Lebensmittelmotte

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Dörrobstmotte mit hellem Vorderflügelansatz und rotbrauner Flügelspitze sitzt auf weißem Untergrund
Mvuijlst / Wikimedia Commons / CC BY-SA 4.0

Kurz erklärt

Lebensmittelmotten sind kleine Falter, deren Raupen Mehl, Nüsse, Müsli oder Trockenobst anfressen. Meist handelt es sich um die Dörrobstmotte oder die Mehlmotte, beide etwa 1 Zentimeter groß. Typisch für einen Befall sind feine Gespinste in Verpackungen und Zimmerecken. Die Falter selbst fressen nichts, sie paaren sich nur und legen Eier.

Steckbrief

Wissenschaftl. NamePyralidae
Abstammung
  • Klasse: Insekten
  • Ordnung: Schmetterlinge (Lepidoptera)
  • Familie: Zünsler (Pyralidae)
  • Art: Sammelbegriff, vor allem für die Dörrobstmotte (Plodia interpunctella) und die Mehlmotte (Ephestia kuehniella)
KörpergrößeFalter etwa 1 cm lang, die Dörrobstmotte etwa 1,3 cm; Flügelspannweite bis 2 cm; ausgewachsene Raupen der Dörrobstmotte etwa 1,3 cm
ErnährungNur die Raupen fressen: trockene Vorräte wie Mehl, Getreideprodukte, Müsli, Reis, Nüsse, Trockenobst, Schokolade, Gewürze, Tee, Saatgut und Tiertrockenfutter; die Falter nehmen keine Nahrung auf
LebenserwartungFalter der Dörrobstmotte etwa 10 bis 14 Tage; Entwicklung vom Ei zum Falter laut Umweltbundesamt 30 bis 75 Tage, je nach Temperatur und Quelle auch 27 bis 315 Tage
SozialverhaltenKeine Gruppen; Weibchen locken Männchen mit Sexuallockstoffen (Pheromonen) an und legen ihre Eier direkt an die Nahrung der Raupen
Verbreitung Als Vorratsschädlinge weltweit verbreitet, vor allem in Wohnungen, Lagern und der Lebensmittelindustrie; die Dörrobstmotte lebt in warmen Gegenden wie Florida auch im Freien AfrikaAsienEuropaNordamerikaSüdamerikaAustralien
SonstigesSammelbegriff ohne Einstufung auf der Roten Liste. Gemeint sind vor allem Dörrobstmotte und Mehlmotte, beide aus der Familie der Zünsler (Pyralidae); auch Speichermotte (Ephestia elutella) und Getreidemotte (Sitotroga cerealella) befallen Vorräte. Die Kleidermotte (Tineola bisselliella) frisst dagegen Wolle und zählt nicht zu den Lebensmittelmotten.

Was sind Lebensmittelmotten?

„Lebensmittelmotte“ ist kein Name für eine einzelne Art. So nennt man kleine Schmetterlinge, deren Raupen trockene Vorräte in Küche und Speisekammer fressen. Fachleute sprechen von Vorratsschädlingen. Sie kommen auf der ganzen Welt vor und können zu einer echten Plage werden.

Treten Motten in Vorräten auf, sind es vor allem zwei Arten:

  • die Dörrobstmotte (Plodia interpunctella), die in Haushalten sehr häufig vorkommt
  • die Mehlmotte (Ephestia kuehniella)

Beide gehören zur Familie der Zünsler (Pyralidae). Daneben können auch die Speichermotte (Ephestia elutella) und die Getreidemotte (Sitotroga cerealella) Lebensmittel befallen. Die Kleidermotte, deren Raupen Wolle fressen, zählt nicht zu den Lebensmittelmotten. Mehr über die verschiedenen Mottengruppen steht auf der Seite Motte.

Aussehen: So erkennt man Lebensmittelmotten

Dörrobstmotte und Mehlmotte werden etwa 1 Zentimeter lang und haben eine Flügelspannweite von bis zu 2 Zentimetern. In der Küche fallen sie als kleine, silbrig-graue Falter auf.

Dörrobstmotte: Sie ist am leichtesten zu erkennen. Ihre Vorderflügel sind zweifarbig: Der vordere Teil nahe am Körper ist hellgrau bis ockergelb, der hintere Teil rotbraun bis kupferrot mit kupfernem Glanz. In Ruhe legt sie die Flügel wie ein Dach über den Körper. Die Falter sind etwa 1,3 Zentimeter lang, die Flügelspannweite beträgt 16 bis 20 Millimeter. Mit zunehmendem Alter verblasst die Färbung allerdings, sodass man die Art daran nicht immer sicher erkennt.

