Kranich
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Kurz erklärt
Der Kranich ist ein großer grauer Vogel mit langen Beinen, schwarz-weißem Hals und roter Kopfplatte. Aufrecht stehend ist er bis 130 Zentimeter groß, seine Flügel spannen über zwei Meter. Im Herbst und Frühjahr ziehen Hunderttausende Kraniche trompetend über Deutschland und rasten an Orten wie Linum, an der Ostseeküste und in der Diepholzer Moorniederung. Berühmt sind ihre Tänze mit Sprüngen und Flügelschlagen.
Steckbrief
| Wissenschaftl. Name | Grus grus |
|---|---|
| Abstammung |
|
| Körpergröße | Aufrecht stehend 120 bis 130 cm; Flügelspannweite über 200 cm; Schnabel über 10 cm |
| Körpergewicht | Männchen 5 bis 7 kg, Weibchen knapp 5 bis 6 kg |
| Ernährung | Allesfresser: Insekten und ihre Larven, Würmer, Schnecken, Frösche, kleine Fische, Reptilien und Kleinsäuger; Mais- und Getreidekörner, Erbsen, Bohnen, Kartoffeln, Eicheln und andere Pflanzenteile |
| Lebenserwartung | Einzelne beringte Kraniche in freier Natur über 25 Jahre, in Gefangenschaft bis 40 Jahre (Kranichschutz Deutschland) |
| Sozialverhalten | Paare bleiben vermutlich meist zusammen, bis ein Partner stirbt; außerhalb der Brutzeit gesellig in Trupps und an großen Rast- und Schlafplätzen |
| Herkunft | Europa und Asien |
| Verbreitung | Brutgebiet von Nordwestdeutschland über Skandinavien, das Baltikum, Polen und Russland bis nach Asien; Winterquartiere je nach Zugweg in Spanien, Frankreich, zunehmend Deutschland, Ungarn, Nordafrika, Israel, Äthiopien und Iran AfrikaAsienEuropa |
| Entdeckung | Erstbeschreibung 1758 durch Carl von Linné |
| Gefährdung | LC Nicht gefährdet (Rote Liste der IUCN, 2025) |
| Sonstiges | In Deutschland brüten fast 12.000 Paare (Stand 2021). Im Herbst rasten über 350.000 Kraniche gleichzeitig in Deutschland, mehr als 90 Prozent der westeuropäischen Zugpopulation. |
Der „Vogel des Glücks“
Der Kranich (Grus grus) ist ein großer, grauer Schreitvogel mit langen Beinen und langem Hals. Abgesehen vom äußersten Südosten Europas ist er die einzige Kranichart, die in Europa vorkommt. Wegen seiner grauen Farbe heißt er auch Graukranich, außerdem Grauer oder Eurasischer Kranich.
Jedes Jahr im Herbst und im Frühjahr ziehen Hunderttausende Kraniche mit lauten, trompetenden Rufen über Deutschland hinweg. Der Naturschutzbund NABU nennt sie „Vögel des Glücks“ und „Boten des Glücks“. Auf dem Rückflug im Frühjahr läuten sie mit ihren Rufen den Frühling ein. Für den Kranich trägt Deutschland eine besondere Verantwortung: Fast alle Kraniche, die über Westeuropa ziehen, legen hier eine Pause ein.
Aussehen und Körperbau
Aufrecht stehend ist der Kranich 120 bis 130 Zentimeter groß. Damit ist er deutlich größer als Graureiher und Weißstorch, mit denen man ihn verwechseln könnte. Seine Flügel spannen über zwei Meter weit, so viel wie bei großen Adlern.
- Gefieder: grau, bei Altvögeln mit schwarz-weißer Zeichnung an Kopf und Hals
- Kopfplatte: rot und ohne Federn. Wenn der Kranich aufgeregt ist, schwillt sie an und leuchtet kräftig rot.
- Schnabel: über 10 Zentimeter lang, gelblich, schlank und keilförmig
- Schleppe: Über dem kurzen Schwanz hängen lange, buschige Schmuckfedern herab. Es sind verlängerte Federn der Flügel, keine Schwanzfedern. Bei Erregung und in der Balz stellt der Kranich sie auf und wirkt dann noch größer.
