Krokodil

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Bildcollage mit drei Krokodilarten: ein Leistenkrokodil am schlammigen Ufer, ein Gangesgavial mit langer, schmaler Schnauze im Fluss und ein dunkler Mississippi-Alligator im Gras
Bobisbob / Wikimedia Commons / CC BY-SA 3.0

Kurz erklärt

Krokodile sind große Reptilien, die im und am Wasser warmer Länder leben. Zu ihnen gehören 26 Arten: die Echten Krokodile, die Alligatoren und Kaimane sowie die Gaviale. Die kleinsten wiegen nur wenige Kilogramm, große Leistenkrokodile rund eine Tonne. Alle fressen Fleisch und legen Eier, deren Temperatur bestimmt, ob Männchen oder Weibchen schlüpfen.

Steckbrief

Wissenschaftl. NameCrocodylia
Abstammung
  • Klasse: Reptilien
  • Ordnung: Krokodile
KörpergrößeJe nach Art von etwa 1,2 m (Brauen-Glattstirnkaiman) bis über 6 m (Leistenkrokodil)
KörpergewichtJe nach Art von etwa 6 bis 7 kg (Brauen-Glattstirnkaiman) bis rund 1.000 kg (große Männchen des Leistenkrokodils)
ErnährungFleischfresser: Jungtiere vor allem Insekten und Krebstiere, erwachsene Tiere Fische, Frösche, Vögel, Reptilien und Säugetiere
LebenserwartungFür die meisten Arten nicht genau bekannt, oft mehrere Jahrzehnte
SozialverhaltenJe nach Art verschieden: manche Arten meist einzeln, Nilkrokodile gesellig
HerkunftUnbekannt
Verbreitung Warme Regionen in Amerika, Afrika, Süd- und Südostasien, China, Neuguinea und Nordaustralien AfrikaAsienNordamerikaSüdamerikaAustralien
SonstigesDie Ordnung umfasst nach der IUCN Crocodile Specialist Group 26 anerkannte Arten (Stand 2024). Größe und Gewicht unterscheiden sich stark zwischen den Arten, die Körpergröße ist die Gesamtlänge.

Was ist ein Krokodil?

Das Wort „Krokodil“ wird auf zwei Arten benutzt:

  • Im weiteren Sinn meint man damit alle Krokodile (Crocodylia). Das ist eine Ordnung der Reptilien, zu der auch Alligatoren, Kaimane und Gaviale gehören. Um diese ganze Gruppe geht es auf dieser Seite.
  • Im engeren Sinn meint man nur die Echten Krokodile (Familie Crocodylidae), zum Beispiel das Leistenkrokodil, das Nilkrokodil oder das Sumpfkrokodil.

Die Krokodil-Fachgruppe der Weltnaturschutzunion IUCN, die Crocodile Specialist Group, erkennt heute 26 Arten an (Stand 2024). Für zwei weitere mögliche Arten reichen die Belege noch nicht aus. Die 26 Arten verteilen sich auf drei Gruppen:

  • Alligatoren und Kaimane (Familie Alligatoridae): 8 Arten, darunter der Mississippi-Alligator, der China-Alligator und sechs Kaimanarten aus Mittel- und Südamerika. Mehr dazu auf den Seiten Alligator und Kaiman.
  • Echte Krokodile (Familie Crocodylidae): 16 Arten, zum Beispiel das Leistenkrokodil, das Nilkrokodil, das Spitzkrokodil und das Stumpfkrokodil.
  • Gaviale (Familie Gavialidae): der Gangesgavial und der Sunda-Gavial, den man heute meist ebenfalls in diese Familie stellt.

Krokodil oder Alligator: So erkennt man den Unterschied

Krokodile und Alligatoren sehen sich ähnlich, unterscheiden sich aber in einigen Merkmalen:

MerkmalEchte KrokodileAlligatoren und Kaimane
Schnauzemeist länger und spitz, V-förmigbreit und abgerundet, U-förmig
Zähne bei geschlossenem Maulobere und untere Zähne greifen ineinander, der große vierte Unterkieferzahn bleibt sichtbarder Oberkiefer ist breiter und verdeckt die unteren Zähne fast ganz
Salzdrüsen auf der Zungefunktionieren, deshalb kommen manche Arten auch im Meer zurechtkaum noch funktionsfähig

Die Regel mit der Schnauzenform passt nicht bei jeder Art. Gaviale erkennt man dagegen leicht: Ihre Schnauze ist sehr lang und dünn und eignet sich besonders gut zum Fangen von Fischen.