Raupen: Die Larven der Dörrobstmotte sind meist weißlich, je nach Nahrung auch rosa, bräunlich, gelblich oder grünlich. Sie haben einen braunen Kopf und werden etwa 1,3 Zentimeter lang. Fünf Paar Bauchfüße helfen ihnen, weite Strecken zu krabbeln.

Eier: Die grauweißen Eier sind nur 0,3 bis 0,5 Millimeter groß. Sie sind klebrig und haften an der Nahrung.

Lebensmittelmotte oder Kleidermotte?

Viele Menschen verwechseln die beiden. Das liegt auch am Verhalten der Dörrobstmotte: Ihre Raupen wandern vor dem Verpuppen weit von der Nahrung weg, und die Falter fliegen zu Lampen in anderen Zimmern. So tauchen sie an Orten auf, wo man Kleidermotten vermuten würde.

MerkmalLebensmittelmottenKleidermotte
Was fressen die Raupen?trockene Vorräte wie Mehl, Nüsse, TrockenobstWolle, Haare, Federn
Färbung der FalterDörrobstmotte zweifarbig mit rotbrauner Flügelhälfteeinfarbig gelb bis bräunlich
Typische SpurenGespinste in Vorräten, Ritzen und Zimmereckenkleine, unregelmäßige Löcher in Textilien
Raupenkrabbeln frei, verpuppen sich oft in Ritzenleben in einem selbst gesponnenen Köcher

Wichtig: Bei beiden fressen nur die Raupen. Die erwachsenen Falter nehmen keine Nahrung auf.

Verbreitung und Lebensraum

Lebensmittelmotten sind als Vorratsschädlinge weltweit verbreitet. Die Dörrobstmotte kommt in Lagern und Vorratsräumen in sehr verschiedenen Klimazonen vor. In warmen Gegenden wie Florida lebt sie auch im Freien. Für die Lebensmittel verarbeitende Industrie gilt sie als wichtigster Schädling. In den USA heißt sie „Indianmeal moth“, weil sie dort als Schädling in Mehl aus Mais auffiel, der früher „Indian corn“ genannt wurde.

In Wohnungen fühlen sich Lebensmittelmotten in Küchen wohl, deren warmes und eher feuchtes Klima vielen Vorratsschädlingen entgegenkommt. Meist gelangen sie als Eier oder Raupen mit gekauften Lebensmitteln, Tierfutter oder Pappkartons ins Haus. Seltener fliegen sie durch ein offenes Fenster herein.

Ernährung: Was fressen Lebensmittelmotten?

Nur die Raupen fressen. Sie mögen fast alles, was trocken und pflanzlich ist:

  • Mehl, Müsli, Reis und Nudeln
  • Nüsse, Mandeln und Trockenobst
  • Schokolade und Kakao
  • Hülsenfrüchte, Gewürze, Tee und Kaffeeprodukte
  • Tiertrockenfutter und Vogelfutter

Die Mehlmotte bevorzugt Mehl und andere Getreideprodukte, Backwaren, Nüsse, Mandeln, Hülsenfrüchte, Schokolade und Tierfutter. Die Dörrobstmotte ist noch weniger wählerisch. Sie richtet auch Schäden an Saatgut, Bienenwaben und sogar an Insekten- und Pflanzensammlungen an. Papier und Pappe sind für die Raupen kein Hindernis, sie fressen sich mühelos hindurch und können sogar dünne Verpackungen durchlöchern.

Entwicklung: vom Ei zum Falter

Lebensmittelmotten durchlaufen vier Stadien: Ei, Raupe, Puppe und Falter.

