Libelle

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Orangerote Gefleckte Heidelibelle sitzt mit durchsichtigen Flügeln seitlich auf einem trockenen Halm
André Karwath aka Aka / Wikimedia Commons / CC BY-SA 2.5

Kurz erklärt

Libellen sind räuberische Insekten mit vier einzeln beweglichen Flügeln und riesigen Augen aus bis zu 28.000 Einzelaugen. Sie können in der Luft stehen bleiben und sogar rückwärts fliegen. Den größten Teil ihres Lebens verbringen sie als Larven im Wasser, die fertigen Libellen leben meist nur wenige Wochen. In Deutschland gilt fast ein Drittel der Arten als gefährdet.

Steckbrief

Wissenschaftl. NameOdonata (Ordnung)
Abstammung
  • Klasse: Insekten
  • Unterklasse: Fluginsekten (Pterygota)
  • Ordnung: Libellen (Odonata)
KörpergrößeKörperlänge je nach Art 17 bis 130 mm; die Flügelspannweite der kleinsten Art (Nannophya pygmaea) beträgt nur 20 mm
KörpergewichtJe nach Art verschieden; die weit wandernde Pantala flavescens wiegt etwa 2 g
ErnährungRäuber: Erwachsene Libellen fangen Insekten bis zur eigenen Körpergröße, meist im Flug. Larven fressen Wasserinsekten, Kleinkrebse, Würmer und Schnecken, große Larven auch Kaulquappen und kleine Fische
LebenserwartungLarvenzeit je nach Art 6 Wochen bis 6 Jahre; die fertige Libelle lebt meist nur wenige Wochen
SozialverhaltenMeist einzeln; Männchen vieler Arten verteidigen ein Revier und bewachen ihre Partnerin bei der Eiablage
HerkunftAlle Kontinente außer der Antarktis
Verbreitung Alle Kontinente außer der Antarktis, an fast allen Arten von Gewässern; in Deutschland 79 etablierte Arten AfrikaAsienEuropaNordamerikaSüdamerikaAustralien
SonstigesGruppenseite: Ordnung mit über 6.300 Arten (World Odonata List, Stand 2020), vor allem Großlibellen (Anisoptera) und Kleinlibellen (Zygoptera). Die Rote Liste bewertet die Arten einzeln. In Deutschland gelten 29 Prozent der 79 etablierten Arten als bestandsgefährdet, zwei sind ausgestorben oder verschollen (Rote Liste 2021).

Was sind Libellen?

Libellen (Odonata) sind eine Ordnung der Insekten. Sie gehören zu den ältesten fliegenden Insekten. Ihr Grundbauplan hat sich seit dem Jura vor rund 180 Millionen Jahren kaum verändert. Die World Odonata List der University of Puget Sound zählt 6.313 Arten (Stand Dezember 2020). In Deutschland leben 79 Arten dauerhaft.

Viele Libellen sind prächtig gefärbt, oft mit metallischem Glanz. Das zeigt sich auch in deutschen Namen wie Rubinjungfer, Mosaikjungfer, Azurjungfer oder Prachtlibelle.

Großlibellen und Kleinlibellen

Fast alle Libellen gehören zu zwei Unterordnungen:

Großlibellen (Anisoptera)Kleinlibellen (Zygoptera)
Arten weltweit3.0923.217
Arten in Deutschland5128
Körperbaukräftig, gedrungenzierlich, schlank
FlügelVorder- und Hinterflügel unterschiedlich geformtbeide Flügelpaare fast gleich
Flügel in Ruheseitlich ausgebreitetmeist über dem Rücken zusammengelegt
Augengroß, berühren sich meist auf dem Scheitelweit auseinander, Kopf wirkt wie eine Hantel
Larvefünf spitze Dornen am Hinterendedrei Blattkiemen am Hinterende

Daneben gibt es eine dritte, sehr kleine Gruppe mit nur vier Arten der Gattung Epiophlebia. Sie vereint Merkmale beider Unterordnungen.

