Larvenroller

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Larvenroller mit graubraunem Fell und dunklem Gesicht mit hellen Abzeichen klettert an einem dünnen Baumstamm
Rejoice Gassah / Wikimedia Commons / CC BY 4.0

Kurz erklärt

Der Larvenroller ist eine katzengroße Schleichkatze aus Asien. Seinen Namen hat er von der hellen Gesichtszeichnung, die wie eine Maske (Larve) aussieht. Er klettert gut, ist nachts unterwegs und frisst vor allem Früchte, aber auch Insekten und kleine Tiere. Er lebt vom Himalaya bis nach China und Südostasien und gilt als nicht gefährdet.

Steckbrief

Wissenschaftl. NamePaguma larvata
Abstammung
  • Klasse: Säugetiere
  • Ordnung: Raubtiere (Carnivora)
  • Unterordnung: Katzenartige (Feliformia)
  • Familie: Schleichkatzen (Viverridae)
  • Unterfamilie: Palmenroller (Paradoxurinae)
  • Gattung: Paguma
  • Art: Larvenroller
KörpergrößeKopf-Rumpf-Länge etwa 51 bis 87 cm, dazu ein 51 bis 64 cm langer Schwanz
Körpergewicht3 bis 5 kg
ErnährungAllesfresser: vor allem Früchte, außerdem Blätter, Insekten, Nagetiere und andere kleine Tiere
LebenserwartungIn freier Natur nicht genau bekannt, vermutlich um 10 Jahre; in Menschenobhut bis 27,4 Jahre belegt
SozialverhaltenEinzelgänger
HerkunftSüd-, Ost- und Südostasien
Verbreitung Vom Norden Pakistans über den Himalaya und Nordostindien bis China mit Taiwan und Hainan, Indochina, Malaiische Halbinsel, Sumatra, Borneo und Andamanen; in Japan eingeführt Asien
EntdeckungErstbeschreibung 1827 durch C. E. H. Smith (als Gulo larvatus)
GefährdungLC Nicht gefährdet (Rote Liste der IUCN, 2024)
SonstigesDie Schleichkatze mit dem größten Verbreitungsgebiet; in China werden Larvenroller gezüchtet und gegessen

Was ist ein Larvenroller?

Der Larvenroller ist ein Raubtier aus der Familie der Schleichkatzen. Zu dieser Familie gehören auch die Zibetkatzen, Ginsterkatzen und der Binturong. Innerhalb der Schleichkatzen zählt er zu den Palmenrollern, die gut klettern und viele Früchte fressen. Trotz des Namens „Schleichkatze“ ist der Larvenroller keine Katze. Er gehört aber wie die Katzen zu den Katzenartigen Raubtieren.

Seinen deutschen Namen verdankt er seinem Gesicht: Eine „Larve“ ist ein altes Wort für eine Maske. Auch der wissenschaftliche Artname larvata bedeutet „maskiert“, und im Englischen heißt er „masked palm civet“, maskierter Palmenroller. Er ist der einzige Vertreter der Gattung Paguma. Beschrieben wurde er 1827 von dem Naturforscher C. E. H. Smith.

Viele Unterarten: Weil der Larvenroller in einem riesigen Gebiet lebt und sehr unterschiedlich aussieht, wurden bis zu 16 Unterarten beschrieben. Das Handbuch der Säugetiere der Welt erkennt sechs davon an. Fachleute halten eine gründliche Überarbeitung für nötig.

Aussehen und Körperbau

Der Larvenroller ist eine große Schleichkatze mit schlankem Körper, kurzen Beinen und einem langen Schwanz.

Größe und Gewicht: Die Kopf-Rumpf-Länge beträgt etwa 51 bis 87 cm. Dazu kommt ein Schwanz von 51 bis 64 cm Länge, also fast noch einmal so lang wie der Körper. Die Ohren sind 4,6 bis 5 cm lang. Ein erwachsener Larvenroller wiegt 3 bis 5 kg.

