Marderhund

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Marderhund mit dichtem grau-braun-schwarzem Fell, dunkler Gesichtsmaske und buschigem, ungeringeltem Schwanz steht vor einer Backsteinmauer und blickt über die Schulter
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Kurz erklärt

Der Marderhund ist ein fuchsgroßer Wildhund mit einer Gesichtsmaske, die an einen Waschbären erinnert. Er stammt aus Ostasien und wurde im 20. Jahrhundert als Pelztier in der Sowjetunion ausgesetzt. Von dort ist er bis nach Deutschland gewandert. Marderhunde fressen fast alles, leben oft als Paar und halten in kalten Wintern eine Winterruhe.

Steckbrief

Wissenschaftl. NameNyctereutes procyonoides
Abstammung
  • Klasse: Säugetiere
  • Ordnung: Raubtiere (Carnivora)
  • Unterordnung: Hundeartige (Caniformia)
  • Familie: Hunde (Canidae)
  • Gattung: Nyctereutes
  • Art: Marderhund (Enok, Tanuki)
KörpergrößeKopf-Rumpf-Länge 50 bis 75 cm, dazu ein 20 bis 25 cm langer Schwanz; Schulterhöhe 20 bis 25 cm
KörpergewichtIm Sommer etwa 4 bis 6 kg; im Durchschnitt 5 bis 8 kg, im Herbst mit Fettreserven bis 12 kg
ErnährungAllesfresser mit hohem Pflanzenanteil: Früchte, Mais und andere Pflanzen, kleine Säugetiere, Vögel und Eier, Amphibien, Insekten und Aas
LebenserwartungIn freier Natur bis etwa 7,5 Jahre nachgewiesen, in Menschenobhut je nach Quelle 11 bis über 14 Jahre
SozialverhaltenLebt allein oder in fester Paarbindung; beide Eltern ziehen die Welpen gemeinsam auf
HerkunftOstasien
Verbreitung Ursprünglich Fernost-Russland, China, Korea, Japan und Nordvietnam; ab 1929 im europäischen Teil der Sowjetunion ausgesetzt, heute in Nord-, Ost- und Mitteleuropa AsienEuropa
EntdeckungErstbeschreibung 1834 durch John Edward Gray
GefährdungLC Nicht gefährdet (Rote Liste der IUCN, 2016)
SonstigesSeit 2019 auf der Liste invasiver gebietsfremder Arten der EU (Unionsliste). Unterliegt in den meisten Bundesländern dem Jagdrecht.

Was ist ein Marderhund?

Der Marderhund (Nyctereutes procyonoides) ist ein Wildhund. Er gehört zur Familie der Hunde, wie Wolf und Fuchs, bildet aber eine eigene Gattung. Mit Mardern ist er trotz seines Namens nicht näher verwandt. Andere Namen sind Enok, Waschbärhund oder Obstfuchs. In Japan heißt er Tanuki, auf Englisch „Raccoon Dog“, also Waschbärhund.

Ursprünglich lebte der Marderhund nur in Ostasien. Im 20. Jahrhundert wurde er als Pelztier in Osteuropa ausgesetzt und hat sich von dort weit nach Westen ausgebreitet. In Deutschland gilt er heute als invasive Art.

Aussehen und Körperbau

Größe und Gewicht: Der Marderhund ist etwa so groß wie ein Rotfuchs, hat aber kürzere Beine. Laut Bundesamt für Naturschutz (BfN) ist er ohne Schwanz 50 bis 75 cm lang, der Schwanz misst 20 bis 25 cm. Die Schulterhöhe beträgt nur 20 bis 25 cm. Im Sommer wiegt ein Marderhund etwa 4 bis 6 kg. Im Herbst frisst er sich Fettreserven an und kann dann bis zu 12 kg schwer werden. Männchen und Weibchen sehen von außen gleich aus.

Gesicht: Auffällig ist die Gesichtsmaske: eine helle Schnauze rund um die Nase, dunkle Wangen und helle Stellen über den Augen. An den Kopfseiten wächst ein deutlicher Backenbart.