Aussehen und Körperbau

Libellen werden je nach Art 17 bis 130 Millimeter lang. Die kleinste Art, Nannophya pygmaea aus Ostasien, hat eine Flügelspannweite von nur 20 Millimetern. Die Kleinlibelle Megaloprepus caerulatus aus Mittel- und Südamerika hat eine etwa zehnmal so große Spannweite. Sie pflückt Radnetzspinnen aus ihren Netzen.

  • Kopf: Er ist sehr beweglich und lässt sich zu jeder Seite um 90 Grad drehen. Im Kurvenflug bleibt er waagerecht und hilft so beim Gleichgewicht.
  • Mundwerkzeuge: Ober- und Unterkiefer tragen kräftige, spitze Zähne.
  • Beine: Sie sind nach vorn gerichtet und kaum zum Laufen geeignet. Mit ihren Dornen bilden sie einen Fangkorb, in dem die Beute gepackt wird. Spezielle Kammdornen dienen zum Putzen der Augen.
  • Hinterleib: lang, schmal und aus zehn Segmenten. Die Farben entstehen durch Farbstoffe, durch Lichteffekte an der Oberfläche und durch eine Wachsschicht.

Die Augen: bis zu 28.000 Einzelaugen

Die riesigen Facettenaugen nehmen den größten Teil des Kopfes ein. Sie bestehen bei Kleinlibellen aus bis zu 7.000 und bei Großlibellen aus bis zu 28.000 Einzelaugen. Libellen gehören zu den am besten sehenden Insekten. Bewegungen nehmen sie viel schneller wahr als der Mensch.

Die Einzelaugen sind auf verschiedene Aufgaben spezialisiert, etwa auf Farben, Bewegungen oder scharfes Sehen. Im schärfsten Bereich des Auges sieht eine Großlibelle etwa 20-mal schärfer als eine Fruchtfliege. Besondere Nervenzellen reagieren auf kleine, sich bewegende Ziele, also auf mögliche Beute.

Flugkünstler der Insektenwelt

Libellen gehören zu den geschicktesten Fliegern im Insektenreich. Ihr Geheimnis: Sie können alle vier Flügel unabhängig voneinander bewegen. Viele Muskeln setzen direkt an den Flügeladern an und steuern Winkel, Wölbung, Ausschlag und Schlagtakt jedes einzelnen Flügels. Das macht vor allem Großlibellen extrem wendig:

  • aus vollem Flug abrupt abbremsen
  • in der Luft stehen bleiben (rütteln)
  • senkrecht aufsteigen
  • seitwärts und sogar rückwärts fliegen
  • über längere Strecken gleiten

Einige Arten erreichen Geschwindigkeiten bis zu 50 km/h. Im ruhigen Flug sind Libellen viel langsamer: In einer Flughalle flogen die meisten untersuchten Arten 1 bis 2 Meter pro Sekunde, Kleinlibellen langsamer als Großlibellen.

Vor dem Start wärmen Libellen ihre Flugmuskeln oft durch Flügelzittern auf. Beim Fliegen erreichen die Muskeln 26 bis 37 Grad Celsius, im Extremfall 44 Grad. Vor allem Großlibellen können ihre Körpertemperatur weitgehend unabhängig von der Außentemperatur halten.

Manche Libellen sind echte Fernreisende. Die Libelle Pantala flavescens überquert mit Hilfe starker Höhenwinde den Indischen Ozean, obwohl sie nur etwa 2 Gramm wiegt.

Ernährung: Was fressen Libellen?

Erwachsene Libellen sind Räuber. Sie fressen vor allem kleine Insekten wie Mücken, aber auch Tiere bis zur eigenen Körpergröße, manchmal sogar Artgenossen. Es gibt zwei Jagdweisen:

  • Ansitzjäger warten auf einer Warte und starten zu kurzen Stoßflügen, wenn ein Insekt vorbeifliegt.
  • Flugjäger patrouillieren lange durch ihr Jagdrevier und verfolgen Beute in der Luft.

