Mandrill
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Kurz erklärt
Der Mandrill ist ein großer Affe aus den Regenwäldern Westzentralafrikas. Die Männchen haben eine leuchtend rote Nase, blau gefurchte Wangen und einen gelb-orangen Bart. Mandrills leben in riesigen Gruppen, den Horden, mit oft mehreren hundert Tieren. Sie fressen vor allem Früchte und sind durch Jagd und Waldverlust gefährdet.
Steckbrief
| Wissenschaftl. Name | Mandrillus sphinx |
|---|---|
| Abstammung |
|
| Körpergröße | Kopf-Rumpf-Länge etwa 56 bis 76 cm, Männchen deutlich größer als Weibchen; kurzer Stummelschwanz |
| Körpergewicht | Männchen im Durchschnitt 31,6 bis 33 kg, einzelne bis 54 kg; Weibchen 12 bis 13 kg |
| Ernährung | Allesfresser: vor allem Früchte, außerdem Blätter, Rinde, Pilze, Wurzeln, Insekten, Schnecken, Würmer, Frösche und Echsen |
| Lebenserwartung | In Zoos bis knapp 40 Jahre; in einer halbfreien Kolonie in Gabun Männchen meist etwa 14, Weibchen mindestens 25 Jahre |
| Sozialverhalten | Horden von meist mehreren hundert Tieren aus Weibchen und Jungtieren; erwachsene Männchen kommen nur zur Paarungszeit dazu |
| Herkunft | Westzentralafrika |
| Verbreitung | Süd-Kamerun (südlich des Sanaga), Festland von Äquatorialguinea, Gabun und Republik Kongo; in tropischen Regenwäldern Afrika |
| Entdeckung | 1758 von Carl von Linné als Simia sphinx beschrieben |
| Gefährdung | VU Gefährdet (Rote Liste der IUCN, 2019) |
| Sonstiges | Die Gattung Mandrillus umfasst zwei Arten: den Mandrill und den Drill (Mandrillus leucophaeus), der nördlich des Sanaga-Flusses lebt. Bei keinem anderen Primaten unterscheiden sich Männchen und Weibchen so stark im Gewicht. |
Ein Affe in leuchtenden Farben
Der Mandrill (Mandrillus sphinx) ist ein großer Altweltaffe aus den Regenwäldern im Westen Zentralafrikas. Berühmt ist er für seine Farben: Erwachsene Männchen haben eine knallrote Nase, leuchtend blaue Wangenwülste und ein blau-violettes Hinterteil. Gemeinsam mit seinem nächsten Verwandten, dem Drill, bildet der Mandrill die Gattung Mandrillus. Beide gehören zur Familie der Meerkatzenverwandten.
Früher hat man Mandrills oft mit den Pavianen verglichen. Freilandforschung in Gabun zeigte aber, dass ihr Zusammenleben ganz anders funktioniert: Mandrills leben in riesigen Horden, in denen die erwachsenen Männchen nur einen Teil des Jahres auftauchen.
Aussehen und Körperbau
Größe und Gewicht: Bei keinem anderen Primaten ist der Unterschied zwischen den Geschlechtern so groß. Männchen wiegen mehr als dreimal so viel wie Weibchen:
- Männchen: im Durchschnitt 31,6 bis 33 kg, einzelne Tiere bis 54 kg
- Weibchen: 12 bis 13 kg
- Länge: Kopf und Rumpf messen etwa 56 bis 76 cm. Der Schwanz ist nur ein kurzer Stummel, den der Mandrill aufrecht trägt.
Körperbau: Der Mandrill hat einen großen Kopf, einen kompakten Körper und lange, kräftige Arme und Beine. Mit seinen Greifdaumen kann er Äste fest umfassen. Männchen haben lange Eckzähne.
Fell: Das dichte Fell wirkt olivgrün bis dunkelgrau. Die einzelnen Haare sind schwarz und rötlich gelb gebändert, die Unterseite ist heller. Am Kinn wächst ein gelb-oranger Bart.
Die Farben des Mandrills
Die auffälligen Farben sitzen vor allem auf der nackten Haut:
- Gesicht: Die lange Schnauze trägt auf jeder Seite vier oder fünf geschwollene, blaue Längswülste. Nase und Lippen sind leuchtend rot. Über den Augen sitzen rote Fellflecken.
