Lemur

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Vari mit schwarz-weißem Fell und dichtem Halskragen sitzt auf einem Ast
Benherz / Wikimedia Commons / CC BY-SA 3.0

Kurz erklärt

Lemuren sind Primaten, die nur auf Madagaskar und den benachbarten Komoren leben. Es gibt rund 105 Arten, vom 30 g leichten Madame-Berthe-Mausmaki bis zum Indri mit bis zu 10 kg. Der bekannteste Lemur ist der Katta mit seinem schwarz-weiß geringelten Schwanz. Lemuren gelten als die am stärksten bedrohte Säugetiergruppe der Welt.

Steckbrief

Wissenschaftl. NameLemuriformes
Abstammung
  • Klasse: Säugetiere
  • Ordnung: Primaten
  • Unterordnung: Feuchtnasenprimaten (Strepsirrhini)
  • Familie: Fünf Familien, darunter Lemuridae (Echte Makis) und Indriidae
  • Gattung: 15 Gattungen
  • Art: Rund 105 Arten
Körpergröße9 bis 90 cm
Körpergewicht30 g bis 10 kg
ErnährungJe nach Art Früchte, Blätter, Blüten, Nektar, Baumsaft und Insekten
LebenserwartungKatta in Menschenobhut im Median 16,7 Jahre, im Höchstfall 33 Jahre
SozialverhaltenJe nach Art Einzelgänger oder Gruppen; in vielen Gruppen führen die Weibchen
HerkunftMadagaskar
Verbreitung Madagaskar und die benachbarten Komoren Afrika
EntdeckungErstbeschreibung des Kattas 1758 durch Carl von Linné
GefährdungEN Stark gefährdet (Rote Liste der IUCN, 2020)
SonstigesLemur ist ein Sammelname für rund 105 Arten, es gibt deshalb keinen gemeinsamen Gefährdungsstatus. Der angegebene Wert gilt für den Katta (Lemur catta), den die IUCN als stark gefährdet (EN) einstuft (Bewertung von 2018, veröffentlicht 2020). Größe und Gewicht spannen die ganze Gruppe auf: 9 cm und 30 g beim Madame-Berthe-Mausmaki, 90 cm und 10 kg beim Indri.

Was sind Lemuren?

Lemuren sind Primaten, gehören also zur selben Ordnung wie Affen und Menschen. Sie sind allerdings keine Affen, sondern Feuchtnasenprimaten: Ihre Nase ist unbehaart und feucht, die Nasenlöcher sind geschwungen. Unter den Primaten kommt das nur bei ihnen und ihren nächsten Verwandten vor und macht sie zu ausgezeichneten Riechern.

Das Besondere an Lemuren ist ihre Heimat. Sie leben ausschließlich auf Madagaskar und den nahe gelegenen Komoren, nirgendwo sonst auf der Welt. Nach Angaben des San Diego Zoo umfasst die Gruppe etwa 105 Arten in 15 Gattungen und fünf Familien.

Der Name stammt aus dem Lateinischen: lemures bedeutet "Geister der Toten". Er wurde wegen der lautlosen Bewegungen und der großen Augen vieler nachtaktiver Arten gewählt.

Wie Lemuren nach Madagaskar kamen

Der Vorfahr aller Lemuren erreichte Madagaskar vermutlich vor rund 60 Millionen Jahren aus Afrika, wahrscheinlich auf treibendem Pflanzenmaterial. Auf der Insel gab es keine anderen Primaten und kaum Fressfeinde. Über Jahrmillionen entwickelten sich daraus sehr unterschiedliche Formen, die ganz verschiedene Lebensweisen einnehmen. Fachleute sprechen von adaptiver Radiation.

Aussehen und Körperbau

Lemuren unterscheiden sich stark voneinander. Die Spanne reicht vom kleinsten bis zum größten Vertreter:

  • Kleinste Art: Der Madame-Berthe-Mausmaki (Microcebus berthae) wurde erst im Jahr 2000 beschrieben. Er ist 9 bis 11 cm lang, dazu kommen etwa 13 cm Schwanz, und wiegt nur rund 30 g. Er gilt als möglicherweise kleinster Primat der Welt.
  • Größte Art: Der Indri (Indri indri) misst 60 bis 90 cm und wiegt 7 bis 10 kg.

