Milben

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Eingefärbte Elektronenmikroskop-Aufnahme einer orangefarbenen Pfauenmilbe mit weißen, blattförmigen Borsten auf einer Pflanzenoberfläche
Christopher Pooley, USDA-ARS / Wikimedia Commons / Public domain

Kurz erklärt

Milben sind winzige Spinnentiere mit acht Beinen. Die meisten sind kleiner als ein Millimeter und mit bloßem Auge kaum zu sehen. Mit rund 55.000 bekannten Arten leben sie fast überall: im Boden, im Wasser, auf Pflanzen, auf Tieren und in unseren Betten. Auch die Zecken gehören zu den Milben.

Steckbrief

Wissenschaftl. NameAcari
Abstammung
  • Klasse: Spinnentiere (Arachnida)
  • Unterklasse: Milben (Acari)
KörpergrößeMeist unter 1 mm; die kleinsten Arten etwa 0,1 mm, vollgesogene Zeckenweibchen deutlich größer
KörpergewichtOft nur Millionstel Gramm: Die Hornmilbe Archegozetes longisetosus wiegt etwa 100 µg (0,0001 g)
ErnährungJe nach Art sehr verschieden: Räuber, Pflanzen- und Pilzfresser, Aas- und Hautschuppenfresser, viele Parasiten
LebenserwartungJe nach Art verschieden; Weibchen der Hausstaubmilbe etwa 30 bis 100 Tage
Verbreitung Weltweit in fast allen Lebensräumen, vom Boden über Gewässer bis auf Pflanzen, Tieren und Menschen
SonstigesDie Angaben gelten für die ganze Gruppe mit rund 55.000 beschriebenen Arten. Bekannte Beispiele: Hausstaubmilbe, Varroamilbe, Krätzmilbe, Haarbalgmilbe und die Zecken.

Was sind Milben?

„Milben“ ist kein Name für eine einzelne Tierart, sondern für eine riesige Gruppe von Spinnentieren. Fachleute nennen sie Acari. Bis 2011 hatten Forschende weltweit rund 55.000 Arten beschrieben. Damit sind Milben die artenreichste Gruppe der Spinnentiere, noch vor den Webspinnen. Weil viele Milben so winzig sind, gehen Fachleute davon aus, dass noch sehr viele Arten unentdeckt sind.

Keine Insekten: Milben werden oft für Insekten gehalten. Erwachsene Milben haben aber wie Spinnen und Skorpioneacht Beine, Insekten dagegen sechs.

Zecken sind Milben: Die Zecken sind eine Gruppe innerhalb der Milben. Mit knapp 900 Arten machen sie nur einen kleinen Teil aus, gehören aber zu den größten und bekanntesten Milben.

Zwei große Gruppen: Fachleute teilen die Milben in zwei große Linien ein, die Parasitiformes und die Acariformes. Zu den Parasitiformes gehören zum Beispiel die Zecken, zu den Acariformes die Hornmilben, die im Boden besonders häufig sind.

Auf dieser Seite geht es um die Milben als ganze Gruppe. Wo nur eine bestimmte Art gemeint ist, steht ihr Name dabei. Das Foto oben zeigt eine Pfauenmilbe (Gattung Tuckerella), aufgenommen mit einem Elektronenmikroskop und nachträglich eingefärbt. Der Balken unten rechts entspricht 0,3 mm.

Aussehen und Körperbau

Winzig klein: Die meisten Milben sind kleiner als ein Millimeter. Die kleinsten Arten messen nur etwa 0,1 mm. Hausstaubmilben werden 0,1 bis 0,5 mm groß und sind damit für das bloße Auge unsichtbar. Die größten Milben sind Zecken. Ihre Weibchen blähen sich beim Blutsaugen stark auf.

Körperbau: Bei Spinnen erkennt man zwei deutlich getrennte Körperteile. Bei Milben wirkt der Körper dagegen meist wie aus einem Stück. Vorne sitzt ein kleiner Kopfteil mit den Mundwerkzeugen. Dazu gehören die Kieferklauen (Cheliceren) und die Kiefertaster (Pedipalpen). Am übrigen Körper sitzen die Beine: zwei Paare am vorderen und zwei Paare am hinteren Abschnitt.

Sechs oder acht Beine: Erwachsene Milben haben acht Beine. Die Larven, die aus dem Ei schlüpfen, haben dagegen meist nur sechs Beine. Das vierte Beinpaar kommt erst bei einer späteren Häutung dazu.

Augen: Die meisten Milben sind blind. Sie ertasten ihre Umgebung vor allem mit dem ersten Beinpaar, auf dem viele Tasthaare sitzen. Nur manche Arten haben einfache Augen.

Große Vielfalt: Spinnen sehen sich im Körperbau recht ähnlich. Milben dagegen unterscheiden sich stark voneinander, weil sie so verschieden leben: Es gibt runde, lange, stachelige, gepanzerte und weiche Formen.