- Hinterteil: Das nackte Gesäß ist blau bis violett gefärbt. Bei Männchen zeigen Hinterteil und Geschlechtsteile außerdem rote Farbtöne.
- Unterschiede: Weibchen und Jungtiere sind deutlich blasser. Das Gesicht erwachsener Weibchen kann von Schwarz bis Kräftigrosa reichen.
Farbe als Rangabzeichen: Wie kräftig das Rot eines Männchens leuchtet, hängt von seinem Rang ab. Das ranghöchste Männchen, das Alphamännchen, ist meist am buntesten. Rangniedere erwachsene Männchen haben weniger Testosteron im Blut und bleiben blasser. Untersuchungen an halbfrei lebenden Mandrills in Gabun zeigten: Männchen mit sehr unterschiedlich kräftigen Farben gehen Kämpfen meist aus dem Weg, der blassere zieht sich zurück. Ähnlich gefärbte Männchen dagegen geraten häufiger aneinander. Die Farbe hilft also, gefährliche Kämpfe zwischen den gut bewaffneten Männchen zu vermeiden.
Farbwechsel: Wenn ein Mandrill aufgeregt ist, wird das Blau am Hinterteil kräftiger. Bei den Weibchen verändert sich die Gesichtsfarbe mit dem Fortpflanzungszyklus.
Verbreitung und Lebensraum
Mandrills leben nur in einem kleinen Gebiet im Westen Zentralafrikas:
- im Süden Kameruns, südlich des Flusses Sanaga
- auf dem Festland von Äquatorialguinea
- in Gabun
- in der Republik Kongo bis zum Kongo-Fluss, nicht aber in der Demokratischen Republik Kongo
Der Fluss Sanaga trennt den Mandrill vom Drill, der weiter nördlich lebt. Im Osten begrenzen die Flüsse Ivindo und Ogooué in Gabun und der Dja in Kamerun das Verbreitungsgebiet.
Mandrills bewohnen vor allem tropische Regenwälder, oft mit sehr dichtem Unterwuchs. Sie kommen auch in Mosaiken aus Wald und Savanne vor, in Galeriewäldern entlang von Flüssen, in überfluteten Wäldern und manchmal auf Feldern. In reine Savanne wagen sie sich kaum hinaus.
Ernährung
Mandrills sind Allesfresser, die meiste Zeit fressen sie aber Früchte. Daneben stehen Blätter, Lianen, Rinde, Stängel, Pilze, Wurzeln und sogar Erde auf dem Speiseplan. Forschende haben über hundert verschiedene Pflanzenarten gezählt, die Mandrills fressen. Tierische Nahrung sind vor allem Insekten, Schnecken und Würmer, gelegentlich auch Frösche, Echsen, Schlangen und andere kleine Wirbeltiere.
In Kamerun gibt es zwischen April und Juli weniger Früchte. Dann fressen Mandrills mehr Blätter und andere Pflanzenteile. Manchmal plündern sie Felder mit Kochbananen oder Ölpalmen.
Verhalten und Lebensweise
Mandrills sind tagaktiv und halten sich meist auf dem Waldboden auf, wo sie auf allen vieren laufen. Zum Fressen klettern sie aber auch auf Bäume, öfter als Paviane. Abends steigen sie auf Bäume, um dort zu schlafen, jede Nacht an einer anderen Stelle.
Horden mit Hunderten Tieren
Im Lopé-Reservat in Gabun beobachteten Forschende von 1996 bis 1999 Mandrill-Gruppen, wenn sie offene Flächen überquerten, und zählten sie anhand von Videoaufnahmen. Das Ergebnis:
- Eine Horde bestand im Durchschnitt aus 620 Tieren.
- Die größte gezählte Horde umfasste 845 Mandrills.
- Die Horden hielten über den gesamten Zeitraum zusammen und waren offenbar keine Ansammlungen kleinerer Trupps.
Das sind wahrscheinlich die größten dauerhaften Gruppen, die man bei wild lebenden Primaten kennt, die nicht von Menschen gefüttert werden.
