Krabbe
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Kurz erklärt
Krabben sind Krebse mit zehn Beinen, Scheren am vordersten Beinpaar und einem kurzen Hinterleib, der unter den Körper geklappt ist. Es gibt fast 8.000 Arten, die meisten leben im Meer, manche aber auch im Süßwasser oder an Land. Typisch ist ihr Seitwärtsgang. Die "Krabben" aus dem Krabbenbrötchen sind übrigens keine echten Krabben, sondern Nordseegarnelen.
Steckbrief
| Wissenschaftl. Name | Brachyura (Teilordnung) |
|---|---|
| Abstammung |
|
| Körpergröße | Je nach Art sehr verschieden; die größte Art, die Japanische Riesenkrabbe, hat einen rund 37 cm langen Panzer und misst von Scherenspitze zu Scherenspitze fast 4 m |
| Körpergewicht | Japanische Riesenkrabbe 16 bis 20 kg |
| Ernährung | Je nach Art verschieden; die Japanische Riesenkrabbe frisst als Allesfresser vor allem Aas und abgestorbene Pflanzenreste, die Wollhandkrabbe frisst andere Bodentiere |
| Lebenserwartung | Für die meisten Arten wenig bekannt; bei der Japanischen Riesenkrabbe werden oft bis zu 100 Jahre genannt, das ist aber unsicher, andere Angaben sprechen von über 50 Jahren |
| Sozialverhalten | Je nach Art verschieden; die Japanische Riesenkrabbe sucht ihr Futter allein, Winkerkrabben leben in großer Zahl an tropischen Küsten |
| Herkunft | Meere, Süßgewässer und Land |
| Verbreitung | Die meisten Arten leben im Meer, von den Küsten bis in die Tiefsee; Flusskrabben sind in Süßgewässern der Tropen weit verbreitet, einige Arten in Südeuropa; Landkrabben vor allem an tropischen Küsten AfrikaAsienEuropaNordamerikaSüdamerikaMeer |
| Sonstiges | Gruppenseite ohne eigene Gesamteinstufung. Nicht zu den echten Krabben gehören trotz ihres Namens die Königskrabbe, die Yeti-Krabbe und der Palmendieb (Mittelkrebse) sowie die "Nordseekrabbe" (eine Garnele). Die Chinesische Wollhandkrabbe steht auf der Liste invasiver Arten der EU. |
Was sind Krabben?
Krabben, genauer echte Krabben, sind eine große Gruppe der Zehnfußkrebse. Ihr wissenschaftlicher Name ist Brachyura. Zu den Zehnfußkrebsen gehören auch Hummer, Flusskrebse, Garnelen und Einsiedlerkrebse.
Laut dem Weltverzeichnis der Zehnfußkrebse gibt es rund 7.900 Arten echter Krabben (Stand 2025). Schon 2009 machten sie fast die Hälfte aller bekannten Zehnfußkrebse aus. Die nächsten Verwandten, die Mittelkrebse mit den Einsiedlerkrebsen, kommen auf etwa 3.400 Arten, die Hummer und Flusskrebse zusammen auf rund 800.
Echte Krabben haben viele verschiedene Lebensräume erobert: das Meer von der Küste bis in die Tiefsee, aber auch Flüsse, Seen und das Land.
Woran erkennt man eine echte Krabbe?
Das wichtigste Merkmal ist der Hinterleib. Bei echten Krabben ist er kurz und unter den Körper geklappt. Garnelen haben dagegen einen langen, schmalen Körper.
Weitere typische Merkmale:
- Fünf Beinpaare: Wie alle Zehnfußkrebse haben Krabben zehn Beine. Das vorderste Paar trägt die Scheren.
- Scheren: Bei fast allen Krabben sind die beiden Scheren mehr oder weniger ungleich groß, und die Männchen haben größere Scheren als die Weibchen.
- Mundwerkzeuge: Ein Paar breiter, flacher Mundwerkzeuge liegt wie zwei "Falttüren" über den übrigen Mundteilen.
Nicht jede "Krabbe" ist eine Krabbe
Im Laufe der Erdgeschichte haben sich auch bei anderen Krebsen mehrmals krabbenähnliche Körper entwickelt. Fachleute nennen das "Karzinisierung". Deshalb heißen manche Tiere Krabbe, obwohl sie keine sind:
- Königskrabbe (Familie Lithodidae): Sie gehört zu den Mittelkrebsen (Anomura) und ist näher mit den Einsiedlerkrebsen verwandt. Hinter den Scheren sind nur drei Laufbeinpaare zu sehen, das letzte Beinpaar steckt eingeklappt in der Kiemenhöhle. Ihr Hinterleib ist oft unsymmetrisch.
- Yeti-Krabbe (Gattung Kiwa): Auch sie zählt zu den Mittelkrebsen.
- Palmendieb (Birgus latro): Auch er ist ein Mittelkrebs mit krabbenähnlichem Körper.
- Einsiedlerkrebse gehören zu den Mittelkrebsen, aber nicht zu den echten Krabben.