Viele Kraniche haben einen bräunlichen Rücken. Diese Farbe machen sie selbst: Sie streichen eisenhaltigen Schlamm auf ihre eigentlich grauen Rückenfedern.
Männchen und Weibchen sehen fast gleich aus. Die Männchen sind im Mittel etwas größer und wiegen 5 bis 7 Kilogramm, die Weibchen knapp 5 bis 6 Kilogramm. Im Flug erkennt man den Kranich am lang nach vorn gestreckten Hals und an den Beinen, die weit über den Schwanz hinausragen.
Junge Kraniche tragen zuerst ein zimtbraunes Dunenkleid und danach ein braunes Gefieder mit sandfarbenem Kopf. Die schwarz-weiße Kopfzeichnung wächst im ersten Winter nach und nach. Bis sie aussehen wie ihre Eltern, mit roter Kopfplatte und Schleppe, dauert es drei bis vier Jahre.
Verbreitung und Lebensraum
Das Brutgebiet des Kranichs reicht von Nordwestdeutschland über Skandinavien, das Baltikum, Polen, die Ukraine, Belarus und Russland bis weit nach Asien. Kleinere, getrennte Vorkommen gibt es in England, den Niederlanden und Frankreich. In Europa brüten insgesamt über 130.000 Paare (Stand 2015), die meisten in Schweden, Finnland, Russland und Polen.
Zum Brüten braucht der Kranich Feuchtgebiete: Moore, Bruchwälder und verlandende Seen und Teiche. In Deutschland nistet er am häufigsten in Erlenbrüchen, also nassen bis sumpfigen Erlenwäldern. Auch kleine, mit Wasser gefüllte Senken mitten im Feld nutzt er.
Zum Schlafen stellen sich Kraniche in flaches Wasser, am liebsten 20 bis 30 Zentimeter tief. Dort schlafen sie im Stehen und sind vor Feinden geschützt. Tagsüber suchen sie ihre Nahrung auf Feldern, Wiesen und abgeernteten Äckern.
Ernährung: Was frisst ein Kranich?
Der Kranich ist ein Allesfresser und kaum wählerisch:
- Tiere: Insekten und ihre Larven, Würmer, Schnecken, Frösche, kleine Fische, Reptilien und Kleinsäuger wie Mäuse
- Pflanzen: Mais- und Getreidekörner, Erbsen, Bohnen, Sonnenblumenkerne, Kartoffeln, Beeren, Eicheln und Oliven
Das ist für einen Zugvogel praktisch, denn so findet er im Brutgebiet, auf dem Zug und im Winterquartier genug zu fressen. Zur Brutzeit sucht er seine Nahrung oft im Wald, in Mooren und auf feuchten Wiesen. Im Herbst und Winter fliegt er gezielt abgeerntete Felder an und sammelt liegen gebliebene Körner, erst auf Getreidestoppeln, später vor allem auf Maisstoppeln. In Spanien frisst er gern die Eicheln von Stein- und Korkeichen. Im Winter braucht ein Kranich etwa 200 Gramm Körner am Tag, während der Zugzeit etwa 300 Gramm.
Der Kranichzug über Deutschland
Kraniche sind Zugvögel. Die Kraniche, die über Deutschland ziehen, gehören alle zum westeuropäischen Zugweg. Sie brüten in Skandinavien, Mitteleuropa und im Baltikum und überwintern vor allem in Frankreich und Spanien. Ein großer Teil der finnischen Kraniche und viele Kraniche aus dem Osten Estlands und aus Westrussland nutzen dagegen andere Zugwege. Sie überwintern zum Beispiel in Ungarn, Nordafrika, Israel, Äthiopien oder im Iran.
Den Durchzug kann man im Herbst vor allem im Oktober und November beobachten, im Frühjahr im Februar und März. Meist ziehen die Kraniche an wenigen Tagen mit Hochdruckwetter und Rückenwind in großen Massen. Sie fliegen in langen Ketten oder in Keilform. Von den Rastgebieten im Nordosten ziehen sie nach Südwesten und überqueren dabei unter anderem Sachsen-Anhalt, Thüringen, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Hessen und Rheinland-Pfalz.
