017 änderte sich das. Eine Arbeitsgruppe der Katzenexperten der IUCN um A. C. Kitchener stellte eine neue Einteilung der Katzen vor. Sie stützte sich auf eine große Studie von 2015, die bei den Festlandtigern keine klaren Unterschiede in Körperbau, Erbgut und Lebensweise fand. Seitdem gibt es nach dieser Einteilung nur noch zwei Unterarten:

  • Panthera tigris tigris: alle Tiger des asiatischen Festlands, von Indien über China und Indochina bis nach Russland. Dazu zählen auch die früheren Unterarten altaica, amoyensis, corbetti und jacksoni sowie der ausgestorbene Kaspische Tiger (virgata). Diese Tiger sind größer und heller und haben weniger Streifen.
  • Panthera tigris sondaica: die Tiger auf Sumatra und früher auf Java und Bali. Sie sind kleiner, dunkler und dichter gestreift.

Der wissenschaftliche Name Panthera tigris tigris steht seither also nicht mehr nur für den Königstiger, sondern für alle Festlandtiger. Nicht alle Fachleute folgen dieser Einteilung. Andere Forschende halten an den älteren Unterarten fest. Die IUCN-Katzenexperten prüfen die Einteilung des Tigers deshalb erneut. Im Alltag und in Berichten wie dem über die Tigerzählung in Bangladesch ist aber weiter vom Bengal-Tiger die Rede.

Interessant für den Artenschutz: Tiger, die heute in Indien leben, haben weniger genetische Vielfalt als Tiger aus alten Sammlungen. Gründe dafür sind ausgerottete Bestände und zufällige Veränderungen des Erbguts in den verbliebenen Gruppen.

Aussehen und Größe

Der Königstiger hat das bekannte orangefarbene Fell mit schwarzen Streifen und weißem Bauch. Er zählt nach dem Zoo San Diego zusammen mit dem Sibirischen und dem Kaspischen Tiger zu den größten Tigern. Gut belegte Durchschnittsgewichte nur für Königstiger nennen die hier verwendeten Quellen allerdings nicht. Für Tiger allgemein gelten:

  • Kopf-Rumpf-Länge: 150 bis 230 cm
  • Schwanz: 90 bis 110 cm
  • Gewicht: 75 bis 325 kg, Männchen meist 100 bis 261 kg, Weibchen 75 bis 177 kg

Weiße und schwarze Königstiger

Der Weiße Tiger ist eine seltene Farbvariante des Königstigers. Ein einziges verändertes Gen sorgt für das weiße Fell mit dunkelbraunen Streifen und die blauen Augen. In der Natur wurden weiße Tiger in den indischen Bundesstaaten Assam, Odisha, Madhya Pradesh und Bihar beobachtet. Der letzte dokumentierte wilde weiße Tiger wurde 1958 in Bihar geschossen. In einer Untersuchung von Zoo-Stammbäumen stammten alle weißen Tiger der untersuchten Zoos von dem Männchen Mohan ab, das 1951 in Indien gefangen wurde.

Ganz schwarze Tiger sind dagegen nicht sicher nachgewiesen. Es gibt nur wenige Berichte aus Nordindien und Bangladesch. Manche Tiger wirken fast schwarz, weil ihre breiten Streifen sehr dicht beieinander liegen.

Verbreitung und Lebensraum

Königstiger leben in sehr unterschiedlichen Landschaften: in Wäldern, in Grasland und Sümpfen an großen Flüssen und in den Mangroven an der Küste. In Pakistan sind Tiger inzwischen verschwunden.

Indien ist das wichtigste Tigerland der Welt. Die Tiger verteilen sich dort auf mehrere große Landschaften:

Landschaft in IndienTiger 2022
Zentralindien und Ostghats1.439
Westghats im Süden1.087
Shivalik-Hügel und Gangesebene819
Nordosten und Brahmaputra-Ebene236
Sundarbans101

Die meisten Tiger hatte 2022 der Bundesstaat Madhya Pradesh mit 785 Tieren, gefolgt von Karnataka (563) und Uttarakhand (560).

In besonders beutereichen Gebieten wie den Nationalparks Kaziranga und Corbett leben 15 bis 19 Tiger auf 100 Quadratkilometern. Der Corbett-Nationalpark ist nach Jim Corbett benannt, einem britischen Jäger und Naturforscher in Indien, der später zum Naturschützer wurde und half, das Schutzgebiet zu gründen.