Die "Nordseekrabbe" ist eine Garnele
Wer an der Nordsee ein Krabbenbrötchen isst, bekommt keine echte Krabbe. Die "Krabben" oder "Granat" der Küstenfischer sind Nordseegarnelen (Crangon crangon). Sie haben einen langen, schmalen Körper mit langen Fühlern, wie es für Garnelen typisch ist. Nordseegarnelen werden bis zu 9,5 Zentimeter lang, meist schon an Bord gekocht und dann als geschältes "Krabbenfleisch" verkauft.
Der Seitwärtsgang
Krabben sind berühmt dafür, dass sie seitwärts laufen. Dadurch können sie schnell in beide Richtungen davonflitzen. Das hilft bei der Flucht vor Feinden. Krabben, die seitwärts laufen, haben Beingelenke, die zur Seite besonders beweglich sind. Ihr Körper ist in Laufrichtung, also zur Seite hin, gestreckt.
Eine Studie aus Japan untersuchte 2026 das Laufverhalten von 50 Krabbenarten. Das Ergebnis:
- 35 Arten liefen überwiegend seitwärts, 15 Arten überwiegend vorwärts. Die Froschkrabbe Ranina ranina zum Beispiel läuft vorwärts.
- Der Seitwärtsgang ist nur ein einziges Mal in der Entwicklungsgeschichte entstanden, vor etwa 200 Millionen Jahren zu Beginn der Jurazeit. Alle seitwärts laufenden Krabben haben ihn von diesem gemeinsamen Vorfahren geerbt.
- Einige spezialisierte Gruppen sind später wieder zum Vorwärtsgang zurückgekehrt.
- Die Linie mit dem Seitwärtsgang ist besonders artenreich. Die Forscher vermuten, dass der Seitwärtsgang zum großen Erfolg der Krabben beigetragen hat.
Verbreitung und Lebensraum
Die meisten Krabben leben im Meer, vom Strand über das flache Küstenwasser bis in die Tiefsee. Viele Schwimmkrabben haben ein letztes Beinpaar, das zu flachen Paddeln umgeformt ist. Zu ihren Verwandten zählt auch die Gemeine Strandkrabbe (Carcinus maenas).
Doch Krabben gibt es nicht nur im Salzwasser:
- Flusskrabben sind in den Süßgewässern der Tropen weit verbreitet. Eine Art der Gattung Potamon lebt sogar in Italien und anderen Teilen Südeuropas.
- Landkrabben leben vor allem an tropischen Küsten. Bei ihnen wirkt die gut durchblutete Haut in der Kiemenhöhle wie eine Lunge. So können sie Luft atmen.
- Winkerkrabben (englisch fiddler crabs) leben in riesiger Zahl an den meisten tropischen Küsten, in Salzwiesen und im Gezeitenbereich, wo sie Gänge in Sand oder Schlamm graben.
Ernährung: Was fressen Krabben?
Bei so vielen Arten gibt es keinen einheitlichen Speiseplan. Ein paar Beispiele:
- Die Japanische Riesenkrabbe frisst als Allesfresser vor allem tote und verwesende Tiere und Pflanzen am Meeresboden. Ab und zu frisst sie lebenden Tang und Algen oder fängt kleine wirbellose Meerestiere, die sie leicht erwischen kann.
- Die Chinesische Wollhandkrabbe frisst bei Massenauftreten so viele andere Bodentiere, dass sie heimischen Arten die Nahrung streitig macht.
Fortpflanzung
Bei der Japanischen Riesenkrabbe übertragen die Männchen ihre Samenpakete mit den vorderen Beinen auf das Weibchen. Die Befruchtung findet im Körper des Weibchens statt. Ein Weibchen kann in einer Saison bis zu 1,5 Millionen Eier legen. Es trägt die Eier am Körper, bis die Larven schlüpfen, und fächelt ihnen mit den hinteren Beinen frisches Wasser zu. Danach kümmert es sich nicht mehr um die Jungen. Die Larven treiben im Wasser und verwandeln sich über mehrere Stadien in kleine Krabben. Nur wenige überleben.
Bei vielen Krabben spielen die Scheren bei der Partnersuche eine Rolle. Die Männchen der Winkerkrabben haben eine riesige, oft leuchtend gefärbte Schere. Damit kämpfen sie gegen Rivalen und locken vermutlich auch die Weibchen an.
Die Japanische Riesenkrabbe
Die Japanische Riesenkrabbe (Macrocheira kaempferi) gehört zu den Spinnenkrabben (englisch spider crabs) und ist damit eine echte Krabbe. Sie gilt als größtes lebendes Gliederfüßertier:
- Ihr Panzer ist nur rund 37 Zentimeter lang.
- Mit ausgestreckten Scheren misst sie aber fast 4 Meter von Spitze zu Spitze.
- Sie wiegt 16 bis 20 Kilogramm.
Der Panzer wächst bei erwachsenen Tieren kaum noch, die Beine werden mit dem Alter aber immer länger. Bei den Männchen sind die Scherenbeine viel länger als die Laufbeine, bei den Weibchen kürzer.