Wer gehört dazu? Das ganze Jahr über besteht eine Horde aus Weibchen und ihren Jungtieren. Die großen, bunten Männchen gehören nicht fest dazu. Sie stoßen nur zur Paarungszeit dazu, wenn die Weibchen paarungsbereit sind, und ziehen danach wieder ab. Junge Männchen verlassen ihre Geburtsgruppe mit etwa sechs Jahren. Reine Männchengruppen gibt es nicht. Neben den großen Horden wurden gelegentlich auch kleinere Gruppen mit weniger als 50 Tieren beobachtet.
Eine Horde kann an einem Tag nur 150 m weit ziehen, an einem anderen 3 km. Insgesamt legen Mandrills je nach Schätzung 2,5 bis 15 km am Tag zurück.
Verständigung
- Laute: Am häufigsten ist ein zweiteiliges Grunzen der erwachsenen Männchen. Es hilft vermutlich, die Gruppe im dichten Wald zusammenzuhalten.
- Grinsen: Zieht ein Mandrill die Lippen zurück, zeigt lautlos die Zähne und schüttelt den Kopf, ist das ein friedliches, beschwichtigendes Signal und keine Drohung.
- Drohen: Gedroht wird mit Starren, Kopfnicken und Schlagen mit der Hand auf den Boden.
- Duftmarken: Auf der Brust haben Mandrills eine Duftdrüse. Sie reiben sie an Ästen und anderen Gegenständen und hinterlassen so Duftmarken.
Fortpflanzung und Nachwuchs
Bei wilden Mandrills in Gabun liegt die Paarungszeit etwa zwischen Juni und November. Die Jungen kommen zwischen Januar und April zur Welt.
- Tragzeit: im Durchschnitt 175 Tage, also knapp sechs Monate
- Wurfgröße: ein Junges; Zwillinge wurden nur in Menschenobhut beobachtet
- Geburtsgewicht: etwa 900 g
- Aussehen: Neugeborene haben ein rosafarbenes Gesicht.
- Entwöhnung: Ein in Menschenobhut beobachtetes Jungtier begann mit etwa fünf Wochen feste Nahrung zu probieren und wurde mit acht Monaten entwöhnt.
- Erstes Junges: In einer halbfreien Kolonie in Gabun bekamen Weibchen ihr erstes Junges im Durchschnitt mit 4,2 Jahren.
- Männchen: Sie sind mit etwa 4 Jahren geschlechtsreif, werden aber erst mit 9 bis 10 Jahren ausgewachsen. In einer halbfreien Kolonie in Gabun zeugten sie ihr erstes Junges im Durchschnitt erst mit 11,6 Jahren, und nur ein Drittel der Männchen hatte überhaupt Nachwuchs.
Um die Jungen kümmern sich vor allem die Mütter. In der halbfreien Kolonie in Gabun stammten etwa zwei Drittel der Jungtiere von dominanten Männchen.
In Zoos werden Mandrills bis knapp 40 Jahre alt. In der halbfreien Kolonie in Gabun lebten Männchen meist etwa 14 Jahre, Weibchen mindestens 25 Jahre.
Feinde und Gefährdung
Natürliche Feinde sind Leoparden. Vermutlich erbeuten auch Kronenadler und große Schlangen manchmal Mandrills.
Die Rote Liste der IUCN stuft den Mandrill als gefährdet (VU, 2019) ein. Die größten Gefahren sind:
- Jagd auf Buschfleisch: In vielen Gebieten werden Mandrills wegen ihres Fleisches gejagt. Oft jagen Jäger mit Hunden. Die Affen flüchten dann auf Bäume, wo sie leicht geschossen werden können. So können ganze Gruppen getötet werden. Weil Männchen größer sind und mehr Fleisch liefern, trifft die Jagd sie besonders. Auch ihre lauten Rufe verraten Mandrills.
- Waldverlust: Wälder werden für Landwirtschaft, Weideland und Siedlungen gerodet. Neue Forststraßen für den Holzeinschlag machen entlegene Wälder für Jäger erreichbar und fördern den Handel mit Buschfleisch.
- Konflikte mit Bauern: Weil Mandrills manchmal Felder plündern, werden sie auch als Schädlinge getötet.
In Gabun wurden Mandrills aus Menschenobhut erfolgreich ausgewildert. Einige Tiere schlossen sich wilden Mandrills an und versorgten sich selbst.