Fell: Die Fellfarbe ist sehr unterschiedlich und reicht von grau über hellbraun und blond bis dunkelbraun. Die Unterseite ist heller. Anders als viele andere Schleichkatzen hat der Larvenroller keine Streifen und keine Flecken auf Körper und Schwanz. Das Ende des Schwanzes ist oft dunkler als der Ansatz und hat manchmal eine weißlich gelbe Spitze. Die Füße sind schwärzlich und tragen je fünf Zehen.

Die Maske: Typisch ist ein weißer Streifen, der von der Nase bis auf den Kopf läuft. Links und rechts davon liegen große schwarze Flächen. Unter jedem Auge sitzt ein kleiner weißer Fleck, über dem Auge ein großer weißer Fleck, der bis zum Ohr reicht. Bei Tieren aus dem Norden kann der weiße Nasenstreifen bis auf Nacken und Schultern reichen. Auf der Malaiischen Halbinsel, Sumatra und Borneo ist die Maske oft nur schwach ausgeprägt oder gelblich.

Duftdrüsen: Larvenroller haben Drüsen am Hinterteil, die ein stark riechendes Sekret abgeben können. Manche Fachleute deuten die auffällige Gesichtsmaske als Warnsignal an Feinde.

Zähne: Die Backenzähne sind klein und niedrig, die Reißzähne haben nur schwache Schneidekanten. Das passt zu einem Tier, das viele Früchte frisst. Insgesamt hat der Larvenroller 40 Zähne. Die Weibchen haben zwei Paar Zitzen.

Verbreitung und Lebensraum

Der Larvenroller ist die Schleichkatze mit dem größten Verbreitungsgebiet. Es reicht vom Norden Pakistans und Kaschmir über Nepal, Bhutan und den Nordosten Indiens bis nach Myanmar, Thailand, Laos, Kambodscha und Vietnam. Er lebt in weiten Teilen Chinas, auf den Inseln Taiwan und Hainan, auf der Malaiischen Halbinsel, auf Sumatra und Borneo sowie auf den Andamanen im Indischen Ozean. Weitere Nachweise gibt es aus Bangladesch, Brunei und Singapur. Von der Insel Java ist nur eine mögliche Sichtung aus dem Jahr 1993 bekannt.

Eingeführt in Japan: Auf den japanischen Inseln Honshu und Shikoku hat der Mensch den Larvenroller Anfang bis Mitte des 20. Jahrhunderts angesiedelt. Dort lebt er heute wild.

Lebensraum: Larvenroller leben vor allem in Wäldern, von immergrünen Regenwäldern bis zu Wäldern, die in der Trockenzeit ihr Laub abwerfen. Man findet sie vom Tiefland bis in 2.500 Meter Höhe. Sie kommen auch mit gestörten Lebensräumen zurecht und leben oft in der Nähe von Siedlungen und Feldern.

Ernährung

Der Larvenroller ist ein Allesfresser, der vor allem Früchte frisst. Dazu kommen kleine Wirbeltiere, Insekten und Blätter. Wie vielseitig sein Speiseplan ist, zeigen zwei Untersuchungen:

  • Im Südosten Chinas fanden Forscher in 37 Kotproben am häufigsten Beeren und andere Früchte, darunter Kiwis und Kakis. In gut einem Viertel der Proben steckten Reste von Nagetieren, in rund einem Fünftel Käfer. Vögel und Gras kamen nur selten vor.
  • In Japan enthielten 73 Prozent von 38 untersuchten Mägen Früchte, 56 Prozent Blätter und 40 Prozent Gliederfüßer wie Insekten. Seltener fanden sich Schnecken, Säugetiere, Fische, Vögel und Reptilien. Nach Gewicht machten Früchte und Säugetiere den größten Anteil aus.

Ärger mit Bauern: Wo Wald an Obstplantagen grenzt, plündern Larvenroller manchmal die Früchte. Gelegentlich holen sie sich auch Hühner. Andererseits jagen sie geschickt Ratten und werden manchmal als Rattenfänger gehalten.

Gärtner des Waldes: Mit ihrem Kot verbreiten Larvenroller die Samen der gefressenen Früchte.