  • Etwa drei Tage nach dem Schlüpfen paaren sich die Falter der Dörrobstmotte. Ein Weibchen legt bis zu 300 Eier in enge Ritzen und Fugen oder direkt an die Nahrung. Eine amerikanische Übersicht nennt sogar bis zu 400 Eier.
  • Die Raupen schlüpfen bei 20 °C nach sieben bis acht Tagen, bei 30 °C schon nach drei bis vier Tagen.
  • Bei 18 bis 35 °C brauchen die Raupen sechs bis acht Wochen, bis sie ausgewachsen sind. Sie häuten sich dabei mehrmals und können als Raupe überwintern.
  • Zum Verpuppen verlassen sie meist die Nahrung, oft spinnen sie sich dabei in einen Kokon ein. Häufig klettern sie dafür in Ritzen oder auf ein höheres Regalbrett. Die Puppenruhe dauert bei 20 °C 15 bis 20 Tage.
  • Der Falter lebt nur noch etwa 10 bis 14 Tage. In dieser Zeit sucht er einen Partner und einen Platz für die Eier.

Vom Ei bis zum Falter vergehen laut Umweltbundesamt 30 bis 75 Tage. Je nach Bedingungen kann es kürzer oder viel länger dauern: Eine Übersicht der University of Florida nennt 27 bis 305 Tage, das Julius Kühn-Institut 120 bis 315 Tage bei 18 bis 22 °C. So können sich im Jahr bis zu vier Generationen entwickeln.

Einen Befall erkennen

Oft bemerkt man Lebensmittelmotten erst, wenn die Falter durch die Wohnung fliegen. Sie flattern eher, als geradeaus zu fliegen. Die Raupen sind, anders als die Falter, tagsüber aktiv. Diese Anzeichen sprechen für einen Befall:

  • feine weiße Gespinste, die Lebensmittel überziehen und verkleben
  • kleine weißliche Raupen, die an den Wänden kriechen
  • Puppen und Gespinste in Ritzen und Fugen, etwa an der Decke, in Schränken, in Bohrlöchern von Regalböden und in Zimmerecken
  • Löcher in Verpackungen
  • Kotkrümel und leere Larvenhäute in den Vorräten

Weil die Raupen sich oft weit weg von der Nahrung verpuppen, ist der eigentliche Befallsherd manchmal schwer zu finden.

Sind Lebensmittelmotten schädlich?

Den größten Schaden richten die Raupen nicht durch Fressen an, sondern durch Verunreinigung. In ihren Gespinsten sammeln sich Kot, Larvenhäute und Eischalen. Laut der University of Florida ist dieser Schaden größer als die Menge, die die Raupen tatsächlich fressen. Außerdem können Lebensmittelmotten Pilze und Milben einschleppen.

Wer befallene Lebensmittel isst, kann laut Umweltbundesamt Allergien, Haut- oder Magen-Darm-Erkrankungen bekommen. Befallene Vorräte gehören deshalb in den Müll.

Vorbeugen

  • Einkäufe prüfen: Lebensmittel nach dem Kauf auf beschädigte Verpackungen, Gespinste und Larven kontrollieren.
  • Luftdicht lagern: Vorräte in dicht schließende Gefäße aus Glas, Keramik oder stabilem Kunststoff umfüllen, zum Beispiel Gläser mit Gummiring und Bügelverschluss. In durchsichtigen Gläsern sieht man einen Befall schneller.
  • Nicht zu viel lagern: Übersichtliche Vorräte lassen sich leichter kontrollieren.
  • Fliegengitter an Fenstern und Balkontüren anbringen.
  • Tierfutter vorbehandeln: Trockenfutter mindestens 24 Stunden bei minus 18 °C einfrieren. Dann sind alle Stadien tot. Alternativ eine Stunde bei 60 °C im Backofen erhitzen, was aber die Qualität verändern kann.

Lebensmittelmotten bekämpfen

Umweltbundesamt und Verbraucherzentralen empfehlen, zuerst ohne Gift vorzugehen. Meist reicht das aus.

  1. Befallene Lebensmittel entsorgen, am besten direkt in der Mülltonne außerhalb der Wohnung, damit sich die Motten nicht weiter verbreiten.
  2. Schränke ausräumen und gründlich reinigen, zum Beispiel mit Essigwasser. Ritzen, Fugen und Bohrlöcher absaugen oder mit einem Föhn erhitzen.
  3. Falter absaugen, die an Wänden sitzen oder herumfliegen.
  4. Nicht befallene Vorräte in dicht schließende Behälter umfüllen.
  5. Alle zwei bis drei Tage nachsehen, ob neue Anzeichen auftauchen.