Verbreitung und Lebensraum

Milben kommen auf der ganzen Welt vor und haben fast jeden Lebensraum erobert.

Im Boden: Sehr viele Milbenarten leben im Boden, oft in riesiger Zahl. Dort helfen sie mit, abgestorbene Pflanzenteile zu zersetzen und Humus zu bilden.

Im Wasser: Süßwassermilben leben in Teichen, Seen und Bächen.

Auf Pflanzen: Viele Milben leben auf Pflanzen. Manche Arten sind sogar nach ihrer Wirtspflanze benannt, etwa die Lindengallmilbe oder die Johannisbeergallmilbe.

Auf und in Tieren: Viele Milben leben auf anderen Tieren oder sogar in ihnen, zum Beispiel in den Nasenlöchern von Vögeln, in den Atemröhren von Honigbienen oder in den Lungen von Affen.

Beim Menschen: Auch die meisten Menschen tragen Milben mit sich herum, ohne es zu merken. Haarbalgmilben leben zum Beispiel an den Haarwurzeln der Wimpern. In Wohnungen leben Hausstaubmilben, vor allem in Matratzen, Kissen und Polstermöbeln.

Per Anhalter: Milben laufen nicht schnell. Um weite Strecken zu überwinden, lassen sich viele Arten von Insekten oder anderen Tieren mitnehmen.

Ernährung

So verschieden wie ihre Lebensräume ist auch das Futter der Milben:

  • Raubmilben jagen andere kleine Tiere, zum Beispiel andere Milben.
  • Pflanzenfresser leben auf Pflanzen und ernähren sich von ihnen.
  • Pilz- und Abfallfresser ernähren sich von Pilzen, Schimmel, abgestorbenem Gewebe oder Aas.
  • Hautschuppenfresser: Hausstaubmilben fressen abgestorbene Hautschüppchen von Menschen und Haustieren. Ihr wissenschaftlicher Name Dermatophagoides bedeutet „Hautfresser“.
  • Parasiten saugen Blut oder andere Körpersäfte ihrer Wirte, zum Beispiel die Zecken oder die Varroamilbe.

Kleiner Hunger: In einer Matratze leben durchschnittlich zwei bis zehn Millionen Hausstaubmilben. Ein Gramm Hautschuppen, so viel wie ein Mensch etwa an einem Tag verliert, reicht dieser ganzen Milbenschar sechs Wochen lang als Nahrung.

Fortpflanzung und Entwicklung

Bei den meisten Milben gibt es Männchen und Weibchen. Die Weibchen legen Eier. Aus dem Ei schlüpft eine sechsbeinige Larve, die sich mehrmals häutet. Über ein oder mehrere Nymphenstadien mit acht Beinen wird daraus das erwachsene Tier.

Beispiel Hausstaubmilbe: Die Weibchen legen ihre Eier einzeln über mehrere Wochen verteilt ab, im Durchschnitt etwa 50 bis 70 Stück. Bei 23 °C vergeht vom Ei bis zur erwachsenen Milbe gut ein Monat, bei 16 °C sind es rund vier Monate. Die Weibchen leben je nach Art, Temperatur und Luftfeuchte etwa 30 bis 100 Tage. Am wohlsten fühlen sich Hausstaubmilben bei rund 25 °C und einer Luftfeuchtigkeit zwischen 65 und 80 %.

Bekannte Milben

Hausstaubmilbe

Die bekanntesten Arten heißen Dermatophagoides pteronyssinus und Dermatophagoides farinae. Sie sind weiß-gräulich, 0,1 bis 0,5 mm groß und leben fast nur in Wohnungen. Hausstaubmilben saugen nicht, beißen nicht, stechen nicht und übertragen auch keine Krankheiten. Trotzdem können sie Probleme machen, wie der Abschnitt „Milben und Menschen“ zeigt.

Zecken

Zecken saugen Blut, auch beim Menschen. Dabei können sie gefährliche Krankheiten übertragen, zum Beispiel Borreliose oder FSME, eine Hirnhautentzündung durch Viren.

Varroamilbe

Die Varroamilbe ist rund einen Millimeter groß und stammt vermutlich aus Ostasien. In Deutschland wurde sie in den 1970er Jahren zum ersten Mal beobachtet. Sie befällt die Honigbiene, vor allem deren Brut, und überträgt dabei Viren. Ohne Behandlung durch den Imker kann ein stark befallenes Bienenvolk zugrunde gehen.

Krätzmilbe und Herbstmilbe

Grabmilben bohren Gänge in die Haut und legen dort ihre Eier ab. Beim Menschen verursachen sie die juckende Krätze, bei Tieren die Räude. Die Larven verschiedener Laufmilben, etwa der Herbstmilbe, können beim Menschen ebenfalls stark juckende Hautstellen auslösen.