Verhalten und Lebensweise

Larvenroller sind Einzelgänger und vor allem nachtaktiv. Mit Sendern ausgestattete Tiere in Thailand waren zwischen 16:30 Uhr und 4:30 Uhr mehr als die Hälfte der Zeit aktiv, am meisten zwischen 19:30 und 22:30 Uhr. Im Südosten Chinas lag die aktive Zeit zwischen 18 und 5 Uhr.

Gute Kletterer: Larvenroller klettern geschickt und halten sich viel in Bäumen auf, kommen aber auch auf den Boden. Klettern hilft ihnen auch, Feinden zu entkommen.

Schlafplätze: Den Tag verschlafen sie in Baumhöhlen oder auf Ästen hoher Bäume. In einer Studie in Thailand lagen die Schlafplätze in mehr als 80 Prozent der Fälle in Bäumen, meist ganz oben in der Krone. Im Südosten Chinas schliefen Larvenroller dagegen vor allem in Erdbauen, meist in verlassenen Höhlen von Malaienstachelschweinen. Die meisten Schlafplätze nutzten sie nur ein einziges Mal. Ein Nest bauen sie nicht.

Streifgebiet: In Thailand nutzte ein Männchen ein Gebiet von mehreren Quadratkilometern, ein Weibchen ein etwas kleineres. Im Durchschnitt legte das Männchen pro Tag 840 Meter zurück, das Weibchen 620 Meter.

Fortpflanzung und Nachwuchs

Die Fortpflanzung ist vor allem von Tieren in Menschenobhut bekannt. Danach gibt es zwei Paarungszeiten im Jahr, im Frühjahr und im Spätherbst. Manche Fachleute vermuten, dass die Weibchen sogar mehrmals im Jahr empfängnisbereit sein können.

  1. Brunst: Ein Weibchen ist 1 bis 13 Tage paarungsbereit, im Durchschnitt 5 Tage.
  2. Tragzeit: Sie dauert 51 bis 56 Tage.
  3. Wurf: Das Weibchen bringt ein bis vier Junge zur Welt, meist in einer geschützten Baumhöhle.
  4. Blind geboren: Die Neugeborenen sind blind und öffnen mit etwa neun Tagen die Augen.
  5. Schnelles Wachstum: Mit etwa drei Monaten sind die Jungen so groß wie ihre Eltern. Geschlechtsreif werden sie mit 10 bis 22 Monaten.

Solange die Mutter die Jungen säugt, sind sie eng mit ihr verbunden. Nach dem Entwöhnen endet diese Bindung.

Lebenserwartung: Wie alt Larvenroller in freier Natur werden, ist nicht genau bekannt. Vermutlich werden sie dort im Schnitt etwa zehn Jahre alt. Das älteste bekannte Tier in Menschenobhut lebte 27,4 Jahre.

Feinde und Gefährdung

Natürliche Feinde: Als Feinde des Larvenrollers werden Tiger, Leoparden und Greifvögel genannt. Gegen Angreifer setzt er sein übel riechendes Drüsensekret ein.

Gefährdung: Auf der Roten Liste der IUCN gilt der Larvenroller als nicht gefährdet (IUCN, 2024). Er ist weit verbreitet und kommt auch in gestörten Wäldern vor. Indien hat ihn 1989 in Anhang III des Washingtoner Artenschutzübereinkommens (CITES) eintragen lassen, damit wird die Ausfuhr aus Indien überwacht. In Myanmar ist er vollständig geschützt.

Trotzdem gibt es Bedrohungen:

  • Jagd und Handel: Larvenroller werden in ganz Südostasien gehandelt. Auf Lebensmittelmärkten und in Restaurants in China, Vietnam und Laos werden sie häufig angeboten. In China wurden in den 1960er-Jahren jedes Jahr 80.000 bis 100.000 Tiere aus der Natur gefangen.
  • Zucht für Fleisch: Als die wilden Bestände seltener wurden, entstanden in China viele Farmen. Im Jahr 2003 hielten 660 Farmen zusammen etwa 40.000 Larvenroller.
  • Fallen: Auf Sumatra geraten sie oft in Schlingen, die eigentlich für Muntjaks aufgestellt werden.
  • Lebensraumverlust: Wie stark die Abholzung den Larvenrollern schadet, ist kaum untersucht. Auf Borneo lebten in abgeholzten Wäldern insgesamt deutlich weniger Schleichkatzen als in unberührten Wäldern.