Fell: Das Fell ist rot- bis schwarzbraun, mit dichter Unterwolle und langen Deckhaaren. Im Frühjahr, ab etwa April, verliert der Marderhund seine Unterwolle, im Herbst wächst das dichte Winterfell nach. Der buschige Schwanz ist nicht geringelt.

Marderhund oder Waschbär?

Beide Tiere tragen eine dunkle Gesichtsmaske und werden oft verwechselt. Sie gehören aber zu verschiedenen Familien: Der Marderhund ist ein Hund, der Waschbär ein Kleinbär aus Nordamerika. So unterscheidest du sie:

  • Schwanz: Der Waschbär hat einen schwarz-weiß geringelten Schwanz, beim Marderhund ist er einfarbig ohne Ringe.
  • Füße: Der Waschbär setzt beim Gehen die ganze Sohle auf. Der Marderhund läuft wie alle Hunde auf den Zehen.
  • Klettern: Waschbären klettern ausgezeichnet. Marderhunde können nicht klettern und bleiben am Boden.
  • Wohnort: Waschbären leben auch mitten in Städten. Marderhunde sind in Europa bisher Waldbewohner und keine Stadttiere.

Verbreitung und Lebensraum

Heimat Ostasien: Ursprünglich kommt der Marderhund im Osten Sibiriens, im Norden Chinas, in Korea, Japan und im Norden Vietnams vor. Der Deutsche Jagdverband nennt sechs Unterarten, darunter eine auf dem Festland (N. p. ussuriensis) und eine auf den japanischen Inseln (N. p. viverrinus). In Europa wurde die Festlandform ausgesetzt.

Wie kam der Marderhund nach Europa? Zwischen 1929 und 1945 wurden im europäischen Teil der damaligen Sowjetunion rund 9.100 Marderhunde freigelassen, um die Pelztierjagd zu bereichern. Am erfolgreichsten war das in der Ukraine. Die Tiere vermehrten sich stark und breiteten sich ohne menschliche Hilfe aus. Heute leben Marderhunde in weiten Teilen Nord-, Ost- und Mitteleuropas, und ihre Ausbreitung geht weiter.

In Deutschland: Das BfN führt einen ersten Nachweis aus dem Jahr 1932. Nach Angaben des Forschungsprojekts ZOWIAC der Goethe-Universität Frankfurt trat der Marderhund 1962 im Emsland auf. Seitdem hat er sich vor allem im Norden und Osten ausgebreitet und ist inzwischen in fast allen Bundesländern nachgewiesen. ZOWIAC schätzt den Bestand anhand der Jagdstrecken auf über 300.000 Tiere, betont aber, dass genaue Zahlen schwer zu ermitteln sind.

Lebensraum: Marderhunde mögen wasserreiche Landschaften mit Wald und viel Deckung. In Deutschland leben sie in Wäldern und Kulturlandschaft, meist unterhalb von 500 m Höhe. Hochgebirge und Wüsten meiden sie.

Ernährung

Der Marderhund ist ein Allesfresser, der das ganze Jahr über viel Pflanzliches frisst. Auf seinem Speiseplan stehen kleine Säugetiere wie Mäuse, Vögel und ihre Eier, Amphibien, Insekten, Früchte, Obst und milchreifer Mais. Auch Aas lässt er nicht liegen.

Sammler statt Jäger: Der Marderhund ist eher ein Sammler als ein aktiver Jäger, ähnlich wie der Dachs. Mit der Nase am Boden streift er umher und nimmt, was er findet. Im Sommer frisst er vor allem Früchte, kleine Säugetiere, Amphibien, Vögel und wirbellose Tiere, im Winter hauptsächlich kleine Säugetiere und Aas.

Verhalten und Lebensweise

Winterruhe: In Gegenden mit kalten Wintern hält der Marderhund eine Winterruhe. In Mitteleuropa dauert sie etwa von Mitte November bis Ende Januar. Dafür frisst er sich im Spätsommer und Herbst dicke Fettreserven an und kann dabei bis zur Hälfte seines Körpergewichts zulegen. Die Winterruhe ist kein tiefer Winterschlaf: Hat ein Marderhund nicht genug Fett angefressen, verlässt er an warmen Tagen seinen Bau zur Futtersuche. Im Süden seines Verbreitungsgebiets ruht der Marderhund im Winter gar nicht.

