Kugelfisch

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Weißflecken-Kugelfisch mit hellen Punkten auf graugrünem Körper schwimmt vor einem Korallenriff
Diego Delso / Wikimedia Commons / CC BY-SA 4.0

Kurz erklärt

Kugelfische sind Fische, die sich bei Gefahr mit Wasser vollpumpen und dann zwei- bis dreimal so groß werden wie vorher. Es gibt über 200 Arten, die meisten leben in warmen Meeren, einige auch in Flüssen. Viele Kugelfische enthalten das starke Gift Tetrodotoxin. In Japan darf Kugelfisch als Speise nur von geprüften Fachleuten zubereitet werden.

Steckbrief

Wissenschaftl. NameTetraodontidae
Abstammung
  • Klasse: Strahlenflosser (Actinopterygii)
  • Ordnung: Kugelfischartige (Tetraodontiformes)
  • Familie: Kugelfische (Tetraodontidae)
KörpergrößeJe nach Art sehr verschieden: Carinotetraodon travancoricus aus Indien bleibt meist unter 2,5 cm und wird höchstens 3,5 cm lang, Arothron stellatus erreicht bis 120 cm
KörpergewichtTetraodon lineatus bis 1 kg, Lagocephalus sceleratus bis 9 kg
ErnährungJe nach Art verschieden: manche Arten fressen fast alles, andere bevorzugen bestimmte wirbellose Tiere wie Schnecken und Muscheln oder Algen
LebenserwartungFür die meisten Arten kaum bekannt; bei Tetraodon lineatus ist ein Höchstalter von 5 Jahren belegt (FishBase)
SozialverhaltenKaum erforscht; die Eier werden meist in ein Nest am Boden gelegt und vermutlich bewacht, bei Torquigener albomaculosus bewacht das Männchen die Eier 6 Tage lang
HerkunftTropische und subtropische Meere
Verbreitung Tropische und subtropische Bereiche von Atlantik, Indischem Ozean und Pazifik, vor allem im Meer; viele Arten gehen ins Brackwasser, einige leben nur im Süßwasser, etwa in Afrika (Nil, Tschadsee), Südasien und Südostasien (Mekong) und Südamerika (Amazonas) AfrikaAsienSüdamerikaMeer
SonstigesGruppenseite ohne eigene Gesamteinstufung. Beispiele aus der Roten Liste der IUCN: Takifugu chinensis vom Aussterben bedroht (CR, 2014); Carinotetraodon travancoricus gefährdet (VU, 2011); Takifugu rubripes potenziell gefährdet (NT, 2014); Tetraodon lineatus (2020) und Colomesus asellus (2022) nicht gefährdet (LC). Torquigener albomaculosus ist nicht bewertet (NE). In der EU ist der Handel mit Kugelfisch-Erzeugnissen verboten.

Was sind Kugelfische?

Kugelfische bilden eine Familie von Fischen mit dem wissenschaftlichen Namen Tetraodontidae. Sie gehören zur Ordnung der Kugelfischartigen. Die Fischdatenbank FishBase führt 206 Arten in 29 Gattungen.

Berühmt sind Kugelfische für zwei Dinge: Sie können sich bei Gefahr zu einer Kugel aufpumpen, und viele von ihnen sind sehr giftig. Trotzdem gelten manche Arten in Japan als Delikatesse.

Der wissenschaftliche Name verrät eine weitere Besonderheit. Er kommt aus dem Griechischen: "tetra" heißt "vier" und "odous" heißt "Zahn". Kugelfische haben nämlich vier zusammengewachsene Zähne.

