Maus
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Kurz erklärt
Die Hausmaus ist ein kleines Nagetier mit großen Ohren und langem, fast nacktem Schwanz. Sie wiegt nur 12 bis 30 Gramm. Ursprünglich lebte sie in Europa, Nordafrika und Asien, heute folgt sie dem Menschen fast überall hin und wohnt gern in Häusern, Ställen und Lagern. Aus der Hausmaus wurden die Farbmaus als Heimtier und die Labormaus für die Forschung gezüchtet.
Steckbrief
| Wissenschaftl. Name | Mus musculus |
|---|---|
| Abstammung |
|
| Körpergröße | Kopf-Rumpf-Länge 6,5 bis 9,5 cm, dazu ein fast nackter, beschuppter Schwanz von 6 bis 10,5 cm |
| Körpergewicht | 12 bis 30 g |
| Ernährung | Allesfresser: Samen, Körner, Wurzeln, Blätter und Stängel, dazu Insekten und Aas; in Gebäuden fast alle Lebensmittel des Menschen, sogar Seife und Klebstoff |
| Lebenserwartung | In freier Natur meist höchstens 12 bis 18 Monate; als Heimtier 2 bis 3 Jahre (TVT); einzelne Tiere in Menschenobhut bis 6 Jahre (Animal Diversity Web) |
| Sozialverhalten | Gesellig; ein ranghohes Männchen verteidigt ein Revier mit mehreren Weibchen und deren Jungen |
| Herkunft | Ursprünglich Paläarktis (Europa, Nordafrika, West- bis Ostasien) |
| Verbreitung | Mit dem Menschen auf allen Kontinenten außer der Antarktis verbreitet, auch auf vielen Inseln AfrikaAsienEuropaNordamerikaSüdamerikaAustralien |
| Entdeckung | Erstbeschreibung 1758 durch Carl von Linné |
| Gefährdung | LC Nicht gefährdet (Rote Liste der IUCN, 2021) |
| Sonstiges | Rote Liste Deutschland (2020): Östliche und Westliche Hausmaus ungefährdet. Zuchtformen leben als Farbmäuse (Heimtier) und Labormäuse; 2024 waren 72 Prozent der in Deutschland in Tierversuchen verwendeten Tiere Mäuse (BfR). |
Welche Maus ist gemeint?
Im Alltag nennen wir viele kleine Nagetiere "Maus". Diese Seite handelt von der Hausmaus (Mus musculus). Sie ist die Maus, die in Häusern, Scheunen und Kellern auftaucht, und gleichzeitig die Stammform aller Farbmäuse im Zoohandel und aller Labormäuse in der Forschung. Die Tierärztliche Vereinigung für Tierschutz (TVT) schreibt: Alle als Heimtiere angebotenen Mäuse sind Zuchtformen der grauen Hausmaus.
Andere Tiere mit "Maus" im Namen, etwa die Rennmaus oder die Fledermaus, sind eigene Arten und haben eigene Seiten.
Wie viele Arten genau zur Hausmaus gehören, ist unter Fachleuten umstritten. Die IUCN zählt die westeuropäische Form domesticus als Unterart zur Hausmaus. Nach dem Animal Diversity Web können unter dem Namen Mus musculus bis zu sieben Formen stecken, die manche als eigene Arten ansehen, etwa Mus domesticus in Westeuropa und Mus castaneus in Südostasien. In der deutschen Roten Liste stehen zwei Formen getrennt: die Östliche Hausmaus (Mus musculus) und die Westliche Hausmaus (Mus domesticus domesticus).
Aussehen und Körperbau
Größe: Eine Hausmaus ist ohne Schwanz 6,5 bis 9,5 Zentimeter lang. Der Schwanz misst noch einmal 6 bis 10,5 Zentimeter, ist also etwa so lang wie der Körper.
Gewicht: Sie wiegt nur 12 bis 30 Gramm.
Fell: Das Fell ist hellbraun bis fast schwarz, der Bauch meist weiß oder gelblich. Hausmäuse, die eng mit Menschen zusammenleben, haben oft dunkleres Fell und einen längeren Schwanz.
Schwanz: Der lange Schwanz ist kaum behaart. Er trägt ringförmige Reihen kleiner Schuppen.
Sinne: Hausmäuse sehen und hören sehr gut und haben einen feinen Geruchssinn. Mit ihren Schnurrhaaren spüren sie Luftbewegungen und tasten Oberflächen ab.