Tiger in den Sundarbans

Die Sundarbans sind ein riesiger Mangrovenwald im Mündungsgebiet am Golf von Bengalen. Sie sind etwa 10.277 Quadratkilometer groß. Rund 6.017 Quadratkilometer davon liegen in Bangladesch, der Rest in Indien. Für Bangladesch sind die Sundarbans das einzige verbliebene Tigergebiet.

Laut einem Bericht des Umwelt-Nachrichtenportals Mongabay wurden bei der Zählung 2023/24 in Bangladesch die Spuren der Tiger entlang von 1.306 Kilometern schmaler Flüsse und Kanäle gesucht. 1.210 Kamerafallen an 605 Stellen fotografierten die Tiere. Die Forschenden erkannten 84 erwachsene Tiger und berechneten daraus eine Dichte von 2,64 Tigern auf 100 Quadratkilometern. Das ergibt etwa 125 Tiger im Teil von Bangladesch. Auf der indischen Seite zählte Indien 2022 101 Tiger.

Die Reviere der Weibchen sind in den Sundarbans von Bangladesch nur 12,3 bis 14,2 Quadratkilometer groß. In den Wäldern von Nagarahole in Südindien sind es 10 bis 51 Quadratkilometer.

Tiger und Menschen: In den Mangroven der Sundarbans greifen Tiger häufiger Menschen an als anderswo, vor allem dort, wo natürliche Beute knapp ist. Ältere Zahlen nennen 521 getötete Menschen im indischen Teil zwischen 1975 und 1989 und etwa 100 bis 150 im Jahr im Teil von Bangladesch. Weil Tiger meist von hinten angreifen, trugen Menschen in Indien Gesichtsmasken am Hinterkopf. Danach gingen die tödlichen Angriffe deutlich zurück.

Ernährung

Wie alle Tiger ist der Königstiger ein reiner Fleischfresser und jagt vor allem große Huftiere. In Indien gehören dazu:

  • Axishirsche (Axis axis) und Sambarhirsche
  • Nilgauantilopen (Boselaphus tragocamelus)
  • Indische Gazellen (Gazella bennettii)
  • Wildschweine
  • Hanuman-Languren (Semnopithecus entellus), eine Affenart

In Bangladesch führt das Zählteam Rückgänge der Tiger in einem Teil der Sundarbans auch darauf zurück, dass dort Axishirsche, die wichtigste Beute, gewildert werden.

Verhalten und Fortpflanzung

Königstiger sind Einzelgänger. Im Kanha-Nationalpark in Indien beobachtete der Zoologe Schaller allerdings, dass sich Weibchen ihr Gebiet mit anderen Weibchen teilten. Im Chitwan-Nationalpark in Nepal markierten Weibchen dagegen ihr Revier mit Duftmarken und gingen gegen fremde Weibchen vor.

In der Paarungszeit sind Tiger sehr laut. Ein Bengal-Tigerweibchen in Paarungsbereitschaft brüllte in einer Studie 69-mal in 15 Minuten.

In Indien paaren sich Tiger vor allem zwischen November und April, in Nepal kommen die meisten Jungen zwischen Mai und Juli zur Welt. Die Tragzeit dauert etwa 103 Tage. Eine Langzeitstudie im Chitwan-Nationalpark zeigte:

  • Weibchen bekommen ihre ersten Jungen im Schnitt mit 3,4 Jahren, Männchen zeugen ihre ersten mit durchschnittlich 4,8 Jahren.
  • Ein Weibchen pflanzt sich im Schnitt 6,1 Jahre lang fort. Die letzte beobachtete Fortpflanzung erfolgte mit 14 Jahren.
  • Im ersten Lebensjahr stirbt etwa ein Drittel der Jungen, häufig durch fremde Männchen, aber auch durch Feuer und Hochwasser.

Die Mütter bringen ihren Jungen das Jagen bei. Schaller sah Tigerinnen, die einen Büffel zu Boden warfen, dann zurücktraten und ihre Jungen den Rest versuchen ließen.

Wie viele Königstiger gibt es?

