Maultier

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Weißes Maultier mit Packsattel und zwei Blechkisten geht am Rand einer Straße vor einem felsigen Hang entlang
Emőke Dénes / Wikimedia Commons / CC BY-SA 4.0

Kurz erklärt

Das Maultier ist eine Kreuzung aus einem Eselhengst und einer Pferdestute. Es ist also keine eigene Tierart, sondern entsteht nur, wenn Menschen Esel und Pferd miteinander verpaaren. Maultiere gelten als zäh, trittsicher und klug und tragen bis heute schwere Lasten durch unwegsames Gelände. Selbst bekommen sie fast nie Nachwuchs.

Steckbrief

Wissenschaftl. NameKein eigener Artname; Kreuzung aus Hausesel (Equus asinus) und Hauspferd (Equus caballus)
Abstammung
  • Klasse: Säugetiere
  • Ordnung: Unpaarhufer (Perissodactyla)
  • Familie: Pferde (Equidae)
  • Gattung: Equus
KörpergrößeSehr unterschiedlich, je nach Größe der Pferdemutter: von kleinen Mini-Maultieren bis zu großen Tieren aus Kaltblutstuten
KörpergewichtMeist etwa 360 bis 450 kg (800 bis 1.000 Pfund), kleinere und größere Tiere je nach Pferdemutter
ErnährungPflanzenfresser: vor allem Heu und Gras, bei schwerer Arbeit zusätzlich Mineral- und Kraftfutter
LebenserwartungÄlter als gleich große Pferde; gut gepflegte Tiere können nach Angaben von Working Animals International bis zu 50 Jahre alt werden
SozialverhaltenHerdentier, wird in Gruppen gehalten
HerkunftVom Menschen gezüchtete Kreuzung aus Esel und Pferd
Verbreitung Als Arbeits- und Tragtier weltweit, besonders von Nordafrika bis Südostasien; in China werden Maultiere in großer Zahl für die Landwirtschaft gezüchtet
SonstigesDas Maultier ist eine Kreuzung und keine Art. Es wird deshalb von der Roten Liste der IUCN nicht bewertet. Die umgekehrte Kreuzung aus Pferdehengst und Eselstute heißt Maulesel.

Was ist ein Maultier?

Ein Maultier entsteht, wenn sich ein männlicher Esel (Eselhengst) und eine weibliche Pferdestute paaren. Das Jungtier ist ein Mischling aus zwei verschiedenen Tierarten, ein sogenannter Hybrid. Umgangssprachlich heißt das Maultier auch Muli, so nennt zum Beispiel die Bundeswehr ihre Tragtiere.

Weil es Maultiere nur gibt, wenn Menschen Esel und Pferde gezielt miteinander verpaaren, ist das Maultier ein reines Haustier. Es hat keinen eigenen wissenschaftlichen Artnamen und keine Wildform. Fachleute schreiben stattdessen die beiden Elternarten auf: Equus asinus × Equus caballus, also Esel mal Pferd.

Maultiere gehören wie ihre Eltern zur Familie der Pferde und damit zu den Unpaarhufern.

Maultier oder Maulesel: Wo ist der Unterschied?

Die beiden Namen werden oft verwechselt. Entscheidend ist, wer Vater und wer Mutter ist:

VaterMutter
MaultierEselhengstPferdestute
MauleselPferdehengstEselstute

Laut der Tierschutzorganisation Working Animals International ähnelt der Maulesel seiner Mutter stärker und hat die langen Ohren eines Esels. Maulesel sind außerdem viel seltener als Maultiere. Die meisten Mischlinge aus Pferd und Esel, die man in Ställen, auf Bergpfaden oder bei Armeen sieht, sind deshalb Maultiere.

Aussehen und Körperbau

Ein Maultier vereint Merkmale von Vater und Mutter. Wie es genau aussieht und wie groß es wird, lässt sich vor der Geburt nicht sicher sagen. Das hängt vor allem davon ab, welche Pferderasse die Mutter ist. Züchter haben über Jahrhunderte ganz unterschiedliche Pferde mit Eseln gekreuzt, von Minipferden bis zu schweren Kaltblütern. Entsprechend groß ist die Spanne:

  • Gewicht: Die meisten Maultiere wiegen etwa 360 bis 450 Kilogramm (800 bis 1.000 Pfund). Maultiere aus Minipferden bleiben deutlich kleiner und leichter, solche aus Kaltblutstuten werden größer.
  • Haut: Die Haut eines Maultiers ist weniger empfindlich als die eines Pferdes und verträgt Sonne und Regen besser.
  • Hufe: Maultiere haben härtere Hufe als Pferde. Sie spalten und reißen seltener und halten steinige Bergpfade und harte Böden gut aus.
  • Stimme: Ein Maultier kann wiehern wie ein Pferd und schreien wie ein Esel. Oft klingt sein Ruf wie eine Mischung aus beidem. Manche Maultiere geben auch wimmernde Laute von sich, wenn sie aufgeregt oder unruhig sind.