Aussehen und Körperbau

Kugelfische sehen sehr unterschiedlich aus. Gemeinsam sind ihnen einige Merkmale:

  • Schnabel aus vier Zähnen: Die Zähne im Ober- und Unterkiefer sind zu je zwei Platten verwachsen, die in der Mitte durch eine Naht getrennt sind. So entsteht ein kräftiger, schnabelartiger Biss aus vier Zahnplatten.
  • Haut ohne Schuppen: Die Haut ist nackt oder trägt am Bauch kurze Stacheln.
  • Keine Rippen: Kugelfische haben keine Rippen.
  • Schwanzflosse: Sie ist leicht gegabelt bis abgerundet.

Größe: Die Unterschiede sind gewaltig. Der indische Kugelfisch Carinotetraodon travancoricus bleibt meist kleiner als 2,5 Zentimeter und wird höchstens 3,5 Zentimeter lang. Arothron stellatus aus dem Indopazifik kann dagegen bis zu 120 Zentimeter lang werden. Lagocephalus sceleratus erreicht 110 Zentimeter und bis zu 9 Kilogramm.

Wie pumpt sich ein Kugelfisch auf?

Droht Gefahr, pumpt sich der Kugelfisch mit Wasser auf. Bei Tetraodon lineatus aus Afrika verbindet eine Tasche an der Bauchseite den Kiemenraum mit der Speiseröhre. Dorthin pumpt der Fisch das Wasser und bläht seinen Körper wie einen Ball auf.

Aufgepumpt ist ein Kugelfisch zwei- bis dreimal so groß wie sonst. Giftige Kugelfische geben dabei außerdem ihr Gift über die Haut ab, um Angreifer abzuschrecken.

Verbreitung und Lebensraum

Kugelfische leben in den tropischen und subtropischen Meeren, im Atlantik, im Indischen Ozean und im Pazifik. Viele Arten halten sich an Korallenriffen, auf Sand- und Schlammböden oder in Flussmündungen auf. Manche schwimmen ins Brackwasser, wo sich Salz- und Süßwasser mischen.

Einige Arten leben sogar nur im Süßwasser:

  • Afrika:Tetraodon lineatus lebt im Nil, im Tschadsee, in den Flüssen Senegal, Gambia und Volta sowie im Turkana-See in Kenia. Er wird bis zu 43 Zentimeter lang und 1 Kilogramm schwer.
  • Südamerika:Colomesus asellus lebt im Amazonasbecken von Peru bis zur Insel Marajó sowie im Orinoko und im Essequibo.
  • Asien:Pao cambodgiensis bewohnt schnell fließende Abschnitte und Stromschnellen im Mekong, Carinotetraodon travancoricus lebt in Indien.

Auch in Europa tauchen Kugelfische auf: Lagocephalus sceleratus stammt aus dem Indischen und westlichen Pazifischen Ozean. Er ist durch den Suezkanal ins Mittelmeer eingewandert.

Ernährung: Was frisst ein Kugelfisch?

Was Kugelfische fressen, hängt von der Art ab. Manche Arten fressen fast alles, was sie finden. Andere bevorzugen bestimmte wirbellose Tiere oder Algen. Tetraodon lineatus zum Beispiel frisst vor allem Weichtiere.

Fortpflanzung

Unter Wasser beobachtet wurde die Fortpflanzung der Kugelfische nur bei wenigen Arten. Kugelfische legen ihre Eier meist am Boden in ein Nest, das vermutlich bewacht wird. Bei Takifugu rubripes, der in Japan als Speisefisch besonders begehrt ist, laichen die Tiere von März bis Mai im Meer. Sie heften ihre Eier in etwa 20 Metern Tiefe an Steine.

Kunstwerke im Sand

Den spektakulärsten Nestbau zeigt ein kleiner Kugelfisch aus Japan, Torquigener albomaculosus. Schon 1995 entdeckten Taucher vor der Insel Amami-Oshima im Süden Japans rätselhafte Kreise im Meeresboden, etwa 2 Meter groß. Sie nannten sie "mystery circles", also geheimnisvolle Kreise. Erst 2011 fanden Forscher heraus, wer sie baut: das rund 12 Zentimeter lange Männchen dieses Kugelfischs. 2013 beschrieben die japanischen Forscher Kawase, Okata und Ito den Nestbau genau.