Baue: Marderhunde beziehen am liebsten alte Baue von Dachs und Fuchs, zur Jungenaufzucht auch Verstecke unter umgestürzten Wurzeltellern oder im Schilf.

Aktivität: Marderhunde leben sehr heimlich und sind vor allem in der Dämmerung und nachts unterwegs, während der Jungenaufzucht auch am Tag. Ihre Streifgebiete sind unterschiedlich groß: In einer abwechslungsreichen Landschaft in Brandenburg waren es im Schnitt etwa 1,8 km², in einem großen Ackerbaugebiet in Mecklenburg-Vorpommern etwa 3,8 km².

Totstellen: Kann ein Marderhund nicht fliehen, stellt er sich tot. Er bleibt dann starr mit offenen Augen liegen. Fachleute vermuten, dass ihn das in seiner Heimat vor großen Katzen schützt, die vor allem auf Bewegung reagieren.

Laute: Marderhunde kläffen heiser, vor allem in der Paarungszeit. Welpen winseln, und bei Gefahr knurren die Tiere.

Fortpflanzung und Nachwuchs

Treue Paare: Marderhunde leben oft in einer dauerhaften Paarbindung. Männchen und Weibchen teilen sich Revier und Bau und ziehen die Jungen gemeinsam auf.

Paarung und Geburt: Die Paarungszeit liegt in Mitteleuropa Ende Januar und im Februar, kurz nach der Winterruhe. Nach einer Tragzeit von etwa 60 Tagen bringt das Weibchen Ende März oder Anfang April 7 bis 9 Welpen zur Welt. Sie sind blind und wollig behaart. Die Wurfgröße schwankt stark, einzelne Würfe umfassen nur ein Junges, sehr große bis zu 19.

Arbeitsteilung: In den ersten Wochen bewacht vor allem der Vater die Welpen und frisst dabei kaum, während die Mutter Nahrung sucht. Nach etwa drei Wochen bringen beide Eltern abwechselnd feste Nahrung. Im September, spätestens im Oktober verlassen die Jungen ihre Eltern. Mit etwa zehn Monaten sind sie geschlechtsreif.

Feinde und Gefährdung

Natürliche Feinde: In seiner Heimat jagen Tiger, Leoparden, Luchse, Wölfe und Braunbären den Marderhund, Greifvögel erbeuten vor allem Jungtiere. In Europa hat ein ausgewachsener Marderhund kaum Feinde. Nur Jungtiere werden selten von Fuchs oder Uhu gefressen.

Todesursachen: Viele Marderhunde sterben an Krankheiten wie Tollwut, Staupe oder Räude, im Straßenverkehr oder durch die Jagd.

Alter: Wie alt Marderhunde in freier Natur werden, ist nicht genau bekannt. In einer Untersuchung waren die ältesten Weibchen etwa 7,5 Jahre alt. In Menschenobhut werden Marderhunde je nach Quelle 11 bis über 14 Jahre alt.

Gefährdungsstatus: Auf der Roten Liste der IUCN gilt der Marderhund weltweit als nicht gefährdet (Least Concern) (Kauhala & Saeki, 2016).

Der Marderhund als invasive Art

Seit dem 2. Februar 2019 steht der Marderhund auf der Unionsliste der EU, der Liste invasiver Arten, die in Europa Schaden anrichten können. Warum ist er ein Problem?

  • Beutetiere: Das BfN nennt als Gefahr, dass der Marderhund Eier und Jungvögel, Reptilien und Amphibien frisst.
  • Krankheiten: Marderhunde können Tollwut, den Fuchsbandwurm und Trichinen übertragen. Eine Übersichtsarbeit von Kaarina Kauhala und Rafał Kowalczyk (2011) hält das für die schwerwiegendste Folge seiner Ausbreitung in Europa.