Bei den meisten Arten ist der Schwanz etwa so lang wie der Rumpf. Er dient als Balancierhilfe, ist aber kein Greifschwanz wie bei manchen südamerikanischen Affen. Die Beine sind bei vielen Arten länger als die Arme, was das Springen zwischen Bäumen erleichtert.

Das Fell variiert von weiß und grau über braun bis schwarz. Bei einigen Arten sehen Männchen und Weibchen unterschiedlich aus: Beim Blauaugenmaki sind Männchen schwarz, Weibchen rotbraun bis orange. Nebenbei ist er nach Angaben des Duke Lemur Center die einzige Lemurenart mit blauen Augen und zählt damit zu den wenigen Primaten außer dem Menschen, bei denen blaue Augen vorkommen.

Zwei Werkzeuge haben fast alle Lemuren gemeinsam:

  • eine Putzkralle an der zweiten Zehe des Hinterfußes
  • einen Zahnkamm aus eng stehenden Zähnen im Unterkiefer, mit dem sie das Fell durchkämmen

Nur das Aye-Aye besitzt keinen Zahnkamm.

Der Katta: der bekannteste Lemur

Wenn irgendwo ein Lemur abgebildet ist, ist es meistens der Katta (Lemur catta) mit seinem schwarz-weiß geringelten Schwanz. Er misst 39 bis 46 cm, sein Schwanz ist mit 56 bis 63 cm sogar länger als der Körper, und er wiegt 2,2 bis 2,7 kg.

Der Katta ist die am stärksten bodenlebende Lemurenart: Bis zur Hälfte des Tages verbringt er auf dem Boden, weil die Wälder in seinem trockenen Lebensraum im Süden Madagaskars lückig sind. Er lebt nach Angaben des Duke Lemur Center in Gruppen von bis zu 30 Tieren. Die Rangordnung ist klar: Weibchen sind allen Männchen übergeordnet, das Alphaweibchen ist der Mittelpunkt der Gruppe. Weibchen bleiben ihr Leben lang in derselben Gruppe, Männchen wechseln.

Zwei Verhaltensweisen sind berühmt:

Sonnenbaden. Kattas setzen sich mit ausgebreiteten Armen in die Morgensonne und wärmen sich über den dünn behaarten Bauch auf.

Stinkkämpfe. Männchen haben Duftdrüsen an den Handgelenken, an der Brust und am Hodensack, Weibchen nur eine Drüse im Genitalbereich. Für einen Stinkkampf zieht ein Männchen seinen Schwanz durch die Handgelenkdrüsen und wedelt ihn dann über dem Kopf in Richtung des Rivalen. Wer zuerst wegläuft, hat verloren. Der Duft eines Kattas enthält mindestens 203 verschiedene chemische Verbindungen und verrät Verwandtschaft, Gesundheit und Paarungsbereitschaft.

Kattas sind außerdem sehr gesprächig: Forschende haben mindestens 28 verschiedene Rufe unterschieden, darunter mehrere Alarmrufe.

Weitere auffällige Lemuren

Aye-Aye (Fingertier). Es hat schwarzes Fell mit weißen Haarspitzen, große bewegliche Ohren und ständig nachwachsende Nagezähne. Sein dritter Finger ist auffällig dünn und unbehaart. Damit klopft es Baumrinde ab, horcht auf Käferlarven im Holz und angelt sie durch selbst genagte Löcher heraus.

Sifakas. Sie haben kurze Arme und lange Beine und springen damit über Abstände von mehr als sechs Metern von Baum zu Baum. Am Boden bewegen sie sich weniger elegant: Dort hüpfen sie aufrecht auf den Hinterbeinen. Ihr Name kommt vom Ruf, der wie "schif-ack" klingt.