Aussehen und Körperbau

Alle Krokodile haben einen ähnlichen Bauplan: eine lange Schnauze mit vielen Zähnen, einen langen, kräftigen Schwanz, einen stromlinienförmigen Körper und kurze Beine mit Krallen und Schwimmhäuten. In ihrer dicken Haut stecken Knochenplatten, die den Körper wie eine Panzerung schützen.

Gut getarnt im Wasser: Augen, Ohren und Nasenlöcher liegen oben auf dem Kopf in einer Linie. So kann ein Krokodil sehen, hören und atmen, während fast der ganze Körper unter Wasser liegt. Beim Tauchen schützt ein durchsichtiges drittes Augenlid die Augen, und über die Ohren legen sich Hautklappen. Das Leistenkrokodil hat 64 bis 68 Zähne.

Größe: Die Arten unterscheiden sich stark:

  • Das Leistenkrokodil ist das größte heute lebende Reptil. Erwachsene Tiere sind im Durchschnitt 3 bis 5 Meter lang, wobei die Männchen viel größer werden als die Weibchen. Männchen erreichen im Schnitt gut 5 Meter. Nach Angaben des Australian Museum wurde das größte zuverlässig vermessene Tier 1974 im Northern Territory in Australien gefangen. Es war mindestens 6,15 Meter lang. Ein besonders großer Schädel deutet darauf hin, dass einzelne Tiere noch größer werden können. Berichte über 8 bis 10 Meter lange Tiere sind nicht belegt.
  • Nilkrokodil-Männchen werden häufig über 4 Meter lang.
  • Das Stumpfkrokodil aus West- und Zentralafrika wird selten länger als 2 Meter.
  • Der Brauen-Glattstirnkaiman (auch Zwergkaiman genannt) aus Südamerika ist der kleinste Vertreter der Alligatoren und Kaimane. Männchen werden 1,3 bis 1,5 Meter lang, Weibchen etwa 1,2 Meter.

Gewicht: Der Brauen-Glattstirnkaiman wiegt nur etwa 6 bis 7 Kilogramm. Ein durchschnittliches männliches Leistenkrokodil bringt nach Angaben von National Geographic rund 450 Kilogramm auf die Waage. Sehr große Männchen können etwa eine Tonne wiegen.

Wachstum: Krokodile wachsen ihr ganzes Leben lang weiter. Am schnellsten wachsen sie in den ersten Lebensjahren, danach wird das Wachstum immer langsamer.

Verbreitung und Lebensraum

Krokodile leben in warmen Regionen auf mehreren Kontinenten:

  • Amerika: vom Süden der USA über Mittelamerika und die Karibik bis nach Südamerika
  • Afrika: in weiten Teilen des Kontinents südlich der Sahara, dazu in Ägypten und auf Madagaskar
  • Asien: von Iran und Pakistan über Indien und Sri Lanka bis Südostasien sowie der China-Alligator in China
  • Australien und Ozeanien: Neuguinea, Nordaustralien und die Salomonen

Viele Arten leben im Süßwasser, also in Flüssen, Seen und Sümpfen. Einige Echte Krokodile vertragen auch Salzwasser. Das Leistenkrokodil lebt in Flussmündungen, Mangroven und an Küsten und schwimmt sogar über das offene Meer. Man hat es schon auf abgelegenen Inseln wie Fidschi gefunden.

Wärme von außen: Krokodile können ihre Körpertemperatur nicht selbst erzeugen wie Säugetiere. Sie sonnen sich an Land, um sich aufzuwärmen, und gehen ins Wasser oder in den Schatten, wenn es zu heiß wird. Leistenkrokodile lassen ihre Körpertemperatur freiwillig kaum über 35 °C steigen.

Ernährung

Alle Krokodile sind Fleischfresser. Was auf dem Speiseplan steht, hängt von der Art und vom Alter ab:

  • Junge Krokodile fressen vor allem kleine Tiere wie Insekten und Krebstiere.
  • Erwachsene Tiere jagen größere Beute, zum Beispiel Fische, Frösche, Wasservögel, Schildkröten und Säugetiere. Große Leistenkrokodile überwältigen sogar Tiere von der Größe eines Wasserbüffels.
  • Das kleine Stumpfkrokodil frisst vor allem Schnecken und Krabben, dazu Frösche und Fische.

