Maikäfer
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Kurz erklärt
Der Maikäfer ist ein brauner Käfer mit fächerförmigen Fühlern und weißen Zacken an den Seiten. Drei bis fünf Jahre lebt er als Engerling im Boden und frisst Wurzeln. Als Käfer fliegt er im Frühling aus, frisst Blätter von Laubbäumen und stirbt nach wenigen Wochen. In manchen Jahren schlüpfen Millionen Maikäfer auf einmal, man spricht dann von einem Maikäferjahr.
Steckbrief
| Wissenschaftl. Name | Melolontha melolontha (Feldmaikäfer) und Melolontha hippocastani (Waldmaikäfer) |
|---|---|
| Abstammung |
|
| Körpergröße | Feldmaikäfer 2 bis 3 cm, Waldmaikäfer 2 bis 2,5 cm; ausgewachsene Engerlinge etwa 5 cm |
| Ernährung | Käfer: Blätter von Laubbäumen wie Eiche, Buche, Hainbuche und Obstbäumen; Engerlinge: Pflanzenwurzeln |
| Lebenserwartung | Entwicklung vom Ei zum Käfer 3 bis 5 Jahre; der fertige Käfer lebt nur 4 bis 6 Wochen |
| Sozialverhalten | Keine Gruppen im eigentlichen Sinn; die Käfer eines Gebiets schlüpfen aber im selben Jahr und treten dann in großer Zahl auf |
| Herkunft | Europa |
| Verbreitung | Feldmaikäfer in weiten Teilen Europas; Waldmaikäfer vor allem in Nord- und Osteuropa und in Deutschland auf sandigen Böden Europa |
| Entdeckung | Feldmaikäfer 1758 von Carl von Linné beschrieben, Waldmaikäfer 1801 von Fabricius |
| Gefährdung | NE Nicht bewertet |
| Sonstiges | In Deutschland kommen drei Maikäferarten vor. Häufig sind nur Feld- und Waldmaikäfer, die dritte Art Melolontha pectoralis ist selten. |
Was ist ein Maikäfer?
Der Maikäfer ist einer der bekanntesten Käfer Europas. Er gehört zur Familie der Blatthornkäfer, wie der Rosenkäfer und der Nashornkäfer. Den Namen verdankt die Familie den Fühlern: Ihre letzten Glieder sind zu breiten Plättchen, den Lamellen, verbreitert, die wie ein kleiner Fächer aussehen.
In Deutschland gibt es drei Maikäferarten. Häufig sind nur zwei: der Feldmaikäfer (Melolontha melolontha) und der Waldmaikäfer (Melolontha hippocastani). Die dritte Art ist selten. Feld- und Waldmaikäfer sehen sich so ähnlich, dass selbst Fachleute genau hinschauen müssen.
Das Besondere am Maikäfer ist sein Lebenslauf: Fast sein ganzes Leben verbringt er als Engerling unsichtbar im Boden. Nur wenige Wochen im Frühling sieht man ihn als fertigen Käfer.
Aussehen und Körperbau
Farbe: Maikäfer sind braun. Die Flügeldecken sind rotbraun, Kopf und Halsschild beim Feldmaikäfer schwarz bis dunkelbraun. Der Körper ist behaart, Fühler und Beine sind rotbraun.
Die weißen Zacken: An beiden Seiten des Hinterleibs sitzt eine Reihe weißer, dreieckiger Flecken. Daran lässt sich der Maikäfer gut von ähnlichen Käfern unterscheiden.
Das spitze Hinterteil: Der Hinterleib läuft in einen flachen, spitzen Fortsatz aus, das Pygidium. Es ragt unter den Flügeldecken hervor.
Größe: Der Feldmaikäfer wird 2 bis 3 cm lang. Der Waldmaikäfer ist mit 2 bis 2,5 cm etwas kleiner und damit ungefähr so groß wie eine 2-Euro-Münze.
Männchen oder Weibchen? Das verraten die Fühler. Männchen haben sieben lange, gespreizte Lamellen an jedem Fühler, Weibchen nur sechs kürzere. Auf den Lamellen der Männchen sitzen bis zu 50.000 Geruchssensoren. Damit spüren sie die Weibchen auf.