Haarbalgmilbe

Haarbalgmilben (Gattung Demodex) leben in den Haarwurzeln von Säugetieren. Beim Menschen gelten sie als harmlose Mitbewohner, die sich vor allem von Hautfett ernähren.

Raubmilben als Helfer

Viele Raubmilben fressen Schädlinge. Im Weinbau, in der Landwirtschaft und im Gartenbau werden sie deshalb gezielt eingesetzt. Dafür züchtet man sie in Gewächshäusern.

Milben und Menschen

Hausstauballergie: Vor allem im Kot der Hausstaubmilben stecken Eiweißstoffe, die Allergien auslösen können. Eine Hausstaubmilbe gibt im Durchschnitt 20 Kotkügelchen am Tag ab. In einem Gramm Hausstaub stecken mehr als 250.000 davon. Wer darauf allergisch ist, leidet unter Niesreiz, laufender Nase und juckenden, tränenden Augen. Bei Kindern und Jugendlichen gehört die Hausstaubmilbenallergie zu den häufigsten Allergien. Mit mangelnder Sauberkeit hat sie nichts zu tun.

Schädlinge: Einige Milben gelten als Schädlinge in der Landwirtschaft. Mehlmilben befallen zum Beispiel Vorräte wie Mehl und Getreide.

Nützlinge: Im Boden sind Milben wichtige Helfer bei der Zersetzung. Raubmilben dienen als natürliche Schädlingsbekämpfer. Und einige Milbenarten werden sogar zur Herstellung eines französischen Käses, des Mimolette, verwendet.

Rekorde und Besonderheiten

Kraftprotz im Kleinformat: Die tropische Hornmilbe Archegozetes longisetosus ist kleiner als 1 mm und wiegt etwa 100 Mikrogramm. Auf einer rauen Fläche kann sie sich mit ihren Krallen so festhalten, dass sie dem 1.180-Fachen ihres Körpergewichts standhält. Das ist etwa fünfmal so viel, wie Forscher für ein Tier dieser Größe erwartet hatten, und mehr, als je bei den Krallen von Insekten gemessen wurde.

Uralte Tiere: Milben gibt es schon sehr lange. Die ältesten sicheren Milbenfossilien stammen aus dem Devon, einem Abschnitt des Erdaltertums, und sind rund 400 Millionen Jahre alt. In 230 Millionen Jahre altem Bernstein aus den Dolomiten wurden zwei Gallmilbenarten entdeckt, die schon viele Merkmale heutiger Gallmilben besaßen.

Häufige Fragen zu Milben

Sind Milben Insekten?

Nein. Milben gehören zu den Spinnentieren, genau wie Spinnen, Skorpione und Weberknechte. Erwachsene Milben haben acht Beine, Insekten nur sechs. Nur die jungen Larven vieler Milben haben sechs Beine.

Wie groß sind Milben und kann man sie sehen?

Die meisten Milben sind kleiner als 1 mm, Hausstaubmilben nur 0,1 bis 0,5 mm. Sie sind deshalb mit bloßem Auge nicht zu erkennen. Größere Milben wie Zecken sieht man dagegen gut, vor allem wenn sie sich vollgesogen haben.

Sind Zecken Milben?

Ja. Zecken sind eine Gruppe innerhalb der Milben. Mit knapp 900 Arten sind sie nur ein kleiner Teil davon, aber sie gehören zu den größten Milben überhaupt.

Beißen Hausstaubmilben?

Nein. Hausstaubmilben saugen, beißen und stechen nicht und übertragen keine Krankheiten. Probleme macht ihr Kot, weil er Stoffe enthält, die bei manchen Menschen eine Allergie auslösen.

Wie viele Milben leben in einem Bett?

In einer Matratze leben nach Schätzungen durchschnittlich zwei bis zehn Millionen Hausstaubmilben. Sie finden dort Wärme, Feuchtigkeit und Hautschüppchen als Nahrung. Das ist ganz normal und kein Zeichen für eine unsaubere Wohnung.

Was fressen Milben?

Das hängt von der Art ab. Es gibt Räuber, Pflanzensauger, Pilzfresser, Aasfresser und viele Parasiten, die Blut oder Gewebesaft saugen. Hausstaubmilben fressen abgestorbene Hautschuppen.

Ähnliche Tiere

  • Zecke - die größten und bekanntesten Milben
  • Spinnen - ebenfalls Spinnentiere mit acht Beinen
  • Weberknecht - Spinnentier mit sehr langen Beinen, weder Spinne noch Milbe
  • Skorpion - ein weiteres Spinnentier
  • Honigbiene - wird von der Varroamilbe befallen
  • Silberfischchen - lebt wie die Hausstaubmilbe in Wohnungen

Quellen