Kragenbär

Zuletzt aktualisiert:

Kragenbär mit schwarzem Fell und hellem, halbmondförmigem Fleck auf der Brust sitzt auf einem Baumstamm
Guérin Nicolas (messages) / Wikimedia Commons / CC BY-SA 3.0

Kurz erklärt

Der Kragenbär lebt in den Wäldern Asiens und trägt einen hellen Fleck auf der Brust, der wie ein Halbmond aussieht. Deshalb heißt er auf Englisch Mondbär. Er klettert ausgezeichnet, frisst vor allem Pflanzen und hält in kalten Gebieten Winterruhe. Die IUCN führt ihn als gefährdet.

Steckbrief

Wissenschaftl. NameUrsus thibetanus
Abstammung
  • Klasse: Säugetiere
  • Ordnung: Raubtiere
  • Unterordnung: Hundeartige (Caniformia)
  • Familie: Bären (Ursidae)
  • Gattung: Ursus
  • Art: Kragenbär
Körpergröße1,3 bis 1,9 m
Körpergewicht50 bis 200 kg
ErnährungAllesfresser, überwiegend pflanzlich
LebenserwartungIn freier Natur meist deutlich kürzer, das Höchstalter liegt über 30 Jahre
SozialverhaltenEinzelgänger
HerkunftAsien
Verbreitung Vom Südosten Irans über den Himalaya bis Nordostchina, Russischer Ferner Osten, Japan und Taiwan Asien
EntdeckungErstbeschreibung 1823 durch Georges Cuvier
GefährdungVU Gefährdet (Rote Liste der IUCN, 2020)
SonstigesGewicht: Männchen 100 bis 200 kg, Weibchen 50 bis 125 kg. Der Schwanz misst nur rund 11 cm. Deutsche Namen: Kragenbär, Mondbär, Asiatischer Schwarzbär.

Aussehen und Körperbau

Der Kragenbär ist schwarz gefärbt und trägt auf der Brust einen cremefarbenen bis weißen Fleck in Form einer Mondsichel. Kein Fleck gleicht dem anderen, Forschende können einzelne Bären an diesem Muster auf Fotofallenbildern auseinanderhalten. Die Schnauze ist hell, viele Tiere haben außerdem weißes Fell an Kinn und Unterlippe. Selten treten braune, blonde oder blond-schwarze Färbungen auf.

Seinen deutschen Namen verdankt der Bär den bis zu 15 Zentimeter langen Haaren, die um Hals und Gesicht eine Mähne bilden. In manchen Teilen des Verbreitungsgebiets fehlt dieser Kragen. Auffällig sind auch die großen, weit auseinanderstehenden Ohren.

Ausgewachsene Kragenbären messen von der Nase bis zum Rumpfende 130 bis 190 Zentimeter, das Animal Diversity Web nennt 120 bis 180 Zentimeter. Der Schwanz ist mit etwa 11 Zentimetern unter dem langen Fell kaum zu sehen. Männchen wiegen 100 bis 200 Kilogramm, Weibchen 50 bis 125 Kilogramm. Der Körperbau ist kräftig, Schultern und Vorderbeine sind besonders muskulös, die Hinterbeine kürzer als beim Braunbären oder beim Amerikanischen Schwarzbären. Die gebogenen Krallen werden bis zu 5 Zentimeter lang, die breiten Sohlenballen geben beim Klettern Halt. Wie alle Bären ist der Kragenbär ein Sohlengänger.

Verbreitung und Lebensraum

Kragenbären leben ausschließlich in Asien. Ihr Verbreitungsgebiet reicht vom Südosten Irans über Pakistan und den Norden Afghanistans entlang der Vorberge des Himalaya bis nach Myanmar, Südchina und Südostasien. Kräftige Bestände gibt es im Nordosten Chinas und im Russischen Fernen Osten. Auch auf den japanischen Inseln Honshu und Shikoku sowie auf Taiwan und Hainan kommt die Art vor. Insgesamt nennt die IUCN Bear Specialist Group 18 Länder mit Vorkommen, mehr als die Hälfte des Areals liegt in China. In Malaysia fehlt der Kragenbär, dort besetzt der Malaienbär seine ökologische Nische.