Feldmaikäfer oder Waldmaikäfer?
| Merkmal | Feldmaikäfer | Waldmaikäfer |
|---|---|---|
| Größe | 2 bis 3 cm | 2 bis 2,5 cm |
| Eiablage | im offenen Gelände | im Wald, nahe den Fraßbäumen |
| Engerlinge leben | im Boden von Wiesen und Feldern | im Waldboden |
Verbreitung und Lebensraum
Feldmaikäfer: Er ist die häufigste Art und lebt in weiten Teilen Europas. Seine Engerlinge entwickeln sich im Boden von Wiesen, Weiden und Äckern, auch in Obstwiesen und Weinbergen. Die Käfer fliegen zum Fressen an Waldränder, Hecken und Obstbäume.
Waldmaikäfer: Er kommt vor allem im Norden und Osten Europas vor. In Deutschland lebt er besonders auf lockeren, sandigen Böden, zum Beispiel in der Oberrheinebene und im Hessischen Ried. Seine Engerlinge entwickeln sich im Waldboden.
Große Vorkommen in Deutschland: Die größten Maikäferbestände gibt es heute im Südwesten. Bekannte Gebiete sind die Wälder zwischen Darmstadt und Mannheim, der Hardtwald bei Karlsruhe und der Bienwald in der Pfalz. Maikäfer leben aber auch in vielen anderen Regionen, etwa im Saarland, in Südniedersachsen oder im Berliner Grunewald.
Ernährung
Die Käfer fressen ausschließlich Pflanzen, und zwar Blätter von Laubbäumen. Besonders beliebt sind die frischen, weichen Blätter der Eiche. Außerdem fressen sie an Buche, Hainbuche, Ahorn, Weide und Obstbäumen. Feldmaikäfer gehen gern an Obstbäume, Waldmaikäfer bleiben lieber bei Eichen, Buchen und Hainbuchen. In den Alpentälern fressen Maikäfer auch an Lärchen.
Nach dem Schlüpfen müssen die Käfer erst fressen, um geschlechtsreif zu werden. Diesen Reifungsfraß halten sie etwa sechs Wochen lang durch. In Massenjahren fressen sie ganze Baumkronen kahl. Die meisten Bäume erholen sich aber und treiben im Juni neu aus. Diesen zweiten Austrieb nennt man Johannistrieb.
Die Engerlinge fressen im Boden. Ganz junge Engerlinge fressen zunächst Humus, also zersetzte Pflanzenreste. Nach der ersten Häutung im Spätsommer knabbern sie an lebenden Wurzeln vieler verschiedener Pflanzen. Engerlinge im Wald fressen auch die Wurzeln junger Bäume.
Der Maikäferzyklus: vom Ei zum Käfer
Maikäfer entwickeln sich in vier Stufen: Ei, Engerling, Puppe und Käfer. Das dauert je nach Klima und Art drei bis fünf Jahre.
- Ausflug: Je nach Wetter graben sich die fertigen Käfer ab Mitte bis Ende April aus dem Boden, meist in der Abenddämmerung. Die Männchen kommen zuerst.
- Reifungsfraß und Paarung: Die Käfer fliegen zu Laubbäumen, fressen und paaren sich. Dabei orientieren sich die Männchen zuerst an Pflanzengerüchen, die beim Blattfraß der Weibchen entstehen. In der Nähe hilft dann ein Lockstoff der Weibchen.
- Eiablage: Die Weibchen graben sich in lockeren Boden ein und legen ihre Eier ab, in bis zu drei Schüben mit jeweils 10 bis 30 Eiern. Danach sterben die Käfer. Als fertiger Käfer lebt ein Maikäfer nur vier bis sechs Wochen.
- Engerling: Nach vier bis sechs Wochen schlüpfen die jungen Engerlinge. Sie leben mehrere Jahre im Boden, häuten sich und werden immer größer. Ausgewachsen sind sie etwa 5 cm lang, weißlich gelb, mit harter Kopfkapsel, kräftigen Mundwerkzeugen und kräftigen Beinen. Meist liegen sie gekrümmt wie ein C. Im Winter graben sie sich bis zu 90 cm tief ein, wo es nicht friert.
- Puppe: Im Sommer des letzten Entwicklungsjahres verpuppt sich der Engerling in einer Höhle im Boden. Nach vier bis sechs Wochen ist der Käfer fertig.
- Warten im Boden: Der fertige Käfer bleibt über den Winter im Boden, bis zu einem Meter tief. Erst im nächsten Frühling gräbt er sich heraus, und der Kreislauf beginnt von vorn.