Der Larvenroller und SARS

2002 und 2003 breitete sich von Südchina aus die Lungenkrankheit SARS aus, die von einem Coronavirus verursacht wird. Im Jahr 2003 fanden Forscher auf einem Markt für lebende Wildtiere in der chinesischen Provinz Guangdong eng verwandte Viren bei Larvenrollern. Auch bei einem Marderhund und bei Menschen, die auf dem Markt arbeiteten, gab es Hinweise auf eine Ansteckung. Die Larvenroller spielten möglicherweise eine Rolle als Zwischenwirt bei der Übertragung auf den Menschen. Die eigentliche Quelle des Virus sind sie nach heutigem Wissen aber nicht: 2005 zeigte eine Studie, dass bestimmte Fledermäuse die natürlichen Träger SARS-ähnlicher Coronaviren sind.

Häufige Fragen zum Larvenroller

Warum heißt der Larvenroller so?

„Larve“ ist ein altes Wort für Maske. Der Larvenroller hat eine auffällige Gesichtszeichnung aus einem weißen Streifen auf der Nase, schwarzen Flächen und weißen Flecken an den Augen, die wie eine Maske aussieht. Er gehört zur Gruppe der Palmenroller innerhalb der Schleichkatzen.

Wie groß wird ein Larvenroller?

Ein Larvenroller ist ohne Schwanz etwa 51 bis 87 cm lang. Der Schwanz misst noch einmal 51 bis 64 cm. Erwachsene Tiere wiegen 3 bis 5 kg.

Was frisst ein Larvenroller?

Vor allem Früchte, zum Beispiel Beeren, Kiwis und Kakis. Außerdem frisst er Blätter, Insekten und andere Gliederfüßer, Schnecken und kleine Wirbeltiere wie Nagetiere und Vögel.

Wo lebt der Larvenroller?

In Wäldern Süd-, Ost- und Südostasiens, vom Himalaya über China mit Taiwan und Hainan bis nach Indochina, Sumatra und Borneo. In Japan wurde er vom Menschen eingeführt.

Ist der Larvenroller eine Katze?

Nein. Der Larvenroller ist eine Schleichkatze. Schleichkatzen sind eine eigene Familie der Raubtiere, die nur entfernt mit den echten Katzen verwandt ist. Beide gehören aber zur Gruppe der Katzenartigen.

Ist der Larvenroller gefährdet?

Nein. Die IUCN stuft ihn als nicht gefährdet ein, weil er weit verbreitet ist und sich an verschiedene Lebensräume anpasst. In einigen Regionen wird er aber stark gejagt und gehandelt.

Ähnliche Tiere

Quellen

Größenvergleich

🪙1-Euro-Münze
2,3 cm
⚽Fußball
22 cm
🧒Kind
1,2 m
🧑Erwachsener
1,8 m
🏠Haus
10 m
▼Larvenroller
51 bis 87 cm

Stell dir vor, du stellst einen Fußball (22 cm) neben einen Larvenroller: Der Larvenroller ist um einiges größer. Neben einem Kind (1,2 m) wirkt er mit seinen 51 bis 87 cm aber wiederum etwas kleiner. Genauer gesagt ist der Larvenroller etwa 3-mal so groß wie ein Fußball.

Gewichtsvergleich

🪙1-Euro-Münze
7,5 g
🍫Tafel Schokolade
100 g
⚽Fußball
430 g
🧒Kind
25 kg
🧑Erwachsener
75 kg
🚗Auto
1,5 t
🚌Schulbus
12 t
▼Larvenroller
3 bis 5 kg

Ein Larvenroller bringt 3 bis 5 kg auf die Waage. Das ist schwerer als ein Fußball (430 g), aber leichter als ein Kind (25 kg). Anders ausgedrückt: Der Larvenroller wiegt so viel wie etwa 9 Fußbälle.