Schlupfwespen als Helfer

Eine biologische Methode sind Schlupfwespen. Die winzigen Nützlinge legen ihre Eier in die Eier der Motten, die dadurch absterben. Man kauft sie auf kleinen Kärtchen im Baumarkt oder im Internet und legt sie in die Vorratsschränke. Die Kärtchen werden über etwa zehn Wochen drei- bis viermal erneuert. Das Umweltbundesamt rät, gleichzeitig zwei Arten einzusetzen: Trichogramma evanescens gegen die Eier und Bracon hebetor gegen die Raupen. Schlupfwespen sind für Menschen und Haustiere harmlos. Finden sie keine Motteneier mehr, verschwinden sie von selbst.

Pheromonfallen nur zur Kontrolle

Pheromonfallen sind Klebefallen mit dem Sexuallockstoff der Mottenweibchen. Sie locken nur paarungsbereite Männchen an. Allein beseitigen sie einen Befall nicht: Nicht alle Männchen gehen in die Falle, die übrigen paaren sich weiter mit den Weibchen, und der Lockstoff kann sogar weitere Motten anlocken. Pheromonfallen eignen sich deshalb vor allem, um einen Befall zu entdecken und zu überwachen. Stellt man mehrere Fallen an verschiedenen Stellen auf, findet man den Befallsherd leichter. Auch nach der Bekämpfung sollte man sie stehen lassen, um den Erfolg zu prüfen.

Keine Insektensprays

Von Sprays und Verdampfern raten Umweltbundesamt und Verbraucherzentralen ab. Sie belasten die Raumluft, können Menschen und Haustieren schaden und in die Vorräte gelangen. Außerdem können sie den Einsatz von Schlupfwespen beeinträchtigen. Bei Dörrobstmotten wirken viele Insektizide ohnehin nur begrenzt, weil die Tiere Resistenzen entwickeln können. Bei einem hartnäckigen Befall hilft ein professioneller Schädlingsbekämpfer.

Häufige Fragen zur Lebensmittelmotte

Woher kommen Lebensmittelmotten?

Meist werden sie mit Lebensmitteln eingeschleppt, in denen schon Eier oder Raupen stecken, etwa Mehl, Müsli, Nüsse oder Trockenobst. Auch Tierfutter und Pappkartons kommen in Frage. Seltener fliegen die Falter durch ein offenes Fenster herein.

Sind Lebensmittelmotten gefährlich?

Das Problem sind vor allem die befallenen Lebensmittel. Wer sie isst, kann Allergien sowie Haut- oder Magen-Darm-Beschwerden bekommen. Außerdem können die Motten Pilze und Milben einschleppen. Befallene Vorräte sollte man deshalb wegwerfen.

Was fressen Lebensmittelmotten?

Nur die Raupen fressen, und zwar trockene, meist pflanzliche Vorräte wie Mehl, Getreideprodukte, Nüsse, Trockenobst, Schokolade, Gewürze und Tierfutter. Die erwachsenen Falter fressen gar nichts.

Helfen Pheromonfallen gegen Lebensmittelmotten?

Nur begrenzt. Sie fangen ausschließlich Männchen und können einen Befall nicht beseitigen. Sinnvoll sind sie, um einen Befall zu erkennen, den Herd zu finden und nach der Bekämpfung den Erfolg zu kontrollieren.

Wie lange dauert es, Lebensmittelmotten loszuwerden?

Das hängt vom Befall ab. Setzt man Schlupfwespen ein, legt man die Kärtchen über etwa zehn Wochen mehrmals aus. Weil sich Raupen in Ritzen verstecken, sollte man die Schränke danach weiter regelmäßig kontrollieren.

Sind Lebensmittelmotten und Kleidermotten dasselbe?

Nein. Die Raupen der Lebensmittelmotten fressen Vorräte, die Raupen der Kleidermotte dagegen Wolle, Haare und Federn. Pflanzliche Fasern wie Baumwolle lässt die Kleidermotte in Ruhe.

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Quellen

Größenvergleich

🪙1-Euro-Münze
2,3 cm
⚽Fußball
22 cm
🧒Kind
1,2 m
🧑Erwachsener
1,8 m
🏠Haus
10 m
▼Lebensmittelmotte
1 bis 1,3 cm

Die Lebensmittelmotte ist mit 1 bis 1,3 cm ein echtes Leichtgewicht auf der Größenskala. Selbst eine Biene (1,5 cm) überragt sie. Dafür passt die Lebensmittelmotte bequem auf eine Handfläche - oder sogar auf einen Fingernagel!