Varis. Die Mutter des Schwarzweißen Varis baut für die Geburt und die ersten Wochen ein Nest und polstert es mit ihren eigenen Haaren aus.

Indri. Der größte Lemur ruft in langgezogenen Klagelauten, die an Walgesänge erinnern.

Verbreitung, Lebensraum und Ernährung

Madagaskar hat ein hohes Gebirge in der Mitte, das die Insel in Klimazonen teilt: Der Osten ist feucht, der Westen trocken, der Süden noch trockener. Entsprechend leben Lemuren in Regenwäldern, Trockenwäldern, Dornwäldern und halbwüstenartigen Gebieten. Der Alaotra-Bambuslemur ist sogar auf das Schilf- und Papyrusdickicht am Alaotra-See spezialisiert.

Auch die Nahrung hängt von der Art ab. Kleinere Arten fressen überwiegend Früchte, Insekten und Baumsaft, größere Arten ernähren sich vor allem pflanzlich von Früchten, Blättern, Blüten, Nektar, Trieben und Rinde. Kattas nehmen in der Trockenzeit zusätzlich Insekten und kleine Wirbeltiere.

Fortpflanzung und Nachwuchs

Alle Lemuren haben eine feste Paarungszeit, die je nach Art nur wenige Tage oder einige Monate dauert. Bei manchen Arten sind die Weibchen nur an wenigen Stunden im Jahr empfängnisbereit. Die Geburten fallen so, dass die Jungen in der Zeit des größten Nahrungsangebots aufwachsen.

  • Tragzeit: 102 bis 170 Tage, je nach Art; beim Katta 135 Tage
  • Wurfgröße: 1 bis 6 Junge, meist 1; kleinere Arten bekommen mehr Nachwuchs
  • Geschlechtsreife: 1 bis 3,5 Jahre, beim Katta 3 Jahre

Bei vielen Arten klammert sich das Junge in den ersten drei bis vier Wochen am Bauch der Mutter fest und reitet danach auf ihrem Rücken. Bei anderen Arten baut die Mutter ein Blätternest oder parkt das Junge in dichtem Gebüsch, während sie Nahrung sucht. Entwöhnt wird der Nachwuchs mit fünf bis sechs Monaten. Bei Kattas sind Zwillinge häufig, wenn das Nahrungsangebot gut ist.

Feinde und Gefährdung

Der wichtigste natürliche Feind der Lemuren ist die Fossa, ein katzenartiges Raubtier Madagaskars. Dazu kommen große Boas, Greifvögel und eingeschleppte Tiere wie Hunde und Katzen.

Die größte Bedrohung ist jedoch der Mensch. Der Duke Lemur Center bezeichnet Lemuren als die am stärksten bedrohte Säugetiergruppe der Erde: 95 Prozent der Arten sind vom Aussterben bedroht. Die Gründe sind Abholzung für Landwirtschaft, Bergbau und Holzkohle, Jagd auf Lemuren als Nahrung sowie der Handel mit jungen Tieren als Haustiere. Das Aye-Aye leidet zusätzlich unter seinem Ruf: Wegen seines ungewöhnlichen Aussehens gilt es in Teilen Madagaskars als Unglücksbote.

Seit Menschen vor etwa 2.000 Jahren Madagaskar erreichten, sind mindestens 17 Lemurenarten ausgestorben. Die größte von ihnen, Archaeoindris fontoynontii, war so groß wie ein Gorilla und wog über 180 kg. Bei einigen heute lebenden Arten ist es sehr knapp: Vom Nördlichen Wieselmaki sind nur 18 Tiere bekannt.

Der Katta selbst, lange als häufig geltende Art, wird von der Weltnaturschutzunion IUCN als stark gefährdet (EN) geführt. In dieser Kategorie steht er schon seit 2014; die aktuelle Bewertung stammt vom Mai 2018 und wurde 2020 veröffentlicht. Sein Lebensraum, die lichten Trockenwälder im Süden, verschwindet schneller als andere Waldgebiete Madagaskars, weil er sich schon mit einfachen Werkzeugen roden lässt.