So entsteht ein Sandkreis:

  • Das Männchen schwimmt immer wieder von außen zur Mitte und gräbt dabei mit seinen Flossen Rinnen in den Sand. So entstehen 24 bis 32 Rillen und Kämme, die wie Strahlen zur Mitte laufen.
  • In der Mitte glättet es eine runde Fläche. Feiner Sand sammelt sich dort, und das Männchen formt daraus ein unregelmäßiges Muster.
  • Zum Schluss schmückt es die Kämme mit Bruchstücken von Muscheln und Korallen.
  • Für einen Kreis braucht das Männchen 7 bis 9 Tage.

Die Weibchen besuchen das Nest erst, wenn es fertig ist. Die Forscher gehen davon aus, dass sie das Nest prüfen und danach ihren Partner wählen. Bei der Paarung legt das Weibchen die Eier in die Mitte des Kreises. Danach bewacht das Männchen die Eier noch 6 Tage lang. Den alten Kreis benutzt es nie wieder, sondern baut für das nächste Gelege einen neuen. Die Forscher vermuten, dass in den alten Rinnen nicht mehr genug feiner Sand übrig ist.

Das Gift: Tetrodotoxin

Viele Kugelfische enthalten Tetrodotoxin, ein sehr starkes Nervengift. Es blockiert die Weiterleitung von Signalen in Nerven und Muskeln. Bei einer Vergiftung kann die Atmung gelähmt werden, was tödlich ist. Für einen Menschen können schon etwa 2 Milligramm tödlich sein.

Woher kommt das Gift? Der Kugelfisch stellt es nicht selbst her. Das Gift wird vor allem von Bakterien im Meer gebildet und gelangt über die Nahrungskette in den Fisch, wo es sich anreichert. Japanische Forscher haben über 6.000 Kugelfische der Art Takifugu rubripes untersucht, die mit giftfreiem Futter aufgezogen wurden. Alle waren ungiftig. Bekamen solche Fische später giftiges Futter, wurden sie wieder giftig.

Kugelfische selbst sind gegen ihr Gift weitgehend geschützt. Sie vertragen 300- bis 750-mal mehr davon als Mäuse.

Wo steckt das Gift? Das ist von Art zu Art verschieden. Bei Meeres-Kugelfischen sind meist Leber und Eierstöcke am giftigsten, danach Darm und Haut. Das Muskelfleisch ist oft ungiftig oder nur schwach giftig. Bei Arten aus Brack- und Süßwasser ist dagegen meist die Haut am giftigsten. Manche Süßwasser-Kugelfische, etwa Colomesus asellus aus Brasilien, enthalten dagegen ein anderes Gift, das Saxitoxin.

Das Gift kommt nicht nur in Kugelfischen vor. Man hat es auch in einem kalifornischen Molch und in vielen anderen Tieren gefunden, zum Beispiel in einigen kleinen Meeresschnecken.

Fugu: Kugelfisch als Speise in Japan

In Japan heißen Kugelfische "Fugu" (ふぐ). Ihr Fleisch gilt als Delikatesse. Weil die Gefahr so groß ist, gelten strenge Regeln:

  • Fugu darf nur von geprüften Fachleuten zubereitet werden, die die Präfektur dafür anerkannt hat, oder unter ihrer Aufsicht.
  • Diese Fachleute müssen giftige und essbare Arten sicher unterscheiden und die giftigen Teile vollständig entfernen können. Ihr Wissen und Können wird in einer Prüfung getestet.
  • 2019 legte das japanische Gesundheitsministerium einheitliche Anforderungen für diese Anerkennung im ganzen Land fest.
  • Schon 1983 erließ das Ministerium Richtlinien, welche Kugelfische essbar sind. Kugelfischleber darf seitdem nicht mehr in Restaurants oder im Handel angeboten werden.