Großlibellen fangen ihre Beute ausschließlich im Flug. Sie fliegen dabei nicht hinter dem Insekt her, sondern steuern den Punkt an, an dem es gleich sein wird. So sind sie sehr erfolgreich: Bei Großlibellen, die von einer Warte aus jagen, gelingen 83 bis 97 Prozent der Beuteflüge. Viele Kleinlibellen sammeln Beute dagegen auch von Pflanzen ab.

Larven: das lange Leben im Wasser

Die meiste Zeit ihres Lebens verbringen Libellen als Larven im Wasser. Libellen haben keine Puppe: Die Larve durchläuft 9 bis 17 Larvenstadien und häutet sich dabei immer wieder. Je nach Art dauert das 6 Wochen bis 6 Jahre, bei Quelljungfern am längsten. Das Rote-Liste-Zentrum nennt einige Wochen bis fünf Jahre.

Libellenlarven sind gefräßige Räuber. Sie fressen Wasserinsekten und deren Larven, Kleinkrebse, Würmer und Schnecken, große Larven auch kleine Fische und Kaulquappen. Ihre Beute packen sie mit der Fangmaske: Die Unterlippe ist zu einem Greifwerkzeug umgebaut, das blitzschnell nach vorn schnellt. Großlibellenlarven können über drei Monate hungern, ohne Schaden zu nehmen.

Auch beim Atmen unterscheiden sich die beiden Unterordnungen:

  • Kleinlibellenlarven haben drei Blattkiemen am Hinterende. Sie helfen beim Atmen, wirken beim Schwimmen wie eine Schwanzflosse und lenken Feinde ab.
  • Großlibellenlarven atmen über Kiemen im Enddarm. Sie saugen Wasser durch den After ein und pressen es wieder hinaus. Stoßen sie es kräftig aus, schießen sie nach dem Rückstoßprinzip nach vorn.

Ist die Larve ausgewachsen, klettert sie an einem Pflanzenstängel aus dem Wasser. Dort platzt die Larvenhaut, und die fertige Libelle schlüpft. Danach lebt sie meist nur noch wenige Wochen.

Fortpflanzung: das Paarungsrad

Die Paarung der Libellen ist akrobatisch. Das Männchen packt das Weibchen mit Zangen am Hinterleibsende, bei Kleinlibellen an der Vorderbrust, bei Großlibellen am Hinterkopf. So fliegen beide im Tandem. Dann biegt das Weibchen seinen Hinterleib nach vorn zum Männchen. Es entsteht das typische, herzförmige Paarungsrad, das je nach Art Sekunden bis mehrere Stunden hält und flugfähig ist. Die Männchen vieler Arten entfernen vorher sogar die Spermien eines Vorgängers.

Bei der Eiablage gibt es verschiedene Strategien. Bei manchen Arten legt das Weibchen allein, bei anderen bleibt das Paar im Tandem zusammen, oder das Männchen bewacht seine Partnerin. Die Eier werden je nach Art in Pflanzen gestochen, in den Schlamm gedrückt oder an der Wasseroberfläche abgestreift.

Verbreitung und Lebensraum

Libellen leben auf allen Kontinenten außer der Antarktis. Man trifft sie an fast allen Arten von Gewässern. Manche Arten sind aber Spezialisten und kommen nur an Bächen und Flüssen, in Mooren oder an Quellen vor. Weil jede Art bestimmte Ansprüche hat, zeigen Libellen gut an, wie es einem Gewässer geht.

Die Larven leben eingegraben im Schlamm, auf dem Gewässergrund oder zwischen Wasserpflanzen, in stehenden wie in fließenden Gewässern. Bei einigen sehr ursprünglichen Arten auf Hawaii und in Australien leben die Larven sogar an Land.

