Marienkäfer

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Siebenpunkt-Marienkäfer mit roten, schwarz gepunkteten Flügeldecken und schwarzem Halsschild mit weißen Flecken auf einem grünen Blatt
Jon Sullivan (PD-PDphoto.org) / Wikimedia Commons / Public domain

Kurz erklärt

Marienkäfer sind kleine, halbkugelige Käfer, oft rot mit schwarzen Punkten. Der bekannteste ist der Siebenpunkt-Marienkäfer mit sieben schwarzen Punkten auf den roten Flügeldecken. Käfer und Larven fressen vor allem Blattläuse und gelten deshalb als Nützlinge. Die Zahl der Punkte verrät nicht das Alter, sondern hilft beim Bestimmen der Art.

Steckbrief

Wissenschaftl. NameCoccinellidae (Familie); Hauptart: Coccinella septempunctata (Siebenpunkt-Marienkäfer)
Abstammung
  • Klasse: Insekten
  • Ordnung: Käfer (Coleoptera)
  • Unterordnung: Polyphaga
  • Familie: Marienkäfer (Coccinellidae)
  • Gattung: Coccinella
  • Art: Siebenpunkt-Marienkäfer
KörpergrößeSiebenpunkt 5 bis 8 mm; Marienkäfer allgemein je nach Art etwa 1 bis 10 mm
ErnährungKäfer und Larven fressen vor allem Blattläuse, dazu Schildläuse, Spinnmilben und Blattflöhe, auch Pilzgeflecht; einige wenige Arten fressen Pflanzen
LebenserwartungHöchstens etwa 1 Jahr; die jungen Käfer überwintern und pflanzen sich im folgenden Frühjahr fort
SozialverhaltenZum Überwintern sammeln sie sich in Gruppen, beim Siebenpunkt bis zu mehreren hundert Tieren
HerkunftSiebenpunkt: Europa, Asien und Nordafrika
Verbreitung Marienkäfer leben weltweit, besonders artenreich in warmen Regionen. Der Siebenpunkt ist in Europa, Asien und Nordafrika heimisch und wurde in Nordamerika eingeführt AfrikaAsienEuropaNordamerika
EntdeckungSiebenpunkt-Marienkäfer 1758 von Carl von Linné beschrieben
GefährdungNE Nicht bewertet
SonstigesWeltweit sind rund 5.000 Marienkäferarten beschrieben, in Deutschland etwa 80.

Was ist ein Marienkäfer?

Marienkäfer sind eine Familie der Käfer mit weltweit rund 5.000 beschriebenen Arten. In Mitteleuropa leben etwa 100 Arten, in Deutschland rund 80. Alle haben einen halbkugelig gewölbten Körper und sind meist auffällig gefärbt.

Wenn Kinder an einen Marienkäfer denken, meinen sie fast immer den Siebenpunkt-Marienkäfer (Coccinella septempunctata): rote Flügeldecken mit sieben schwarzen Punkten. Er ist die bekannteste Art in Deutschland. Neben dem Asiatischen Marienkäfer ist er bei uns auch die häufigste. Um ihn geht es auf dieser Seite vor allem.

Woher kommt der Name? Der Name geht auf die Jungfrau Maria zurück. Früher glaubte man, die Käfer seien in ihrem Auftrag unterwegs, um Schädlinge zu vertilgen. Sie sollten außerdem vor Unheil schützen. Bis heute gelten Marienkäfer als Glücksbringer. Die Zahl Sieben galt schon seit alter Zeit als Glückszahl.

Aussehen und Körperbau

Größe: Marienkäfer werden je nach Art etwa 1 bis 10 mm groß. Der Siebenpunkt misst 5 bis 8 mm.

Der Siebenpunkt: Seine Flügeldecken sind rot mit sieben schwarzen Punkten. Das Halsschild ist schwarz mit zwei weißen Flecken. Kopf und Unterseite sind schwarz.

Andere Arten: Die Grundfarben der Marienkäfer sind Gelb, Rot, Schwarz und Braun. Es gibt Arten mit zwei, fünf, zehn, 14 oder 22 Punkten, aber auch Marienkäfer ganz ohne Punkte. Weil manche Arten sehr unterschiedlich gefärbt sein können, reicht die Farbe allein oft nicht zum Bestimmen.