Trotzdem kommt es immer wieder zu Vergiftungen, meist weil Menschen selbst gefangene Kugelfische zu Hause zubereiten und die Leber essen. In Japan starben zwischen 1995 und 2007 rund 6,4 Prozent der Menschen, die eine Kugelfischvergiftung erlitten. Auch in China und Taiwan gab es viele Vergiftungen. In Israel wurden im Dezember 2008 innerhalb eines Monats 13 Vergiftungen durch den eingewanderten Lagocephalus sceleratus registriert.

In der Europäischen Union ist der Handel mit Erzeugnissen aus Kugelfischen verboten.

Feinde und Gefährdung

Aufpumpen und Gift schützen Kugelfische vor vielen Feinden. Einige Arten sind trotzdem gefährdet. Die Rote Liste der IUCN stuft zum Beispiel Takifugu chinensis als vom Aussterben bedroht ein (2014). Takifugu rubripes, der beliebte Speisefisch Japans, gilt als potenziell gefährdet (2014), der kleine Carinotetraodon travancoricus aus Indien als gefährdet (2011). Andere Arten wie Tetraodon lineatus oder Colomesus asellus gelten als nicht gefährdet.

Häufige Fragen zum Kugelfisch

Warum bläst sich ein Kugelfisch auf?

Er schützt sich so vor Feinden. Der Kugelfisch pumpt Wasser in seinen Körper und wird zwei- bis dreimal so groß. Giftige Arten geben dabei zusätzlich Gift über die Haut ab.

Wie giftig ist ein Kugelfisch?

Viele Kugelfische enthalten Tetrodotoxin, ein sehr starkes Nervengift. Schon etwa 2 Milligramm können für einen Menschen tödlich sein. Wie giftig ein Fisch ist, hängt aber von Art, Körperteil und Lebensraum ab.

Kann man Kugelfisch essen?

In Japan wird Kugelfisch als "Fugu" gegessen. Zubereiten dürfen ihn nur geprüfte Fachleute, die das Gift sicher entfernen können. In der EU ist der Handel mit Kugelfisch verboten.

Wie groß wird ein Kugelfisch?

Die kleinste Art aus Indien wird höchstens 3,5 Zentimeter lang. Die größten Arten wie Arothron stellatus erreichen bis zu 120 Zentimeter.

Wo leben Kugelfische?

Die meisten Arten leben in warmen Meeren, oft an Korallenriffen oder auf Sandböden. Einige Arten leben in Flüssen und Seen Afrikas, Asiens und Südamerikas.

Wer baut die Kreise im Sand?

Die rund 2 Meter großen Kreise vor der japanischen Insel Amami-Oshima baut das Männchen des kleinen Kugelfischs Torquigener albomaculosus. Mit dem kunstvollen Nest lockt es Weibchen an.

Ähnliche Tiere

  • Mondfisch - ebenfalls aus der Ordnung der Kugelfischartigen
  • Feuerfisch - ein giftiger Riffbewohner mit Stacheln
  • Clownfisch - lebt wie viele Kugelfische an Korallenriffen
  • Doktorfisch - ein weiterer bunter Riffbewohner

Quellen

Größenvergleich

🪙1-Euro-Münze
2,3 cm
⚽Fußball
22 cm
🧒Kind
1,2 m
🧑Erwachsener
1,8 m
🏠Haus
10 m
▼Kugelfisch
3,5 cm bis 1,2 m

Der Kugelfisch wird 3,5 cm bis 1,2 m groß - eher kompakt. Auf unserer Größenskala liegt er zwischen einer 1-Euro-Münze (2,3 cm) und einem Erwachsenen (1,8 m). Im direkten Vergleich ist der Kugelfisch rund 27-mal so groß wie eine 1-Euro-Münze, aber ein Erwachsener übertrifft den Kugelfisch noch um das 3-Fache.