Wie lange dauert es genau? In Mitteleuropa brauchen Maikäfer meist drei bis vier Jahre, in der Schweiz meist drei. In den Bergen kann es vier Jahre dauern. Der Waldmaikäfer im Hessischen Ried braucht vier Jahre. Durch wärmere Jahre haben sich die Zyklen mancherorts verkürzt.
Maikäferjahre und Massenvermehrungen
Warum gibt es Maikäferjahre? Innerhalb eines Gebiets schlüpfen die meisten Maikäfer im selben Jahr. So finden sie leicht einen Partner. Ihre Nachkommen schlüpfen dann wieder gemeinsam nach drei, vier oder fünf Jahren. Diese Jahre mit vielen Käfern heißen Flugjahre oder Maikäferjahre. In den Jahren dazwischen sieht man nur einzelne Käfer.
Die Maikäfer einer Region, die im gleichen Takt leben, nennt man einen Stamm. Der Takt gilt nur regional: In Bayern, Hessen oder Sachsen fliegen die Maikäfer oft in unterschiedlichen Jahren. Im Hessischen Ried fliegt der Waldmaikäfer alle vier Jahre in großer Zahl. Für 2026 hatte der NABU dort das nächste Hauptflugjahr angekündigt.
Massenvermehrungen: Zusätzlich schwankt die Zahl der Maikäfer über lange Zeiträume. Etwa alle 30 bis 45 Jahre kommt es zu Massenvermehrungen mit riesigen Käfermengen. Manche Gebiete haben längere Abstände: Im Bienwald in der Pfalz neigt der Maikäfer nach Angaben der Landesforsten alle 50 bis 70 Jahre zu einer Massenvermehrung. In den Hauptflugjahren schlüpfen in den Wäldern zwischen Darmstadt und Mannheim nach Schätzungen des NABU rund fünf Milliarden Käfer.
Feinde und Gefährdung
Natürliche Feinde: Maikäfer sind eine eiweißreiche Nahrung für viele Tiere. Die Käfer fressen viele Vögel, Fledermäuse, Igel, Spitzmäuse und Maulwürfe, außerdem Dachse und Wildschweine. Die Engerlinge im Boden fressen vor allem Krähen und Möwen, aber auch Füchse, Dachse, Maulwürfe und Wildschweine. Auch Fadenwürmer, Bakterien, Viren und Pilze töten Engerlinge. Eine Massenvermehrung bremsen können die Feinde aber kaum.
Gefährdung: Auf der Roten Liste der IUCN sind weder Feld- noch Waldmaikäfer bewertet. In Deutschland sind die Bestände nach einem starken Einbruch heute regional wieder groß.
Fast verschwunden: In den 1950er- und 1960er-Jahren wurden Maikäfer mit dem Insektengift DDT stark bekämpft. Ab den 1970er-Jahren bekamen in den meisten Gegenden Mitteleuropas nur noch wenige Menschen einen Maikäfer zu sehen. Der Liedermacher Reinhard Mey besang das in seinem Lied „Es gibt keine Maikäfer mehr“. Seit einigen Jahrzehnten haben sich die Bestände regional erholt. Im Bienwald in der Pfalz etwa breitet sich der Maikäfer seit etwa 1983 wieder aus.
Maikäfer als Schädling
Blattfraß: Den Kahlfraß der Käfer überstehen die meisten Bäume gut, weil sie im Juni neu austreiben.
Wurzelfraß: Gefährlicher sind die Engerlinge. Sie fressen die Wurzeln von jungen Bäumen, Wiesen, Obst, Wein, Erdbeeren und vielen anderen Pflanzen. Schon ein bis drei Engerlinge pro Quadratmeter können in Baumschulen und an jungen Bäumen Schäden verursachen. Bei Probebohrungen um Mannheim fand man regelmäßig mehr als 100 Engerlinge pro Quadratmeter. Im Bienwald sterben durch den Wurzelfraß vor allem junge Buchen und Eichen ab, ältere Buchen verlieren Äste in der Krone.
Bekämpfung früher: Lange war Einsammeln die einzige Methode. Im Kanton Uri in der Schweiz gab es um 1660 eigene „Käfervögte“. 1909 wurden allein im Kanton Zürich rund 350 Millionen Käfer abgeliefert. In Wien kamen 1951 sogar eine Milliarde Käfer zusammen, aus denen Maikäfermehl als Futter für Hühner und Schweine hergestellt wurde. Im Mittelalter gab es sogar ein Gerichtsurteil gegen Maikäfer: 1320 befahl ein Gericht in Avignon den Käfern, sich innerhalb von drei Tagen auf ein ausgewiesenes Feld zurückzuziehen.