Die Zugwege werden in den letzten Jahren kürzer. Ein erheblicher Teil der Kraniche, die in Nordwestdeutschland brüten, bleibt auch im Winter in der Nähe der Brutgebiete, und auch in Nordostdeutschland überwintern immer häufiger einzelne Paare.
Die großen Rastplätze
Im Herbst rasten in Deutschland gleichzeitig über 350.000 Kraniche. Das sind mehr als 90 Prozent aller Kraniche, die auf dem westeuropäischen Zugweg unterwegs sind. Hier fressen sie sich Fettreserven für den langen Flug in den Süden an. Es gibt über 200 Schlafplätze, an etwa 20 davon zählt man regelmäßig mehr als 10.000 Kraniche. Die meisten sammeln sich in drei Regionen:
- Rhin-Havelluch in Brandenburg: Zentraler Rastplatz ist das Teichgebiet bei Linum nordwestlich von Berlin. Hier rasten regelmäßig über 70.000 Kraniche gleichzeitig, im Herbst 2014 waren es sogar 123.000. Viele kommen aus Polen, dem Baltikum und Finnland.
- Vorpommersche Küste in Mecklenburg-Vorpommern: Im Oktober sind hier gleichzeitig über 70.000 Kraniche zu sehen, vor allem aus Schweden und Norwegen. Sie schlafen in den flachen Boddengewässern, zum Beispiel an der Insel Kirr. In der Region Rügen-Bock betreiben Behörden und Kranichschützer gemeinsam mit Landwirten Ablenkfütterungen, damit die Vögel frisch eingesäte Felder verschonen.
- Diepholzer Moorniederung in Niedersachsen: Zwischen Osnabrück und Bremen wurden ehemalige Torfabbauflächen wieder vernässt. Seitdem rasten hier im November regelmäßig über 100.000 Kraniche. Viele davon haben vorher schon an der Ostseeküste Pause gemacht.
An den Rastplätzen läuft jeder Tag gleich ab: Im Morgengrauen fliegen die Kraniche rufend zu den Feldern, abends kehren sie in großen Trupps zu den Schlafplätzen zurück. Für gutes Futter fliegen sie bis zu 30 Kilometer weit. Kraniche reagieren empfindlich auf Störungen: Jede Flucht kostet Energie, die sie für den Weiterflug brauchen. Wer sie beobachtet, sollte deshalb Abstand halten.
Balztanz und Partnerschaft
Berühmt sind die Tänze der Kraniche. Sie sind ein Ausdruck von Erregung und sind vor allem früh am Morgen in den Brutgebieten zu sehen, aber auch auf den Rastplätzen im Frühjahr. Die Vögel springen in die Luft, schlagen mit den Flügeln, rennen im Zickzack oder im Kreis und werfen Pflanzenteile und Steinchen hoch. Die eigentliche Balz findet in der Nähe des Brutplatzes statt. Sie stimmt die Partner aufeinander ein und bereitet die Paarung vor.
Kraniche führen meist eine Dauerehe: Ein Paar bleibt vermutlich in der Regel zusammen, bis einer der Partner stirbt. Es gibt aber Ausnahmen. Die Paare finden sich wahrscheinlich schon ein bis zwei Jahre, bevor sie zum ersten Mal brüten, in Trupps junger Kraniche.
Fortpflanzung und Nachwuchs
Die einheimischen Kraniche kehren ab Februar in ihre Brutgebiete zurück. Ab Mitte März oder Anfang April beginnt das Weibchen mit der Eiablage.
- Nest: ein Haufen aus Pflanzenmaterial im etwa knietiefen Wasser, bis zu einem Meter breit
- Gelege: meist 2 Eier, im Abstand von ein bis drei Tagen gelegt
- Brutdauer: 30 bis 31 Tage, beide Eltern brüten
- Flugfähig: nach etwa zehn Wochen
Durch das Wasser rund um das Nest kommen Füchse und Wildschweine schlechter an die Eier heran. Die Küken sind Nestflüchter: Schon 24 bis 30 Stunden nach dem Schlüpfen folgen sie den Eltern auf Nahrungssuche. In den ersten Wochen reichen ihnen die Eltern Insekten, Larven, Würmer und Schnecken mit dem Schnabel. Ab Ende Juli begleiten die jungen Kraniche ihre Eltern zu weiter entfernten Futterplätzen.