Der Lebensraum sind Laub- und Nadelwälder vom Meeresspiegel bis in Höhen von 3.700 bis 4.300 Metern. Viele Bestände wandern mit dem Nahrungsangebot: Im Sommer halten sich die Tiere höher auf, im Herbst ziehen sie in tiefere Lagen, wo Eicheln und Nüsse reifen. In den trockenen Gebieten Irans und Südpakistans leben sie in lichten Steppenwäldern, nutzen Flussufer sowie verlassene Dattel-, Oliven- und Pistazienhaine und ruhen tagsüber in Felshöhlen.

Fossilien zeigen, dass Kragenbären vor Millionen von Jahren auch in Europa lebten, unter anderem im Gebiet des heutigen Frankreich und Deutschland. Heute kommen sie dort nicht mehr vor.

Ernährung

Kragenbären sind Allesfresser, ernähren sich aber überwiegend pflanzlich. Der Speiseplan wechselt mit den Jahreszeiten. Im Frühjahr machen Kräuter und frische Blätter den Großteil aus, Untersuchungen kommen auf rund 97 Prozent pflanzliche Nahrung. Im Sommer kommen weiche Früchte, Bambussprossen und Insekten wie Ameisen und Wespen dazu, der Anteil tierischer Nahrung steigt auf etwa 15 Prozent. Im Herbst zählen harte Früchte, also Eicheln, Bucheckern, Walnüsse, Kastanien, Haselnüsse und Pinienkerne, zur wichtigsten Nahrung. Mit ihnen fressen sich die Bären das Fett an, das sie über den Winter bringt.

Dazu kommen Wurzeln, Knollen, Beeren, Aas und kleine Wirbeltiere. Ihr Geruchssinn ist so fein, dass sie Insektenlarven noch etwa einen Meter tief im Boden aufspüren. Bei schlechter Ernte schälen Kragenbären die Rinde von Bäumen und fressen das nahrhafte Kambium darunter. Manche Tiere reißen große Huftiere, dokumentiert sind sogar getötete Wasserbüffel, und sie fressen Beutereste von Tigern. Obstgärten, Mais- und Haferfelder sowie Bienenstöcke ziehen sie an, was immer wieder zu Streit mit Menschen führt. In der Nähe von Siedlungen verlagern sie ihre Nahrungssuche in die Nacht, um Begegnungen zu vermeiden.

Verhalten und Winterruhe

Kragenbären leben einzelgängerisch. Nur zur Paarungszeit ziehen Paare gemeinsam umher. Die Streifgebiete schwanken stark: In Japan nutzen Weibchen 33 bis 96, Männchen 45 bis 123 Quadratkilometer, im Russischen Fernen Osten können die Reviere einzelner Männchen bis zu 1.000 Quadratkilometer groß werden. Je mehr Nahrung ein Wald hergibt, desto kleiner fällt das Gebiet aus.

Die Tiere klettern hervorragend und verbringen viel Zeit in Bäumen, wo sie Früchte und Nüsse ernten. Dabei hinterlassen sie typische Krallenspuren an den Stämmen, an denen Fachleute sie sogar vom Malaienbären unterscheiden können. Auch schwimmen können Kragenbären gut. Im Kampf stellen sie sich auf die Hinterbeine und schlagen mit den Vorderpfoten zu.

Nicht alle Kragenbären halten Winterruhe. In kalten Regionen ziehen sie sich in Höhlen oder hohle Bäume zurück und zehren vom Fett des Herbstes. Dabei sinkt der Herzschlag von 40 bis 70 auf 8 bis 12 Schläge pro Minute, der Stoffwechsel läuft nur noch halb so schnell. Die Körpertemperatur fällt allerdings nur um 3 bis 7 Grad, und die Bären sind schnell wieder wach. Fachleute streiten deshalb, ob man diese Ruhephase echten Winterschlaf nennen darf. Harn und Kot scheiden die Tiere in dieser Zeit nicht aus, die Abbauprodukte bauen sie im Körper wieder zu Eiweiß um.