Warum sind Maultiere unfruchtbar?

Maultiere können fast nie eigene Fohlen bekommen. Der Grund liegt in den Chromosomen, den Trägern der Erbinformation im Zellkern. Ein Pferd hat 64 Chromosomen, ein Esel nur 62. Ein Maultier erbt die Hälfte von jedem Elternteil, also 32 vom Pferd und 31 vom Esel. Zusammen sind das 63 Chromosomen, eine ungerade Zahl. Die beiden Chromosomensätze passen nicht richtig zusammen, deshalb entstehen bei der Bildung von Ei- und Samenzellen kaum funktionsfähige Keimzellen. Maultiere gelten daher als in der Regel unfruchtbar.

„In der Regel“ heißt aber nicht „immer“. Seit Langem gibt es Berichte über Maultierstuten, die ein Fohlen bekommen haben sollen. Lange zweifelten Wissenschaftler diese Geschichten an. Inzwischen sind einzelne Fälle mit Chromosomen- und Bluttests bestätigt:

  • 1985 beschrieben Forscher eine nachweislich echte Maultierstute, die von einem Eselhengst ein männliches Fohlen bekommen hatte.
  • 1988 bestätigte ein Forschungsteam in China eine fruchtbare Maultierstute und eine fruchtbare Mauleselstute. Beide hatten sich mit einem Esel gepaart und je ein Stutfohlen geboren. Die Fohlen hatten eine Chromosomenausstattung, die weder der eines Maultiers noch der eines Maulesels glich.

Die Forscher folgerten daraus, dass zumindest weibliche Maultiere und Maulesel in seltenen Fällen fruchtbar sein können. Möglich ist das, weil manche Maultierstuten rossig werden und einen Eisprung haben. Das zeigt sich auch auf andere Weise: In einem Versuch in Italien trugen zwei Maultierstuten nach einem Embryotransfer Pferdefohlen aus. Beide brachten nach 348 Tagen gesunde Hengstfohlen zur Welt.

Wie werden Maultiere gezüchtet?

Weil Maultiere selbst so gut wie nie Nachwuchs haben, muss jedes Maultier neu gezüchtet werden. Dazu wird ein Eselhengst mit einer Pferdestute verpaart. Eine Zucht von Maultier zu Maultier ist nicht möglich.

Besonders viele Maultiere werden in China gezüchtet, wo sie vor allem auf Bauernhöfen arbeiten. In vielen Ländern von Nordafrika bis Südostasien ziehen Maultiere Karren zum Markt, tragen Menschen über schwierige Wege und helfen beim Pflügen der Felder.

Charakter und Klugheit

„Stur wie ein Maultier“ sagt man, doch das Sprichwort wird den Tieren nicht gerecht. Maultiere gelten als ruhiger als ihre Eselväter. Was wie Sturheit aussieht, ist oft Vorsicht: Ein Maultier schätzt Gefahren genau ein und geht nicht einfach weiter, wenn ihm ein Weg unsicher erscheint. Gerade deshalb gelten Maultiere in gefährlichem Gelände als besonders sicher.

Dass Maultiere schlau sind, hat auch die Wissenschaft untersucht. In einer Studie an der Universität Sussex in England mussten je sechs Maultiere, Ponys und Esel lernen, zwischen zwei Bildern das richtige auszuwählen. Die Maultiere schnitten deutlich besser ab als beide Elternarten. Sie waren die einzige Gruppe, die von Aufgabe zu Aufgabe immer schneller lernte. Die Forscher sehen darin einen ersten Hinweis, dass die Vorteile der Maultiere nicht nur den Körper, sondern auch das Lernen betreffen. Man nennt so etwas Heterosis-Effekt oder auf Englisch „hybrid vigour“.

Trotz ihres meist ruhigen Wesens sollte man Abstand zu den Hinterbeinen halten. Ein verärgertes Maultier kann nicht nur nach hinten, sondern auch zur Seite austreten.

Zäher und genügsamer als ein Pferd

Maultiere sind beliebte Arbeitstiere, weil sie die Stärken beider Eltern verbinden. Im Vergleich mit einem gleich großen Pferd sind sie zäher, ausdauernder und brauchen weniger Futter. Außerdem werden sie älter. Nach Angaben von Working Animals International können gut gepflegte Maultiere bis zu 50 Jahre alt werden. Das ist allerdings eine Ausnahme.

Maultiere bei der Bundeswehr

Auch in Deutschland arbeiten Maultiere, und zwar bei der Bundeswehr. Das Einsatz- und Ausbildungszentrum für Tragtierwesen 230 in Bad Reichenhall unterstützt die Gebirgsjägerbrigade 23. Dort leben etwa 60 Tragtiere, davon rund 45 Maultiere, dazu einige Haflinger und Esel. Sie kommen zum Einsatz, wenn das Gelände in den Bergen zu steil oder zu unwegsam für Fahrzeuge ist.