Hausmäuse sind schnelle Läufer mit bis zu 13 Kilometern pro Stunde. Sie klettern, springen und schwimmen gut.
Verbreitung und Lebensraum
Ursprünglich lebte die Hausmaus in der Paläarktis, also in Europa, Nordafrika und weiten Teilen Asiens, vermutlich vom Mittelmeerraum bis nach China. Weil sie dem Menschen folgt, hat sie sich über die ganze Welt ausgebreitet. Heute kommt sie auf allen Kontinenten außer der Antarktis vor, auch in Nord- und Südamerika, Afrika südlich der Sahara, Australien und auf vielen Inseln im Ozean.
Ein typischer Kulturfolger
Die Hausmaus ist ein typischer Kulturfolger: Sie lebt am liebsten dort, wo Menschen wohnen und Vorräte lagern. Man findet sie in Häusern, Ställen, Scheunen, Getreidespeichern und anderen Gebäuden, sogar in Kohlebergwerken und Kühlhäusern für gefrorenes Fleisch. Dort nistet sie hinter Dachbalken, in Holzstapeln, Abstellräumen oder anderen Verstecken in der Nähe von Futter. Ihr Nest baut sie aus Lumpen, Papier oder anderen weichen Stoffen und polstert es mit fein zerrissenem Material aus.
Manche Hausmäuse verbringen den Sommer draußen auf Feldern und ziehen im Herbst in Scheunen und Häuser. In Teilen ihrer ursprünglichen Heimat leben auch wilde Bestände im Freien, etwa auf Äckern, Weiden, an Küstendünen, in Salzwiesen und an buschigen Straßenrändern. Dort wohnen sie in Felsspalten, Mauerritzen oder selbst gegrabenen Bauen mit mehreren Kammern und drei oder vier Ausgängen. Wälder und Wüsten meidet die Hausmaus eher. Mit Hilfe des Menschen kann sie aber sogar in der Tundra und in Wüsten leben.
Ernährung
Die Hausmaus ist ein Allesfresser. In freier Natur frisst sie vor allem Pflanzen: Samen, fleischige Wurzeln, Blätter und Stängel. Wenn sie welche findet, frisst sie auch Insekten wie Käferlarven, Raupen und Schaben und sogar Aas.
In Häusern frisst sie fast alle Lebensmittel, an die sie herankommt, und knabbert sogar Klebstoff, Seife und andere Haushaltsmaterialien an. Viele Mäuse legen Vorräte an oder wohnen gleich in einem Lebensmittellager.
Verhalten und Lebensweise
Hausmäuse sind überwiegend nachtaktiv. In Häusern sind manche auch am Tag unterwegs. Weit gehen sie dabei nicht: Meist entfernen sie sich nicht mehr als etwa 15 Meter von ihrem Nest.
Familienleben: Ein ranghohes Männchen besetzt ein Revier, in dem mehrere Weibchen mit ihren Jungen leben. Die Weibchen haben untereinander eine lockere Rangordnung und sind viel weniger angriffslustig als die Männchen. Innerhalb der Familie gibt es selten Streit, aber gemeinsam verteidigen alle ihr Revier gegen Fremde. Jungtiere werden später von den Erwachsenen vertrieben, einige Weibchen dürfen bleiben.
Verständigung: Hausmäuse verständigen sich vor allem über Gerüche. Mit Duftstoffen zeigen sie ihren Rang, ihre Familienzugehörigkeit und ihre Paarungsbereitschaft an. Im Nest piepsen sie sich zu. Männchen singen sogar: Wenn sie den Duft eines Weibchens riechen, geben sie komplizierte Gesänge im Ultraschall von sich, die Menschen nicht hören können.
Fortpflanzung und Nachwuchs
Hausmäuse vermehren sich enorm schnell. In Gebäuden können sie das ganze Jahr über Junge bekommen, frei lebende Mäuse meist nur von April bis September.
- Tragzeit: etwa 19 bis 21 Tage, nach Angaben der TVT 21 bis 23 Tage
- Würfe: bei guten Bedingungen 5 bis 10 Würfe im Jahr, in Einzelfällen bis zu 14
- Wurfgröße: 3 bis 12 Junge, meist 5 oder 6
- Gleich wieder trächtig: Schon 12 bis 18 Stunden nach der Geburt kann das Weibchen erneut trächtig werden.