Fortpflanzung und Nachwuchs

Die Paarungszeit dauert je nach Region von Mai bis August. Weibchen bekommen ihren ersten Wurf mit vier bis fünf Jahren. Nach der Paarung schwebt die befruchtete Eizelle vier bis fünf Monate lang frei in der Gebärmutter, bevor sie sich einnistet. Diese Keimruhe kennt man auch von anderen Bären. Die eigentliche Tragzeit dauert danach nur rund 60 Tage.

Geboren wird zwischen November und März, in Japan meist Ende Januar oder Anfang Februar. Ein Wurf besteht meist aus einem oder zwei Jungen, selten sind es drei. Neugeborene wiegen nur etwa 230 Gramm, das ist weniger als ein Tausendstel des Gewichts der Mutter. Sie sind blind und kommen in einer Höhle oder einem hohlen Baum zur Welt. Nach etwa 30 Tagen öffnen sie die Augen, im April oder Mai verlassen sie mit der Mutter zum ersten Mal das Winterquartier.

Mindestens eineinhalb Jahre bleiben die Jungen bei ihr, oft auch zwei bis drei Jahre. Deshalb bekommt ein Weibchen in der Regel nur alle zwei Jahre Nachwuchs. Das Höchstalter liegt über 30 Jahren, in freier Wildbahn werden die meisten Bären aber deutlich jünger.

Feinde und Gefährdung

Der wichtigste natürliche Feind des Kragenbären ist der Sibirische Tiger. Weil die Bären gern an Tigerrissen fressen, geraten sie in Gefahr, wenn der Tiger zu seiner Beute zurückkehrt.

Die IUCN führt den Kragenbären als gefährdet (VU). Die Einstufung von 2016 wurde 2020 in überarbeiteter Fassung veröffentlicht. Die Rote Liste geht davon aus, dass der weltweite Bestand in den vergangenen 30 Jahren um rund 31 Prozent zurückgegangen ist, und rechnet ohne Schutzmaßnahmen mit einem noch schnelleren Rückgang. Seit 1979 steht die Art in Anhang I des Washingtoner Artenschutzübereinkommens (CITES), der kommerzielle internationale Handel ist damit verboten.

Zuverlässige Zahlen gibt es nur für kleine Gebiete. Als grobe Schätzungen nennt die Bear Specialist Group rund 28.000 Tiere in China, 12.000 bis 19.000 in Japan, je 5.000 bis 7.000 in Indien und Russland sowie 100 bis 200 im Iran. In Südkorea leben nach einer Wiederansiedlung im Jirisan-Nationalpark ab 2004 wieder etwa 40 Bären.

Die größten Gefahren sind die Abholzung der Wälder und die Verfolgung durch Menschen. Gejagt werden Kragenbären wegen ihrer Haut, ihrer Tatzen und vor allem wegen der Gallenblase. Die Gallenflüssigkeit enthält Ursodeoxycholsäure, die in der Traditionellen Chinesischen Medizin verwendet wird. Seit den späten 1970er Jahren wird sie lebenden Bären in sogenannten Gallenbärenfarmen abgezapft. In China könnten trotz zahlreicher Provinzverbote noch 10.000 bis 17.000 Bären in solchen Anlagen sitzen. Die Organisation Animals Asia hat in Vietnam über 290 Bären aus Farmen gerettet, und alle 60.000 Mitglieder des vietnamesischen Verbands für Traditionelle Medizin haben zugesagt, keine Bärengalle mehr zu verschreiben. Pflanzliche und synthetische Ersatzstoffe sind längst verfügbar.

Dazu kommt die Jagd: Erlaubt ist sie nur in Russland mit 75 bis 100 erlegten Bären pro Jahr und in Japan mit rund 500. In Japan werden zusätzlich 1.000 bis 2.000 Bären pro Jahr getötet, weil sie Menschen zu nahe gekommen sind.