Häufige Fragen zum Mandrill
Warum ist der Mandrill so bunt?
Die Farben sind Signale für Artgenossen. Das kräftige Rot zeigt bei Männchen den Rang an: Ranghohe Männchen sind am buntesten. Andere Männchen erkennen daran, wie stark ein Rivale ist, und vermeiden so gefährliche Kämpfe. Auch für Weibchen sind die Farben vermutlich ein Hinweis auf ein starkes Männchen.
Was ist der Unterschied zwischen Mandrill und Pavian?
Mandrill und Pavian gehören beide zu den Backentaschenaffen. Der Mandrill hat aber ein bunt gefärbtes Gesicht mit roter Nase und blauen Wülsten und lebt im Regenwald. Außerdem leben Mandrills in riesigen Horden, in denen die Männchen nur zur Paarungszeit dabei sind.
Wie groß ist ein Mandrill?
Mandrills messen ohne Schwanz etwa 56 bis 76 cm. Männchen wiegen im Durchschnitt 31,6 bis 33 kg, einzelne Tiere bis 54 kg. Weibchen sind mit 12 bis 13 kg weniger als halb so schwer.
Was frisst ein Mandrill?
Mandrills fressen vor allem Früchte, außerdem Blätter, Rinde, Pilze und Wurzeln. Dazu kommen Insekten, Schnecken, Würmer und gelegentlich kleine Wirbeltiere wie Frösche und Echsen.
Wie viele Mandrills leben in einer Gruppe?
Mandrills leben in Horden, die im Lopé-Reservat in Gabun im Durchschnitt 620 Tiere umfassten. Die größte gezählte Horde bestand aus 845 Tieren. Das ist vermutlich die größte dauerhafte Gruppe, die von wild lebenden, nicht gefütterten Primaten bekannt ist.
Ist der Mandrill gefährdet?
Ja, die IUCN stuft den Mandrill als gefährdet ein. Er wird vor allem wegen seines Fleisches gejagt und verliert durch Abholzung seinen Lebensraum.
Ähnliche Tiere
- Pavian - ebenfalls ein großer, am Boden lebender Backentaschenaffe
- Husarenaffe - ein weiterer Meerkatzenverwandter aus Afrika
- Westlicher Flachlandgorilla - lebt in Gabun im selben Wald
- Schimpanse - teilt in Gabun den Lebensraum mit dem Mandrill
- Rhesusaffe - ein asiatischer Verwandter aus derselben Unterfamilie
Quellen
- Abernethy, K. & Maisels, F. (2019): Mandrillus sphinx. The IUCN Red List of Threatened Species 2019
- Abernethy, K.A., White, L.J.T. & Wickings, E.J. (2002): Hordes of mandrills (Mandrillus sphinx): extreme group size and seasonal male presence. Journal of Zoology 258: 131-137
- Setchell, J.M. & Wickings, E.J. (2005): Dominance, status signals and coloration in male mandrills (Mandrillus sphinx). Ethology 111: 25-50
- Setchell, J.M. & Dixson, A.F. (2001): Arrested development of secondary sexual adornments in subordinate adult male mandrills (Mandrillus sphinx). American Journal of Physical Anthropology 115: 245-252
- Gron, K.J. (2009): Primate Factsheets: Drill (Mandrillus). Primate Info Net, Wisconsin National Primate Research Center, University of Wisconsin-Madison
- Mandrillus sphinx (Mandrill) - Animal Diversity Web, University of Michigan Museum of Zoology
Größenvergleich
Wie groß ist der Mandrill wirklich? Mit 56 bis 76 cm überragt er einen Fußball (22 cm) deutlich, kommt aber noch nicht an ein Kind (1,2 m) heran. Anschaulich gesprochen: Man müsste etwa 3 Fußbälle übereinander stapeln, um so groß wie ein Mandrill zu werden. Selbst eine 1-Euro-Münze (2,3 cm) wirkt daneben noch winzig.
Gewichtsvergleich
Ein Mandrill bringt 12 bis 54 kg auf die Waage. Das ist schwerer als eine Hauskatze (4 kg), aber leichter als ein Erwachsener (75 kg). Anders ausgedrückt: Der Mandrill wiegt so viel wie etwa 8 Hauskatzen.