Heute: Im Wald ist eine Bekämpfung in der Schweiz nicht zugelassen, und auch im Bienwald ist keine vorgesehen. In der Landwirtschaft werden unter anderem Netze gegen die Eiablage und ein Pilz eingesetzt, der Engerlinge infiziert.
Maikäfer in Geschichte und Kultur
Maikäfersuppe: Früher wurden Maikäfer auch gegessen. Überliefert sind Rezepte für Maikäfersuppe, bei der die Käfer ohne Flügeldecken und Beine in Butter geröstet und in Hühnerbrühe gekocht wurden. Es gab sogar kandierte Maikäfer als Süßigkeit.
In Büchern: Viele kennen den Maikäfer aus Wilhelm Buschs „Max und Moritz“. Als Maikäfer Sumsemann tritt er in „Peterchens Mondfahrt“ auf.
Verwechslungen: Oft wird der Maikäfer mit dem Junikäfer verwechselt. Dieser ist mit 14 bis 18 mm etwa ein Drittel kleiner, heller gefärbt und hat keine weißen Zacken an der Seite. Der Gartenlaubkäfer ist nur etwa 1 cm groß und hat einen metallisch blaugrün schimmernden Vorderkörper. Große Engerlinge im Komposthaufen sind fast immer Larven des geschützten Rosenkäfers, nicht des Maikäfers.
Häufige Fragen zum Maikäfer
Wie lange lebt ein Maikäfer?
Insgesamt drei bis fünf Jahre. Den größten Teil davon verbringt er als Engerling im Boden. Als fertiger Käfer lebt er nur vier bis sechs Wochen.
Was fressen Maikäfer?
Die Käfer fressen Blätter von Laubbäumen, am liebsten junge Eichenblätter, außerdem Buche, Hainbuche und Obstbäume. Die Engerlinge fressen im Boden Pflanzenwurzeln.
Wann fliegen Maikäfer?
Je nach Wetter und Region ab Mitte oder Ende April bis in den Juni, am meisten im Mai. Die Käfer schwärmen vor allem an milden Abenden in der Dämmerung.
Warum gibt es nur alle paar Jahre viele Maikäfer?
Weil die Maikäfer eines Gebiets im selben Takt leben. Sie schlüpfen gemeinsam, legen gemeinsam Eier, und ihre Nachkommen schlüpfen nach drei bis fünf Jahren wieder gemeinsam. Dazwischen sieht man nur einzelne Käfer.
Sind Maikäfer gefährlich?
Für Menschen sind Maikäfer harmlos. Für Pflanzen können vor allem die Engerlinge schädlich werden, weil sie Wurzeln fressen. Den Blattfraß der Käfer überstehen Bäume meist gut.
Wie erkennt man Männchen und Weibchen?
An den Fühlern: Männchen haben sieben lange, weit gespreizte Fühlerblätter, Weibchen nur sechs kürzere.
Ähnliche Tiere
- Gerippter Brachkäfer - der Junikäfer, ein kleinerer Verwandter, der oft mit dem Maikäfer verwechselt wird
- Rosenkäfer - ein grün glänzender Blatthornkäfer, dessen Engerlinge im Kompost leben
- Nashornkäfer - ein großer Blatthornkäfer mit Horn
- Hirschkäfer - der größte heimische Käfer, auch seine Larve lebt jahrelang verborgen
- Mistkäfer - ein weiterer bekannter heimischer Käfer
Quellen
- Die Maikäfer sind wieder da - NABU
- Maikäfer, Engerlinge und Verwandte - Bayerische Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft, waldwissen.net
- Maikäfer und Engerlinge - Merkblatt der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf
- Maikäfer, Feldmaikäfer und Waldmaikäfer - Waldschutz Schweiz, WSL
- Schäff, T. et al.: Waldmaikäfer in Unterfranken. LWF aktuell 90 - Bayerische Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft
- Der Maikäfer im Bienwald - Landesforsten Rheinland-Pfalz
Größenvergleich
Mit 2 bis 3 cm gehört der Maikäfer zu den kleineren Tieren in unserem Lexikon. Eine Biene (1,5 cm) ist dagegen kleiner, während ein Fußball mit 22 cm noch einiges an Größe drauflegt.