Besonderheiten

Mondsichel auf der Brust: Der helle Brustfleck ist bei jedem Tier anders geformt. Auf Fotofallenbildern dient er als Erkennungszeichen wie ein Fingerabdruck.

Kletterprofi: Kräftige Vorderbeine, kurze Hinterbeine und 5 Zentimeter lange Krallen machen den Kragenbären zu einem der besten Kletterer unter den Bären.

Keimruhe: Zwischen Paarung und Geburt liegen bis zu acht Monate, obwohl das Junge nur rund 60 Tage im Mutterleib heranwächst.

Winzige Neugeborene: Ein Kragenbär-Baby wiegt bei der Geburt etwa so viel wie eine Tafel Schokolade und ein halbes Päckchen Butter zusammen, also rund 230 Gramm.

Häufige Fragen zum Kragenbären

Wie groß und wie schwer wird ein Kragenbär?

Ausgewachsene Tiere messen 130 bis 190 Zentimeter. Männchen wiegen 100 bis 200 Kilogramm, Weibchen 50 bis 125 Kilogramm. Damit ist der Kragenbär deutlich leichter als ein Braunbär oder ein Eisbär.

Warum heißt der Kragenbär auch Mondbär?

Wegen des hellen Flecks auf seiner Brust, der wie eine Mondsichel aussieht. Auf Englisch heißt die Art deshalb "moon bear". Der Name Kragenbär kommt von den langen Haaren um Hals und Gesicht.

Was frisst ein Kragenbär?

Vor allem Pflanzen: Kräuter, Blätter, Bambussprossen, Beeren, Früchte und im Herbst Eicheln, Nüsse und Kastanien. Dazu kommen Insekten, Aas und gelegentlich größere Beutetiere. Im Frühjahr besteht die Nahrung zu etwa 97 Prozent aus Pflanzen.

Hält der Kragenbär Winterschlaf?

Nicht überall. In kalten Regionen zieht er sich im Winter in eine Höhle zurück, in warmen Gebieten bleibt er aktiv. Während der Ruhe sinkt der Puls auf 8 bis 12 Schläge pro Minute, die Körpertemperatur fällt aber nur um 3 bis 7 Grad.

Ist der Kragenbär gefährlich?

Kragenbären weichen Menschen normalerweise aus. Gefährlich werden sie, wenn sie verletzt sind oder ihre Jungen verteidigen. Dokumentiert sind auch Angriffe ohne erkennbaren Anlass, die meisten davon im Spätsommer.

Warum ist der Kragenbär bedroht?

Sein Wald wird abgeholzt, und er wird wegen seiner Gallenblase, seiner Tatzen und seines Fells gejagt. Die IUCN stuft ihn als gefährdet (VU) ein und schätzt den Rückgang der letzten 30 Jahre auf etwa 31 Prozent.

Ähnliche Tiere

Quellen

Größenvergleich

🪙1-Euro-Münze
2,3 cm
⚽Fußball
22 cm
🧒Kind
1,2 m
🧑Erwachsener
1,8 m
🏠Haus
10 m
▼Kragenbär
1,3 bis 1,9 m

Ein Kragenbär erreicht eine Körpergröße von 1,3 bis 1,9 m. Damit passt er bequem zwischen ein Kind (1,2 m) und einen Elefanten (3,5 m) auf unserer Vergleichsskala.

Gewichtsvergleich

🪙1-Euro-Münze
7,5 g
🍫Tafel Schokolade
100 g
⚽Fußball
430 g
🧒Kind
25 kg
🧑Erwachsener
75 kg
🚗Auto
1,5 t
🚌Schulbus
12 t
▼Kragenbär
50 bis 200 kg

Ein Kragenbär bringt 50 bis 200 kg auf die Waage. Das ist schwerer als ein Kind (25 kg), aber leichter als ein Auto (1,5 t). Anders ausgedrückt: Der Kragenbär wiegt so viel wie etwa 5 Kinder.