Kraniche werden frühestens im dritten Lebensjahr geschlechtsreif und brüten meist erst ab dem vierten Jahr. Einzelne beringte Kraniche wurden in freier Natur über 25 Jahre alt, in Gefangenschaft erreichen sie bis zu 40 Jahre.
Bestand und Gefährdung
Die IUCN stuft den Kranich weltweit als nicht gefährdet ein (Least Concern, Einstufung von 2025).
In Deutschland brüten heute fast 12.000 Paare (Stand 2021), in 13 Bundesländern. Die meisten leben in Mecklenburg-Vorpommern (etwa 5.000 Paare) und Brandenburg (3.320 Paare), weitere in Niedersachsen, Sachsen-Anhalt, Schleswig-Holstein und Sachsen. Hessen kam 2021 als jüngstes Brutland hinzu.
Ganz ohne Sorgen ist der Kranich trotzdem nicht. Er braucht nasse, ruhige Brutplätze. Fällt der Wasserstand zu stark, erreichen Füchse und Wildschweine die Nester und fressen die Eier. Brütende Kraniche sind außerdem sehr empfindlich: Störungen durch Forstarbeiten, Landwirtschaft, Jagd oder Tourismus können dazu führen, dass sie ihr Nest aufgeben. In Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg schützen deshalb Gesetze Zonen von bis zu 300 Metern rund um die Nester.
Häufige Fragen zum Kranich
Wann ziehen die Kraniche über Deutschland?
Im Herbst vor allem im Oktober und November, im Frühjahr im Februar und März. Meist ziehen sie an wenigen Tagen mit Hochdruckwetter und Rückenwind in großer Zahl.
Wo kann man in Deutschland Kraniche beobachten?
Die größten Rastplätze liegen bei Linum in Brandenburg, an der Vorpommerschen Küste und in der Diepholzer Moorniederung in Niedersachsen. Dort rasten im Herbst jeweils Zehntausende Kraniche.
Wie groß wird ein Kranich?
Aufrecht stehend ist ein Kranich 120 bis 130 Zentimeter groß. Seine Flügel spannen über zwei Meter. Männchen wiegen 5 bis 7 Kilogramm, Weibchen etwas weniger.
Ist der Kranich ein Glücksvogel?
Der NABU nennt Kraniche „Vögel des Glücks“ und „Boten des Glücks“. Wenn sie im Frühjahr zurückkehren, läuten sie mit ihren trompetenden Rufen den Frühling ein.
Warum tanzen Kraniche?
Die Tänze sind ein Ausdruck innerer Erregung. Man sieht sie vor allem morgens in den Brutgebieten und bei der Rast im Frühjahr. Die Vögel springen, schlagen mit den Flügeln und werfen Pflanzenteile in die Luft.
Bleiben Kraniche ein Leben lang zusammen?
Vermutlich meistens ja. Fachleute gehen davon aus, dass ein Kranichpaar in der Regel zusammenbleibt, bis einer der Partner stirbt. Es gibt aber auch Ausnahmen.
Ähnliche Tiere
- Storch - ein weiterer großer Schreitvogel, mit dem der Kranich verwechselt werden kann
- Reiher - Graureiher sind kleiner, werden aber manchmal mit Kranichen verwechselt
- Gans - Wildgänse ziehen ähnlich wie Kraniche und werden im Flug oft mit ihnen verwechselt
Quellen
Größenvergleich
Ein Kranich erreicht eine Körpergröße von 1,2 bis 1,3 m. Damit passt er bequem zwischen einen Fußball (22 cm) und einen Erwachsenen (1,8 m) auf unserer Vergleichsskala. Das bedeutet: Der Kranich ist etwa 6-mal so groß wie ein Fußball.
Gewichtsvergleich
Ein Kranich bringt 5 bis 7 kg auf die Waage. Das ist schwerer als eine Hauskatze (4 kg), aber leichter als ein Kind (25 kg).