Die Jungen kommen nackt und blind zur Welt. Nach 10 Tagen haben sie ein Fell, nach 14 Tagen öffnen sie die Augen. Mit 3 Wochen werden sie nicht mehr gesäugt und verlassen bald darauf das Revier der Mutter. Geschlechtsreif sind Hausmäuse schon nach wenigen Wochen: Die TVT nennt 3 bis 4 Wochen, das Animal Diversity Web 5 bis 7 Wochen.
Feinde und Gefährdung
Hausmäuse haben viele Feinde: Hauskatzen, Füchse, Wiesel, Frettchen, Mangusten, große Eidechsen, Schlangen und Greifvögel wie Habichte und Falken sowie Eulen. Die Mäuse schützen sich, indem sie offene Flächen meiden und schnell davonlaufen. Weil sie sich so rasch vermehren, erholen sich ihre Bestände schnell wieder.
Die Rote Liste der IUCN stuft die Hausmaus als nicht gefährdet (LC, 2021) ein. Sie ist weit verbreitet, sehr häufig und profitiert von Gebäuden des Menschen. Auch in der Roten Liste Deutschlands von 2020 gelten die Östliche und die Westliche Hausmaus als ungefährdet und häufig. Langfristig sind beide aber mäßig zurückgegangen. Die Östliche Hausmaus lebt vor allem an ländlichen, offenen Standorten und leidet unter der zunehmend intensiven Landwirtschaft.
Die Hausmaus als Schädling
Wo es viele Hausmäuse gibt, fressen sie große Mengen Getreide und verschmutzen Vorräte mit ihrem Kot. Sie zernagen Holz, Möbel, Polster und Kleidung. Außerdem können sie Krankheiten übertragen, zum Beispiel Salmonellen. In Gebäuden können bis zu 10 Mäuse auf einem Quadratmeter leben, in freier Natur ist es oft weniger als eine Maus auf 100 Quadratmetern.
Die Labormaus
Aus der Hausmaus wurden Labormäuse gezüchtet, darunter auch weiße Albinos. Sie werden vor allem in der Medizin und der Vererbungsforschung eingesetzt. 2002 veröffentlichte ein internationales Forschungsteam eine erste Fassung des Erbguts der Maus und verglich es mit dem des Menschen. Das Mäuse-Erbgut gilt seitdem als wichtiges Werkzeug, um auch das menschliche Erbgut zu verstehen.
In Deutschland ist die Maus mit Abstand das häufigste Versuchstier. Nach Zahlen des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) wurden in Deutschland 2024 rund 1,33 Millionen Wirbeltiere und Kopffüßer in Versuchen verwendet. 72 Prozent davon waren Mäuse, 6 Prozent Ratten. Dazu kamen rund 1,1 Millionen Tiere, die für die Forschung gezüchtet, aber nicht eingesetzt und dann getötet wurden, vor allem Mäuse und Fische aus der Zucht genetisch veränderter Tiere. Die Zahl der Versuchstiere ist in den letzten Jahren deutlich gesunken.
Farbmäuse als Heimtiere
Als Heimtier wird die Hausmaus in Form von Farbmäusen gehalten, die es heute in vielen Farben gibt. Die Tierärztliche Vereinigung für Tierschutz (TVT) gibt in ihrem Merkblatt "Heimtiere: Mäuse" diese Empfehlungen:
- Nie allein: Mäuse leben in großen Gruppen und sollten unbedingt zusammen gehalten werden. Damit sie sich nicht ständig vermehren, hält man nur Tiere eines Geschlechts zusammen oder lässt die Männchen vor der Geschlechtsreife kastrieren. Fremde Mäuse lassen sich nur sehr vorsichtig in eine Gruppe eingewöhnen, sonst drohen schwere, oft tödliche Kämpfe.
- Viel Platz: Das Gehege sollte mindestens 80 × 50 × 80 Zentimeter groß sein, mit Schlafhäuschen, Verstecken, Kletterstangen, Leitern, Seilen und einem halbseitig geschlossenen Laufrad. Aquarien sind ungeeignet, weil die Luft darin schlecht ist.
- Einstreu: Etwa 10 Zentimeter staubfreie Späne oder Kleintierstreu, gemischt mit Heu oder Stroh. Zum Nestbau eignen sich Heu oder Zellstoff.
- Futter: Eine Körnermischung, täglich ergänzt durch Obst und Gemüse, außerdem tierisches Eiweiß, zum Beispiel Mehlwürmer, Ei oder Milchprodukte. Äste von ungespritzten Bäumen und kleine ungeschälte Nüsse halten die Zähne kurz.