Wie groß ist der Schaden wirklich? Dieselbe Übersichtsarbeit kommt zu dem Ergebnis, dass es noch wenige feste Belege für einen Rückgang von Vogelbeständen durch den Marderhund gibt. In Finnland war sein Einfluss auf jagdbare Vögel kleiner als erwartet, und eine Studie in Lettland konnte nicht bestätigen, dass er Nester von Wasservögeln plündert. Auf Inseln hat er aber vermutlich örtlich Froschbestände ausgelöscht. Eine starke Konkurrenz zu Fuchs und Dachs zeigen die bisherigen Untersuchungen nicht.

Was wird getan? In den meisten Bundesländern unterliegt der Marderhund dem Jagdrecht. Zum Schutz besonders wertvoller Gebiete oder gefährdeter Arten werden Marderhunde mit Fallen gefangen oder geschossen.

Häufige Fragen zum Marderhund

Ist der Marderhund ein Hund oder ein Marder?

Der Marderhund ist ein Hund. Er gehört zur Familie der Hunde, wie Wolf und Fuchs. Mit Mardern ist er nicht näher verwandt, auch nicht mit dem Waschbären.

Wie groß wird ein Marderhund?

Er ist etwa fuchsgroß: 50 bis 75 cm lang ohne Schwanz, dazu 20 bis 25 cm Schwanz. Er wiegt im Sommer etwa 4 bis 6 kg, im Herbst bis zu 12 kg.

Was frisst ein Marderhund?

Fast alles: Mäuse, Vögel und Eier, Frösche, Insekten, Früchte, Mais und Aas. Er sucht sein Futter eher sammelnd am Boden, als dass er es jagt.

Wie unterscheidet man Marderhund und Waschbär?

Der Waschbär hat einen geringelten Schwanz und kann gut klettern. Der Schwanz des Marderhunds hat keine Ringe, und er kann nicht klettern.

Ist der Marderhund gefährlich für Menschen?

Marderhunde sind scheu und meiden Menschen. Sie können aber Krankheiten wie Tollwut und den Fuchsbandwurm übertragen. Tote oder kranke Tiere sollte man deshalb nicht anfassen.

Hält der Marderhund Winterschlaf?

Er hält eine Winterruhe, in Mitteleuropa etwa von Mitte November bis Ende Januar. Dabei lebt er von seinen Fettreserven. Reichen sie nicht, geht er an milden Tagen auf Futtersuche.

Ähnliche Tiere

  • Waschbär - sieht ähnlich aus, ist aber ein Kleinbär aus Nordamerika
  • Fuchs - ein etwa gleich großer Verwandter aus der Familie der Hunde
  • Dachs - sucht sein Futter ähnlich und teilt manchmal den Bau mit dem Marderhund
  • Wolf - der bekannteste Wildhund
  • Biberratte - die Nutria, eine weitere invasive Art in Deutschland

Quellen

Größenvergleich

🪙1-Euro-Münze
2,3 cm
⚽Fußball
22 cm
🧒Kind
1,2 m
🧑Erwachsener
1,8 m
🏠Haus
10 m
▼Marderhund
50 bis 75 cm

Mit 50 bis 75 cm gehört der Marderhund zu den mittelgroßen Tieren in unserem Lexikon. Ein Fußball (22 cm) ist dagegen deutlich kleiner, während ein Kind mit 1,2 m noch etwas an Größe drauflegt.

Gewichtsvergleich

🪙1-Euro-Münze
7,5 g
🍫Tafel Schokolade
100 g
⚽Fußball
430 g
🧒Kind
25 kg
🧑Erwachsener
75 kg
🚗Auto
1,5 t
🚌Schulbus
12 t
▼Marderhund
4 bis 12 kg

Ein Marderhund bringt 4 bis 12 kg auf die Waage. Das ist schwerer als ein Fußball (430 g), aber leichter als ein Kind (25 kg). Anders ausgedrückt: Der Marderhund wiegt so viel wie etwa 19 Fußbälle.