Körperbau: Wie alle Käfer haben Marienkäfer harte Flügeldecken, unter denen die häutigen Flugflügel liegen. Die Fühler haben elf Glieder, das letzte Glied ist verdickt. Männchen und Weibchen sehen fast gleich aus, die Weibchen sind etwas größer.

Warum rund? Die halbkugelige Form ist kein Zufall. Ameisen verteidigen Blattläuse, weil sie deren süßen Honigtau fressen. Greifen sie einen Marienkäfer an, zieht er die Beine unter die Flügeldecken und drückt sich fest an die Unterlage. An dem glatten, runden Panzer finden die Kiefer der Ameisen kaum Halt.

Verbreitung und Lebensraum

Marienkäfer allgemein: Marienkäfer gibt es auf der ganzen Welt. Weil sie Wärme mögen, sind sie in den Subtropen und Tropen Afrikas, Asiens, Amerikas und Australiens sowie im warmen Südeuropa besonders artenreich.

Der Siebenpunkt: Seine Heimat sind Europa, Asien und Nordafrika. In Nordamerika wurde er mehrfach eingeführt, um Blattläuse in der Landwirtschaft zu bekämpfen, und kommt dort heute ebenfalls vor. In Großbritannien, wo er zu den häufigsten Marienkäfern zählt, geht seine Verbreitung dagegen zurück.

Lebensraum: Der Siebenpunkt ist fast überall zu finden, wo es Blattläuse gibt: auf Wiesen, an Waldrändern, in Gärten und Parks. Aktiv ist er in Deutschland etwa von Februar bis November.

Ernährung

Blattläuse: Der Siebenpunkt und seine Larven fressen vor allem Blattläuse. Welche Blattlausart es ist, spielt für ihn kaum eine Rolle. Nur Blattläuse auf Holunder meiden viele Marienkäfer, weil sie für sie giftige Stoffe enthalten.

Wie viele Blattläuse? Das hängt unter anderem von der Blattlausart und der Temperatur ab, die Angaben schwanken deshalb stark:

  • Käfer: etwa 50 bis 150 Blattläuse am Tag
  • Larve: bis zur Verpuppung etwa 200 bis 600 Blattläuse
  • Nachkommen eines Weibchens: nach Angaben des NABU zusammen an die 100.000 Läuse in einem Sommer

Weitere Nahrung: Auf dem Speiseplan stehen auch Schildläuse, Spinnmilben und Blattflöhe. Auch Pilzgeflecht wird gefressen. Einige wenige Arten, in Mitteleuropa sind es vier, fressen an Pflanzen, zum Beispiel der Vierundzwanzigpunkt an Klee, Luzerne, Nelken und Dahlien.

Kannibalen: Wenn Nahrung knapp wird, fressen Marienkäfer und ihre Larven auch Eier, Larven und Käfer anderer Arten und sogar der eigenen Art.

Entwicklung: vom Ei zum Käfer

Marienkäfer machen eine vollständige Verwandlung durch: Ei, Larve, Puppe, Käfer.

  1. Paarung: Im Frühling, bald nach dem Aufwachen aus der Winterruhe, paaren sich die Käfer.
  2. Eier: Das Weibchen legt seine gelblichen, länglichen Eier immer in die Nähe von Blattläusen, auf Blätter oder andere Pflanzenteile. Beim Siebenpunkt sind es meist 10 bis 30 Eier pro Gelege, insgesamt bis zu 1.500 Eier pro Weibchen. Ein Ei ist etwa 1 mm groß.
  3. Larve: Die Larven sehen einem Marienkäfer überhaupt nicht ähnlich. Sie sind walzenförmig, meist grau-schwarz und mit Borsten besetzt. Beim Siebenpunkt sind sie blaugrau mit gelber Zeichnung auf Rücken und Hinterleib. Mit ihren gut ausgebildeten Beinen spüren sie ihre Beute aktiv auf und fangen gleich nach dem Schlüpfen an zu fressen. Weil sie so gefräßig sind, nennt man sie auch „Blattlauslöwen“. Sie durchlaufen meist vier Larvenstadien. Frisch geschlüpfte Larven sind etwa 1,5 mm groß, im letzten Stadium bis zu 15 mm. Beim Siebenpunkt dauert die Larvenzeit etwa drei Wochen.
  4. Puppe: Die Larve heftet sich an ein Blatt und verpuppt sich. Die Puppe hängt reglos dort.
  5. Käfer: Nach ein bis zwei Wochen schlüpft der fertige Käfer. Zuerst ist er noch fast weiß bis gelblich. Seine Farbe bekommt er erst nach einigen Stunden.