Die meisten wilden Tiger der Welt sind Königstiger. Das Global Tiger Forum schätzte den weltweiten Bestand 2023 auf etwa 5.574 wilde Tiger. Die aktuellen Zahlen für Südasien:

LandTigerStand
Indien3.682 (Spanne 3.167 bis 3.925)Zählung 2022
Nepal429Zählung 2026
Bangladesch125Zählung 2023/24 (Medienbericht)
Bhutan131Global Tiger Forum 2023

Indien zählt seine Tiger alle vier Jahre. 2006 kamen die Fachleute auf 1.411 Tiere, 2018 auf 2.967 und 2022 auf 3.682. Laut dem indischen Umweltminister leben damit etwa drei Viertel aller wilden Tiger der Welt in Indien. Gemessen an der Weltzahl des Global Tiger Forum (5.574) sind es rund zwei Drittel.

Nepal hat seinen Bestand stark gesteigert: von 121 Tigern im Jahr 2009 über 235 (2018) und 355 (2022) auf 429 bei der Zählung, die im Juli 2026 veröffentlicht wurde. Die Tiger leben in der Terai-Arc-Landschaft, vor allem in den Nationalparks Chitwan (145), Bardiya (112), Parsa (71), Banke (51) und Shuklaphanta (50).

Bangladesch zählte 2015 noch 106 und 2018 114 Tiger, bei der Zählung 2023/24 waren es 125. Bhutan meldete 2023 131 Tiger, nach 103 im Jahr 2016.

Gefährdung und Schutz

Die IUCN bewertet den Königstiger nicht getrennt. Für die ganze Art Tiger gilt: stark gefährdet (Endangered, Einstufung von 2022). Die Hauptgefahren sind Wilderei für Felle und Knochen, der Verlust und die Zerstückelung des Lebensraums, gewilderte Beutetiere und Konflikte mit Menschen.

Indien startete schon 1973 das „Project Tiger“ und richtete viele Tigerreservate ein. Im späten 19. Jahrhundert war die Tigerjagd in Indien auf ihrem Höhepunkt gewesen. Heute zeigt der Schutz Erfolge: Indien und Nepal haben ihre Tigerbestände seit 2010 verdoppelt. In Bangladesch schreiben Fachleute die Zunahme vor allem Zäunen und verstärkten Patrouillen gegen Wilderer zu.

Königstiger in der Kultur

Tiger begleiten die Menschen in Indien seit Jahrtausenden. Felsmalereien in Bhimbetka aus der Zeit von etwa 3000 bis 1700 vor Christus zeigen Tigerjagden. Das Volk der Warli hielt den Tiger für den größten aller Götter. Und der berühmteste Tiger der Literatur ist ein Bengal-Tiger: Shere Khan aus Rudyard Kiplings „Dschungelbuch“ von 1894.

Häufige Fragen zum Königstiger

Was ist der Unterschied zwischen Königstiger und Tiger?

Der Königstiger ist eine Form des Tigers, nämlich die Tiger des indischen Subkontinents. Nach der Einteilung von 2017 gehört er zur Unterart Panthera tigris tigris, die alle Festlandtiger umfasst. Im Alltag spricht man aber weiter vom Bengal-Tiger.

Wie viele Königstiger gibt es noch?

Indien zählte 2022 etwa 3.682 Tiger, Nepal 2026 etwa 429. Dazu kommen etwa 125 Tiger in Bangladesch und 131 in Bhutan. Nach den Zahlen des Global Tiger Forum leben damit rund zwei Drittel aller wilden Tiger der Welt in Indien, die indische Regierung spricht von etwa drei Vierteln.

Wo lebt der Königstiger?

In Indien, Nepal, Bhutan, Bangladesch und Myanmar. Er bewohnt Wälder, Grasland und Sümpfe an Flüssen und die Mangrovenwälder der Sundarbans an der Küste von Indien und Bangladesch.

Ist der Königstiger der größte Tiger?

Er gehört zu den größten Tigern, zusammen mit dem Sibirischen Tiger und dem ausgestorbenen Kaspischen Tiger. Gut belegte Vergleichswerte nur für Königstiger fehlen jedoch in den verwendeten Quellen.

Ist der Weiße Tiger ein Königstiger?

Ja. Der Weiße Tiger ist eine seltene Farbvariante des Königstigers und keine eigene Unterart. Der letzte bekannte wild lebende weiße Tiger wurde 1958 in Indien geschossen.

Was frisst ein Königstiger?

Vor allem große Huftiere. In Indien jagt er besonders Axishirsche, Sambarhirsche, Nilgauantilopen, Wildschweine und Indische Gazellen, außerdem Affen wie den Hanuman-Langur.

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Quellen