So jagen sie: Viele Krokodile lauern im Wasser, bis ein Tier nahe genug herankommt, etwa um zu trinken. Dann schwimmen sie fast unsichtbar heran, schnellen vor und schlagen die Kiefer zu. Kleine Beute schlucken sie im Ganzen. Größere Beute ziehen sie ins tiefe Wasser. Ist ein Tier zu groß zum Schlucken, reißt das Krokodil Stücke ab, indem es den Kopf heftig schüttelt oder sich um die eigene Achse dreht.

Zunge und Schädelknochen eines Krokodils sind kaum beweglich, deshalb werfen sie die Beute im Maul hin und her, bis sie sie schlucken können. Der Magen ist eher klein. Reste versteckt das Leistenkrokodil manchmal unter Wasser oder in den Mangroven und frisst sie später. Krokodile fressen außerdem Aas, und größere Tiere fressen auch kleinere Artgenossen.

Verhalten und Lebensweise

Einzeln oder gesellig: Das Stumpfkrokodil ist vor allem nachts aktiv. Nilkrokodile sind dagegen gesellig. Leistenkrokodile jagen überwiegend nachts, schnappen aber auch tagsüber zu, wenn sich eine Gelegenheit bietet.

Krokodile verständigen sich: Leistenkrokodile nutzen dafür Laute, Körperhaltungen und vermutlich auch Duftstoffe. Junge Leistenkrokodile rufen mit hohen Tönen nach ihrer Mutter. Erwachsene knurren, wenn sie sich bedroht fühlen, und Männchen machen in der Paarungszeit mit Knurren auf sich aufmerksam. Drüsen am Kinn und an der Kloake geben einen Duftstoff ab, der wahrscheinlich bei der Balz oder beim Markieren des Reviers wichtig ist.

Guter Orientierungssinn: Leistenkrokodile finden in ihr Revier zurück, selbst wenn man sie in einen anderen Fluss bringt. In einer Studie im Northern Territory legten umgesiedelte Tiere dafür im Schnitt 65 Kilometer entlang der Küste zurück.

Fortpflanzung und Nachwuchs

Alle Krokodile legen Eier mit harter Kalkschale. Am Beispiel des Leistenkrokodils:

  1. Nestbau: Das Weibchen scharrt Pflanzenteile und Erde zu einem Hügel zusammen, bis zu 2,5 Meter lang und 80 Zentimeter hoch. Das Nest liegt meist nah am Wasser.
  2. Eiablage: Darin legt es bis zu 71 Eier, im Durchschnitt etwa 50. Ein Nilkrokodil-Weibchen legt 25 bis 100 Eier, das kleine Stumpfkrokodil nur etwa 10 bis 14. Die Wärme der verrottenden Pflanzen und der Sonne brütet die Eier aus.
  3. Temperatur entscheidet: Ob ein Männchen oder ein Weibchen schlüpft, hängt bei Krokodilen von der Temperatur im Nest ab. Beim Leistenkrokodil entstehen in einem schmalen Bereich um 32 °C vor allem Männchen. Ist es kühler (unter etwa 31 °C) oder wärmer (über etwa 33 °C), schlüpfen vor allem Weibchen. Bei anderen Krokodilarten liegen die Grenzwerte etwas anders.
  4. Bewachung: Das Weibchen bewacht das Nest und bleibt in der Nähe.
  5. Schlupf: Nach 2 bis 3 Monaten schlüpfen die Jungen und rufen nach ihrer Mutter. Sie hilft, die Kleinen aus dem Nest zu graben, und trägt sie im Maul ins Wasser. Dort beschützt sie sie noch eine Weile.

Trotz der Brutpflege überleben nur wenige Jungtiere. Beim Leistenkrokodil schlüpfen aus bis zu 75 Prozent der Eier einer Saison keine Jungen, etwa weil das Nest überflutet wird oder überhitzt. Von den geschlüpften Jungen erreichen nur sehr wenige das Erwachsenenalter. Greifvögel, große Fische, Schildkröten und ältere Krokodile fressen viele von ihnen.

Leistenkrokodile werden spät geschlechtsreif: laut der Altersdatenbank AnAge Weibchen im Durchschnitt mit etwa 10 Jahren, Männchen mit etwa 16 Jahren.