Häufige Fragen zum Lemur

Wo leben Lemuren?

Ausschließlich auf Madagaskar und den benachbarten Komoren. Dort besiedeln sie Regenwälder, Trockenwälder, Dornwälder und sogar halbwüstenartige Gebiete.

Sind Lemuren Affen?

Nein. Lemuren sind Primaten, gehören aber zu den Feuchtnasenprimaten, einer anderen Unterordnung als die Affen. Ihre feuchte, unbehaarte Nase und der Zahnkamm im Unterkiefer unterscheiden sie deutlich.

Wie groß werden Lemuren?

Das hängt stark von der Art ab. Der Madame-Berthe-Mausmaki ist 9 bis 11 cm lang und wiegt etwa 30 g, der Indri erreicht 60 bis 90 cm und 7 bis 10 kg. Der Katta liegt mit 39 bis 46 cm und rund 2,2 kg dazwischen.

Warum sind Lemuren so stark bedroht?

Weil sie nur an einem Ort der Welt vorkommen und ihr Wald dort schnell verschwindet. Abholzung für Landwirtschaft, Bergbau und Holzkohle, Jagd und der Handel mit Haustieren treffen alle Arten zugleich. Der Duke Lemur Center beziffert den Anteil bedrohter Arten auf 95 Prozent.

Was frisst ein Lemur?

Je nach Art Früchte, Blätter, Blüten, Nektar, Triebe, Rinde und Baumsaft. Kleinere Arten fressen zusätzlich Insekten, größere gelegentlich kleine Wirbeltiere.

Wozu dient der geringelte Schwanz des Kattas?

Als Signal. Zieht eine Gruppe durch ihr Revier, halten die Tiere den auffälligen Schwanz senkrecht hoch, damit alle einander im Gebüsch sehen. Männchen setzen ihn außerdem im Stinkkampf ein.

Wie alt werden Lemuren?

Für Kattas in Menschenobhut liegt die mittlere Lebenserwartung bei 16,7 Jahren. Einzelne Tiere erreichen bis zu 33 Jahre.

Ähnliche Tiere

  • Vari - schwarz-weißer Lemur, der ein Nest für seine Jungen baut
  • Indri - der größte lebende Lemur
  • Fingertier - das Aye-Aye mit dem langen Klopffinger
  • Grauer Mausmaki - einer der kleinsten Primaten
  • Koboldmaki - kleiner Primat Südostasiens mit riesigen Augen
  • Plumploris - nachtaktiver Verwandter aus Asien
  • Fossa - wichtigster natürlicher Feind der Lemuren
  • Säugetiere - alle Säugetiere im Lexikon
  • Tiere mit L - weitere Tiere, die mit L beginnen

Quellen

Größenvergleich

🪙1-Euro-Münze
2,3 cm
⚽Fußball
22 cm
🧒Kind
1,2 m
🧑Erwachsener
1,8 m
🏠Haus
10 m
▼Lemur
9 bis 90 cm

Ein Lemur erreicht eine Körpergröße von 9 bis 90 cm. Damit passt er bequem zwischen eine 1-Euro-Münze (2,3 cm) und ein Kind (1,2 m) auf unserer Vergleichsskala. Das bedeutet: Der Lemur ist etwa 22-mal so groß wie eine 1-Euro-Münze.

Gewichtsvergleich

🪙1-Euro-Münze
7,5 g
🍫Tafel Schokolade
100 g
⚽Fußball
430 g
🧒Kind
25 kg
🧑Erwachsener
75 kg
🚗Auto
1,5 t
🚌Schulbus
12 t
▼Lemur
30 g bis 10 kg

Ein Lemur bringt 30 g bis 10 kg auf die Waage. Das ist schwerer als eine 1-Euro-Münze (7,5 g), aber leichter als ein Kind (25 kg). Anders ausgedrückt: Der Lemur wiegt so viel wie etwa 669 1-Euro-Münzen.