Gefährdung: die Rote Liste der Libellen

Für die Libellen als Ganzes gibt es keine Einstufung auf der weltweiten Roten Liste, die Arten werden einzeln bewertet. Für Deutschland gibt es eine eigene Rote Liste (Ott und andere, 2021). Sie beruht auf dem Datenstand von Anfang 2012 und bewertet die 79 etablierten Arten:

EinstufungAnteil
bestandsgefährdet29 Prozent
ausgestorben oder verschollen2 Arten
Vorwarnliste8 Prozent
extrem selten5 Arten (6 Prozent)
ungefährdet54 Prozent

Besonders gefährdet sind Arten der Fließgewässer, Moore, Sümpfe und Gewässer, die zeitweise austrocknen. Die wichtigste Ursache ist der Verlust von Gewässern, vor allem durch Austrocknen. Auch Veränderungen am Gewässer, an der Wasserqualität und an den Lebensgemeinschaften im Wasser schaden den Libellen.

Riesenlibellen der Urzeit

Vor rund 300 Millionen Jahren, im Erdaltertum, flogen die größten Insekten, die je gelebt haben: die Meganeuriden. Ihre Flügelspannweite erreichte bis zu 71 Zentimeter. Am bekanntesten ist Meganeura monyi mit etwa 70 Zentimetern Spannweite.

Obwohl man sie oft „Riesenlibellen“ nennt, waren sie keine echten Libellen. Sie gehören zu einer ausgestorbenen Verwandtschaftsgruppe am Stammbaum der heutigen Libellen. Sie sahen ihnen aber sehr ähnlich: Sie hatten große Augen, kräftige Kiefer mit spitzen Zähnen und dornige Beine, mit denen sie Beute im Flug packten. So wendig wie heutige Libellen waren sie wohl nicht, weil ihnen eine bestimmte Knickstelle im Flügel fehlte. Forscher vermuten, dass sie über offenen Landschaften, Flüssen und Seen jagten.

Häufige Fragen zur Libelle

Wie schnell fliegt eine Libelle?

Einige Libellenarten erreichen bis zu 50 km/h. Im normalen Flug sind die meisten Arten aber viel langsamer, etwa 1 bis 2 Meter pro Sekunde. Libellen können außerdem in der Luft stehen bleiben und rückwärts fliegen.

Wie lange lebt eine Libelle?

Die meiste Zeit lebt eine Libelle als Larve im Wasser, je nach Art 6 Wochen bis 6 Jahre. Nach dem Schlüpfen lebt die fertige Libelle meist nur noch wenige Wochen.

Wie viele Augen hat eine Libelle?

Libellen haben zwei große Facettenaugen. Diese bestehen bei Großlibellen aus bis zu 28.000 Einzelaugen, bei Kleinlibellen aus bis zu 7.000. Mit diesen Augen nehmen sie Bewegungen viel schneller wahr als wir Menschen.

Was ist der Unterschied zwischen Großlibellen und Kleinlibellen?

Großlibellen sind kräftig gebaut und halten ihre Flügel in Ruhe seitlich ausgebreitet. Ihre großen Augen berühren sich meist. Kleinlibellen sind zierlicher, legen die Flügel meist über dem Rücken zusammen und haben weit auseinanderstehende Augen.

Was fressen Libellen?

Erwachsene Libellen fangen Insekten im Flug, zum Beispiel Mücken. Die Larven im Wasser fressen Insektenlarven, Kleinkrebse und Würmer, große Larven auch Kaulquappen und kleine Fische.

Sind Libellen gefährdet?

In Deutschland gelten 29 Prozent der 79 heimischen Arten als bestandsgefährdet, zwei Arten sind ausgestorben oder verschollen. Hauptgrund ist der Verlust von Gewässern, vor allem durch Austrocknen.

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Quellen

Größenvergleich

🪙1-Euro-Münze
2,3 cm
⚽Fußball
22 cm
🧒Kind
1,2 m
🧑Erwachsener
1,8 m
🏠Haus
10 m
▼Libelle
1,7 bis 13 cm

Die Libelle wird 1,7 bis 13 cm groß - eher kompakt. Auf unserer Größenskala liegt sie zwischen einer Biene (1,5 cm) und einem Fußball (22 cm). Im direkten Vergleich ist die Libelle rund 5-mal so groß wie eine Biene, aber ein Fußball übertrifft die Libelle noch um das 3-Fache.