Lebenserwartung: Wie alt Krokodile in freier Natur werden, ist für die meisten Arten nicht genau bekannt. Brauen-Glattstirnkaimane können 20 bis 40 Jahre und älter werden. Laut AnAge wurde ein männliches Leistenkrokodil in Menschenobhut mindestens 57 Jahre alt.

Feinde und Gefährdung

Erwachsene Krokodile großer Arten haben außer größeren Artgenossen und dem Menschen kaum Feinde. Eier und Jungtiere werden dagegen von vielen Tieren gefressen, bei den Leistenkrokodilen in Australien zum Beispiel von Waranen und verwilderten Schweinen.

Gefährdung: Viele Krokodilarten wurden wegen ihrer Haut stark bejagt, aus der Leder gemacht wird. Dazu kommen der Verlust von Lebensräumen und in dicht besiedelten Ländern der Druck durch viele Menschen. Nach der Artenliste der Crocodile Specialist Group (2024) sind auf der Roten Liste der IUCN:

  • 7 Arten vom Aussterben bedroht (Critically Endangered): China-Alligator, Orinoko-Krokodil, Philippinen-Krokodil, Kubakrokodil, Siam-Krokodil, Westafrikanisches Panzerkrokodil und Gangesgavial
  • 1 Art stark gefährdet (Endangered): der Sunda-Gavial
  • 3 Arten gefährdet (Vulnerable): Spitzkrokodil, Sumpfkrokodil und Stumpfkrokodil
  • 12 Arten nicht gefährdet (Least Concern), darunter Leistenkrokodil, Nilkrokodil und Mississippi-Alligator
  • 3 Arten noch nicht vollständig bewertet

Ein Erfolg: Leistenkrokodile wurden in Australien bis in die 1970er-Jahre stark gejagt. Seit sie geschützt sind, haben sie sich deutlich erholt. Im Norden Australiens sind Leistenkrokodile heute wieder häufig.

Krokodile und Menschen: Große Leistenkrokodile können auch für Menschen gefährlich werden. Wer in ihrem Lebensraum unterwegs ist, sollte deshalb Abstand vom Wasser halten und Warnschilder beachten.

Häufige Fragen zum Krokodil

Wie viel wiegt ein Krokodil?

Das hängt stark von der Art ab. Der kleine Brauen-Glattstirnkaiman wiegt nur 6 bis 7 Kilogramm. Ein durchschnittliches männliches Leistenkrokodil wiegt rund 450 Kilogramm, sehr große Männchen etwa eine Tonne. Weibchen sind deutlich leichter als Männchen.

Wie groß werden Krokodile?

Die kleinsten Arten werden nur etwa 1,2 bis 1,5 Meter lang. Das Leistenkrokodil ist das größte: Männchen werden im Schnitt gut 5 Meter lang, einzelne auch über 6 Meter. Krokodile wachsen ihr Leben lang, im Alter aber nur noch langsam.

Wie viele Krokodilarten gibt es?

Die IUCN Crocodile Specialist Group erkennt 26 Arten an (Stand 2024): 16 Echte Krokodile, 8 Alligatoren und Kaimane sowie 2 Gaviale. Zwei weitere Arten werden diskutiert, sind aber noch nicht offiziell anerkannt.

Was ist der Unterschied zwischen Krokodil und Alligator?

Echte Krokodile haben meist eine spitzere, V-förmige Schnauze, und bei geschlossenem Maul sieht man auch Zähne des Unterkiefers. Alligatoren haben eine breite, U-förmige Schnauze, ihr Oberkiefer verdeckt die unteren Zähne fast ganz. Außerdem vertragen viele Echte Krokodile Salzwasser besser.

Wo leben Krokodile?

Krokodile leben in warmen Gebieten Amerikas, Afrikas, Asiens und Australiens. Die meisten Arten bewohnen Flüsse, Seen und Sümpfe. Das Leistenkrokodil kommt auch an Küsten und im Meer vor.

Was fressen Krokodile?

Krokodile fressen nur Tiere. Junge Krokodile erbeuten vor allem Insekten und Krebstiere, erwachsene Tiere Fische, Frösche, Vögel, Schildkröten und Säugetiere. Große Leistenkrokodile können Tiere von der Größe eines Wasserbüffels überwältigen.

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Quellen