Die Riesenkrabbe lebt an der Pazifikseite Japans, vor allem in den Buchten von Sagami, Suruga und Tosa. Meist hält sie sich auf sandigem und felsigem Grund in 150 bis 300 Metern Tiefe auf. Schwimmen kann sie nicht. Ihre langen Beine sind schwach und brechen leicht ab: Fast drei Viertel der Tiere fehlt mindestens ein Bein. Mit bis zu drei fehlenden Laufbeinen kommen sie aber zurecht, und bei den nächsten Häutungen wachsen die Beine oft nach. Junge Riesenkrabben tarnen sich mit Schwämmen oder Tang, erwachsene haben das wegen ihrer Größe kaum nötig. In Japan gilt die Riesenkrabbe als Delikatesse.
Die Wollhandkrabbe: ein Einwanderer aus China
Die Chinesische Wollhandkrabbe (Eriocheir sinensis) stammt ursprünglich aus Ostchina. Mit dem Ballastwasser von Schiffen gelangte sie nach Europa.
- 1912 wurde sie in Deutschland zum ersten Mal nachgewiesen, in der Aller in Niedersachsen.
- Danach breitete sie sich rasant in den Flüssen aus, die in die Nordsee münden, etwa in Elbe, Weser, Ems und Rhein, sowie in Kanälen.
- In der Ostsee gibt es weniger Wollhandkrabben, weil das Wasser dort zu wenig Salz für ihre Fortpflanzung enthält.
- Heute gilt sie in den meisten Bundesländern als fest angesiedelt.
Die Wollhandkrabbe kann über Land laufen und so Hindernisse umgehen. Männchen legen im Wasser bis zu 12 Kilometer am Tag zurück.
Für die heimische Natur ist sie ein Problem: Sie frisst andere Bodentiere, überträgt die für heimische Flusskrebse tödliche Krebspest und gräbt Gänge, durch die Ufer stärker abgetragen werden. Fischern zerschneidet sie Netze und frisst Köder und gefangene Fische an. Die EU führt sie deshalb auf ihrer Liste der invasiven Arten. Versuche, sie aus besiedelten Gewässern wieder herauszufangen, hatten bisher keinen Erfolg.
Häufige Fragen zur Krabbe
Warum laufen Krabben seitwärts?
Ihre Beingelenke sind zur Seite besonders beweglich. So können Krabben schnell in beide Richtungen fliehen. Eine Studie von 2026 zeigt, dass der Seitwärtsgang vor etwa 200 Millionen Jahren ein einziges Mal entstanden ist. Einige Krabbenarten laufen aber auch vorwärts.
Ist die Nordseekrabbe eine Krabbe?
Nein. Die "Nordseekrabbe" ist eine Garnele, die Nordseegarnele (Crangon crangon). Echte Krabben haben einen kurzen, untergeklappten Hinterleib, Garnelen einen langen, schmalen Körper.
Wie viele Beine hat eine Krabbe?
Krabben haben zehn Beine, also fünf Beinpaare. Das vorderste Paar trägt die Scheren, die übrigen vier Paare sind Laufbeine.
Welche ist die größte Krabbe der Welt?
Die Japanische Riesenkrabbe. Ihr Panzer ist rund 37 Zentimeter lang, mit ausgestreckten Scheren misst sie fast 4 Meter. Sie gilt als größtes lebendes Gliederfüßertier.
Gibt es Krabben in Deutschland?
Ja. Ein bekanntes Beispiel ist die aus China eingeschleppte Wollhandkrabbe. Sie wurde 1912 zum ersten Mal in Deutschland gefunden und lebt heute in Flüssen wie Elbe, Weser, Ems und Rhein.
Ist die Königskrabbe eine echte Krabbe?
Nein. Die Königskrabbe gehört wie die Einsiedlerkrebse zu den Mittelkrebsen. Man erkennt das unter anderem daran, dass hinter den Scheren nur drei Laufbeinpaare zu sehen sind.
Ähnliche Tiere
- Königskrabbe - keine echte Krabbe, sondern ein Mittelkrebs
- Yeti-Krabbe - behaarter Tiefseekrebs, ebenfalls keine echte Krabbe
- Einsiedlerkrebs - Mittelkrebs mit weichem Hinterleib im Schneckenhaus
- Garnele - zu ihnen gehört die "Nordseekrabbe"
- Hummer - ein weiterer Zehnfußkrebs
Quellen
- Taniguchi, R. et al. (2026): Evolution of sideways locomotion in crabs. eLife 15, e110015
- De Grave, S. et al. (2009): A classification of living and fossil genera of decapod crustaceans. Raffles Bulletin of Zoology, Supplement 21: 1-109
- British Museum (Natural History) (1927): Guide to the Crustacea exhibited in the Department of Zoology, Abschnitte Anomura und Brachyura (S. 58-61), Brachyura (S. 62-67) und Brachyura (S. 68-72)
- Nordseegarnele (Krabbe, Granat) - Crangon crangon. Fischbestände online, Thünen-Institut
- Chinesische Wollhandkrabbe - Management- und Maßnahmenblatt zu VO (EU) Nr. 1143/2014, Stand Mai 2019 (PDF, Naturschutzinformationen NRW)
- Macrocheira kaempferi, Japanese spider crab - Animal Diversity Web, University of Michigan