Punkte und Alter: Viele glauben, dass man an der Zahl der Punkte das Alter ablesen kann. Das stimmt nicht. Die Zahl der Punkte bleibt ein Leben lang gleich, sie ist ein Merkmal der Art. Ein Marienkäfer wird ohnehin höchstens etwa ein Jahr alt.

Verhalten und Überwinterung

Winterruhe: Im Herbst suchen Marienkäfer ein geschütztes Winterquartier. Oft sammeln sie sich dabei in großen Gruppen, beim Siebenpunkt mit bis zu mehreren hundert Tieren. Sie überwintern in Laub und Gras, unter Steinen und Rinde, in Mauerritzen oder unter Dächern. Manchmal gelangen sie dabei in Häuser. Dort finden sie keine Nahrung und sterben bald. Schaden richten sie nicht an.

Verteidigung: Marienkäfer haben mehrere Tricks gegen Fressfeinde:

  • Warnfarbe: Die leuchtende Farbe zeigt Vögeln, dass die Käfer bitter schmecken.
  • Scheinbluten: Bei Gefahr sondern sie aus Poren an den Gelenken gelbe, streng riechende Tropfen ab. Diese Flüssigkeit ist giftig und vertreibt zum Beispiel Ameisen. Mäuse empfinden sie als extrem bitter. Der Haut von Menschen schadet sie nicht.
  • Totstellen: Sie ziehen Beine und Fühler ein und bleiben reglos liegen.

Feinde und Gefährdung

Feinde: Trotz ihrer Abwehr haben Marienkäfer Feinde. Laufkäfer und Raubwanzen fressen sie, außerdem Vögel, Spitzmäuse, Eidechsen und Frösche. Die Marienkäfer-Brackwespe legt ihre Eier unter die Flügeldecken der Käfer, ihre Larve ernährt sich dann vom Käfer. Ameisen vertreiben oder töten Marienkäfer, die an „ihre“ Blattläuse gehen.

Gefährdung: Der Siebenpunkt ist in Deutschland häufig. Von der IUCN ist er nicht bewertet. Manche anderen Marienkäferarten sind dagegen selten geworden. In Sachsen-Anhalt etwa stehen 24 von 71 dort vorkommenden Arten auf der Roten Liste (Stand August 2025). Gründe sind vor allem veränderte Lebensräume und der Einsatz von Pestiziden.

So hilft man Marienkäfern: Im Garten auf Insektengifte verzichten, denn Pestizide schaden den Käfern direkt oder über ihre Nahrung. Laubhaufen und Holzstapel dienen als Winterquartier. Käfer, die sich ins Haus verirrt haben, kann man vorsichtig einsammeln und in einen Schuppen, eine Garage oder nach draußen bringen. Bekämpfen sollte man Marienkäfer nicht.

Nützlinge im Garten und in der Landwirtschaft

Weil Marienkäfer so viele Blattläuse fressen, sind sie bei Gärtnern und Landwirten beliebt. In der biologischen Schädlingsbekämpfung werden Marienkäfer und ihre Larven gezielt ausgesetzt, statt Gift zu spritzen. Die Larven kann man dafür im Handel kaufen. Im ökologischen Landbau werden vor allem der Siebenpunkt, der Zweipunkt, der Schwarze Marienkäfer und der Australische Marienkäfer eingesetzt. Den Australischen Marienkäfer setzt man in Deutschland nur in Gewächshäusern ein, weil er draußen den Winter nicht überlebt.