  • Last: Ein Tier trägt Verpflegung, Wasser, Munition und andere Ausrüstung mit bis zu 120 Kilogramm Gewicht.
  • Herkunft: Die Bundeswehr züchtet nicht selbst. Die Tiere werden vor allem in Italien und Spanien gekauft. Eine Kommission aus Tierärztin, Hufschmied und Tierführer prüft, ob ein Tier groß, kräftig und gelassen genug ist. Schreckhafte Tiere sind ungeeignet.
  • Ausbildung: Frühestens mit vier Jahren beginnt die Ausbildung. Die Maultiere gewöhnen sich zuerst an Menschen und Decken, später an den Tragsattel. In der Reithalle lernen sie Flatterbänder und Wasserbecken kennen. Außerdem werden sie an Schusslärm gewöhnt, damit sie auch im Ernstfall ruhig bleiben. Voll belastbar sind sie frühestens mit fünf Jahren.
  • Alltag: Bis zu viermal pro Woche gehen die Tiere auf Übungsmärsche in die Berge, zum Beispiel rund sieben Kilometer und 900 Höhenmeter hinauf zur Zwieselalm.
  • Ruhestand: Eingesetzt werden die Maultiere bis zu einem Alter von etwa 20 Jahren. Danach gibt die Bundeswehr sie an Menschen ab, die ihnen einen artgerechten Lebensabend bieten.

Ernährung

Maultiere sind Pflanzenfresser und fressen im Grunde dasselbe wie Pferde und Esel. Die Hauptnahrung ist Heu, auf der Weide auch Gras. Bei der Bundeswehr frisst jedes Tier etwa 15 Kilogramm Heu am Tag. Dazu bekommen die Tragtiere morgens Mineral- und Kraftfutter. Diese Extraportion reichen die Tierführer selbst, damit die Tiere eine Bindung zu ihnen aufbauen.

Haltung und Pflege

Maultiere werden wie Pferde und Esel in der Herde gehalten. In Bad Reichenhall wohnen die Tragtiere gemeinsam in großen Freiläufen. Jedes Tier wird trotzdem einzeln betreut:

  • Tägliche Pflege: Jedes Maultier wird von Kopf bis Huf geputzt und dabei auf Verletzungen untersucht.
  • Hufe und Gesundheit: Hufschmied und Tierarzt schauen regelmäßig nach den Tieren. Für jedes Tier gibt es eine Krankenakte und ein Wiegeprotokoll.
  • Ausrüstung: Sättel und Zaumzeug müssen gut passen. Tierärzte von Working Animals International behandeln in Ländern wie Marokko, Tunesien, Jordanien und Äthiopien jedes Jahr viele Maultiere, deren Wunden von schlecht sitzenden Sätteln oder harten Gebissen stammen.

Häufige Fragen zum Maultier

Was ist der Unterschied zwischen Maultier und Maulesel?

Beim Maultier ist der Vater ein Esel und die Mutter ein Pferd. Beim Maulesel ist es umgekehrt: Der Vater ist ein Pferd, die Mutter eine Eselin. Maulesel sind viel seltener und ähneln mit ihren langen Ohren stärker einem Esel.

Können Maultiere Babys bekommen?

Fast nie. Maultiere gelten als unfruchtbar, weil die Chromosomen von Pferd und Esel nicht zusammenpassen. Nur wenige Fälle sind wissenschaftlich bestätigt, in denen eine Maultierstute nach der Paarung mit einem Esel ein Fohlen bekam.

Wie schwer wird ein Maultier?

Die meisten Maultiere wiegen 360 bis 450 Kilogramm. Weil die Größe stark von der Pferdemutter abhängt, gibt es aber auch deutlich kleinere Maultiere aus Minipferden und sehr große Tiere aus Kaltblutstuten.

Wie alt wird ein Maultier?

Maultiere werden älter als gleich große Pferde. Nach Angaben der Tierschutzorganisation Working Animals International können gut gepflegte Tiere in Ausnahmefällen bis zu 50 Jahre alt werden. Bei der Bundeswehr arbeiten Maultiere bis etwa zum 20. Lebensjahr.

Sind Maultiere stur?

Nein, das ist ein Vorurteil. Maultiere sind vorsichtig und prüfen einen Weg genau, bevor sie ihn gehen. In einer Studie lernten sie sogar schneller als Ponys und Esel.

Wie viel kann ein Maultier tragen?

Bei der Bundeswehr trägt ein Maultier bis zu 120 Kilogramm Ausrüstung. Zu Beginn der Ausbildung gewöhnen sich die Tiere an einen Tragsattel mit etwa 100 Kilogramm Nutzlast. Die volle Last tragen sie erst, wenn sie ausgewachsen sind.

Ähnliche Tiere

  • Esel - der Vater jedes Maultiers
  • Pferd - die Mutter jedes Maultiers
  • Zebroid - Mischling aus Zebra und einem anderen Pferdeartigen
  • Zorse - Kreuzung aus Zebrahengst und Pferdestute
  • Liger - ebenfalls ein Hybrid, aus Löwe und Tigerin

Quellen