- Abwechslung: Ohne neue Gegenstände wie Kartons oder Hängematten und ohne Artgenossen zeigen Mäuse schnell Verhaltensstörungen, zum Beispiel immer gleiche Grab- oder Kletterbewegungen.
- Richtig anfassen: Mäuse nimmt man in die hohle Hand oder lässt sie in einen Becher laufen. Am Schwanz sollte man sie höchstens kurz hochheben.
- Kinder: Kinder sollten Mäuse nur unter Anleitung von Erwachsenen halten.
Die TVT lehnt die Haltung von Tanzmäusen ab. Diese Zuchtform dreht sich im Kreis, weil ihr Gleichgewichtssinn durch die Zucht gestört ist. Farbmäuse werden als Heimtier 2 bis 3 Jahre alt.
Häufige Fragen zur Maus
Wie alt wird eine Maus?
Wilde Hausmäuse werden selten älter als 12 bis 18 Monate, weil sie viele Feinde haben. Als Heimtier leben Farbmäuse 2 bis 3 Jahre. Einzelne Mäuse in Menschenobhut wurden bis zu 6 Jahre alt.
Was fressen Mäuse?
Hausmäuse sind Allesfresser. Draußen fressen sie Samen, Wurzeln, Blätter und Insekten. In Häusern fressen sie fast alles, was Menschen essen. Farbmäuse bekommen eine Körnermischung, frisches Obst und Gemüse und etwas tierisches Eiweiß.
Wie schnell vermehren sich Mäuse?
Sehr schnell. Ein Weibchen ist nur etwa drei Wochen trächtig und bekommt meist 5 oder 6 Junge. Bei guten Bedingungen sind 5 bis 10 Würfe im Jahr möglich, und die Jungen sind schon nach wenigen Wochen selbst geschlechtsreif.
Kann man eine Maus allein halten?
Nein. Mäuse sind gesellige Tiere und sollten laut TVT unbedingt in Gruppen leben. Damit es keinen ungewollten Nachwuchs gibt, hält man nur Tiere eines Geschlechts zusammen oder lässt die Männchen kastrieren.
Warum kommen Mäuse ins Haus?
Hausmäuse sind Kulturfolger. In Häusern, Ställen und Lagern finden sie Futter, Wärme und Verstecke. Manche Mäuse leben im Sommer auf Feldern und ziehen im Herbst in Gebäude.
Wie groß wird eine Maus?
Eine Hausmaus ist ohne Schwanz 6,5 bis 9,5 Zentimeter lang und wiegt 12 bis 30 Gramm. Der fast nackte Schwanz ist mit 6 bis 10,5 Zentimetern ungefähr so lang wie der Körper.
Ähnliche Tiere
- Ratte - die größere Verwandte, ebenfalls ein Kulturfolger
- Rennmaus - ebenfalls ein beliebtes kleines Heimtier
- Hamster - ebenfalls ein kleines Nagetier und Heimtier
- Lemming - ein Nagetier des hohen Nordens
- Siebenschläfer - ein weiteres heimisches Nagetier
- Mauswiesel - ein kleiner Jäger, der Mäuse erbeutet
Quellen
- Musser, G. et al. (2021): Mus musculus. The IUCN Red List of Threatened Species 2021
- Mus musculus (house mouse) - Animal Diversity Web, University of Michigan
- Östliche Hausmaus (Mus musculus) - Rote-Liste-Zentrum, nach Meinig, H. et al. (2020): Rote Liste und Gesamtartenliste der Säugetiere Deutschlands. Naturschutz und Biologische Vielfalt 170 (2)
- Tierärztliche Vereinigung für Tierschutz (2013): Merkblatt Nr. 158 - Heimtiere: Mäuse
- Erstmals weniger als zwei Millionen Versuchstiere. Presseinformation 31/2025 vom 9. Dezember 2025 - Bundesinstitut für Risikobewertung
- Mouse Genome Sequencing Consortium (2002): Initial sequencing and comparative analysis of the mouse genome. Nature 420, 520-562
Größenvergleich
Mit 6,5 bis 9,5 cm gehört die Maus zu den kleineren Tieren in unserem Lexikon. Eine 1-Euro-Münze (2,3 cm) ist dagegen deutlich kleiner, während ein Fußball mit 22 cm noch einiges an Größe drauflegt.
Gewichtsvergleich
Was wiegt die Maus? Mit 12 bis 30 g ist sie schwerer als eine 1-Euro-Münze (7,5 g), aber eine Tafel Schokolade (100 g) toppt das noch locker. Eine Tafel Schokolade wiegt nämlich rund 5-mal so viel.