Der Asiatische Marienkäfer

Der Asiatische Marienkäfer (Harmonia axyridis), auch Harlekin-Marienkäfer genannt, stammt aus Ostasien, zum Beispiel aus China und Japan. Seit den 1980er-Jahren wurde er in großem Stil zur Blattlausbekämpfung in Gewächshäusern eingesetzt. 1988 tauchten die ersten frei lebenden Tiere in den USA auf. In Deutschland wird er seit 2002 beobachtet, heute ist er hier flächendeckend verbreitet.

So erkennt man ihn: Er ist sehr unterschiedlich gefärbt, von orange ohne Punkte bis schwarz mit roten Flecken. Oft hat er 19 schwarze Punkte. Sicheres Merkmal ist das helle Halsschild mit einer schwarzen Zeichnung in Form eines „M“ oder „W“.

Warum ist er so erfolgreich? Er kann bis zu drei Generationen im Jahr bilden und vermehrt sich damit schneller als heimische Marienkäfer. Er frisst bis zu 250 Blattläuse am Tag, verträgt auch die giftigen Holunderblattläuse und frisst außerdem andere Insekten, ihre Larven und Eier. Auch Trauben und andere Früchte mag er, in Weinbaugebieten kann er deshalb in Massen auftreten.

Verdrängt er heimische Marienkäfer? Darüber wird gestritten. Eine große internationale Übersichtsarbeit von 2016 beschreibt ihn als Gefahr für die Artenvielfalt, besonders für andere blattlausfressende Insekten. In vielen Ländern wurden negative Folgen für andere Marienkäfer gemeldet. Die Muster sind aber nicht überall gleich und hängen etwa von Landschaft und Klima ab. In Deutschland fanden Freilanduntersuchungen bis 2012 nach Angaben des NABU keine Hinweise darauf, dass heimische Arten verdrängt werden.

Häufige Fragen zum Marienkäfer

Wie alt wird ein Marienkäfer?

Höchstens etwa ein Jahr. Die jungen Käfer überwintern, oft in großen Gruppen, und paaren sich im nächsten Frühling.

Zeigen die Punkte das Alter eines Marienkäfers?

Nein. Die Zahl der Punkte bleibt ein Leben lang gleich. Sie verrät aber meist die Art, zum Beispiel beim Siebenpunkt oder beim Zweipunkt.

Was fressen Marienkäfer?

Die meisten fressen Blattläuse, dazu Schildläuse und Spinnmilben. Ein Siebenpunkt schafft etwa 50 bis 150 Blattläuse am Tag. Einige wenige Arten fressen Pflanzen.

Sind Marienkäfer giftig?

Für Menschen nicht. Bei Gefahr geben sie eine gelbe, stark riechende Flüssigkeit ab, die bitter schmeckt und für kleine Tiere wie Ameisen giftig ist. Auf der Haut schadet sie nicht.

Wie sieht eine Marienkäferlarve aus?

Ganz anders als der Käfer: walzenförmig und borstig, beim Siebenpunkt blaugrau mit gelber Zeichnung. Mit dem runden Käfer hat sie äußerlich wenig gemeinsam, dabei frisst sie besonders viele Blattläuse.

Woran erkennt man den Asiatischen Marienkäfer?

Am hellen Halsschild mit schwarzem „M“ oder „W“. Seine Flügeldecken können hellgelb bis dunkelrot oder schwarz sein, oft mit 19 Punkten.

Ähnliche Tiere

  • Blattlaus - die Lieblingsbeute der Marienkäfer
  • Florfliege - ein weiterer Nützling, dessen Larven ebenfalls Blattläuse jagen
  • Feuerwanze - ebenfalls rot-schwarz, aber kein Käfer, sondern eine Wanze
  • Glühwürmchen - ein weiterer kleiner Käfer aus unseren Gärten
  • Käfer - alles über die artenreichste Insektenordnung

Quellen

Größenvergleich

🪙1-Euro-Münze
2,3 cm
⚽Fußball
22 cm
🧒Kind
1,2 m
🧑Erwachsener
1,8 m
🏠Haus
10 m
▼Marienkäfer
5 bis 8 mm

Der Marienkäfer ist mit 5 bis 8 mm ein echtes Leichtgewicht auf der Größenskala. Selbst eine Biene (1,5 cm) überragt ihn. Dafür passt der Marienkäfer bequem auf eine Handfläche - oder sogar auf einen Fingernagel!